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Ausgabe:

1931 Nr. 12

Spalte:

271

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ziegler, Joseph

Titel/Untertitel:

Die Liebe Gottes bei den Propheten 1931

Rezensent:

Caspari, Wilhelm

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271

Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 12.

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wirkt, so läßt man sich doch gern von ihm durch die vielseitige Qe- j
schichte Palästinas führen. Sehr gut, auch im Urteil, ist die kurze Dar- |
legung der Ereignisse seit der Besetzung Jerusalems 1917 (nicht 1918!). j
Daß Dinge, die französische Leser besonders interessieren, stärker hervorgehoben
werden, ist verständlich. Das Buch ist in jeder Hinsicht
so, daß es bei den Lesern, für die es geschrieben ist, ansprechen wird.
Marburg/Lahn. H. W. Hertzberg.

Ziegler, Dr. theol. Joseph: Die Liebe Gottes bei den Pro- j

pheten. Ein Beitr. z. alttestamentl. Theologie. Münster i. W.: (

Aschendorff 1930. (VII, 129 S.) gr. 8°. = Alttestamentl. Abhandlgn. !

hrsg. v. A. Schulz, XL Bd., 3. H. RM 6—. j

Die Arbeit beginnt mit einer eingehenden Synonymik
, die die sprachliche Entwicklung vielleicht in etwas
zu engem Anschlüsse an den noch übrig gebliebenen j
literarischen Bestand zeigt, doch einen wertvollen Eindruck
von der Reichhaltigkeit des Sprachgebrauchs I
hinterläßt. Hieran schließt sich ein Referat über den
Liebesgedanken der Propheten in literaturgeschichtlicher !
Folge: Hosea, Jeremja, Hezeqiel, Deutero- und Trito-
jesaja. Ehe und Verlobung sind rechtliche Begriffe.
Wie die Kaufehe ein unvollkommener Versuch ist, der ,
einem persönlichen Verhältnis zu einer rechtlichen Darstellung
verhelfen soll, so eignet sich der Begriff der I
Ehe durch die ihm tatsächlich eignenden ethischen Züge !
als Darstellung des zwischen Gott und der Gesamtheit j
seiner Verehrer bestehenden Verhältnisses. Da die Störung
nur von der einen Seite kommt, tritt an Gott, als i
dem Andern im Ehebunde, seine Nachsicht und Geduld |
in den Vordergrund, aber auch die ethische Würde in
tätiger Stellungnahme zu erfahrener Vernachlässigung.
Ziegler erörtert die Priorität des Gedankens von der I
Gattenliebe Gottes und erkennt sie dem Hosea und da- [
mit den Profeten mit nicht zureichenden Gründen ab.
Erfolgreich ist sein Einspruch gegen die Vermengung
des Baaldogmas mit dem alttestamentlichen Gedanken |
der Gattenliebe; jenes handelt von einer Beziehung der
Gottheit zu Größen in der den Menschen umgebenden
Natur. Ziegler sieht sich auch zu einer Erörterung des
historischen Gehalts der hoseanischen Ehe genötigt,
welche nicht über das bisher Bekannte hinaushilft. Über
eine Beziehung des Gedankens der göttlichen Gattenliebe
zum Bundesgedanken berichtet er, wie in der
Regel, besonnen, scheint mir aber zu schnell zu einer |
Herleitung jener aus diesem bereit. In Anhängen handelt
er von Jahwe als Hirten, Arzt, Winzer und Wirt.
Der Gedanke des väterlichen Gottes hätte sich i
wohl schärfer von der Gattenliebe trennen lassen, als j
hier, übrigens im Anschlüsse an Volz, Jeremia, geschieht
; er enthält zuvörderst das Merkmal der Autorität
, und zwar analog den eigenen Ausführungen Zieg- j
lers über die rechtliche Natur des Ba'al, die ja unbe- j
schadet seiner vitalistischen Seite gesehen ist. Ein letzter j
Abschnitt über das Individuum und die Nicht-Israeliten i
als Gegenstände der göttlichen Liebe ist stark auf Aus- |
läufer der Profetie angewiesen; übersichtlich zeigt er,
daß Mystik von solchen, die noch nicht wußten, was
Mystik sei, im A. T. gefunden wurde. Der Verf. ist in
der Fachliteratur gut bewandert; S. 85 Anm. 158 hätte j
er ein Gymn.-Programm von W. Engelhardt „Gott unser j
Vater", München 1912 S. 7 Anm. 2, mit anführen können
. — Die gelegentliche Ausdrucksweise „religiöse i
Ehevorstellung" (S. 84) halte ich für ein Anzeichen {
einer zu einseitig theologischen Betrachtungsweise des ;
Gegenstandes: die ethische Haltung und rechtliche Ver- |
fassung der Gattenliebe begünstigen die Veranschaulichung
der öffentlichen Beziehung zu Gott als einer
ehe-artigen.

Kiel. Wilhelm Caspari.

Montef lore, C. G.: Rabbinic literature and Gospel teachings.

London: Macmillan ißt Co. 1930. (XXII, 442 S.) 8°. 15 sh.

