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Ausgabe:

1931 Nr. 9

Spalte:

212-213

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kullmann, Willibald

Titel/Untertitel:

P. Ambrosius Dreimüller 1931

Rezensent:

Lempp, Eduard

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 9.

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des hl. Augustin selbst", was allerdings „keine leichte
Aufgabe ist" (S. 427). In zahlreichen Anmerkungen [
(S. 449 ff.) werden die Belegstellen angeführt und wei- j
tere Erläuterungen gegeben. Eine reichhaltige, sachlich |
eingeteilte „Bibliographie" (S. 569 ff.) bildet den Schluß. !
Auch ein Personen- und Sachverzeichnis ist nicht vergessen
worden.
München. Hugo Koch.

Gr u mann, Anton: Da kommt der Heilige. Ein Lebensbild des
heiligen Franz von Assisi, erzählt v. seinen Mitbrüdern Leo u. Egidio.
Nach Verano Magni bearb. Freiburg i. Br.: Herder & Co. 1930. !
(IX, 241 S.) 8°. RM 4.60; geb. 5.40.

Die deutsche Bearbeitung von Magnis Vita di San
Francesco gibt, wie das Original nicht Geschichte son- 1
dern eine romanhaft eingekleidete und ausgeschmückte
Aneinanderreihung von Franziskusanekdoten, die sich in
der Hauptsache auf die Fiorefti gründen, der Faden j
der geschichtlichen Entwicklung ist nur spärlich zu ent- i
decken. Das volkstümliche Buch ist für Leute, die j
nicht Wahrheit, sondern Erbauung und Unterhaltung j
suchen.

Stuttgart. Ed. Lempp.

Neiiendam, Michael: Erik Pontoppidan I. (1698—1735.) Studier
og Bidrag til Pietismens Historie. Kopenhagen: in Kommission bei
0. E. C. Gad 1930. (271 S.) 8°.

Schon 1865 sprach August Tholuck den Wunsch I
aus, ein dänischer Historiker möchte die Geschichte
des Pietismus in seinem Heimatlande behandeln, und
er hat dabei besonders die Bedeutung von Erik Pontoppidan
betont. Erst jetzt geht dieser Wunsch in Er- |
füllung, bis jetzt fehlte eine Geschichte des Pietismus
in Dänemark durchaus, nur das vor einigen Jahren erschienene
Büchlein von F. Elle Jensen gibt eine ganz
knappe, volkstümliche Übersicht.

M. Neiiendams Biographie wird im Untertitel als
„Stadien und Beiträge zur Geschichte des Pietismus"
bezeichnet: Diese erste ausführliche historische Schilderung
von Pontoppidans Leben und Wirken soll zugleich
eine Geschichte des Pietismus in Dänemark-Norwegen [
geben, ähnlich wie ihr Verfasser 1922 in seinem Buch
über Christian Bastholm sehr wertvolle Beiträge zur
Beurteilung der so viel verkannten Aufklärungszeit gegeben
hat. Demgemäß beginnt er mit den Hauptlinien I
des Studiums des Pietismus im 19. Jahrhundert (S.
15—19), wobei Max Göbels Arbeit über die rheinischwestfälische
Kirche (1849—1860) im Gegensatz zu AI- [
brecht Ritsehl hervorgehoben wird. Daran schließt sich |
— da Neiiendam die Behandlung des dänischen Pietismus
und seines zeitgeschichtlichen Hintergrundes in
der wissenschaftlichen Literatur auf den 2. Band verschoben
hat (S. 19) — ein ausführliches Kapitel über
den Hintergrund des Pietismus (S. 20—44), der als
internationale und interkonfessionelle Frömmigkeitsrichtung
gewürdigt wird und dessen Wurzeln in der reformierten
Kirche Englands und Schottlands aufgezeigt !
werden. Speners Pia desideria faßten dann zu- j
sammen, was seine Vorgänger gebracht hatten, aber j
das Buch wirkte durchschlagend durch seine systematische
Form und seine klare Disposition. Neiiendam
bezeichnet Sener geradezu als kalvinistischen Lutheraner.

Es folgt noch eine Übersicht über die Quellen und
Darstellungen von Pontoppidans Leben (S. 45—54),
die vielleicht doch besser in den Anhang verwiesen
wäre; die wichtigste Quelle ist die Autobiographie,
welche am besten Jens Moller in „Tidsskrift for Kirke
og Theologie", 1834 S. 60—207 herausgegeben hat. I

Nun beginnt die Biographie. Wir begleiten den
Knaben (* 1698), der mit 2 Jahren Vollwaise wurde,
auf die Schulen in Aarhus und Fredericia, wo er außer
der lutherischen Kirche eine katholische und eine jüdi- j
sehe Gemeinde kennen lernen konnte (S. 57—73). Vom i
Sommer 1716 bis zum Mai 1718 war er mit einer Unterbrechung
im Winter 1716/17 Student in Kopenhagen j

(S. 74—92). Vorangeschickt wird diesem Kapitel eine
Übersicht der Stellung des Pietismus in Kopenhagen bis
ca. 1716, der natürlich über die Herzogtümer nach
dem Königreich gekommen war.

