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Ausgabe:

1931 Nr. 17

Spalte:

392-394

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Horstmeier, Marie

Titel/Untertitel:

Die Idee der Persoenlichkeit bei Immanuel Hermann Fichte und Christian Hermann Weisse 1931

Rezensent:

Stephan, Horst

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 17.

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endlich in seiner Stellung am Hofe des Statthalters, die
ihn zum einflußreichsten Manne in der gesamten niederländischen
ref. Kirche machte. Dieser sein Aufstieg
und seine in ihm sich entfaltende christliche Persönlichkeit
hätte im Mittelpunkt der Arbeit H.'s stehen müssen.
Dazu hätte vor allem der noch reichlich vorhandene
Briefschatz Rivets ausgenutzt werden müssen. Wie viel
für die ganze Kirchengeschichte Wertvolles wäre bei all
den Männern und Sachen in jener „Blütezeit Holland's",
mit denen R. in Berührung stand, hervorgetreten! —
Also das Biographische hätte mehr in den Vordergrund
treten müssen! Zu dieser allgemeinen Ausstellung gesellen
sich noch andere weniger wichtige. Die Anmerkungen
sind etwas breit geraten; viele ihrer Angaben
hätten in den Text gehört. H. knüpft gern auch an die
deutsche kirchen- und dogmengeschichtliche Literatur an;
aber merkwürdig, die Schriften der deutschen Reformierten
scheint er nur wenig zu kennen. Z. B. bringt er
den Schriftausleger R. mit Luther in Verbindung und
zitiert Holl's Aufsatz über seine Bedeutung für den
Fortschritt der Auslegungskunst. Dagegen hat er keine
Kenntnis von meinem Werk über Butzer und versäumt
daher, die nächste Parallele zu R.'s Kommentaren heranzuziehen
. Wie viel Ideen zur Würdigung der Exegese
und der Schriftbetrachtung R.'s hätte H. aus der Theologie
Karl Barth's — man mag sonst über sie urteilen,
wie man will — schöpfen können! Doch das alles ist
vielleicht von dem jungen Verfasser zu viel verlangt.
Wir müssen dankbar sein für das, was seine fleißige
Arbeit uns bietet. Ihr Hauptverdienst ist, daß sie auf
A. Rivet aufmerksam macht: dieser reformierte Orthodoxe
verdient es, daß wir ihn näher kennen lernen.
Halle a. S._A. Lang.

Hesse, Lic. H. Klugkist: Petrus Cflrtenius 1607—1619 Pastor

in Elberfeld. Eine Führergestalt d. niederrhein. Kirche aus ihren
Anfangstagen. Elberfeld: Buchh. d. Erziehungs-Vereins Chr. Buyer
1928. (72 S.) 8°. = Abhandlungen u. Vorträge zur Oemeindegesch.

RM 1—.

Das Lebensbild, das H. von seinem Amtsvorgänger
entwirft, darf deshalb ein weitergehendes Interesse beanspruchen
, weil hier (S. 53 ff.) die Frage nach dem
Verfasser des 1622 in Cleve anonym erschienenen Anti-
Bolsecus ihre endgültige Klärung gefunden hat. Aus
der Unterschrift der Vorrede (M. W. T. E. C.) hatte einst
von Steinen gefolgert, der Verfasser sei Magister Werner
Teschenmacher Ecclesiastes Clivensis gewesen. Demgegenüber
haben bereits Recklinghausen in seiner Reformationsgeschichte
und der Duisburger Johann Hildebrandt
Withof, sowie in neuerer Zeit Alfred Erichson
nur die Vorrede auf Teschenmacher zurückgeführt, das
Werk selbst aber dem mit ihm befreundeten Cürtenius
zugeschrieben. Nun hat Professor van Schelven in
Amsterdam die 1662 in Harderwyk erschienene holländische
Übersetzung, die noch Krafft vergebens gesucht
hatte, ausfindig gemacht, und H., der (S. 61) das
Titelblatt dieser Ausgabe in Facsimile mitteilt, stellt
fest, daß hier in der Tat Cürtenius ausdrücklich als
Verfasser genannt ist. H. versucht auch, aus den Zeitverhältnissen
einleuchtend zu machen, warum der Name
des Autors, der das Buch bereits im Winter 1614/15 geschrieben
hatte und 1619 gestorben war, beim ersten
Erscheinen unterdrückt wurde.
Münster (Westf.). K. Bauer.

Bechler, Theodor: Heinrich August Jäschke. Eine Studie.

Herrnhut: Missionsbuchhandlung 1930. (72 S.) gr. 8°. RM1.50.
Ders.: Samuel Kleinschmidt. Eine Studie. Ebda. 1930. (76 S.) gr.8°.

RM 1.50.

= Herrnhuter Missionsstudien. Hefte zur Missionskunde, hrsg. v.
d. Missionskonferenz der Brüdergemeine, Nr. 25 u. 26.