Die Bedeutung dieser Arbeit — sie gibt sich als
Ergänzung zu dem Kommentar M.s zu den Synoptikern
— besteht darin, daß hier zwei jüdische Gelehrte
der Gegenwart: Montefiore und Herbert Loewe, Lec-

turer in Rabbinic Hebrew an der Universität Oxford, im
Anschluß namentlich an Mt. und Lc. aus genauer
Kenntnis der Rabbinica heraus zu den Urteilen der
Evangelien über das Judentum und damit zu der großen
Frage des Verhältnisses zwischen Judentum und Christentum
, insbesondere Urchristentum, Stellung nehmen.
Besonders setzen sie sich mit Billerbecks Urteilen auseinander
, auch Gerh. Kittel und Windisch werden —
namentlich für die Bergpredigt — vor allem berücksichtigt
. Mit Recht weist M. auf die große Bedeutung der
rabbinischen Anekdoten hin und kündigt ein Buch über
diese an. Ich habe bereits — vor allem unter formgeschichtlichen
Gesichtspunkten — große Teile einer umfangreichen
Untersuchung der rabbinischen Anekdoten
fertiggestellt. M.s Anekdotenwerk würde das meinige
ergänzen. Es wird sichtlich auf den Inhalt Gewicht
legen, weniger auf die formgeschichtlichen Probleme.

M. bietet nicht nur kurze rabbinische Glossen zu
den Evangelien Mt. und Lc, sondern meist das, was
Billerbeck Exkurse nennt. Er benutzt vor allem das
Material Billerbecks und Moores, prüft aber mit Hilfe
von Loewe die Texte an den Originalen nach und ergänzt
, wo es nötig ist. Da Billerbeck zu umfangreich
ist, als daß viele ihn besitzen könnten, will M. ein kürzeres
Hilfsmittel schaffen. Wir haben in Deutschland
z. B. meine rabbinischen Texte zur Bergpredigt (Gött,
Vandenh. & Ruprecht). Praktisch wäre es auch für uns,
wenn sowohl M.s Buch in deutscher Sprache erschiene,
als etwa, wenn der Verlag des Billerbeck sich entschließen
könnte, die einzelnen Teile dieser unentbehrlichen
Fundgrube gesondert abzugeben.

Abgesehen von kleinen im Original gebotenen
Stücken, bietet M. die rabbinischen Texte in Übersetzung,
Inhaltsangabe oder Verweisen. Das Ideal wäre — namentlich
für die Lernenden —, auch unmittelbar an die
Originale heranzuführen. Meinen rabbinischen Texten
sind daher auch die Urtexte beigegeben.

In eine Einzelerörterung der Probleme einzutreten, ist hier nicht
der Ort. Das Buch ist als Nachschlagewerk gut zu gebrauchen und
bietet für eine Fülle von Einzelfragen sehr anregende, mit dem rabbinischen
Material versehene Erörterungen. So z. B. zum am haares,
S. 3 ff., zur Auseinandersetzung mit Oerh. Kittel, S. 42 ff., zur Menschenliebe
, S. 59 ff. — hier wird auch die Arbeit von Haas zitiert,
S. 104; zu der „Goldenen Regel" ist jetzt das Buch von Philippidis,
Leipzig, Eduard Pfeiffer, hinzuzufügen —, über den bösen Trieb, S. 164 ff.,
über die „Kawwana", S. 184 ff., über Himmel und Hölle, S. 332 ff.,
über Glaube und Wunder, S. 201ff. — vgl. hierzu Fenner, Die Krankheit
im N.T., Leipzig, Hinrichs —, über Partikularismus und Universalismus
S. 207 ff. usw. Ich vermisse die Erwähnung der Kommentare
Schlatters zu Mt. und Joh., ebenso etwa meines Buches über das Vaterunser
, Gütersloh, Bertelsmann.

Wie sichtlich für die englische Welt ein solches
Buch für die Erforschung der Evangelien neben Billerbeck
eine erwünschte Ergänzung ist, so gilt das Entsprechende
für uns in Deutschland. Jeder, der sich mit
den Evangelien beschäftigt, wird ihm reiche Anregung
entnehmen können.

Leipzig. P. F i e b i g.

Schoch, Karl: Christi Kreuzigung am 14. Nisan. — Schaum-
berger, P. Joh., C. ss. R.: Der 14. Nisan als Kreuzigungstag
und die Synoptiker. (S.-Abdr. aus Biblica 9, 1928.) [Rom
(1, Piazza della Pilotta 35): Pontificio Instituto Biblico.] (S. 47-78) 8°.
Zwei Abhandlungen über das Datum der Kreuzigung
Jesu sind hier vereint, die erstere kürzere von
einem astronomischen Sachverständigen, die zweite von
einem Exegeten. Die erste, über deren materiellen Inhalt
ich kein kritisches Urteil habe, will in Auseinandersetzung
mit Osw. Gerhardt nachweisen, daß in
den Jahren 28—34 der 14. Nisan nur zweimal auf
einen Freitag fiel, nämlich im Jahre 30 (auf den 7.
April) und im Jahre 33 (3. April). Von diesen beiden
Möglichkeiten, die Kreuzigung Jesu zu datieren, zieht
der Verf. die erste vor, weil er meint, wenn Eusebius
und andere Chronologen die Sonnenfinsternis vom 24.
Nov. 29 mit dem Tode Jesu in Verbindung bringen, so
könne das nur deshalb geschehen, weil ihnen überliefert