Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1931 Nr. 1

Spalte:

18-20

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Leisegang, Hans

Titel/Untertitel:

Religionsphilosophie der Gegenwart 1931

Rezensent:

Kesseler, Kurt

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

17

Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 1.

18

Handbuch der evangelischen Presse. Im Auftr. d. Vereinigg.
Evangel. Buchhändler bearb. v. Q. Kauft mann d. Ae. t unter
Mitwirkg. v. A. H i n d e r e r. 2., wesentl. erw. Aufl. v. „Verzeichn.
d. Evangel. Presse". Leipzig: H. Q. Wallmann 1929. (XXIV, 363
S.) 8°. RM 16—.

Zwei Jahrzehnte nach dem 1908 erschienenen
„Verzeichnis der Evang. Presse" wird hier wieder
der Versuch gemacht, „den Qesamtbestand des evangelischen
periodischen Schrifttums in Deutschland und
den angrenzenden deutschen Sprachgebieten nach seinen
äußeren Merkmalen zu erfassen". Eine Riesenarbeit
bei dem Fehlen jeder amtlichen oder privaten Stelle, die
ein halbwegs zureichendes Wissen um den Bestand dieser
Literatur besessen hätte. Der im Titel genannte
Buchhändler und nach ihm der Inhaber der Firma Wallmann
-Leipzig, Gustav F i c k haben die Bestandsaufnahme
und der letztgenannte die Herausgabe durchgeführt
.

Die außerordentlich wertvolle Einleitung des führenden
Fachmannes auf diesem Gebiet, Univ.-Prof. D.
H i n d e r e r , des Leiters des Ev. Preßverbandes und
Herausgebers des „Ev. Deutschland", behandelt den
„,Lebensstand der evangelischen Presse". In meisterhafter
Kürze werden die Probleme dieses Schrifttums
entrollt: Die erzwungene Beschränkung auf dasjenige
Zeitschriftengut, das sich schon rein äußerlich und dem
Titel nach als evangelisch bekennt, obwohl evangelischer
Geisteseinschlag viel weiter reicht; die Frage der Streuweite
, der Publizität und Intensität der auf etwa 4000
Erscheinungen mit 16—17 Millionen Auflage geschätzten
evangelischen Presse; ihre Einschätzung gegenüber
der katholischen Presse, wobei sich bei allem Reichtum
in einzelnen Abteilungen auf jener Seite doch ein bemerkenswerter
Vorsprung auf evangelischer Seite ergibt
; endlich die rechte Würdigung des „innern Lebensstandes
", wobei die Form, die inhaltliche Höhenlage,
das Verhältnis von Kraftaufgebot und Wirkung besprochen
werden. Dabei tritt die führende und wegweisende
Arbeit des „Ev. Pressverbandes für Deutschland
" gebührend ins Licht. Es werden aber auch die
Nöte dieses Schrifttums, die übergroße Spezialisierung
und Aufspaltung, der Mangel großer, auch nach der
Öffentlichkeit hin eindrucksfähiger Organe deutlich gekennzeichnet
und richtige Pressepolitik und Planwirtschaft
gefordert. Man könnte bedauern, daß keine Namen
genannt und keine speziellen Zensuren erteilt sind,
sodaß der Nichtfachmann vor der Fülle der nachfolgenden
Übersichten doch wieder in Verwirrung geraten
kann. D. Hinderer hätte allerdings in erster Linie das
von ihm beeinflußte Schrifttum zu nennen gehabt.

Ein statistischer Teil orientiert dann über Gesamtzahl
und Auflagen höhe der selbständigen ev.
Blätter, zeigt diese nach Landesteilen, nach Inhalt,
Zweck und Aufgabe, nennt die Zahl der Stammblätter
mit Sonderausgaben, die Blätter über 100 000 Auflage,
die ältesten Blätter bis 1848 und gibt endlich in einer
sehr interessanten Tabelle Zahlen über die Blättergründungen
von 1814 bis zum 1. Vierteljahr 1929.

Die Hauptarbeit steckt im nachfolgenden alphabetischen
Verzeichnis, das den genauen Titel,
Herausgeber, Schriftleiter, Verlag, Geschäftsstelle, Angaben
über Anzeigen, Beilagen, Besprechungen und
Auflagenhöhe bringt. Bei einer Anzahl von Erscheinungen
sind Selbstanzeigen in Fettdruck beigefügt, die
maßvoll gehalten sind und nicht ohne Wert sein mögen,
aber doch das Gesamtbild eher verzerren. Die Übersicht
umfaßt auch die abgetretenen und abgetrennten
Gebiete, Österreich, die Schweiz, die übrigen europäischen
Staaten und Amerika, Afrika und Asien. Hier
werden noch Lücken klaffen. — Ein angefügtes Verzeichnis
nach Landesteilen erleichtert den Gebrauch dieser
alphabetischen Übersicht.

Das systematische Verzeichnis erstreckt sich
auf die theologische Fachpresse, Blätter fürs praktische
Pfarramt, Kirchenzeitungen und Amtsblätter, Pfarrervereinsblätter
, Kunst, Kirchenmusik, religiöse und kulturelle
Fragen, Predigt-, Bibellese-, Sonntags-, Gemeinde
- und Synodalblätter, Äußere und Innere Mission,
Diaspora und Ev. Bund, Erziehung, Kinderblätter, Jugendarbeit
, Frauen-, soziale, Berufsblätter, Gemeinschafts
- und freikirchliche Blätter, endlich Nachrichtenblätter
für die Presse. Aus dieser Fülle schon blickt der
Wert dieser Zusammenstellung, die das ev. Schrifttum
sozusagen im Profil zeigt. Vollständigkeit ist hier wohl
sehr schwer erreichbar.

Ein Verzeichnis der Stammblätter, die auch
in Sonderausgaben erscheinen (bei einigen Blättern
gehen diese Sonderausgaben in die Hunderte!), erweckt
ernste Gedanken bei der Erinnerung an die ungeheure
Zersplitterung, von der das alphabetische Ver-

I zeichnis Kunde gibt. Allen Kirchenregierungen, Pressereferenten
, Kirchenpolitikern, allen Kritikern muß dieser
Teil besonders eindrucksvoll sein. Er zeigt die Möglichkeiten
und — Versäumnisse evangelischer und kirchlicher
Pressepolitik. Die Auflagenzahlen dieser Blätter

I bedeuten eine gewaltige Verantwortung ihrer Herausgeber
und die starke Forderung an die Kirche, der Zersplitterung
und Doppelarbeit auf diesem Gebiete zu wehren
und die „Erarbeitung verbindlicher Losungen und
ihre Durchsetzung in dem großen Kampf der Geister,
den der Protestantismus in dieser geschichtlichen

| Stunde zu bestehen hat" (Hinderer), dadurch zu ermög-

, liehen.

Ein Anhang nennt die in evangelischen Kreisen
gelesenen Kunst- und Literaturblätter, Blätter zur Heimatpflege
und Unterhaltung, Tageszeitungen, ev.-christ-

, liehen und allgemeinen Jahrbücher und Kalender, sowie

j die buchhändlerischen Verlagsfirmen der angeführten
Blätter. Hier tritt die Schwierigkeit der Abgrenzung
wieder hervor, nicht minder die der Beurteilung, da die

j kurzen Bemerkungen unter einzelnen Erscheinungen wieder
Selbstempfehlungen darstellen.

Die evangelische Presse ist Schöpfung und Chaos.
Sie arbeitet noch viel zu sehr unter Ausschluß der

| Öffentlichkeit, hinter Mauern und in Einzelzellen. Nur
ein kleiner Kreis von Wissenden hat die rechte Ver-

! gleichsmöglichkeit und infolgedessen ein zutreffendes
Urteil. Das vorliegende Werk ist ein unentbehrlicher

j Atlas der Blätterkunde. Es muß gelingen, durch bessere
Hervorhebung der „Höhenunterschiede", der „Stromsysteme
", der „Bevölkerungsdichte" und anderer Besonderheiten
das „Handbuch" zu einem unentrinnbaren
Kriterium und zu einem unwiderstehlichen Impuls des
Fortschritts zu gestalten.
Berlin-Charlottenburg. Lic. Dick.

Leisegang, Prof. Dr. Hans: Religionsphilosophie der Gegenwart
. Berlin: Junker & Dünnhaupt 1930. (V, 102 S.) gr. 8". =
1 Philosophische Forschungsberichte, 3. RM 4.50.

Ein Durchblick durch die Religionsphilosophie der

j Gegenwart wird immer auf die eigentümliche Schwierig-

j keit stoßen, eine Gliederung zu schaffen, die weder
Wesentliches übersieht, noch Zusammengehörendes zerreißt
, noch sich wiederholt. Wenn nun unser Verfasser

I seinen Stoff erst nach konfessionellen Gesichtspunkten
(jüdisch, katholisch, protestantisch) und dann nach

I philosophischen Gesichtspunkten (neukantisch, wertphilosophisch
, metaphysisch, realistisch, empirisch-psychologisch
, phänomenologisch) ordnet, dann erhebt sich
das Bedenken, daß die jüdische Religionsphilosophie
(wesentlich Cohen) zur neukantischen Religionsphilo-

J sophie, die katholische, wie der Verfasser selber sagt,
wesentlich zur realistischen Religionsphilosophie gehört
und daß die protestantische Religionsphilosophie (vye-

| sentlich die „Dialektiker") als besondere philosophische
Gruppe gezählt werden könnte, zumal viele der
als philosophisch gezählten Religionsphilosophen

] gut evangelisch sind. So wird also die konfessionelle
Gruppe überflüssig und geht in den philosophischen
Teil ein. Die ganze Anlage des Buches ist daher

i nicht sehr glücklich. Es wäre besser gewesen, die Dar-