Die beiden Hefte sind als Gaben gedacht zur 200-
Jahrfeier der Brüdermission am 21. Aug. 1932 und
insofern recht glücklich gewählt, als sie Lebensbilder
von Männern zeichnen, die auch außerhalb der Brüdermission
weithin bekannt wurden. Gehört doch der
„geniale Sprachforscher" Jäschke zu den ersten wissenschaftlichen
Bearbeitern der tibetischen Sprache in Aufsätzen
zur Phonetik, durch die Herausgabe einer Grammatik
und zweier Lexika; was vor allem auch seiner viel
benutzten Übersetzung des Neuen Testaments zu gute
kam. Obwohl Jäschke's Bedeutung heute allgemein anerkannt
ist, fand er doch zu seiner Zeit wenig Beachtung
; umso mehr hat er diese freundliche Würdigung
verdient, die für das Tibetische von Missionar Ribbach
ergänzt wurde.

Eine eigenartige Gestalt war der „Sprachmeister
i Grönlands", Samuel Kleinschmidt, dem die zweite Studie
des Herrnhuter Missionsinspektors Bechler gilt. Auch
Kl. verdankt die Wissenschaft zwei grundlegende sprachliche
Arbeiten: eine Grammatik der grönländischen
Sprache und ein grönländisch-dänisches Lexikon. Kleinschmidt
war in den dänischen Missionsdienst übergetreten
und es ehrt die Brüdermission, daß sie über alle
i einstigen Zwistigkeiten hinweg des seinen Grönländern
i unvergeßlichen Missionars sich erinnert. Die beiden an-
i spruchslosen Hefte sind ein Beweis dafür, wie viel
■ missions- und religionsgeschichtlich wertvolles Material
j noch in den Archiven vergraben liegt und wir wären sehr
j dankbar, wenn der Verfasser uns noch weitere Gaben
darreichen wollte, so vor allem eine noch fehlende Mo-
i nographie über den bedeutenden Mongolenforscher und
j Buddhologen Jakob Jsaak Schmidt, der schon auf S.
i 53 f. in der Studie über Jäschke kurz erwähnt wird.
München. R. F. Merkel.

Rothacker, Prof. Dr. Erich: Einleitung in die Geisteswissenschaften
. 2., photomechanisch gedr., durch ein ausführl. Vorwort
ergänzte Aufl. Tübingen: J. C. B. Mohr 1930. (XXIII, 288 S.)
gr. 8°. RM 12- ; geb. 15—.

R.s Buch, das in der 1. Auflage 1920 (vgl. ThLZ. 1921
Sp. 138 f.) erschienen ist, hat sich viele Anerkennung
i erworben durch die gründliche Kenntnis der Arbeiten
1 der „historischen Schule", die seit Hegel und neben ihm
I aus dem Geist der Spätromantik geboren, die wissenschaftliche
Arbeit in der Theologie, Rechtswissenschaft,
politischen Geschichte und Kunstgeschichte befruchtet
! hat. R. sucht „die heimliche Geistesphilosophie der
: historischen Schule zu entwickeln und aus ihrer Kraft
heraus die theoretische Philosophie des Geistes zu be-
j fruchten". Da das vorliegende Buch, auf Diltheys
1 Anregungen fußend, eine wesentlich historische Dar-
' Stellung enthält, hat R. inzwischen in seiner „Logik und
Systematik der Geisteswissenschaft", 1926 in dem Handbuch
der Philosophie erschienen, die systematische Er-
i gänzung dazu geschrieben. R. zeigt, daß jede Ge-
! Schichtsdarstellung in einer Gesamtbetrachtung wurzelt,
| die er in die 3 von Dilthey herausgearbeiteten Typen
i der Weltanschauung einordnet. Für die Theologie dürfte
i daraus folgen, daß es unmöglich ist, die rein empirische
Forschung von einer über ihr schwebenden Glaubensbetrachtung
streng zu sondern. — Da der Text der 1.
Aufl. photomechanisch reproduziert wird, fügt R. in
I einem Vorwort die Bücher an, welche seit 1920 erschienen
sind und geeignet sind, die Erfassung der
historischen Schule „von Herder bis Dilthey" zu fördern.
U. a. werden die großen Werke von Tröltsch, v. Below,
Wach genannt, vor allem auch die zur Problemstellung
„Reformation und Idealismus" erschienenen Arbeiten
sowie die Einzelforschung über die großen Historiker
des 19. Jahrhunderts.
Basel. Johannes Wen dl and.

Horstmeier, Lic. Marie: Die Idee der Persönlichkeit bei

Immanuel Hermann Fichte u. Christian Hermann Weiße. Göttingen:
Vandenhoeck & Ruprecht 1930. (171 S.) gr. 8°. = Studien z. systemat.
Theologie hrsg. v. A. Titius u. G. Wobbermin. H. 4. RM 9—.

Die Auseinandersetzung mit dem 19. Jahrhundert
nötigt dazu, seine Konturen und inneren Verwicklungen
schärfer als bisher ins Auge zu fassen. So wenig wie
der „Deutsche Idealismus" läßt „der Geist des 19.
Jahrhunderts" sich ohne weiteres als Einheit betrachten.
Diese Einsicht gibt auch dem eigentümlichen Prozeß