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Ausgabe:

1930

Spalte:

97-99

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pascher, Josef

Titel/Untertitel:

Der Seelenbegriff im Animismus Edward Burnett Tylors 1930

Rezensent:

Haas, Hans

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emaniiel HifSCh unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, unter Mithilfe von Prof. Lic. K. D. Schmidt, Kiel,
bearb. v. Lic. H. Kittel u. Lic. Dr. Reich, beide in Göttingen.
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

rr lahrir NiV C Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch In QSttingen, I US iQl(

33. Jaurg. IST. 0. Hainholzweg 62, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. ifOU

Spalte

Pascher: Der Seelenbegriff im Ammismus

Edward Burnett Tylors (Haas)...... 97

Mensching: Buddhistische Symbolik

(von Glasenapp).............. 99

Mukhopadhyava: Introduction to Ve-

danta Philosophy (Ders.)..........100

Jeremias: Handbuch der altorientalischen

Geisteskultur (W'iedemann).........101

Lewy: Die Chronologie der Könige von

Israel und Juda (Rudolph).........102

Spalte

Sperber: Septuaginta-Probleme I (Rahlfs). 104
Zahn: Grundriß der Neutestamentlichen

Theologie (Bultmann) . . . . ,......107

Liechtenhan: Paulus (Moe).......110

Liebert: Geist und Welt der Dialektik

(Zeltner)...................111

H a r t s t o c k : Der Aufbau des Weltbildes

nach streng idealistischer Methode

(Knittermeyer)................112

Spalte

Seeberg: Wirklichkeit und Geist im Deutschland
von heute (Koepp)..........114

Otto: Naturalistische und religiöse Weltansicht
(Althaus)..............115

Spann: Gesellschaftsphilosophie (Koepp) .(
S t i e 1 e r: Person und Masse (Ders.) . . . . |115
Eisenhuth: Die Entwicklung des Problems

d. Glaubensgewiliheit b. K. Heim (Thimme) 117
Beyer: Die Ethik d. Kriegsschuldfrage (Behm) 118

Pascher, Stud.-Rat Dr. theol. et phil. Josef: Der Seelenbegriff beherrscht" (4. Aufl. S. 11; 5. Aufl. S. 8). Entschiede-
lin Animismus Edward Burnett Tylors. Ein Beitrag z. Reli- ner als anderswo finde ich von D. Pascher allerdings
gionswissensch., dargest. u. gewürdigt. Würzburg: C. J. Becker 1929. herausgestellt, daß, was Marett in seinem Aufsatz „Pre-
(VIII, HO S.) gr. s°. = Abhandlungen z. Philos. u. Psychologie d. | animistic Religion" (1900) als Animatismus (primitive
Religion, H. 23. RM. 3—, Allpeisonif ikation; andeutungsweise übrigens schon Dar-

