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Ausgabe:

1931 Nr. 13

Spalte:

311

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tönnies, Ferdinand

Titel/Untertitel:

Der Kampf um das Sozialistengesetz 1878 1931

Rezensent:

Heyne, Bodo

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Seite 1

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311

Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 13.

312

großen klassischen Träger in England da. John Locke,
Oliver Cromwell, George Fox. In jedem echten Engländer
steckt ja etwas von diesen Dreien. Und daher
kommt es, daß Edward T. Vernon mit der Society of
Friends beginnen muß. Es ist ein inneres Muß; denn
das Beste des englischen Religionswesens hat in diesen
Jahren durch die Quäker zur Kulturwelt gesprochen,
deren Frömmigkeit sich am ehrlichsten und klügsten
auf die modernen Weltwirtschaftsformen eingestellt hat.
Das Buch endet mit der römischen Kirche und findet
für den katholischen Glauben die ruhige sichere Beurteilung
, die das evangelische Selbstbewußtsein des Engländers
charakterisiert.
Breslau. K. Bornhausen.

desbischof sein Amt verstanden hat und in nie ermüdender
Frische im Dienste seines Herrn diesem verantwortungsschweren
Amte lebte, wie nur wenige für die
Aufgaben der Zeit aufgeschlossen und mit lebendigster
Freude an klarem theologischen Urteil. Auch der unter
Mitwirkung von Oberkirchenrat Sieden von dem Soluie
des Verewigten, D. Johannes Behm in Göttingen, herausgegebene
Band „Im Dienste des Herrn" gibt in der
reichen Darbietung von Aufsätzen und Predigten, Kundgebungen
(z. B. Kirche und Freimaurertum S. 202),
Vorträgen (z. B. das evang. Kulturideal S. 120), das
geistliche Amt S. 159, die Belebung der Kirchengemeinden
S. 27 u. a. sowie Ansprachen (z. B. Am Grabe
Bodelschwinghs S. 66) ein lebendiges Bild von der
Entschlossenheit, mit welcher der bei Antritt seines
Tönnies, Prof. Dr. Ferdinand: Der Kampf um das Sozialisten- | Amtes schon bejahrte Mann die Aufgaben aufgriff und

gesetz 1878. Berlin : J. Springer 1929. (V, 73 S.) 8°. RM 3.60.
Das Sozialistengesetz mußte scheitern, weil es im
Grunde nur eine mißlungene Wiederholung war von

hre Durchführung beseelte. Darlegung und Begründung
eines „bischöflichen Programms" werden nicht vermißt.
Größeres tritt hervor. Alles, was geschrieben und gefielen
früheren ebenso vergeblichen Versuchen kurz- J sj*8* 'st> entstammt der Geschlossenheit einer klaren
sichtiger Regierungen, den Fortschritten natürlich be- christlichen Persönlichkeit, der Gott die Gaben des begründeter
und notwendiger Volksbewegungen Halt zu ! gnadeten Seelsorgers geschenkt hat, und die er in ein
gebieten" (S. 72). Es ist nicht nur untauglich, sondern : Amt stel|te. dessen Ausprägung gerade diese Eigenart
auch ungerecht und innerlich unwahrhaftig. Dies ; diente. Das Buch wird von allen, die den heimgegange-
führt T., rückblickend auf eigene Erlebnisse, in ! nf,n Landesbischof kannten, mit Dank gelesen und über-
einer Weise aus, die den Vorgang als Strafprozeß kenn- a11 immer wieder gern zur Hand genommen werden,
zeichnet und Ankläger (Bismarck, Rechtsparteien), An- ! ^o man für den Fragenkomplex, in den die heutige
geklagte (Sozialisten), Verteidiger (Zentrum, Freisinn) j Leitung einer Vand^klrche stellt. Interesse hat und
nacheinander auftreten läßt, um zum Schluß das „Urteil I Verständnis sucht. Daruber hinaus sind die „Blätter
der Geschichte" zu bringen. Ob ihm jeder darin folgen i au-> der Arbeit des D Dr. Heinrich Behm" eine außerwird
, hängt von der politischen Einstellung ab. Diese ordentlich klare Rechtfertigung für den Versuch, in die
wird in den Ausführungen nicht verschwiegen und ver- | Verfassung der evangelischen Landeskirchen den Geführt
den Verf. den Gegnern seiner politischen Freunde ! danken eines evangelischen Bischofsamtes einzubauen,
gegenüber zu einer ironisierenden Art, die man lieber j Hannover. August Marahrens.
nicht sähe, weil sie der sonst ausgezeichneten Dar- mr .

