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Ausgabe:

1931 Nr. 12

Spalte:

274-275

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schüttpelz, Otto

Titel/Untertitel:

Der Wettlauf der Apostel und die Erscheinungen des Peregrinispiels im geistlichen Spiel des Mittelalters 1931

Rezensent:

Schröder, Edward

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 12.

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war, daß sie in zeitlicher Nähe zum Tode Jesu stattgefunden
hatte. Wird dieser Grund dem Historiker nicht
gerade imponieren, so wird dieser überhaupt gegen die
ganze Berechnung skeptisch sein. Denn ob die astronomisch
errechneten Daten wirklich den Daten entsprechen,
auf die in den Jahren 28—34 der 14. Nisan angesetzt
wurde, ist bei der nicht geringen Schwierigkeit,
das Neulicht des Mondes (von dem ab der 1. Nisan
gerechnet wurde) in allen Fällen sicher festzustellen,
sehr fraglich.

Der Verf. der zweiten Abhandlung, der auch
den 7. April 30 für das wahrscheinlichere Datum hält,
versucht in der Überprüfung der verschiedenen Versuche
, die Differenz zwischen den Synoptikern und Johannes
in der Datierung der Kreuzigung auszugleichen
(,,einfache Harmonisierung", „Antizipationshypothese",
„Verschiebungshvpothese"), den Weg zu gehen, den
auch Billerbeck "(Strack-Billerb. II S. 845 ff.) als den
Ausweg empfiehlt: Beide haben Recht; die Angaben
des Joh. entsprechen der offiziellen sadduzäischen Festlegung
des 14. Nisan auf den Freitag, während sich die
Synoptiker nach der pharisäischen Datierung des 14.
Nisan auf den Donnerstag richten. Wenn man bedenkt
daß sich beide Parteien für ihre Datierung auf Zeugen !
berufen mußten, die im Gegensatz zu einander aus-
sagten, daß sie das Neulicht des Mondes am 23. März
(die pharis. Zeugen) bzw. am 24. März (die sadduz. i
Zeugen) beobachtet hätten, so sieht man wieder, wie
fragwürdig der ganze Versuch der Errechnung ist.
Marburg. R. Bultmann.

Johann Georg, Herzog zu Sachsen: Neue Streifzüge durch
die Kirchen und Klöster Ägyptens. Leipzig: B. G. Teubner !

1930. (X, 59 S. m. 171 Abb. a. Taf.) gr. 8°. RM 12-. j

Eine Weiterführung, Ergänzung und hin und wieder
Verbesserung der früher erschienenen „Streifzüge
durch die Kirchen und Klöster Ägyptens". Das Mate- !
rial zu diesem neuen Buche wurde auf zwei Reisen i
in den Jahren 1927 und 1928 beschafft. Nach einem
einleitenden, das Kirchen- und Klosterwesen bei den i
Kopten behandelnden Kapitel werden in 5 Kapiteln
Kairo und Alt-Kairo, Klöster in der Oase Fayoum, Kir- 1
chen und Klöster bei Minieh, das christliche Theben und i
das Antoniuskloster abgehandelt. Ein 7. Kap. bringt
Nachträge zu jenem ersterwähnten Buche, und das
Schlußkapitel führt des Prinzen Erwerbungen auf dem
Gebiet christlicher Kunst in Ägypten vor. Der Wert
des Buches liegt in der Beschaffung wissenschaftlichen j
Materiales und insbesondere in der Veranschaulichung t
desselben durch ausgezeichnete Abbildungen. Es ist
viel spätes Gut darunter, aber manches Stück reicht
in das erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung hinein.
Unter den Erwerbungen des Prinzen wäre höchst interessant
eine Statue des guten Hirten, wenn sie aus Ägyp- ,
ten stammte. Nr. 159, eine Stele mit „symbolischer !
Darstellung", gibt ein Rätsel auf. Wenn Nr. 163—164
wirklich einen Gebetszähler bedeutet, so lernt man da- 1
mit etwas Neues kennen. Eine höchst seltene Darstellung
bietet die Stelle unter Nr. 158: Josephs Traum.
Nur auf der Kathedra des Maximinianus in Ravenna
findet sich in der unteren Reihe die gleiche Traumdarstellung
. Schon diese Beispiele beweisen, daß die Publikation
wirklich eine Bereicherung der Wissenschaft
bedeutet. Nicht alle, aber die bei weitem wichtigsten
seiner Erwerbungen will Johann Georg vorgelegt haben
. Einige Bemerkungen mögen das gebotene Ma-
terial in die richtige Beziehung und Beleuchtung setzen.

Abb. 4 bringt eine S. 5 besprochene Altartafel. Diese Tafel ist das ;
Täböt der Abessinier. In Abessinien hat dieselbe Kirche, wenn darin
verschiedene Heilige verehrt werden, für jeden Heiligen ein Tabot, das
an seinem Feste aufgelegt wird. Das Tabot trägt auf der einen Seite
das Bild des Heiligen oder ein anderes Zeichen, auf der andern aber
immer das Kreuz oder ein Christusbild oder die Darstellung der Maria
Vit dem Jesuskinde. S. 8 f. wird das auf Abbildung 11 wiedergegebene
Schima besprochen, das einem höheren Grad der Vollkommenheit vorbehalten
ist. In Abessinien wird dieses Askema (= ovyipa), wie es

dort genannt wird, nach dem dritten Gelübde gegeben. Der Herausgeber
bemerkt nichts dazu, daß sein Schima außer dem großen Kreuz
: unten und oben 10 Kreuze besitzt. Diese Gesamtzahl 12 hat das
l Askema immer entsprechend den 12 Edelsteinen des Amtsschildes des
Hohenpriesters. S. 25 bemerkt der Prinz: „Nur ein Wein wurde eingeschenkt
, der aus Rosinen gefertigt und zur Messe verwendet wurde."
! Das ist die Art der Meßweinbereitung, wie sie von altersher auch in
Abessinien geübt wurde. S. 15 heißt es: „Die Nebenkirche ist die des
hl. Thekla Himmaret, eines äthiopischen Heiligen." Gemeint ist natürlich
Takla Haimanot. Bemerkenswert ist, daß nach S. 4 zu dem gemischten
Rat des koptischen Patriarchen auch ein abessinischer Bischof
gehört. Aber Bischöfe hat die abessinische Kirche nicht, und ob das
Angeführte so bleiben wird, nachdem die dortige Kirche sich von dem
koptischen Abuna unabhängig gemacht hat ? Zu S. 11 Mutter = Vorsteherin
eines Nonnenklosters ist zu bemerken, daß diese Bezeichnung
häufig bei Schenute vorkommt. Warum werden die einheimischen Namen
in einem deutschen Buche in französischer Schreibweise geboten? Damit
das Humoristische nicht fehle: In Deir-el-Meharak hat der Abt-
Bischof ein Auto, ferner jeder Mönch zwei große Zellen mit fließendem
Wasser. Johann Georg mit Recht: „Was würde der hl. Pachomius dazu
sagen ?" Übrigens wäre (zu S. 24) Meharraq die richtigste Schreibweise.
Das interessanteste Kapitel ist wohl das sechste mit der Beschreibung
der Fahrt zum Antoniuskloster und der dortigen Anlagen: Prinz J. G
hat offenbar ein gutes Auge und eine glückliche Hand und auch —
unentbehrlich für koptische Bauten - eine gute Taschenlaterne, um
verborgene oder übersehene Kunstgegenstände ans Licht zu ziehen.
Goslar. Hugo Duensing.

Schüttpelz, Otto: Der Wettlauf der Apostel und die Erscheinungen
des Peregrinispiels im geistlichen Spiel des
Mittelalters. Breslau: M. u. h. Marcus 1930. (IV, 163 S.) gr. 8°.

= Germanistische Abhandlgn. begr. v. K. Weinhold, fortgef v F
Vogt, hrsg. v. W. Steller. 63. h. rm 9 — '.

Die Geschichte des liturgischen Dramas, die sich
in den vierziger und fünfziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland einer regen
Pflege erfreute, hat einen neuen Aufschwung erfahren,
seit ihr Karl Lange in der überraschend reichhaltigen
und vortrefflich geordneten Stoffsammlung seiner „Lateinischen
Osterfeiern" (1887) den soliden Unterbau
geschaffen hat. Neben unserem Wilhelm Meyer und
dem Amerikaner Karl Young sind eine ganze Reihe
von jüngeren Gelehrten an der Vermehrung des Materials
wie an der chronologischen, genealogischen und
geistesgeschichtlichen Wertung dieser internationalen
Dichtgattung beteiligt, die seit längerer Zeit ein Lieblingsthema
für Dissertationen hergeben mußte. In diese
Reihe gehört wohl auch die vorliegende Schrift, die
aber ausgereift ist wie wenige und schon darum auch
hier eine kurze Würdigung verdient.

Die beiden Szenen, denen die gründliche Monographie
von Schüttpelz gewidmet ist, sind bereits um
die Wende des elften und zwölften Jahrhunderts der
liturgischen Osterfeier einverleibt worden, und sie
haben dann im lateinischen und volkssprachlichen Oster-
spiel und weiterhin in Passionsspiel und Fronleichnamsspiel
einen mehr oder weniger festen Platz gefunden
: in Deutschland, Frankreich, England; nur in den
Anfängen scheint auch Spanien beteiligt, während Italien
fast ganz ausfällt. Dies begrenzte Gebiet behandelt
mit weiter Umschau über Liturgie und Literatur, in
Klarheit und Ordnung das vorliegende Buch.

Den Ausgangspunkt der Feier bildet der für den
Introitus der Ostermesse bestimmte sanktgallische Tropus
des Tutilo (der Verfasser steht nicht unbedingt
fest), den Young schon vor der Mitte des 10. Jahrh.s
in Limoges nachgewiesen hat; ihr erster Höhepunkt
wird um 1040 erreicht: mit der von Wipo, dem Kaplan
Kaiser Konrads IL, gedichteten Sequenz Victimae
paschali. Mit ihr erscheint dann seit etwa 1100 eng
verbunden der sog. „Wettlauf der Apostel" (Petrus
und Johannes) zum Grabe (auf Grund von Joh.
20, 3—10), dessen Auftreten und Ausgestaltung der
erste Teil des Buches S. 2—55 gewidmet ist. — Die
zweite, größere Hälfte (S. 56—149) gilt den Erscheinungen
vor den Emmausjüngern und den
Aposteln (Luc. 24, 13—49; dazu Joh. 20, 19—29);
auch diese Szene oder Szenengruppe ist schon um 1100