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Ausgabe:

1931

Spalte:

289-290

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lichtenstaedter, Siegfried

Titel/Untertitel:

Praktisches Judentum (Richtlinien) 1931

Rezensent:

Bischoff, Erich

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Mannskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. BAUER in Güttingen, Düstere Eichenweg 46, zu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewlhr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Gottingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

56. JAHRGANG, NR. 13 20. JUNI 1931

Spalte

Augustinus: Bekenntnisse und Gottesstaat
(Thimme)...............296

Bardy: Litterature latine chretienne (Krüger) 291
Bau mann: Die Karthäuser (Lempp) . . . 300
Behm: Im Dienste des Herrn (Marahrens) 311
Die Fränkischen Bekenntnisse (Wolf) .... 307
Chapman: Saint Benedict and the sixth

Century (Krüger)..............296

Dreß: Die Mystik des Marsilio Ficino (Wolf) 300
Grabmann u. Mausbach: Aurelius
Augustinus (Thimme)...........292

Spalte

Graf: Doktor Christoph Scheurl von Nürnberg
(Alt).................302

H er 11 i n g: Antoniusd. Einsiedler(Duensing) 291

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte
(Clemen)............299

Leube: Reformation und Humanismus in
England (Goetz)..............309

Loewen ich: LuthersTheologia crucis(Bring) 303

Mingana: Vision of Theophilus or The
Book of the Flight of the Holy Family
into Egypt (Strothmann).........

— The Authorship of theFourth Gospel (Ders.)

290

Spalte

N e'm a n : Praktisches Judentum (Bischoff) . 289
Paret: Die legendäre Maghäzi-Literatur

(Strothmann)................298

Pelet: Worte des Ramakrishna (Weinrich) 289
Rath: Der Gottesfreund v. Oberland (Wolfj 310
Tön nies: Der Kampf um das Sozialistengesetz
1878 (Heyne) ...........311

Vollmer: Materialien zur Bibelgeschichte
und religiösen Volkskunde des Mittelalters
(Clemen) ..............291

Vernon: Beliefs of to-day (Bornhausen) .310

Pelet, Emma von: Worte des Ramakrishna hrsg. Zürich:
Rotapfel-Verl. 1930. (XVI, 224 S.) 8°. geb. RM 6 -.

Das Buch Emma von Pelets sucht die Lehre des
Ramakrishna durch Darbietung der wichtigsten Gespräche
und Aussprüche des Meisters in systematischer
Anordnung in Übersetzung aus dem Englischen dem

vom ersten bis zum letzten Satze fesselt. Juden und Judengegner
Orthodoxe und Liberale, Rabbiner und Geldjuden, Männlein und Weiblein
werden prompt bedient. Besonders die Ausführungen über modernes
jüdisches Leben, Sexualität, Rassenhygiene, jüdisches Ehrgefühl u. a. sind
wahre Kabinettstückchen. Jeder, auch der Theologe, wird aus der funkelnden
Schrift mehr dauernden Gewinn ziehen als aus manchem „parfümierten
Spinngewebe" über „das Wesen des Judentums" usw. - auch

deutschen Leser nahe zu bringen. Die Übersetzung | da, wo er anderer Meinung sein darf,
stützt sich, wie Verf. einleitend mitteilt, auf „Sri Ra-
makrishna's Teachings" 1916 und 1920 Advaifa Ashrama
Mayavati und „Sayings of Sri Ramakrishna" 1925 Ramakrishna
Math, Mylapore, Madras.

Meines Wissens ist Max Müller der erste europäische
Gelehrte gewesen, der die Bedeutung Räma-
krishnas erkannt hat. 1898 erschien in London sein
Buch „Ramakrishna, His Life and Sayings". Dies Buch
hätte die Verf. in der Einleitung erwähnen müssen,
ebenso auch das Buch von C. Vogl, Sri Ramakrischna,
Der letzte indische Profet, 1921. Sonst kann leicht der
Verdacht wach werden, daß die Verf. für sich das Recht
in Anspruch nimmt, zum ersten Male im Abendland oder
in Deutschland neben Romain Rolland „Das Leben des
Ramakrishna" (ein außerordentlich empfehlenswertes
Buch! deutsche Übersetzung 1929) Worte des Ramakrishna
mitgeteilt zu haben.

Wer sich mit den Gedanken Ramakrishnas, der bekanntlich
nicht nur zu den großen Lehrern Indiens, sondern
darüber hinaus zu den großen Lehrern der Menschheit

Leipzig. Erich Bischoff.