Stellung in ihrem sachlichen Bemühen Abbruch tut. ORIENT UND OCCIDENT

Mit Verwunderung liest man auf S. 3 die Zusammenstellung
von den „Bekennern des Unglaubens und | Blätter für Theologie und Soziologie
der wissenschaftlichen Denkungsart".

Bremen. Bodo Heyne.

In Verbindung mit Nicolai Berdjajew herausgegeben
von Fritz Lieb und Paul Schütz.

Behm, Landesbischof D. Dr. Heinrich: Im Dienste des Herrn, j Heft 1: RuBlandheft: Orthodoxie und Protestantismus
. Beiträge von Fr. Lieb, Nie. Berdjajew,
O. Friclce, B. Wyscheslawcew, I. Lagowski, A. Puschkin
(Deutsch von Henry von Heiseler), P. Schütz.

Heft 2: Europa zwischen Ost und West. Beiträge
von P. Schütz, O. Fricke, W. Harich, J. L.
Hromädka, K. Klinghardt, A. Puschkin (Deutsch von
Henry von Heiseler).

Heft 3: Der russische Mensch und die Kirche.

Beiträge von S. Bulgakow, Fr. Lieb, B. Unruh.

Heft 4: Der russische Geist Im Kampf um
seine Existenz und der Protestantismus. Beiträge
von G. G. Kullmann, N. Berdjajew, Fr. Lieb,
F. Florowskij, F. Reisner, W. Iwänow.

Heft 5: Politisch-religiöser Synkretismus. Beiträge
von P. Schütz, W. Arntz, R. Pettazzoni, W. Stumpf.

Heft 6: Zur Soziologie Sowjet-Rußlands. Beiträge
von B. Unruh, G. Fedotow, M. Artemjev.

Preis der Hefte 1—5 je RM 5—.

Blätter aus seiner Arbeit. Unter Mitwirke, v. J. Sieden hrsg. v.
Joh. Behm. Schwerin i. M.: F. Bahn 1930. (267 S. m. 1 Bilde
d. Verf.) 8°. RM 7.50; geb. 9.50.

Wesen und Inhalt des evangelischen Bischofsamtes
sind in den einzelnen deutschen Landeskirchen trotz
starker Einheitlichkeit der Grundidee mehr oder weniger
verschieden zum Ausdruck gekommen. Es war verständlich
, wenn die Verfassungen zunächst auf dem
neuen Wege vorsichtige Schritte tun wollten und von
einer endgültigen Gestaltung absahen. Ausbau und klar
abgrenzende Verwirklichung des lutherischen Bischofsgedankens
wird Sache der Zukunft sein. Entscheidend
wird hierbei mitwirken, worin man die Aufgabe der
geistlichen Führung sieht. In dem Maße, wie diese
zu erfassen sucht, wohin das Tiefste und Innerlichste
in der Seele der zu führenden Gemeinschaft strebt und
nun dem, was jedenfalls in dem Besten ans Licht drängt,
den Weg bahnt, wird der geistliche Führer anderen helfen
, frei zu werden. Geistliche Führung ruht auf der
Seelsorge, dient mit dem sittlichen Ernst, der sich hier l Ab Heft 6 erscheint OrO jährlich im Umfange von

verpflichtet weiß, und will nichts für sich. Solcher FÜh- 12 Bogen in 4 Heften zu je etwa RM 3—. Subskriptions-

rer ist nicht Führer-Herrscher, sondern Führer-Erlöser.

preis für die Hefte 6 — 9 (Vorauszahlung) RM 10—.

Ob dieser Grundgedanke des lutherischen Bischofsamtes
Gestalt gewinnt, wird mit von denen abhängen,
denen dies Amt übertragen ist. Unter ihnen stand der
Landesbischof von Mecklenburg-Schwerin Heinrich Behm
mit an erster Stelle. Wer ihn kannte — und viele .
fühlten sich zu diesem Mann hingezogen — wird dank- VE^VTu * .." C~ NRIi*VH*. ~ ~ ?

bar bezeugen, daß Mecklenburg-Schwerins erster Lan- I BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

Beiliegend das 2. Heft (Jahrg. X) des .Bibliographischen Beiblattes-.
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 4. Juli 1931.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. Hinrich s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg