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Ausgabe:

1931

Spalte:

410-411

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bolkestein, Hendrik

Titel/Untertitel:

Theophrastos' Charakter der Deisidaimonia als religionsgeschichtliche Urkunde 1931

Rezensent:

Dibelius, Martin

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahreheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manoakriptt und ijelehrle Mitteilungen lind nuilchlienlieh an Profeaaor D. BAUER in Göttingen. Dauere Eichenweg 46. cu »enden,
Reiemionaeiemplare auiachliealich an den Verlag. Gewihr för Beaprechung oder Radtaendung »on unrerlangt graandten Reaenaion»-
eaemplaren, beaondera noch bei Znaendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
56. JAHRGANG, NR. 18__29. AUGUST 1931

Spalte

Acta Brandenburgica (Peper)........427

Aegidius Romanus: De ecclesiastica
potestate (Betzendörfer)..........423

Arnim: Studien zum altbulgarischen Psal-
terium Sinaiticum (Hofmann).......414

Back: Das mystische Erlebnis der Gottesnähe
bei d. heil. Theresia v. Jesus (Thimme) 426

Barth: Das Recht unserer Theologischen
Fakultät (Staehelin)............429

Beckmann: Studien zum Leben und literarischen
Nachlall Jakobs von Soest O. P.
(1360- 1440) (Betzendörfer).......424

Spalte

Bolkestein: Theophrastos' Charakter der
Deisidaimonia (Dibelius).........410

H o c e d e z : Aegidii Romani theoremata de
esse et essentia (Haenchen)........422

Jeremias: Das Evangelium nach Johannes
(Staerk)...................417

Meinertz u. Tillmann: Die Gefangenschaftsbriefe
des heiligen Paulus (Bauer). 416

N o t h: Das System der zwölf Stämme Israels
(Meinhold).................411

Pf ister: Die Religion der Griechen und
Römer (Bauer)...............409

Spalte

Rehmke: Philosophie als Grundwissenschaft
(Schumann).............427

Schäfer: Das Schuldbewußtsein in den
Confessiones des heil. Augustinus (Thimme) 420

Schul tze: Altchristliche Städte und Landschaften
III. Antiocheia (Bauer)......418

Stuhlfauth: Die Bildnisse D. Martin
Luthers im Tode (Knevels)........425

Tillmann: Das Johannesevangelium (Bauer) 416

W a 1 c h e r: Beiträge zur Geschichte der
Bayerischen Abtswahlen (Schornbaum) . . 425

Zu ThLZ 1931, Sp. 7 — 10 (Dalman) .... 416

Pflster, Friedrich: Die Religion der Griechen und Römer. Bolkestein, Prof. Hendrik: Theophrastos' Charakter der

Mit einer Einführung in die vergleichende Religionswissenschaft. Dar- ; Deisidaimonia als religionsgeschichtl. Urkunde. Gießen i A. Töpel-

stellung und Literaturbericht (1918—1929/30). Leipzig: O. R. mann 1929. (III, 81 S.) gr. 8°. = Religionsgeschichtliche Versuche

Reisland 1930. (X, 424 S.) 8°. == Jahresbericht über d. Fortschritte , u. Vorarbeiten XXI. Bd., 2. Heft. RM 6—.

d. klass. Altertumswiss., begr. v. C. Bursian, hrsg. v. k. Münscher. c- „ , ja.____.„u..__,i__u„ i„..».. j »->••_,•

Supplementband. Bd. 229. RM 21-. u . E'ne Untersuchung der Bedeutung des Deisida.mon

Für Thenlnoen die relioionsoesrhirhtlirh inter bei TheoPhrast und ein Kommentar zu dem betreffenden

• V". 7 u ! rs7 • ^"Pon^geschichtlich "n«r- Abschnitt der x«t'««fn»r; auf Grund der modernen re-

essiertsmd, ha: Pf ister in seinem die Jahre 1918-1930 Ugionsgeschichtlichen Forschungen darf des Interesses

umfassenden Literaturbericht ein sehr inhaltreiches und , £h * { B. untersucht zunächst das WorttounZZ.

