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Ausgabe:

1931 Nr. 18

Spalte:

414-415

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Arnim, Berndt von

Titel/Untertitel:

Studien zum altbulgarischen Psalterium Sinaiticum 1931

Rezensent:

Hofmann, Erich

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 18.

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Joseph hat dann die Leastämme auseinandergerissen und
J|t zu einem älteren Bruder des geringeren, kleineren
Benjamin neben ihm geworden, der neben ihm siedelte.
Die Zwölfzahl zeigt sich nun auch in anderen Listen, so
bei den Nachorsöhnen (Gen. 22, 20—24 J), bei Ismael
(Gen 25,13—16. P C), den Edomiterstämmen Gen. 36,
10—14J). Das Gleiche gilt von der Sechszahl Gen. 25,
2. J, sechs Ketura-Söhne; sechs (?) choritische Stämme
Gen. 36, 20—28. J). Auch hier handelt es sich anscheinend
um Völker, die es noch nicht zur Staatenbildung brach-

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gebieten des ägyptischen Reiches aufhielt. Dieser Bundesgott
ist der ursprünglich in einem Heiligtum von
oder bei Sichern „als Jahwe Gott Israels" verehrte Gott,
der mit der Lade verbunden war und mit ihr von Sichern
über Silo nach Jerusalem zog. Vor der Lade in Sichern
fanden also die jährlichen Amphiktyonenfeste statt unter
Darbringung der amphiktyonischen Opfer. Hier tagten
gewiß auch die Abgesandten der Amphiktyonie, um die
gemeinsamen Angelegenheiten zu beraten, die D^src:,
die den griechischen Hieromnemones entsprechen und

ten also üm verstaatlichte Einrichtungen. Es müssen auch in einer Zwölfzahl in der Liste Num. 1, 5—15 ent-
doc'h wohl Institutionen in der Organisation von Stamm- gegentreten. Diese altisraelitische Amphiktyonie wird
verbänden zu Grunde liegen, die bei Völkern ohne staat- auch — wie die griechische — ihr Amphiktyonenrecht

liehe Ordnung eine gewisse Rolle spielten. Was a.t.
Quellen uns über Israel und nun gar über seine Nachbarvölker
in dieser Hinsicht nicht sagen, zeigt uns nun aber
die ganz analoge Entwicklung in Griechenland, zeigen
uns dort die „Amphiktyonien" d. h. die Vereinigungen
von Stammverbänden (auch meist in Zwölf- oder Sechsgehabt
haben, und es ist möglich, daß davon noch etwas
in dem Bundesbuch, zum wenigsten in den religiös-sittlichen
Verboten desselben, zu finden ist. Daneben ist
noch ein Gewohnheitsrecht, sind v6|»ot aypaepot anzunehmen
, welche die Glieder der Amphiktyonie verpflichteten
. Das Vergehn gegen ein solches führte z. B. zu

zahlf die sich um die Stätte eines gemeinsamen Kult- ; dem Kampf gegen Gibea und die Benjaminiten, von

ortes gruppierten. Am bekanntesten ist von solchen
Amphiktyonien, die man auch in Italien und Etrurien
hatte, die pyläisch-delphische, zu der 12 Stämme gehörten
. Es spielte bei allen das zentrale Heiligtum als
Brennpunkt des sakralen Lebens eine Hauptrolle. Hier
fanden die periodischen Festversammlungen mit den
gemeinsamen Opfern statt, bei welcher Gelegenheit die
Stammesvertreter die „Hieromnemones" zu gemeinsamer
Beratung zusammentraten. Diese durch irgend eine gemeinsam
verlebte Vorgeschichte zusammengeführten
Stämme wurden also weiter zusammengehalten, wenn
auch das Band, das sie verknüpfte, recht locker war.
— Der Teil II sucht die Folgerungen zu ziehn und „die
altisraelitische Amphiktyonie" zu schildern. Mit einem
„idealen Band", das die im Übrigen ausschließlich ihr
Eigenleben führenden einzelnen Stämme in der Richterzeit
verband, ist nichts anzufangen. Auch der Druck
der Philisternot erklärt es nicht,' daß die Stämme sich
unter Saul zusammenschlössen, sintemalen die ostjordanischen
und galiläischen ihn kaum, höchstens indirekt zu
fühlen bekommen. Es muß eine Verbundenheit vorhanden
gewesen sein, die alle Stämme in dieser Lage hinter
Saul führt. Die kann nur auf dem Gebiete des Religiösen
d. h. aber für Altisrael des Kultischen gelegen
haben. Ein gemeinsamer Kult an einem gemeinsamen
Heiligtum ist als das Band anzusprechen — also eine
Amphiktyonie. Eine solche ist zunächst anzunehmen für
die 6-Leastämme, die vor Joseph (= Ephraim und Ma-
nasse) in das Land eindrangen, dort aus Sippen durch
die Siedlung im Lande zu Stämmen wurden und in einem
Zentralheiligtum (wohl in Sichern) den sie einenden
Mittelpunkt fanden. Der später, wohl durch den schon
vor ihm eingedrungenen Stamm Benjamin nachgezoge^

