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Ausgabe:

1930 Nr. 6

Spalte:

128-130

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holborn, Hajo

Titel/Untertitel:

Ulrich von Hutten 1930

Rezensent:

Wolf, Gustav

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 6.

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aufgelegten „Kurzen Abriß der ägyptischen Grammatik" i
(1919) und fügt jetzt der vorliegenden Auflage zwei ,
Ergänzungshefte bei. Das eine gibt in tabellarischer
Form die wesentlichen hieroglyphischen Schriftzeichen
mit ihrer Grundbedeutung, dem übertragenen Sinn, dem
etwaigen lautlichen Gebrauch, der Verwertung als Deter- {
minativ. Das zweite Heft enthält Übungen zur Erler- |
nung der Schrift, Beispiele von Wortformen, die wichtigsten
Paradigmen, Übungsstücke mit Erläuterungen
und Verweisen auf die in Frage kommenden Para- I
graphen der Grammatik, ein Wörterverzeichnis zu diesen
Textproben.

Der Grammatik wurde das auch noch später als
klassische Sprachform benutzte Ägyptisch des Mittleren
Reiches zu Grunde gelegt. Daneben wurden die Eigen- j
tümlichkeiten der Sprache der älteren Texte angeführt,
um das Werk auch für das sprachliche Verständnis der
Pyramideninschriften dienstbar zu machen. Weiter wur- j
den unter Hervorhebung ihres neuägyptischen Ur- j
Sprungs die Eigenarten dieser jüngeren Zeit berück- I
sichtigt und auf die weitere Entwicklung der Sprache j
zum Koptischen hingewiesen. Auf letzteres wurde bei |
der Einzelbehandlung dauernd Bezug genommen, das j
Demotische im Allgemeinen übergangen.

Das Werk selbst beginnt mit Bemerkungen über
die Verwandtschaft des Ägyptischen mit anderen, beson- {
ders den semitischen Sprachen, einer Aufführung der |
Sprachperioden, einer Schilderung der Schrift und ihrer
Zusammensetzung, der einzelnen Konsonanten mit ihrer
Entwickelung und ihren semitischen Äquivalenten.
Hieran schließen sich die persönlichen und demonstra- |
tiven Pronomina, das Substantiv mit Genus, Numerus
und syntaktischem Gebrauch, die Adjektiva, die kurz behandelten
Zahlworte, das ausführlich besprochene Ver-
bum, die Partikeln, die verschiedenen Satzformen, Belegstellen
für die im Verlaufe des Buches angeführten
Beispiele und ein Sachregister.

Das Literatur-Verzeichnis der früheren Auflagen
ist in Fortfall gekommen. Bei dem Umfange, den die
ägyptologische Literatur gewonnen hat, hätte es ohnehin
unvollständig bleiben müssen. Es wäre aber für
manche Benutzer erwünscht gewesen, wenn bei sprachlichen
Erscheinungen und Regeln, die von Erman oder
seinen Schülern in Zeitschriften und sonst eingehender
behandelt worden sind, auf diese Arbeiten verwiesen
worden wäre. Einzelpunkte des Buches hervorzuheben
oder zu erörtern ist hier nicht der Ort. Jedem, der sich
als Anfänger oder als Fortgeschrittener mit der ägyptischen
Sprache und ihren Denkmälern beschäftigt, wird
das eingehende und übersichtliche Werk ein viel benutztes
Hilfsmittel und ein anregender Ratgeber sein.
Bonn. A. Wiedemar! n.

Genizah Studies in Memory of Dr. Solomon Schechter.

II: Geonic and Early Karaitic Halakah, by Louis G i n z b e r g.

New York: The Jewish Theological Seminary of America 1929.

(XV, 640 u. XVI S. m. e. Taf.) gr. 8°. = Texts and Studies of the

jewish Theological Seminary of America, Vol. VIII.

Nachdem in Bd. I der Ausgabe der Genizah-Frag-
mente haggadisches Material veröffentlicht war (vgl.
Th. L. Z. 1928 S. 559f.), bringt Band II nunmehr
halachische Stücke aus der gaonischen Zeit. Keine Zeit
der jüdischen Geschichte ist, was die Quellen anlangt,
so unergiebig und verdunkelt für uns; so sind die
Genizah-Fragmente bei ihr besonders aufschlußreich.
Der Band enthält vor allem eine große Zahl von Re-
sponsa: in 23 Fragmenten deren weit über hundert.
Sie geben eine Fülle von Nachrichten über Ritus, Zivil-
und Strafrecht, Ehe- und Scheidungsformen der gaonischen
Zeit, außerdem vielerlei exegetisches Material zu
talmudischen Stellen. Eine zweite Gruppe von Texten
enthält kodifizierte Halacha. Unter ihnen ist besonders
erwähnenswert Frgt. 23: Sefer ha-schetarot, das jetzt
mit Sicherheit dem Gaon Hai ben Scherira, der 1038
als letzter der Geonim starb, zugewiesen werden kann.

