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Ausgabe:

1931 Nr. 1

Spalte:

345

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Erbt, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Der Anfänger unsers Glaubens 1931

Rezensent:

Schlier, Heinrich

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Seite 1

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345

Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 15/16.

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Erbt i n vtrihHm- Der Anfänger unseres Glaubens. Eine ! gelist V. 6—8 eingeschoben hat, um gegen die (messia-

Un^rsuchung T Überlieferung der Evangelien Leipzig: Eduard „ische) Verehrung des Täufers ZU polemisieren; V. 15
Pfeiffer 1930 (VIII 137 S. m. 5 Taf. u. l Kte.) gr.8°. RM 10-. , ,st dann noch von spaterer Redaktion hinzugefugt worunter
dem doppelten Motto „Ieh gebs euch zu erwägen" und „Ich j den. In der Darstellung Joh 1, 19-37 ist gute Uberhabs
gewagt mit Sinnen usw." veröffentlicht der Verfasser e.ne seinen , lieferung benutzt, die dem Evangelisten z. T. in zwei
nordischen Freunden gewidmete Untersuchung über die ursprüngliche Rez€nsionen vorgelegen hat (Einerseits V. 19—21.
Evangelienüberlieferung. Er kommt dabei nach „gewissenhafter, mit allen 25—27. 31—32; andrerseits V. 22—24. 33—35); sie
Hilfsmitteln wissenschaftlicher Forschung durchgeführter Prüfung ... zu ^ yon ;nm stark redigiert worden, da er die Tatsache
dem Ergebnisse, daß neben für uns artfremden Jesusbildern eine zeicn- ^ y johannes unterdrücken will. Die
tung des Nazareners erhalten ist die ihn in dnen *™%JFtEft Quelle, die in V. 29 noch erkennbar ist, berichtete, daß

£i^j^ ^ S^* r/lCh tahuf€n m '--"^-Evangelist

hat ^ap gestrichen, und in semern Sinne bezieht steh
„Ausschnitt aus der Gedankenwelt des Simon Magus bildet (107), der das tWQlxy.a . 34 nur auf den Moment des Kommen9
die „entscheidenden Vorstellungen und Ausdrücke dem persischen Be- ] y 29. Bemerkenswert ist auch, daß der. Verf. in der
griffsschatz entnommen" hat (115), sodaß das UE „wie einc Eme"e" Ortsangabe V. 28 gute Tradition findet und weder eine
nmg der Lehre Zoroasters" anmutet (126). Der Verfasser betont, Schwierigkeit in der Annahme eines peräischen Bethanien

er „das Schicksal neuer Erkenntnisse" kennt (VIII). fOJWa « ran , d . daß der Taufer m bdden ^ d

nicht überraschen, wenn fr ^l^ntota* di P^^^Ä ' Jordan wirkte. Die Darstellung 1,37 ff., daß die ersten
^u^^%^T^^^lS^ ; jünger Jesu zunächst Taufe-Wr waren hält der
mem ungeratener vena„ | fflr geschichtlich und mit der synoptischen Tradi-

MarturK H.Schlier. | tion von der Jüngerberufung vereinbar: Mk. 1,16—20

bezieht sich auf den Moment, wo die Jünger nicht erst
in ein Verhältnis zu Jesus treten, sondern zur Mitarbeit
berufen werden. Bei der Schwierigkeit der Analyse ist
es schwer, ein sicheres Urteil zu gewinnen; ich denke
freilich in manchen Einzelheiten anders als der Verf.,
bin aber geneigt, darin zuzustimmen, daß in Joh. 1,
37_51 alte Überlieferung verarbeitet ist. Dagegen ist
mir seine Analyse von Joh. 3,22—4, 3 unannehmbar.
Auch hier findet er gute, wenn auch stark redigierte
Überlieferung. Aus ihr gehe hervor, daß Jesus eine

Goguel, Dir. Maurice. Au seuil de I' evangile. Jean-Baptiste.

La tradition sur Jean-Baptiste Le Baptemc de Jesus. Jesus et
Jean-Baptiste. Histoire de Jean-Baptiste. Paris: Payot 1928. (304 S.)
8°. = Bibliotheque Historique. 30 Fr.

Seitdem M. Dibelius 1911 die urchristliche Überlieferung
über Joh. d. Täufer untersucht hatte, ist die
Erforschung der Synoptiker unter der formgeschichtlichen
Fragestellung weitergeführt worden, und andrerseits
ist das Problem des Täufers in ein neues Licht ge-

treten infolge der Fragen und Hypothesen, die aus dem , wd,e neben dem Taufer) a]s sein Gesinnungsgenosse

Studium der mandäischen Literatur erwuchsen, man mag ewirkt und wie er> im jordangebiet getauft habe. Es

hinzufügen: auch infolge der Ausbeutung des slavischen sei dann zum Bruch zwischen ihnen gekommen, und

