Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 5

Spalte:

102-104

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lewy, Julius

Titel/Untertitel:

Die Chronologie der Könige von Israel und Juda 1930

Rezensent:

Rudolph, Wilhelm

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

101 Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 5. 102

vertritt, daß die Brahma-Lehre in ihrem Kern bereits kultur sei die alles beherrschende Harmonie des obern
in den Anfängen der religiösen Entwickelung der Seins und Geschehens mit dem untern Sein und GeMenschheit
in den Konzeptionen der Primitiven vom schehen; für die ältere schöpferische Zeit sei der Him-
„Mana" „Orenda" usw. zutage trete. Unter Hinzu- : mel wesentlich Bilderbuch gewesen für die Intuition
ziehung der modernsten Philosophen und Naturforscher ■ erst allmählich sei er Rechenbuch geworden. Im Ein-
— er zitiert Bergson, Einstein, W. James, Ostwald, B. i zelnen behandeln die 20 Kapitel des Buches: Die su-
Russell und viele andere — sucht er den Vedänta mit merische Schöpfungskultur, die Offenbarung des gött-
den Mitteln westlicher Forschung zu begründen. Wenn i liehen Wissens und Willens, Wissenschaft und Künste
seine schwierigen Beweisfühiungen an sich auch vielfach Himmelsbild gleich Weltbild, die Lehre vom Kosmos'
nicht überzeugen, so sind sie doch ein interessanter und vorn Kreislauf, Astronomie und Astrosophie, Vor-
Beleg für das im heutigen Indien immer stärker her- zeichenglaube, Zahlen, Kalender, Erlösererwartung mo-
vortretende Bestreben, zwischen den ererbten Anschau- notheistische Strömungen, das Pantheon, Priester' und
ungen und den Errungenschaften des Westens eine Kultus, Dämonenlehre, Poesie, Tod und Jenseits Fröm-

Synthese herzustellen.

Königsberg i. P. H. von Glasenapp.

migkeit und Sittlichkeit.

Bonn. A. Wiedemann.

Jeremias, Prof. D. Dr. Alfred: Handbuch der altonentalischen
Geisteskultur. 2., völlig erneuerte Aufl. mit 260 Bildern nach d.
Monumenten und 1 Sternkarte. Berlin: W. de Gruyter & Co. 1920.
(XVIII, 508 S.) 4°. RM 24-; geb. 26-.

Das vorliegende Werk, dessen erste, 1913 erschienene
Auflage von Erich Bischoff in dieser Zeitschrift 39
Sp 611 f. anerkennend besprochen wurde, fand sonst
eine sehr geteilte Beurteilung. Von einer Reihe von Gelehrten
, besonders von den „Panbabvlonisten wurde
es mit Zustimmung begrüßt, zahlreiche andere Forscher
standen ihm skeptisch oder ablehnend gegenüber. Die
Aufnahme der neuen Auflage wird kaum eine andere
sein. Aber, auch diejenigen Orientalisten, welche sich
wie Ref. den Folgerungen des Verf.s und seiner Hochschätzung
der sumerischen Kultureinflüsse vielfach nicht
anzuschließen vermögen, werden das reiche Material an
Inschriftstellen und antiken Darstellungen häufig benutzen
, welches Jeremias in dem Buche vereinigt hat.

Das Werk soll den Beweis für die Ansicht des Verf.s
führen, daß von Sumer aus ein schöpferischer Strom
über die Welt gegangen sei. „In Kraft einer schöpferischen
Urtat, die die höchsten Fragen des geistigen Lebens
nach dem Tod-Lebengeheimnis, nach Sünde, Schicksal
, Gott, Kreislauf, Ewigkeit, Seele, Erlösung in bestimmter
Weise beantwortete und in einer über die Welt
gehenden Expansion gleich einer Wünschelrute die
schlummernden Möglichkeiten in andern Kulturen geweckt
und beeinflußt hat, hat Sumer auf die Welt gewirkt
." Dabei liege die Grundlage der Wanderungen der
Urideen im Gebiete des Wirtschaftslebens, die Handelszüge
der Sumerer seien von Priestern geleitet oder begleitet
gewesen. So habe sich auf Handelswegen ein
„internationales Priestertum" bilden können, das die
Formung der großen Ideen von Sumer aufgenommen
habe. Die Weltverkehrsverhältnisse seien im 3. und vor
allem im 2. Jahrtausend den Verhältnissen entsprechend
sehr bedeutend gewesen. Man dürfe sich vorstellen,
daß ein Weltplatz, wie die Stelle, an der jetzt London
Hegt, schon in der Frühzeit der orientalischen Hochkulturen
ein Umschlagplatz war. Die Verwandtschaft z. B.
sumerischer und skandinavischer Kosmogonie werde so
erklärbar. Die (von dem Verf. nicht erwähnten) zu
London in Häusern des 17. Jahrhunderts verbaut gefundenen
Inschriftsteine des Gudea und Eannatum können
hier nicht herangezogen werden, da sie vermutlich
erst am Anfange des genannten Jahrhunderts nach England
kamen (vgl. Wiedemann, Bonner Jahrbücher 90
S. 216f.).

