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Ausgabe:

1931 Nr. 11

Spalte:

246-249

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kaupel, Heinrich

Titel/Untertitel:

Die Dämonen im Alten Testament 1931

Rezensent:

Wendel, Adolf

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245 Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 11. 246

maischen (4 6—6,18) verständlich zu werden, die so ] sucht die Herkunft und die ursprüngliche Bedeutung des
vorgenommen ist,'daß aus sachlichen Gründen — er- arabischen Begriffes zindiq „Manichäer; Ketzer, Freifolgreiche
Störung der Juden durch die „Samaritaner" ■ geist" und erklärt es unter Ablehnung seiner Herleitung

— ein Stück der aramäischen Quelle, 4,6—23, unter i vom syrischen zaddlq als iranisch, nämlich als Adjektiv
Verletzung der chronologischen Folge an ein ent- ! Von zand (= Auslegung), das schon zu Manis Zeit vorsprechendes
Stück der hebräischen, 4,1—5, ange- I handen war und auf ihn als einen, der sich eine eigene
schlössen ist. In der aramäischen Quelle hat 4, 6—23 ! „Auslegung" des Avesta schuf, angewandt wurde und
hinter 6,18(15) gestanden; hier war also die Folge : ihn als „Allegoriker" bezeichnen sollte.

der Könige (Kyros), Darius, Xerxes, Artaxerxes. Alles in allem: eine an Anregungen und Ergeb-

Daß die Liste Esr. 2, 1—70 —Neh. 7,5—72 man- ] nissen reiche Gabe, die hier der Iranist und Semitist

cherlei Probleme aufgibt und insbesondere ihr doppeltes j aucfi uns Theologen darreicht.

Vorkommen erklärt werden muß, trifft zu. Aber es wird Halle Saale. Otto Eißfeldt

schwerlich dieselbe Hand sein, die an beiden Stellen---

die Liste o-ebracht oder stehen gelassen hat. Sch.'s An- Kaupel, Priv.-Doz. Dr. Heinrich: Die Dämonen im Alten
nähme daß der Chronist seine eigene Komposition, die j Testament. Augsburg: Dr. Benno Filser 1930. (vm, 150 s.)
des Nehemia-Buches, später mißverstanden habe, ist »8 • RM 8-; geb. 10—.
doch recht unwahrscheinlich. Auch bei Neh. 10 möchte j Uber das vorliegende Thema hat 1912 in einer
ich anders urteilen, als es Sch. — hier in Bertholet's seiner Erstlingsschnften Anton Jirku gehandelt: „Die
Spuren o-ehend — tut, und dies Kapitel der Esra-Denk- Dämonen und ihre Abwehr im Alten Testament". Anschrift
zuweisen, Neh. 8—10 also als einen von Haus ! spruchslos breitete diese Schrift das Material aus; sie
aus zusammengehörigen Komplex betrachten. Im übri- ; fragte nach den Vorstellungen und Bräuchen, nach
gen wäre es gut gewesen, wenn sich Sch. mit G. Hoel- , Herkunft und Parallelen.

s c he r's scharfsinniger Analyse von Esra-Nehemia noch 1 Eine Monographie ist im Laufe der nunmehr aneingehender
auseinandergesetzt und nicht nur dessen j nähernd 20 Jahre dem Thema nicht wieder gewidmet
hohe Schätzung des apokryphen Esra, sondern auch worden. Inzwischen ist allgemein-religionswissenschaft-
die Zuweisung der aramäischen Urkunden in Esra ein- j lieh und alttestamentlich über Werdestufen und „Vor-
schließlich von Esr. 7, 11—26 an eine aramäische Brief- geschichte" der Religion Bedeutsames erarbeitet worden.
Sammlung und die auch — wie mir scheint, mit Unrecht , Einen besonderen Vorstoß unternahm für unser Gebiet

— auf 2. Makk. 2,13 gestützte Behauptung von der Sigmund Mowinckel in seiner Schrift: , Äwän und die
bis in die christliche Ära hinein dauernden selbständigen . individuellen Klagelieder", 1921. Neuerdings hat Taufik

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Existenz des Nehemia-Buches nachgeprüft hätte

Was die Analyse von Esra-Nehemia angeht, so
hat also Sch. schwerlich das letzte Wort gesprochen.
Aber in der historischen Würdigung der einzelnen

Canaan durch die Beschreibung des Dämonenglaubens
im modernen Palästina anregend gewirkt. In Kommentaren
und anderen Arbeiten zu Bibel und Mischna ist
allerdings so oft von Dämonen und Dämonischem die

Quellen und in der chronologischen Anordnung der Vor- ! Rede gewesen, daß jüdische Kritik gelegentlich witzig

gänge hat er — glaube ich — im wesentlichen wenig- j Von einer „Dämonenfurcht der protestantischen Gelehr-

stens das Richtige getroffen. Trotz mancher dagegen ten" sprechen konnte. Man greift also zur vorliegenden

bestehenden Bedenken scheinen mir doch die aramä- j Schrift mit der Frage, in welcher Weise die neuen

ischen Urkunden in Esr. 4—7, vor allem 7,11—26, I Erkenntnisse und Anregungen für das spezielle Thema

als echt hingenommen werden zu müssen, wenigstens j ausgewertet sind.

in ihrer Grundlage und die Folge der Ereignisse ist in , Dje Einleitung befaßt sich mit der Begriffsgeschichte der Worte

der Tat diese: 1. Nisan 458— 1. Nisan 4o7 I atlgkeit „Dämon" und „dämonisch". Das Wort hat im Griechischen „den Sinn