1. Mingana, A.: Vision of Theophilus or The Book of the
FHght of the Holy Family into Egypt. Edited and translated
(in Bulletin of the John Rylands Library XIII, 382—474). Manchester-
The University Press 1929. 8°. = Woodbrooke Studies fasc. 5.

2. Ders.: The Authorship of the Fourth Gospel. A new document
Ebda. XIV, 332—339. (1930).

1. Dies Apokryph tritt auf als Bericht des 24sten Alexandrinischen
Patriarchen Theophilos I, aufgezeichnet von seinem Nachfolger Kyrill I.
Als Theophilos mit kaiserlicher Vollmacht, die Heidentempel zu zerstören
eine Visitationsreise nach Oberegypten unternahm, erschien ihm Maria
im Kloster Muharraq auf dem Berge Qusqam: sie habe während der
Flucht mit dem Kinde auf diesem Berge gerastet; das Klosterheiligtum
sei von den Aposteln in einer wunderbaren Entrückung unter Erscheinung
Christi als die erste aller Kirchen gegründet. Literarisch betrachtet liegt
also eine Aetiologie dieses Klosters vor, liturgisch wohl eine Homilie
für seine Marienfeste. Zur örtlichen Legende trat gemein-egyptische
Überlieferung. So entspricht der vor dem Flüchtlingskind sich vorbeugende
Baum Maqanta in Eschmunein - Hermopolis (404) dem
Persea-Baum bei Sozomenos, Mst. eccl. 21. Manches (416) erinnert an
das selbständige Apokryph Klage Maria's (s. Th. Ltz. 1928, 588), wie

gehört, der 'allgemeinen ^Bildung halber bekannt machen ! T^^^S^l^^ ZÄt
Will, dem kann das Buch V. Pelet's empfohlen werden. syrischen Text, wohl von östlichen Konfessionsgenossen für ihren Ge"

brauch übersetzt, blickt das arabische Original stets durch ; die geschichtlichen
Anspielungen zielen alle auf Egypten und der Standpunkt ist
durchaus koptisch. Das zeigt neben den Parallelen zu den Synaxarien
(vgl. die Anmerkungen) besonders die auch vom Herausgeber (385, 390)
beobachtete Verwechselung zwischen Kaiser Theodosios I, dem wirklichen

Der Religionshistoriker wird, wenn er Ramakrishna
wissenschaftlich bearbeiten will, lieber zu den oben genannten
Quellen greifen oder zu Max Müllers Buche.
Mit der Sanskrit-Philologie scheint die Verf. nur flüchtig
bekannt zu sein, sonst hätte die Verf. bei dem erklärenden
Gebrauch von Sanskrit-Termini nicht so zahlreiche
grammatische Schnitzer gemacht.
Göttingen. Friedr. Weinrich.

Ne'man: Praktisches Judentum. (Richtlinien). Madrik nebukim.
Leipzig: Gustav Engel 1931. (174 S.) 8°. RM 3—; geb. 4—,

Ein rücksichtslos ehrliches, herzerfrischendes Buch, die reifste unter
dcn zahlreichen bisherigen Schriften des Verfassers, hinter dessen Decknamen
vielleicht ein vielseitig gebildeter Münchener jüdischer Arzt —
jedenfalls ein tapferer Seelenarzt — sich birgt, eine Art jüdischer
„Rembrandt-Deutscher", der in 18 Kapiteln und 30 großen Anmerkungen

Zeitgenossen des Patriarchen Theophilos I, und Kaiser Theodosios II.
Sie ist m. E. nicht nur aus mangelndem geschichtlichen Sinn zu erklären
sondern aus dem Bedürfnis, gerade den jüngeren Kaiser zu verherrlichen:'
die Kopten sind sich nämlich nicht klar darüber, nach wem sie ihren
personell-dogmatischen Namen Theodosianer tragen — Severianer ist
bei ihnen ungebräuchlich — ob nach ihrem 33sten Patriarchen Theodosios
I, der unter Absetzungen und Martyrien das Monophysitentum
gegen Justinians römische Kirchenpolitik und nicht minder gegen julia-
nistische Übersteigerung rettete, nicht nur in Egypten, sondern durch
seine Geheimkorrespondenzen auch in Syrien, oder ob der Namengeber
Kaiser Theodosios II ist; seiner Regierung verdankt die Alexandrinische
Theologie jene beiden unvergessenen Endsiege zu Ephesus 431 und 449

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