Die Sumerer waren nach dem Verf. keine Autochtho-
nen, sondern kamen in der Zeit zwischen dem 6. und
4. Jahrtausend nach Sinear, vermutlich von den Südsee-
mseln, die den Eindruck eines in Urzeit zu Inseln zersprengten
Kontinents machten, dessen Katastrophen zu
Wanderungen fuhren konnten. Seit der Zeit um 3000
mache sich ein starker semitischer Einstrom bemerkbar,
der spater die politische Herrschaft bekam, aber der
sumerischen Geisteskultur unterlag. Außerdem käme
tur die Frühzeit auch ein Einstrom aus nördlichen Zonen
m Betracht. Der Grundgedanke der sumerischen Geistes-

Lewy, Prof. Dr. Julius: Die Chronologie der Könige von
Israel und Juda. Giessen: A. Töpelmann 1927. (32 S.) gr. 8°.

RM 2-.

Trotz des Urteils des Hieronymus, die Beschäftigung
mit der Chronologie der Könige Judas und Israels
sei die Sache „non tarn Studiosi quam otiosi hominis",
lassen die schwierigen chronologischen Probleme die
Forschung nicht los, und man horcht auf, wenn eine
neue Arbeit des Rätsels Lösung verheißt. Als Kenner
der assyrischen und babylonischen Annalistik mit ihren
Synchronismen sieht Lewy im Gegensatz zu der landläufigen
Meinung grundsätzlich die synchronistischen
Daten für richtig an, während die Angaben über die
absolute Regierungsdauer viel leichter Fehlern und Ab-
rundungen unterworfen seien. Außerdem zieht er in
stärkerem Maße als es sonst geschieht die abweichenden
Zahlen des Josephus heran. In der ersteren Methode
hat er einen Vorgänger in Kagler (von Moses bis Paulus
1922, S. 155 f. 160), und unleugbar wird man durch
Kuglers und Lewys scharfsinnige Ausführungen zu dem
Urteil gedrängt, daß es nicht mehr angeht, in der Nachfolge
Wellhausens die Synchronismen der Königsbücher
als unerheblich abzutun.

Daß trotzdem auch diese Methode keine zweifels-
freie Chronologie ergibt, zeigt sich daran, daß Lewy
genötigt ist, auch bei den Synchronismen verschiedentlich
mit Zahlenverderbnissen zu rechnen (vgl. S. 103. 12.
15. 18. 181. 193), auch in solchen Fällen, wo Josephus
keine Bestätigung bietet. Und wenn Lewy als das 1. Regierungsjahr
Jehus „zunächst hypothetisch" (S. 10) das
Jahr 841 ansetzt, so nimmt er das Recht, diese hypothetische
Zahl im folgenden als tatsächlich gesicherte zu
verwenden, offenbar daher, daß von diesem Ansatzpunkt
aus unter Anwendung seiner Methode „eine lückenlose
Chronologie der israelitischen Könige von Jehu bis
Hosea und der gleichzeitigen Könige von Juda ge^
wonnen sein dürfte, die sowohl mit den assyrisch-israelitischen
Synchronismen der Keilschriftquellen als auch
mit den überlieferten israelitisch-jüdischen Synchronismen
restlos harmoniert" (S. 17). Da aber diese restlose
Harmonie auch bei Lewy nur durch Abänderung einzelner
synchronistischer Daten zu erreichen ist, können
seine Berechnungen keine Allgemeingiltigkeit beanspruchen
, und der Ansatzpunkt 841 bleibt nach wie vor
hvpothetisch und steht in der Luft. Auch die Annahme,
daß der Übergang von der vordatierenden Rechnung der
Königsjahre zur nachdatierenden unter Ussia in Juda,
unter Sacharja in Israel eingetreten sei (S. 171), scheint
mir nicht genügend begründet zu sein.

Wichtiger ist, daß auch Lewy, um mit seiner Methode
zum Ziel zu kommen, ein Hilfsmittel anwenden
muß, dessen sich schon Mahler (Handbuch der jüdischen
Chronologie 1916, S. 250. 286ff.) und Kleber
(theChronology of 3 and 4 Kings and 2 Paralip: Biblica
II 1921) in noch ausgiebigerer Weise bedient haben, die
Annahme zahlreicher M i t r e g ierun ge n. Im alttesta-
mentlichen Text dagegen wird nur eine einzige erwähnt,
die des Jotam mit dem aussätzigen Ussia (2. Rg. 15, 5);
hätte Ahas nach Jotams Tod diese Mitregierung mit