Esras (Esr. 7—8; Neh. 8—10; Esr. 9—10), 445—min- | des Unbestimmten, zwischen Person und Kraftwirkung Schwebenden

destens 433 Tätigkeit Nehemias (Neh. 1—7,5 11 —13*). j bekommen". Die Bezeichnung betrifft nun bei Babyloniern, Aegyptern

In meinem Artfkel „Judentum I" (R. G. G.2 III, Sp. | und Kanaanäern im Rahmen der offiziellen Religion Stehendes. Für

460—476) WO es Sp. 470 Statt Neh. 6—8 natürlich Neh. 1 Israel wie für alle Religion lehnt der Verf. mit Berufung auf Anwander

8—10 heißen muß, bin ich auch für diese Anordnung der «nd Wilhelm Schmidt evolutiomst.sche Ausdeutung und Eingliederung

.w ' . . + des Damonismus ab. Als „Feststellung des Tatsächlichen" will er Be-

treignisse eingerreien. , arihvortung der Fragen bringen, ob der altt. Dämonismus aus Wesens-

Das Kap. III der „irantsclien Beitrage , aas < aniagei Assimilation an heidnische Kulte oder Parallelentwicklung zu

„Sprachliche und orthographische Entwicklung im , verstehen sei. Das I. Kapitel behandelt „Direkte Zeugnisse des A. T.

Reichsaramäischen" Überschrieben ist, will — in j über den Dämonismus". Die Materialsammlung wird zunächst einge-

Auseinandersetzung mit W. Baumgartner (ZAW ; schränkt auf die Wesen, deren Namen die LXX mit Saiuöviov über-

I997 S 81_140) U a. — die von der sprach- setzen. Bei den Dämonen handelt es sich nur um die „schädlichen

liehen Seite her p-ee/en Alter und Echtheit der ara- i Geister" im engeren Sinne^ Von ihnen sind abzugrenzen die mythischen
m kon n, in Fsra voro-ebrachten Aren- : Tiere der Urzeit u,,d dle Gotter- So bleiben: Lilith, Seirim, Schedim.
maischen Urkunden in .^^^^^^.^^T , Belegt ist der Dämonendienst als Opfer und Zauberbrauch. Das II.
mente entkräften und zeigen, daß /Wischen den Ele- ; Kapi tel bringt „Die Wertung des Dämonismus durch die alttestament-
phantine-Papyri und den aramäischen stucken im A. T. j liche Religion". Die Dämonen des A. T. sind die bösen Geister des
(Esra und Daniel) kein Unterschied der Sprache, SOn- 1 Heidentums, zumal aus Babylonien. Der Kampf der offiziellen Religion
dem nur ein solcher der Orthographie besteht, daß also I richtet sich nicht gegen Altes, durch den Monotheismus Überwundenes,
die Behauptung, die Sprache der aramäischen Stücke sondern gegen neu eingetragenes Fremdes. Was den Glauben an das
in Esra und Daniel sei der der Elephantine-Papvri l Vorhandensein betrifft, so hat die offizielle Religion nicht an die Existenz
geo-enüber fortgeschrittener und damit die Ansetzung i fremder Götter geglaubt, geschweige denn fremder Dämonen. Die schäd-
3;£Uc*- „nrh Hpn Panvri nicht auf I licnen Gc,ster Ralten nicht als die Urheber der Übel verschiedener Art.
dieser Stucke geraume Zeit Bn^-gXZL™J™' I Die Furcht vor ihnen und entsprechende Bräuche sind nicht so verrecht
erhalten werden kann. „Die Entscheidung, wann ; breitet wie etwa Monwinkel annimmt. Im Iii. Kapitel erfolgt die
diese Stücke Wirklich geschrieben Sind, Kann also nur 1 „Behandlung der Frage, ob gewisse Vorstellungen und Bräuche der
von ihrer inhaltlichen Interpretation aus, wenn über- , legitimen Religion als Umbiegungen der Volksdämonologie oder als
haupt, gewonnen werden" (S. 55). I Konzessionen an sie zu verstehen sind". Hier prüft der Verf. folgende

Während das IV. Kapitel „Über die iranischen Stücke offiziellen Religionsbrauches durch, die auf Dämonenglauben hin

Elemente im Reichsaramäischen" mit seinem Ergebnis, gedeutet werden könnten: 1. Strafengel, 2. Speise- und Reinheitsgesetze,

„daß die reichsaramäischen Schreibungen persischer ; 3- Pnestergewandglöckchen, 4. Azazelritus. Er zeigt zu 1. Cherubim

Worte und Namen den von Andreas gezogenen Schluß l,"f Yt^^rJ^u^ Dämoneu sondern im Dienste Gottes

„ r ,li 11 „ 11 j c;ik~„ „;„i„4. stehende Geister. Der „bose Geist und „der Geist gehen von Jahwe

^AbfaR auslautender Vokale und Silben nicht ge- aus. 2. Die 0esetze di"eser Art sind nicht aIle reIigiösK zll motivJierewne

statten" (S. 74), nur die Iranisten und Sprachwissen- hygienische, pädagogische Rücksichten, natürliche Abneigung walten'

schaftler angeht, kann das V. „Zandlk-Zindiq wieder Jedenfalls liegt auch hier Trennung von heidnischen Bräuchen vor'

das Interesse des Theologen beanspruchen. Es unter- 1 3. Die Glöckchen vertreiben nicht Schwellendämonen; sie wehren den