Josephus durch R. Eisler. Eine neue Untersuchung war | zwar eben um des Taufbrauches winen. Das entnimmt

mr Notwendigkeit geworden. Der Verf bietrt sie dar aus jndem ef den M& M % als die

in einem durch Klarheit des Aufbaus und der Form _ r , ' . .. , _ ,

ausgezeichneten Buch, einer reifen Frucht seiner lang- j Tau.fe, versteht und als ursprünglichen Text statt «««

jährigen Arbeit an den Quellen der evangelischen Ge- I {ovdawv lesen will: uma Irjoov. Dieser freilich nahe-

schichte. Scharfsinn und Sorgfalt der Analyse wie kon- , liegenden und ja schon alten Konjektur traue ich nicht;

struktives Vermögen, das sich mit der Vorsicht des For- 6er Verf. scheint mir jedenfalls zu viel darauf zu bauen,

schers verbindet, sind für ihn bezeichnend. faß der Evangelist eine Überlieferung benutzte, nach

Der erste Teil enthält die Analyse der Quellen, i 6er Jesus selbst getauft hat, glaube ich freilich auch;

In dem Bericht des Jos. ant. XVIII 117—119 sieht der aber es ist eine andere Frage, ob diese Überlieferung zu-

Verf in Übereinstimmung mit der üblichen kritischen ' verlassig ist. — Aus den Act. ist geschichtlicher Bericht

Ansicht eine den Tatbestand verkürzende und im Sinne . über den Taufer nicht zu gewinnen, wohl aber ist der

eines Moralismus gefärbte Darstellung. Die Texte des chavl,tei" der 4/-rlstllcf!e.n, RedakRon ™ erkennen, die

slavischen los werden in eingehender Untersuchung als ' 6as Wort des Taufers (Mk 1,8) in neuer Form Jesus

sekundäre Legendenbildung erwiesen. Auch in der ' selbst in den Mund legt (act. 1,5; 11,16) und den

Untersuchung der svnopt. Texte hält sich der Verf. : Taufer als Vorlaufer Jesu auffaßt.

im wesentlichen in der Linie der traditionellen kritischen , Es folgt 6ie Untersuchung der Traditionen über die

Anschauung, so wenn er feststellt, daß die Wiedergabe Joannes-J ü n ge r Aus dem NT. ergibt sich daß die

der Täufemrediet vom bevorstehenden Gericht und Taufer-Sekte fortbestand was besonders durch act. 18,

kommenden Messias dadurch christlich redigiert ist, daß ' 24-26; 19 1 -8 bezeug. ist, während die Zeugnisse

dieser Messias mit Jesus gleichgesetzt wird (vgl. W. der Clem. Ree. und des Ephraem dem Verf als unsicher

Michaelis in seinem ebenfalls 1928 erschienenen Buch: gelten und er es vollends für unmöglich halt, in gnosti-

Täufer, Jesus, Urgemeinde). Bemerkenswert ist, daß, sehen Taufsekten eine Fortsetzung.der Johannes-Täufer

dem Verf die Täuferfrage Mt. 11,2-6 par. als Bil- I zu finden Dies gilt auch für die Mandaer, bei denen die

dung der" christlichen Gemeinde gilt. Stimme ich ihm - Johannes-Tradition, wie der Verf. ausführlich_ nachweist,

hierin (wie überhaupt in den meisten Ausführungen die- > ganz sekundär ist und auf der neutestamentlichen Uber-

ses Abschnitts) zu, so habe ich Bedenken, wenn er in lieferung beruht Wichtig ist hier bes. die Ause.nander-

dem redaktionellen Verse Mk. 1,14 die Tendenz findet, . s^tzu^ ^^ Der- Vrrf- halt <m- E- mit

die Wirksamkeit Jesu hinter den Tod (bzw. die Ge- Recht) Mt. 11,4-5 für primär in der evangelischen

fangensetzung) des Täufers zu datieren, während Jesus
in Wahrheit eine Zeitlang neben dem Taufer gewirkt

Überlieferung und will es nicht aus einer täuferischen
Quelle ableiten, so wenig er zugibt, daß Jesu Wort

rrYaTlesuV'der wiede ' Mk. 14 58 als Bezugnahme auf die taufensche Predigt

habe. Mir scheint, daß Mk. 6,14 (Jesus^jvieaer verstanden werden dürfe.

erstandene Täufer) auf einen Abstana , ß Der zweite Teil bringt eine Untersuchung der

Jesu von der Wirksamkeit des, Taufers l^ ( 0eschichte der Taufe Jesu, deren Historizität dem

Auch würde ich aus diesem Verse 1™,,^^^^™ , vert m. E. mit Recht als unbezweifelbar erscheint

Verf. schließen, daß man auch vom Tamer ™ ( Ed. Meyer). Zuerst werden die evangelischen

zählte, und das scheint mir durch den poiemiscnen tB^^ analys^rt und dabei die der apokryphen Evan-

Vers Joh. 10,41 bestätig zu werden. Nachrichten geiien als legendarische Weiter- und Umbildungen nach-

Wie stark die christliche■ Red^tior1 die J^™^ |ewksen. DSarauf werden die „konstitutiven Elemente"

über den Täufer gestaltet hat «^^JX jSS eS des Taufberichts behandelt (die Öffnung der Himmel,

der joh anneischen Texte: Dem I rolog liegt ein i a dag H bkommen des Geistes die

„Hymnus" auf den Logos zu Grunde, in den der tvan aie