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Ausgabe:

1931 Nr. 10

Spalte:

223-224

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Moulton, James Hope

Titel/Untertitel:

The vocabulary of the Greek Testament 1931

Rezensent:

Debrunner, Albert

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 10.

224

deren Eindringen beraubt er sich dadurch, daß er (S.
69) das "isfcj zu Anfang von Kap. 3 „ohne weiteres"
streicht — mit ganz unzureichender Erklärung für sein
Eindringen — während es den Ausfall des Anlasses zu
des Propheten Rede 3,1 ff. bezeugt und damit die Ursache
für den Lückenbüßer 2, 12 f. liefert (vgl. ZAW.
1921, S. 222 f.). — Für die Echtheit der aus K. 4—7
herausgehobenen Stücke tritt L. freilich den Beweis an,
vor allem in sorgfältigen Lexikalischen und stilistischen I
Verzeichnissen; aber nach meinem Eindruck bleibt es |
doch bei großer Verschiedenheit, sowohl von dem Micha |
der Kapitel 1—3, wie der Stücke unter sich. Übrigens
gibt L. selbst gelegentlich zu, daß der Geschmack des i
Einzelnen bei der Zuweisung eine erhebliche Rolle
spiele. Auf den Nachweis im Einzelnen muß hier verzichtet
werden.

Es bleibt ein Verdienst von Lindblom's Buch, daß j
es der heute weit vorherrschenden Neigung, die Überschrift
eines Prophetenbuchs als womöglich über dessen j
gesamten Inhalt entscheidend anzuerkennen, nicht nachgibt
. Und zweifellos enthält es viel feine Beobachtung; |
es wird deshalb überall, wo man sich mit dem Buche
Micha eingehend beschäftigt, durchaus herangezogen |
werden müssen.
Marburg (Lahn). K. Budde.

M o u 11 o n , Prof. D. theol. James Hope, D. D. and Prof. George
Milligan D. D.: The Vocabulary of the Greek Testament, j

Illustrated from the papyri and other non-literary sources. London:
Hodder & Stoughton 1930. (XXXII, 705 S.) 4°. £ 5. 5—. j

Die Überschrift dieses Werks will richtig verstanden
sein: es soll nicht ein vollständiges Wörterbuch
zum griechischen Neuen Testament sein, sondern nur
diejenigen nt. Wörter behandeln, auf die von den nichtliterarischen
Texten der hellenistischen Zeit, d. h. vor
allem von den Papyri her, irgend welches Licht fällt.
Damit hat die Bewegung, die von Deißmann ausgegangen
und von Moulton eifrig weitergeführt worden
ist, wieder einen handbuchmäßigen Abschluß gefunden,
der gleichberechtigt neben Deißmanns „Licht vom
Osten" (4. Aufl. 1923), Moultons „Grammar of NT
Greek" (Prolegomena 1906, deutsch als „Einleitung
in die Sprache des NT." 1911; Band 2 von W. F. Howard
1919—1929) tritt. Die früher vernachlässigte Tatsache
, daß die nt. Schriftsteller nicht in einer Sonder- |
spräche, sondern in der gewöhnlichen Sprache ihrer i
Zeit geschrieben haben (abgesehen von Einflüssen der |
jüdischen religiösen Sprache), kann jetzt in diesem
Wörterbuch bequem überschaut werden; denn gerade
der Wortschatz ist für diese Einordnung der Sprache
des NT. in die Zeitgeschichte besonders wichtig, da ,
überall der Grad des fremden Einflusses auf eine I
Sprache im Wortschatz zuerst und am deutlichsten sichtbar
wird. Freilich eben um diesen Grad zu zeigen,
müßten alle Wörter angeführt werden, damit man
sähe, welche Wörter trotz den Papyri immer noch nicht
als profanhellenistisch nachweisbar sind (wobei man sich
gegenwärtig halten müßte, daß dieses und jenes Wort
neu in den Papyri auftauchen kann).

Vielleicht denkt nun mancher: wozu brauchen wir
noch ein solches Wörterbuch, wo doch der neue „Preu-
schen-Bauer" (s. Jahrg. 1928, Sp. 541 f.) die hellenistischen
Parallelen auch angibt und der Wortschatz
der Papyri in Preisigke's Wörterbuch bequem benützbar
ist? Dazu ist erstens zu sagen, daß Moulton und Milli- |
gan mit ihrem Vocabulary lange vor Bauers Bearbeitung j
von Preuschens Werk und vor Preisigke's Wörterbuch |
begonnen haben (mit den Expositor-Artikeln, die denselben
Zweck verfolgten, sogar schon 1908). Viel wichtiger
aber ist dies: Bauer und Preisigke konnte nur die
Zahlen und etwa kurze Textstücke der hellenistischen
Parallelen geben, bei Moulton und Milligan findet man
sie im Zusammenhang abgedruckt, übersetzt und wenn
nötig besprochen. Also wer den genaueren Sinn der
außerbiblischen Stellen nachprüfen will, was für die
richtige Einschätzung der „Parallelen" oft unbedingt |