dem Rieht. 19—21 redet, wo wir gewiß einen alten
historischen Kern anzunehmen haben, worüber dann
Exkurs IV noch ausdrücklich handelt. Zu dieser Zwölf-
stämmeamphiktyonie der Richterzeit, die eine Verbindung
der israelitischen Stämme untereinander zu begründen
und aufrecht zu erhalten hatte, gehörte auch Juda
und Simeon. Allerdings bildeten diese mit 4 anderen
Stämmen (Kaleb, Othniel, Jerachmeel, Chain) eine besondere
6-Stämme-Amphiktyonie mit Hebron als kultischem
Zentrum. Diese Annahme würde die Eigenart
der Stellung der Südstämme erklären. Durch Juda und
Simeon war diese Amphiktyonie auch mit der Zwölf-
stämme-Amphiktyonie von Sichern verbunden. Daß eine
solche lose Verbindung vor David schon vorhanden war,
zeigt der Zug Sauls gegen das südlich von Juda gelegene
Amalek, den er doch im Interesse der Südstämme,
aber als König von Israel unternahm. Saul, nach Weise
der Richter noch als charismatischer Führer auftretend,
wird dann aber im Hinblick auf die schwere Philistergefahr
zum dauernden Führer, zum König. „Das ist
dann zugleich der Anfang vom Ende der Amphiktvonie
selbst" (S. 110). Denn das Entstehen und Wirken eines
Staates drängte naturgemäß einen solchen vorstaatlichen
Bund zurück.

Wenn David die Lade nach Jerusalem bringt, so
macht er Jerusalem — anstatt Sichern — zum kultischen
Mittelpunkt und zwar von Staats wegen und gibt damit
einer Bewegung den Anstoß, die sich in dem Deuterono-
mium und seiner Einführung vollendet.

Es sind sehr wichtige Fragen, die hier — ebenso
wie von Alt im Leipziger Reformationsprogramm 1930
„Die Staatenbildung der Israeliten in Palästina" — berührt
und in methodisch einwandfreier Weise behandelt

ne ifo^^^xh? der" von" Ägypten kam unrf unter j werden. Darum schien mir eine genauere Inhaltsangabe
Mose dTsinaffi setzte sich in das mittlere ' geboten. Daß Vieles nur Vermutung ist, betont der VerGebiet
der Leastämme, die also auseinandergerissen j fasser selbst häufig genug - so z. B. die Annahme, daß
wurden und schloß diesen - wieder in Sichern - die Lade einst m Sichern ihren Sitz hatte u. a. m. - Es
eben Amphiktyonenbund, der nunmehr 12 Stämme um- , ist bei de^ dur^hMater.al über dmse Dinge im A.T.
faßte Durch diesen wurden die Lea-stämme, die „vom [ kein Wunder. Doch kann und wird die Forschung dem
Euphrat kamen und anderen Göttern dienten" (Josua Ve?asn^^^

24 3f ) mit Joseph im Dienst Jahwes bei seinem Hei- ; und so sachgemäß behandelt hat Ich meine, er habe

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hgtum in Sichern zusammengefaßt, wovon Jos. 24 noch
deutlich Kunde gibt. Es könnte sein, daß die 6- bezugsweise
12-ZahI sich so erklärt (woran schon Ewald gedacht
), daß je ein Stamm sei es zwei Monate des Jahres,
sei es einen die Verwaltung des Heiligtums der Am-
phiktvonen in Händen hatte. Dieser Bund hatte das
Charakteristische, daß durch Joseph der Jahwe des Sinaj
zu d e m Bundesgott gemacht wurde. Und diese Zwölf-
stämmeamphiktyonie wurde mit dem Namen „Israel"
benannt, einen Namen, der vielleicht schon dem Bund
der 6 Leasöhne eigen gewesen war, darauf führt auch
wohl die Erwähnung von „Israel" in der Mernephtah

uns auf diesem Gebiete ein Stück vorwärts gebracht

Bonn- J- Meinhold.

Arnim, B. von: Studien zum altbulgarischen Psalterium
Sinaiticum. Leipzig: Markert & Petters in Komm. 1930. (VIII,
289 S.) gr. 8°. — Veröffentlichgn. d. Slavischen Instituts a. d. Friedrich
-Wilhelms-Universität Berlin, hrsg. v. Max Vasmer, 3. H. RM 16—.
Das Buch kommt aus der Leidener Schule des
Slavisten N. van Wijk, dem wir zahlreiche wertvolle
Untersuchungen über die Sprache verschiedener kirchen-
slavischer Texte verdanken. Und so ist auch dieses Buch
des Schülers gediegen und aufschlußreich für die sla-
okunH (- Isneh i vische Philologie, nicht für die Theologie. Denn es beStele
, che nicht/uf den iwK^^™ I 2S-u S-ii

gehn'kann, da „Joseph" damals sich noch in den Grenz- handelt die Struktur der Handschrift, ihre einzelnen