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Ausgabe:

1931 Nr. 1

Spalte:

365-366

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Internationale kirchliche Zeitschrift; 20. Jahrg. 1931

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 15/16.

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allzu weitgehende Anlehnung an Rom zeigten. Das Abendmahl nimmt
heute keine zentrale Stellung mehr im Gottesdienst ein, wenn auch in
neuerer Zeit die Zahl der Abendmahlsgäste langsam steigt.

Wenn der Verfasser zum Schluß meint: „Die verschiedenen
Arten der Sakramentserneuerung sollen nicht
nur von einander lernen, sondern sich auch gegenseitig
helfen, ihr Festhalten an der alten Tradition
des Christentums zu vertiefen" so können wir
hei allem Dank für sein instruktives und mit größter
Sachkenntnis gearbeitetes Werk ihm in diesem Gesichtspunkt
doch nicht beistimmen, weil wir der Überzeugung
sind, daß auch in der Sakramentslehre und Sakramentspraxis
die Reformation den Grund gelegt hat
zu einer ganz neuen Entwicklung, die wieder zurücklenkt
zu den allerersten Anfängen, und die auch heute noch
nicht abgeschlossen ist.

Dortmund. H. Goetz.

Internationale kirchliche Zeltschrift. Neue Folge der „Revue
internationale de Theologie". 20. Jahrg., 1930, 4 Hefte. Bern:
Stämpfli & Cie. (264 S.) gr. 8°. 12.50 Fr.

Ich habe hier zu wiederholten Malen über diese
altkatholische Zeitschrift berichtet, seit ihrem 11. Jahrgang
1921 (dem 29. der „ganzen Folge", d. h. der
ursprünglichen, 1892 eröffneten oben bezeichneten „Revue
"); s. zuerst 1922, Col. 475/76 (im Register dieses
Jahrgangs ist durch ein Versehen die Anzeige nicht verzeichnet
), dann 1929, Col. 372—375 (über 12.—18.
Jahrg.), 1930, Col. 477/78 (19. Jahrg.). Was ich 1929
besonders ausführlich darlegte, gilt noch immer, da darf
ich mich wohl auch jetzt, wo ich zum letzten Male über
sie berichte, doch wie im vorigen Jahre, kurz fassen.
Auf jedem Heftumschlage bemerkt die Zeitschrift selbst,
daß sie „den Zweck verfolgt, den romfreien katholischen
Kirchen und Bewegungen als Organ zu dienen für
wissenschaftliche Behandlung aktueller theologischer
Fragen, sowie für dokumentierte Berichterstattung über
die kirchlichen Vorgänge der Gegenwart". Ihr gegenwartiger
„Leiter" ist der Professor der „katholischtheologischen
Fakultäten der Universität Bern" Dr.
Adolf Küry. Auch im neuen Jahrgang verfolgt die
Zeitschrift natürlich besonders die oekumenische Bewegung
und überhaupt alles was Friedensbestrebungen
kirchlicher Art heißen mag. So bringt sie einen Aufsatz
„Zur Weltkonferenz für Glauben und Verfassung"
d. h. sie berichtet über die „Fragen", die der „Fortsetzungsausschuß
der Lausanner Konferenz", der auf
Maloja (Engadin) tagte, hinausgegeben. Ferner sind die
Lambethkonferenzen Gegenstand von Besprechungen:
Desgleichen „Das südindische Unionsschema im Urteile
der Theologen" (S. 81—102): der Verfasser, K.
Neu haus-Basel, hatte 1929, Heft 3, S. 157-173,
über die Bewegung in Südindien berichtet, er gab dort
ein Bild der Missionsgeschichte des weiten Landes und
stellte fest, daß die von Rom getrennten „syrischen"
Christen (die Reste der Nestorianermission), die Angli-
kaner und die Protestanten sich in 40 verschiedene Denominationen
(bei fast 1,400,000 Seelen) gespalten
hätten. Seit 1919 sind da Unionsbestrebungen, allerdings
doch nur eines Teiles dieser Christen, im Gange
(speziell die „Syrer", 320 000 Seelen, tun nicht mit);
es sind die Anglikaner, Wesleyaner und reformierten
Kirchen (zumal der Niederlande: alles durch die Missionen
gewonnene Inder), die ein „Unionsschema" vereinbart
haben. „Fertig" ist noch nichts. In oben bezeichnetem
Aufsatz berichtet Neuhaus über die Äußerungen
namhafter (besonders englischer, doch auch
griechisch-orthodoxer) Theologen.

Ich kann nicht alles berühren, was der Jahrgang
1930 vorbringt. Die Zeitschrift bringt auch (sehr gemischte
, zufällige) Anzeigen von theologisch-wissenschaftlichen
Büchern. Und auch entsprechende Aufsätze

1—23) ist auch in Sonderausgabe erschienen (Buchhandlung
der Evangelischen Gesellschaft in Bern, 1930).
Ich vermerke das, ohne mir das Recht zuzuschreiben,
über die Arbeit zu urteilen.