Auf die so kurzen Lehrjahre folgen 4 Wanderjahre
, zunächst Anstellung (S. 93—99) als Hauslehrer
in Hoiersbüttel im Kreis Stormarn (1718—1719) und
dann in Norwegen (1719—1720), dann eine große
Auslandsreise als Begleiter des jungen Claus Huitfeldt
(S. 100—138). Wir begleiten die jungen Dänen zunächst
nach Holland, wo die holländische Theologie
reformierte Pontoppidan stark beeindruckte und beeinflußte
. Als Historiker hat Neiiendam die Angaben in
Pontoppidans Autobiographie durch den zeitgeschichtlichen
Hintergrund treffend erläutert. Dasselbe gilt von
der Fortsetzung der Reise durch Brabant und England.
Weiter sollte die Reise durch Frankreich und Italien
gehen, aber Pontoppidan wurde eine Stelle als Pastor
in seiner Heimat angeboten.

Daraus wurde nichts, dagegen erhielt er 1721 eine
Anstellung als Prinzenerzieher bei dem jungen Friedrich
Karl von Norburg (1721—1723). Bis 1734 ist er auf
der schönen Insel Ilsen geblieben: Auf die kurze Hauslehrerzeit
(S. 139—144) folgte 1723 die Anstellung
als Diakon und deutscher Hofprediger in Norburg und
1727 die Ernennung zum Pastor in Hagenberg (S.
145—187) Studenten, die aus Wittenberg kamen, brachten
den Hauslehrer in intime Berührung mit dem Pietismus
, und seine freundliche Stellung zum Pietismus
wurde bestärkt durch einen heftigen Streit mit dem
Norburger Pastor Hans Caspar Brandt, einem Vertreter
der Orthodoxie. — Über diesen Zwist hat Neiiendam
aus den Archiven viele neue Aufklärungen bringen
können (vgl. bes. S. 232). Im Jahre 1727 erschien
Pontoppidans erstes Buch: „Heller Glaubensspiegel".
Außer dem Einfluß Luthers gewahren wir darin Anklänge
der Mystik. Im selben Jahre erschien sein
„Dialogus", eine geschickte Unterredung zwischen einem
Vertreter beschränkter Rechtgläubigkeit, einem
„modernen" Theologen und einem einfältigen, fragenden
Bürger.

In die Hagenberger Zeit fallen auch die ersten
topographischen und kirchengeschichtlichen Arbeiten
Pontoppidans, die noch immer Wert haben; er war ein
unermüdlicher Sammler, bei dem wir freilich vielfach die
nötige Kritik vermissen. In seiner gründlichen Weise
gibt Neiiendam hierzu eine Übersicht älterer gedruckter
dänischer Topographien, welche Pontoppidan als Quellen
gedient haben. Der Anfang war ein kleines Heft
über Kopenhagen, dann 1730 das „Theatrum Da-
niae" und 1734 die „Reformations-Historie der Dänischen
Kirche", eine Vorarbeit seiner Kirchengeschichte.

Das letzte kurze Kapitel 4(S. 188—189) meldet von
der Berufung Pontoppidans nach Hillerod-Herlov (1734
bis 35). Der folgende Band wird uns sein Leben in
Kopenhagen und Bergen schildern und damit seine
hohe Bedeutung für die Kirche Dänemarks und Norwegens
. Die Jahre der Vorbereitung sind damit abgeschlossen
, und dem Manne öffnet sich ein weiteres Wirkungsfeld
. Die gründliche Arbeit, welche Neiiendam in
seinem neuen Buche, wo oft die Quellen nur dünn
flössen, geleistet hat, verdient alle Anerkennung und
läßt hoffen, daß wir in dem vollendeten Werke die
grundlegende Darstellung einer der wichtigsten Perioden
der dänischen Kirchengeschichte erhalten werden.
Hadersleben. Thomas Otto Achelis.

Kuli mann, P.Willibald: P.Ambrosius Dreimüller. Ein Volksmissionar
und Exerzitienmeister ans d. Franziskanerorden 1825- 1896.
Werl i. W.: Franziskus-Druckerei 1930. (227 S.) 8°. = Franz von
Assisi. Aus d. relig. Geistesleben seiner drei Orden. Reihe d. Lebensbilder
, 5. geb. RM 4—.
Ein populäres Buch über einen populären Mann.
Aus der Eifel stammend trat Dreimüller nach kurzer
pfarramtlicher Tätigkeit in den Franziskanerorden, und
wirkte zuerst in Oberschlesien, dann in Westfalen und