nötig ist, der erspart sich durch das Vocabulary das
Nachschlagen in den Papyrusausgaben, und wer nicht
eine ganz große Universitätsbibliothek zur Verfügung
hat, wird oft genug die Originalausgaben nicht nachsehen
können. Also Moulton-Milligan wird künftig zum
täglichen Handwerkszeug jedes theologischen und philologischen
Erforschers des nt. Wortschatzes gehören
müssen. Nur schade, daß der hohe, wenn auch bei dem
hervorragend schönen Papier und Druck leider den
heutigen Verhältnissen im Druckereiwesen entsprechende
Preis sehr viele, die das Buch nötig hätten, von der
Anschaffung abhalten wird.

Es ist überflüssig, länger davon zu reden, daß die
beiden Verfasser, der im Jahre 1917 als Kriegsopfer gestorbene
Moulton und der getreue Vollender des Werks,
Milligan, die besten Sachkenner sind und vollstes Zutrauen
verdienen. Dagegen ist noch ein Wort über den
Umfang des von ihnen im Vocabulary verarbeiteten
Stoffs zu sagen: im Vordergrund stehen freilich die
Papyri; in ihrer Benützung ist Vollständigkeit erstrebt.
Vor der Heranziehung der Inschriften im selben Umfang
sind die Verfasser begreiflicherweise zurückgeschreckt;
so haben sie sich für diese auf die leicht erreichbaren
Sammlungen beschränkt. Von literarischen Schriftwerken
sind nur solche verarbeitet, die neu gefunden sind, vor
allem der vulgäre Vettius Valens; die übrige Literatur,
die ja bei dem alten Wetstein und in Grimms Clavis
herangezogen ist, wird nur dann berücksichtigt, wenn
die nichtliterarischen Quellen versagen. Als Stichwörter
sind außer Wörtern des NT. auch einige aus der Septua-
ginta aufgenommen, die im NT. nicht vorkommen. Die
Einleitung (S. VII—XX) enthält allgemeine Bemerkungen
über die Papyri: Schreibstoff, Geschichte der
Funde, Wert für die nt. Sprache. Das Werk war in 8
gut kartonnierten Teilen erschienen und ist jetzt in einem
gebundenen Band zu haben.

Jena. Albert Debrunner.

Preisker, Prof. Lic. theol. Herbert: Die urchristl. Botschaft

von der Liebe Gottes im Lichte d. vergleichenden Religionsgesch.
Gießen: A. Töpelmann 1930. (68 S.) 8°. = Aus d. Welt d. Relig.
Forschgn. u. Berichte, unter Mitwkg. v. H. Frick u. R. Otto, hrsg.
v. E. Fascher u. G. Mensching. Biblische Reihe, H. 5. RM 3—.

Weder die alttestamentliche noch die neutesta-
mentliche Wissenschaft vermag uns heute schon eine
brauchbare Biblische Theologie auf religionsgeschichtlichem
Unterbau zu schenken. Aber durch eine
Reihe von tüchtigen Einzelstudien können doch Vorarbeiten
geliefert werden, die uns diesem Ziel
näher führen. Eine derartige nützliche Einzelstudie
ist Preiskers „Urchristliche Botschaft von der
Liebe Gottes im Lichte der vergleichenden Religionsgeschichte
". Das dünne Heft, das knapp 60
Druckseiten zählt, kann natürlich nicht die ganze Problemstellung
und alles Material zusammenfassen, auch
die Auseinandersetzung mit der in Betracht kommenden
Literatur bleibt beschränkt; aber man gewinnt doch ein
Bild von der religionsgeschichtlichen und theologischen
Fragestellung. Der erste Abschnitt spricht von dem
Gottesglauben in der Umwelt des Christentums, im
hellenistisch-römischen Heidentum und im Spätjudentum,
der zweite Abschnitt von der Liebe Gottes im Glauben
des Urchristentums. Pr. sucht in diesem ersten Abschnitt
die Züge des Heidentums und Judentums
herauszuarbeiten, die dem Urchristentum nahestehen
und zum Urchristentum hinüberführen. Daß andere
Züge zurücktreten und zurücktreten müssen, ist verständlich
. Wie ist die Abgrenzung gegeben? Pr.
antwortet in Auseinandersetzung mit Holl und
Feine: Im Judentum und im Heidentum tritt Gott zunächst
von sich aus an den Menschen heran, aber seine
Liebe wird gehemmt durch nachträgliches Abhängigsein
von menschlichen Leistungen und kultischen Reinigungsakten
. Im Urchristentum fallen diese
Bindungen fort: „die Liebe Gottes ist also nicht
nur unmotiviert, sondern auch nach der Berufung des