Halle. F. Kattenbusch.

Orient und Occident. Blätter f. Theologie und Soziologie. In
Verbdg. m. N. Berdjajew hrsg. v. F. Lieb tt. P. Schütz. 4. H.:
Der russische Geist in Kampf um seine Existenz u. d. Protestantismus.
Leipzig: J. C. Hinrichs 1930. (96 S.) gr. 8°. RM 5—.

Ich habe, die früheren Hefte zusammenfassend
und die Geisteshaltung speziell der russischen Emigranten
, die man darin erkennen lernt, charakterisierend,
hier 1 9 30 Nr. 2 0, schon darzulegen gesucht, worin
das Interesse dieser „Hefte" bestehe. Dabei habe ich
eingehend mich darüber ausgesprochen, wie ich das
Verhältnis des Christentums, der „Kirche" des Ostens
und des Westens, speziell der russischen Orthodoxie
und des Protestantismus beurteile. Über dieses Verhältnis
kann nur der richtig urteilen, der die Kirchen- und
zumal die D o g m e n geschichte gründlich kennt und
für die „Konfessionskunde" fruchtbar zu machen
sucht. Die Russen zeigen da wenig Kenntnis. Die Anzeige
, die ich bezeichnet habe, ist umfangreich, ich hatte
die Absicht, da gewissermaßen abschließend mich auszusprechen
(bei allem, was ich noch schreibe, muß
ich mir ja sagen, daß es vielleicht das „letzte" für
mich sei); ich gedenke nicht, in gegenwärtiger „Anzeige
", mich zu wiederholen. Das „4. Heft" ist jener
Anzeige zu rasch gefolgt, als daß ich erwarten könnte,
irgendeiner der Verfasser in ihm sei in der Lage gewesen
, darauf schon Rücksicht zu nehmen. Ich hoffe,
in weiteren Heften doch vielleicht sogar selbst noch zu
sehen, daß ich nicht pro nihilo geschrieben habe. Eine
rechte Freude war mir, daß die „Theolog. Blätter
" (herausgeg. von K. L. Schmidt) in der 12.
(der Dez.-)Nummer 1930 Sp. 354 einen wortgetreuen Abdruck
der zwei Hauptabschnitte meiner „Anzeige" brachten
. Man wird aus allem, was ich geltend gemacht
habe, ersehen, daß ich nicht im entferntesten, beabsichtige
, ernste, echte orthodoxe Russen herunterzusetzen
. Die Neuzeit, das letzte Jahrhundert hat gezeigt
, wie tiefsinnende, feine Geister unter ihnen waren,
und unter den Emigranten von heute fehlt es nicht an
solchen. Die bisherigen Hefte von „Orient und Occident
" haben mir nur edele Russen gezeigt. Aber diese
Russen verstehen uns Protestanten nicht.
Und ihre eigene ehrwürdige Kirche, deren „Dogma"
und „Frömmigkeit" verstehen sie auch historisch nur
auf einer Linie. Die Kirchen- und Dogmengeschichte
zeigt aber auch Linien, die über sie hinausführen
(so gewiß ihre Linie auch eine „christliche" [ nur
allzu piatonisierte! ] ist). Es ist begreiflich, daß Männer
wie Berdjajew usw. sich seelisch stärken an ihrer
„nie gebrochenen", wie sie meinen, innerlich voll
mit der „Urgemeinde" verbunden gebliebenen Kirche
. Sie sehen eben nicht, wie petrefakt diese geworden:
aus ihrer schrecklichen Not heute wird sie vielleicht doch
eines Tags „anders" erstehen und dann „mehr" sein
als unsere empirisch wahrlich nicht „große" evangelische
Kirche.

Ich darf mich nach allem diesmal, mit Bezug auf
das „4. Heft", kurz fassen. Es bietet wieder des
Interessanten genug. Mir selbst war am wertvollsten
der große Abschnitt (S. 63—84), der sich
als „C h r o n i k" bietet. Das meiste darin betrifft Rußland
. Aber auch die Stücke, die „Rußland -1 n d i e n"
(S. 74—78) und „Rußland - C h i n a" (S. 78—84) betreffen
, auch sie (natürlich) unter dem Gesichtspunkt
der Einwirkungen des Bolschewismus auf die Riesenländer
Asiens, das „Erwachen" dieses Erdteils, sind
sehr willkommen. Ein Urteil habe ich da ja nicht' karn

Der von E. Gau gier, der das 1. Heft eröffnet, „Die nicht etwa feststellen, ob die Berichte (großenteils Zei
Verwandlung der Menschen und der Welt, ein Grund- tungsausschnitte) „genügen", sie sind jedenfalls lehr"
gedanke der paulinischen Theologie" (S. | reich. Auch wer das „Notbuch der russischen Christen"