Das Stück ist von Bedeutung für die Geschichte der
Scheidung. Ferner sind wichtige Fragmente aus gaonischen
Talmud-Kommentaren mitgeteilt; auch hier ist
der des Gaon Hai zum Traktat Sabbat hervorzuheben
(Frgt. 27). Von hohem Interesse sind ferner einige
Stücke aus der karaitischen Bewegung, vor allem über
ihren Beginn und ihre Entwicklung. Lehrreich ist die
Polemik, mit der in Frgt. 54 ein Angehöriger einer
karaitischen Gruppe eine andere der Bewegung zugehörige
Gruppe bekämpft. Den Abschluß bilden in
Frgt. 55 f. Stücke aus dem Pirqoi ben Baboi, eines
Werkes aus dem Ende des 8. Jahrh.s, in dem ein babylonisch
erzogener Palästiner die Autorität des babylonischen
Talmud und der gaonischen Überlieferungen der
palästinischen Judenschaft mundgerecht zu machen
sucht. Man sieht hinein in die damals vorhandenen
Unterschiede zwischen palästinischer und babylonischer
Judenschaft, die nach der Vermutung Ginzbergs vor
allem darin ihren Grund haben, daß noch im 8. Jahrh.
unter den palästinischen Juden die Autorität des jerusalemischen
Talmud — noch nicht die des babylonischen
— maßgebend war.

Tübingen. G. Kittel.

Diehl, Ernestus: Inscrlptiones Iatinae christianae veteres.

Vol. II. Berlin: Weidmann 1926/27. (X, 516 S.) gr. 8°.

RM 24 —; geb. 30—.

Der zweite Band (vgl. diese Zeitung 1924, Sp.
323f.; 1926, Sp. 57f.) bringt die im engeren Sinne
christlichen, d. h. die Grabinschriften. In 17 Unterabteilungen
sorgfältig gegliedert, wird uns das gewaltige
Material — 2500 Nummern — vorgeführt. Zuerst die
auf die Grabesruhe der Frommen im Licht der Religion
gesehen, bezüglichen: irdisches und ewiges Leben, Tod
und Auferweckung, Gericht und Lohnverheißung. Sodann
was sich auf die Grabstätten und ihre Bezeichnungen
mit den damit verknüpften Rechten bezieht.
Weiter Inschriften, die nur den oder die Namen der
Beigesetzten und der Hinterbliebenen enthalten, mit und
ohne Zusätze. Endlich über hundert Carmina, zum
größeren Teil leider nur in zertrümmertem Zustand erhalten
. Den Beschluß bilden jüdische Inschriften. Die
durch neuere Inschriftenwerke nötig gewordenen Zusätze
und Verbesserungen sind im Anhang zusammengestellt
. Noch fehlt der dritte Band, der mit den Indices
und einem Supplementum das Werk erst der allgemeinen
Benutzung erschließen wird.
Gießen. G. Krüger.

Hol born, Hajo: Ulrich von Hutten. Leipzig: Quelle & Meyer
1929. (VII, 176 S.) 8°. = Das Wissenschaft!. Weltbild.

RM 5—; geb. 7—.

Als Kalkoff seine Huttenbücher veröffentlichte,
wollte er damit Hutten aus der Reihe derjenigen Personen
streichen, welche einer biographischen Betrachtung
wert waren. Erreicht hat er jedoch das Gegenteil.
Der Arbeit Walsers, welche sich mit Huttens politischer
Entwicklung beschäftigte, ist jetzt Holborns Werk gefolgt
, welches vor allem einen ideengeschichtlichen Charakter
besitzt. Hierdurch bildet es zugleich die natürliche
Reaktion gegen Kalkoffs Forschungen. Während
dieser Dank seiner einzigartigen Spezialkenntnisse der
Jahre um 1520 herum hauptsächlich das ganze Milieu
Huttens zu schildern suchte und hierdurch nicht nur zu
dessen Geringschätzung kam, sondern auch seine literarische
Produktion und die darin enthaltenen selbstbio-

j graphischen Zeugnisse gleichgiltig behandelte, sucht
Holborn Hutten aus dessen eigenem Lebensgang und
Schriftstellertum heraus zu verstehen. Hierdurch erklärt
sich auch, warum Kalkoff — was ihm auch Holborn
wieder vorwirft — Hutten mit den Maßstäben der
lutherischen Ethik mißt und dadurch unter Erasmus
und Hermann von Busche stellt, während Hutten bei
Holborn als tragische Figur erscheint und infolge des
Gegensatzes von Wollen und Können Schiffbruch er-

I leidet.