Nach dem Vorwort hat die vorliegende, von D. Dr. win, vgl. Descent of Man 94, Anm. 76) vom Animismus
Georg Wunderle, Professor der Apologetik und der ver- j unterscheidet, auch schon bei Tylor selbst sich findet,
gleichenden Religionswissenschaft, angeregte Mono- auch bei ihm schon als dem animistischen Stadium vor-
graphie die Theologische Fakultät der Universität Würz- aufgelegen gedacht. Etwas Richtiges wird weiter von
bürg als Habilitationsschrift angenommen. Ihr Verfasser Pascher betont mit seiner Konstatierung, daß es einen
legt in ihr Gedanken des englischen Anthropologen E. einheitlichen Seelenbegriff in Wirklichkeit keineswegs
B. Tylor (genauer: Tylors Auffassung von der geistigen überall gibt. Von Söderbloms einschlägigem Werke
Grundlage, aus der nach diesem der primitive Seelen- j „Das Werden des Gottesglaubens", im Verzeichnis der
begriff erwachsen sein soll, und Tylors Erklärung der benutzten Literatur mit aufgeführt, hat der Verfasser erEntstehung
und geschichtlichen Entwicklung dieses See- sichtlich nichts sich geben lassen. Sein Hauptwegweiser
lenbegriffes in der von ihm formulierten animistischen ist ihm P. W. Schmidt. Auch ihm gegenüber aber beTheorie
) dar und untersucht sie auf ihre innere Möglich- ! kündet er gelegentlich Selbständigkeit des Denkens, was
keit hin. Das eine wie das andere ist oft genug bereits | S. 36 z. B. einmal dem sonst kritisierten Tvlor zugute
durch andere geschehen, katholischerseits z. B. von P. j kommt: von drei Einwendungen Schmidts gegen Tylors
W. Schmidt S. V. D. (in seiner historisch-kritischen | Animismus, die da erwähnt werden, läßt P. nur "eine
Studie „Der Ursprung der Gottesidee") und von Pinard eigentlich gelten. Keinen Hehl macht er daraus, daß er
de La Boullaye S. J. (L'etude comparee des religions). ; seine Auseinandersetzung mit dem Animismus geflissent-
So ist von vorneherein nicht zu erwarten, daß des Ver- , lieh vom Stundpunkte einer Wissenschaft aus führt, die
fassers Arbeit neue Erkenntnisse von Belang bringt. eine rationale Grundlegung der Religion zum Gegen-
Wenn er selbst auf der letzten Seite sein Schlußresultat ! stände hat (S. 6. Vgl. S. 35: „Für eine Theologie, die
dahin angibt, Tvlor habe richtig erkannt, daß der Seelen- ; wie die katholische alle Menschen für Religion bemfen
begriff in der Geschichte des menschlichen Geistes [in- i glaubt und rationale Akte zur Grundlegung des Glau-
dem nämlich, wie Tvlor selbst meint, aus ihm der i bens für notwendig erachtet, gewinnt die rrage nach
Geister- und Götterglauben der ganzen Menschheit sich ! der Geistigkeit des primitiven Menschen erhöhte Be-
entwiekelt habe] eine große Bedeutung besitzt, nach deutung"). Charakteristisch ist der Satz S. 55: „Wenn
Material wie Methode sei er jedoch nicht imstande ge- i sich demnach der Tylorsche Seelenbegriff ethnologisch
wesen, diese Bedeutung nach jeder Richtung zutreffend ; erweisen läßt, so muß die den Glauben rational begründarzustellen
, und insbesondere habe er den Fehler be- , dende Wissenschaft der Apologetik zwar erklären, daß
gangen, den Seelenbegriff als eine religiöse Vorstellung diese Begriffsbildung ein Irrgang ist, kann aber hinzu-
zu betrachten und ihn für die Wurzel aller Religion zu | fügen, daß er die Auffassung des christlichen Glaubens
halten, so wird damit doch kaum etwas anderes gesagt, i über den geistigen Stand des Urmenschen nicht not-
als was in lapidaren Worten in Wundts Völkerpsycho- wendig berührt." Aber werden solche Sätze heute nicht
logie IV, 224 zu lesen steht: „Daß solche [Seelen-] ' auch von protestantischen Theologen beliebt, die mit
Vorstellungen überall vorkommen, kann wohl für ebenso ' einem bischöflichen Imprimatur — einstweilen noch we-
sichergestellt gelten wie dies, daß sie an und für sich j nigstens — nicht zu rechnen haben?
durchaus keinen religiösen Charakter besitzen müssen." Nicht zurückzuhalten vermag ich angesichts der

Selbst in Tiele-Söderbloms elementarem Kompendium der I vorliegenden Studie, mit der ein angehender Dozent
Religionsgeschichte schon, und zwar nicht erst in dessen I seinen ersten Beitrag zur Religionswissenschaft der Be-
letzter Auflage, wird dem Leser die Belehrung: „Der i urteilung aussetzt, mit einem Bedenken. Karl Beth be-
Animismus ist nicht selbst eine Religion, sondern eine ! merkt einmal in seinem Buche „Religion und Magie"
Art von primitiver Philosophie, die nicht nur die Reli- ; (2 S. 178): „Meine persönlichen Berührungen mit Ver-
gion, sondern das ganze Leben der unzivilisierten Völker ! tretern der primitiven Völkerwelt haben mir immer be-

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