nützliches Werkzeug geschaffen. 3-4000 Arbeiten von w ., . ungünstige Bedeutung erst bei Theophrast

1550 Autoren werden besprochen oder doch genannt. für unser Af sichtbar wird, gilt noch immer die Mei

Der Gefahr, zum trocknen Berichterstatter zu werden, ) daß di« Bedeutu e'rst aus der Zeit und dem

ist Verf. dadurch entgangen, daß er mit der Literatur
Vorführung eine selbständige Darstellung antiker Reli-
gionsgeschichte und eine Erörterung der Hauptprobleme
sowie der Fragen der Methodik verknüpft hat. Pf. hat
den Rahmen so weit gespannt — weder die Hethiterfrage
noch die Freudsche Theorie fehlen —, daß man
sich fast wundert, den Schallanalytikern, die sich doch
auch religiöser Texte angenommen haben, nicht zu begegnen
. Doch vielleicht sind sie mir entgangen; und
jedenfalls fühle ich keinerlei Beruf, den Verf. auf
„Lücken" aufmerksam zu machen. Ich räume ihm ohne
weiteres das von ihm in Anspruch genommene Recht
ein, sich über Kritiker lustig zu machen, die ihm, der
fast ein Jahrzehnt gesammelt hat, mit „Nachtragen"
kommen wollen.

Auch hat er sich durch seine zusammenfassende

Kreise des Theophrast stamme. B. bestreitet sehr richtig
den Wert eines solchen argumentum e silentio und
weist darauf hin, daß für uns gerade diejenige Literatur
fast völlig verloren ist, der man einen solchen Bedeutungswandel
am ehesten zutrauen würde: die Schriften
der Sophisten und älteren Kyniker. Übrigens stellt B.
fest, daß sowohl Saiptov in dem Wort ÖEioiöa(|i<ov als
auch öaipöviov im ersten Satz des xaea*T1ie nicht im
Gegensatz zu den Göttern steht, sondern das Göttliche
im ganzen Umfang der Bedeutung einschließt. Diese
Deutung müht sich der Kommentar zu bestätigen, indem
er nachweist, daß der taunfatuarv in Theophrasts Sinn
nicht etwa durch seine Angst vor Dämonen charakterisiert
wird, sondern durch ein bestimmtes Verhältnis zu
den Göttern. Wenn man fragt, worin der taataffMw

nat er sien auren seine luoa.iiii.uiia^uug i gjcn nun von dem Frommen unterscheide, so gibt B. im
Darstellung der griechischen und röm!^c01^n Religion in . Anscniuß an Appian und Strabon die Antwort: durch
C Clemen, Die Religionen der Erde 19/7, sowie durch i -xatoo? teooeßsui und die eji'i «Wov «Eewma tüv
Behandlung zahlreicher Einzelfragen in selbständigen i ft£ÖV Also ist die genäufte und übertriebene Befolgung
Büchern, Aufsätzen und Beiträgen zu Sammelwerken j der rituellen Pflichten das, was den feunftaüuDv aus-
(Pauly-Wissowa, Religion in Geschichte und uegenwart , macnt. Es paßt dazu, wenn B. den Kommentar ganz
Handbuch des deutschen Aberglaubens) hinreichend aus- , ^ dje Frage konzentriert, was der oeioiöauuov Beson-
gewiesen, um Zutrauen zu seiner Arbeit verlangen zu j deres (gegenüber dem Frommen) tue. Er glaubt fast
dürfen. Titelnennung und kurze Inhaltsangabe wachst . imrner nachweisen zu können, daß die vom oeioiöolutov
sich in wichtigeren Fällen zu andeutender oder aus- j geQbte Praxis an sich auf einem auch von anderen be-
geführterer Kritik aus. Dankenswert sind auch die den j f0gien Brauch beruhe, und das Auffällige der öeioriW
Schluß bildenden ausführlichen Register. Ich glaube, Pt. ^ovia nur jn der Häufung ohne Veranlassung bestehe,
kann des Dankes zahlreicher Benutzer gewiß sein. Im allgemeinen scheint mir der Nachweis erbracht zu

Göttineen. _w- Bauer. sejn) daß es nur die Betriebsamkeit ohne Anlaß ist, die

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