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Ausgabe:

1931 Nr. 14

Spalte:

335-336

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heiler, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Mission des Christentums in Indien 1931

Rezensent:

Witte, Johannes

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 14.

336

zumal sie auf Feststellungen des Methodist Yearbook i Satz, daß das indische Christentum in der Mystik, im
von 1930 beruht. | Dhyäna-Qebet und in visionären und ekstatischen Er-
Weiter kann man in einer Einleitung Äußerungen ] fahrungen eine besondere Ausprägung haben müsse,
literarhistorischer Art über die abgedruckten Urkunden ; Diese Dinge verrücken nach meiner Meinung den Zen-
erwarten. Abschnitt 4 und 5 der Einleitung beschäftigen j tralpunkt der evangelischen Heilsordnung, den Glausich
denn auch mit solchen Fragen. Wir erfahren, daß ben. Mystik nebst visionären und ekstatischen Erleb-

die Glaubenslehren der KO. von J. Wesley stammen und
eng mit den 39 Artikeln zusammenhängen, daß die „Allg.
Regeln" der KO. auf J. und H. Wesley zurückgehen usw.
Aber die leichte Mühe, jeweils durch eine Anmerkung

nissen sind Dinge, die dem Glauben nicht zu einer
höchsten Entfaltung dienen, sondern sind höchstens eine
unwesentliche Begleiterscheinung, im Grunde aber ein
dem Wesen des Glaubens fremder, mit seinem Wesen in

kund zu tun, welcher Abschnitt der Glaubenslehren Widerspruch stehender Weg, um mit Gott Gemeinschaft

wörtlich aus den 39 Artikeln stammt, hat sich F. nicht
gemacht. Auch der Zusammenhang der Liturgie mit
dem Common Prayer Book ist nicht im Einzelnen

zu bekommen. Indien muß gerade von diesen Dingen
erlöst werden, denn sie heben den zentral-sittlichen
Charakter des Glaubens auf und heben die Verkündi-

herausgearbeitet. Die Entwicklung der Verfassung ist gung des Glaubens als des Heilsweges, der allen die
sicher zu kompliziert, als daß sie literarkritisch hätte Erlösung und Versöhnung mitten in ihrem Berufsleben

weiter zurückverfolgt werden können. Daß F. der kir
chengeschichtlichen und kirchenrechtlichen Forschung
diese Aufgabe aufs Gewissen legt, begrüße ich. Allerdings
hätte ich einen Hinweis auf Literatur, die sich mit

ermöglicht, auf. Ich weiß nicht, ob und inwieweit Heiler
(selbst mystische, visionäre und ekstatische wirkliche
Erlebnisse und Erfahrungen hat, die heutigen Europäer
reden über Mystik usw., ich fand noch keinen,

der Frage schon beschäftigt hat, gewünscht. — Auch j der mystische Erlebnisse hatte, und das ist auch kein

für die Katechismen faßt sich F. zu kurz. Vor allem Schade. Die Inder haben sie auch nur in besonderen,

vermisse ich biographische Angaben über ihre Ver- kleinen Kreisen, schließen damit aber, daß sie diese

fasser. Nur für Nast sind ein paar Daten gebracht, j Dinge für die höchste Religiosität erklären, die Menge

— Die Einleitung schließt mit einem Hinweis auf Hilfsmittel
zum Studium des Methodismus und einem reichen
Literaturverzeichnis, das unseren Dank verdient. — Gewöhnlich
enthält solche Einleitung aber auch schon die
erste Ausbeute der vorgelegten Urkunden; d. h. F. hätte
eine kurze konfessionskundliche Darlegung des Bisch.
Methodismus darbieten können. Aber vielleicht hat er

der Menschen von dem vollen Heil aus. Das Christentum
erschließt das Heil allen, auch allen Indern,
in gleicher und vollkommener Weise durch den Glauben
, der der Mystik, der Visionen, der Ekstase nicht bedarf
. Davon darf man auch für Indien nicht abgehen.
Gerade darin liegt für Indien eine Erlösung. Hier hat
die an sich richtige These von der Indisierung des

sie mit Rücksicht auf sein „Oekumenisches Handbuch" Christentums seine Grenze,
fortgelassen. — Sehr stark vermisse ich ein Sachregister ] Berlin. J. Witte,

am Schluß des Bandes. Oder soll es am Schluß der
Abteilung folgen? Hoffentlich!

Es sind also eine ganze Reihe von Wünschen und
Beschwerden, die ich anzumelden hatte. Ich bitte noch
einmal, daraus nicht den Schluß zu ziehen, als sei das

Vor kurzem erschien

Die Haupttypen

C.C. keine dankenswerte Veröffentlichung. Im Gegen- ] (^Qf SUHieriSChen BeSChWÖfUnfif

teil, ich begrüße es! Aber ein so umfassendes und so

teures Werk kann naturgemäß nur selten erscheinen.
Um so wichtiger ist es, daß es allen berechtigten
Wünschen gerecht wird. Für den schon vorliegenden
Band wird ja freilich wohl nichts mehr zu machen
sein. Ihn müssen wir nehmen, wie er ist. Aber ich
hoffe, durch meine Kritik den folgenden Bänden einen
Dienst tun zu können. Das war jedenfalls der Zweck
meiner Ausführungen.

Kiel-Voorde. Kurt Dietrich Schmidt.

Heiler, Friedrich: Die Mission des Christentums in Indien.

Gotha: L. Klotz 1931. (IV, 54 S.) gr. 8°. = Marburger Theol. Stud.,
hrsg. v. H. Frick. Rudolf Otto-Festgruß. 5. H. RM 2.60.

Heiler geht von der These aus, daß das Christentum
, wenn anders es in Indien bodenständig und die
herrschende Religion werden soll, indisiert werden muß.
Einmal muß es als „Erfüllung des Hinduismus" erwiesen
werden, der z. B. in seiner bhakti „eine Offenbarung
Gottes im wahren und vollen Sinne" enthalte.
Diese Erfüllung sieht er z. B. so, daß die Idee der
Inkarnation, die in Indien in vielfacher Ausprägung
auftritt, in der einmaligen, in der Geschichte voll

literarisch untersucht von Dr. Adam Falkenstein,

Berlin.

VII, 104 Seiten. 8°.

Leipziger Semiti6tische Studien. Begr. von A.Fischer
u. H. Zimmern. Neue Folge, hrsg. von B. Landsberger
u. H. H. Schaeder. Heft I. (= Vffl. Bd.)

Zum ersten Male werden mit dieser Arbeit die literarischen
Probleme in Angriff genommen, die sich an die
schon seit ältester Zeit in Einzelexemplaren überlieferten
, sodann in eine feste kanonische Abfolge
gebrachten Beschwörungstexte der Babylonier
knüpfen. Nebst dem veröffentlichten Material, das vollständig
verwertet wurde, haben dem Verfasser hierfür
auch zahlreiche unveröffentlichte Quellen aus altbabylonischer
und assyrischer Zeit zur Verfügung gestanden.
Die vier Grundtypen, die der Verfasser durch eingehende
Analyse herausgearbeitet hat, bilden ein
festes literarisches Schema, in das sich beinahe alle
Texte der erwähnten Gattung J unterbringen lassen.
Je nach der religiösen Verwendung der Beschwörung
(Fernhalten bzw. Austreiben usf.) wurde einer der vier
literarischen Grundtypen, deren Aufbau sich durch
eine bestimmte Aufeinanderfolge von Grundthemen
ergibt, gewählt. Das bisher stark vernachlässigte
Moment der literarischen und religiösen Entwicklung

zögerten Menschwerdung Gottes in Christus verwirk- ^<>mentd«u.terariscnenundr*u«oeenEntwicklung

licht worden ist. Diesen und anderen Gedanken kann j ^m Hand einer w,cht,gen Gattung aufsehellt

man zustimmen. Dagegen erscheint vieles von dem, ^ _ ' Preis brosch. RM 10.50.

was Heiler nun unter der Indisierung des Christentums
versteht, höchst bedenklich. Schon der Satz, daß in
Indien nur der Asket der sannyäsi, Verkündiger des
Evangeliums sein könne, ist anzufechten, denn er bringt

in die Auffassung evangelischen Christentums etwas VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN

Wesensfremdes hinein. Erstrecht gilt das von dem] BUCHHANDLUNG IN LEIPZIGC1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint als Doppelnummer 15/16 am 18. Juli 1931.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. H i n ri ch s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.