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Ausgabe:

1930 Nr. 3

Spalte:

58-59

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Willemsen, Carl Arnold

Titel/Untertitel:

Kardinal Napoleon Orsini (1263-1342) 1930

Rezensent:

Dannenbauer, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 3.

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einige dazugehörige Stücke italienischer Herkunft in guten Ausgaben I dein Wein kein Wasser beigemischt worden sei, hätte als solcher be-
in den Mon. German, vor, ebenso die vieluntersuchten, angeblich auf j zeichnet werden dürfen. Beigefügt ist der Ausgabe noch die Epistula
einem Tagebuch Tagenos beruhenden Nachrichten in der Chronik des I Gualteri de Mauritania episcopi ad Petrum Abaelardum nach der AusMagnus
von Reichersberg und die einschlägigen Stellen der Kölner j gäbe im Spicilegium d'Acherys mit Verbesserungen und Belegen.

Königschronik. Dagegen fehlte es für die in vorliegendem Band verei
nigten vier, z.T. umfänglichen und sehr wichtigen Quellen (1. Historia
de expeditione Friderici imperatoris, 2. Historia peregrinorum, 3. Epi

München. Hugo Koch.

stola de morte Friderici imperatoris, 4. Narratio itineris navalis ad Sfl"er.!hto*old =, ^

Terram sanctam) an einer genügenden Ausgabe. Die Arbeit war er- <"e römIschen Kardinäle in den Jahren 1289-1250 Heide

schwert durch die verwickelten Beziehungen, in denen die beiden erstgenannten
Berichte mit Magnus-Tageno stehen, worüber schon wiederholt
mit Aufgebot großen Scharfsinnes verhandelt worden ist. A. Chroust
in Würzburg, der schon vor Jahren sein Augenmerk dieser Frage zugewandt
und sie damals schon gefördert hat, hat jetzt das alte Problem
wieder aufgenommen und der in den Hauptpunkten wohl endgiltigen
Lösung zugeführt. Der umfangreiche Bericht, die Historia de expeditione,
der sogen. Ansbert, beruht auf drei Einzelberichtcn, die während des
Kreuzzugs von einem Teilnehmer — wohl tagebuchartig — niedergeschrieben
und einzeln in die Heimat gesandt worden sind, wo sie dann,
vermutlich von dem Verfasser selbst, nachträglich zu einem Ganzen vereinigt
wurden. Der Verfasser ist offenbar ein Mitglied der kaiserlichen
Kanzlei, vortrefflich unterrichtet, doch in seinen Berichten den offiziösen
Charakter nicht verleugnend; Mißerfolge u. dgl. werden bemäntelt, wie

berg: C. Winter's Univ.-Buchh. 1929. (V, 143 S.) gr. 8°. = Heidelberger
Abhandlungen z. mittl. u. neueren Gesch., H. 58. RM 6.50.
Unter dem weichen und friedliebenden Papst Honorius III. hatten
die Kardinäle an Bedeutung beträchtlich gewonnen und übten auf die
Politik der Kurie starken Einfluß aus. Auch unter dem schroffen
Gregor IX. machte sich eine Partei im Kollegium geltend, die friedlich
gesonnen und auf Ausgleich mit dem Kaiser bedacht war. Daraus ergab
sich für Friedrich die Möglichkeit, unter Umständen die Kardinäle als
selbständige Partei zu behandeln und auch zu versuchen, sie gegen den
Papst auszuspielen. Andererseits haben leidenschaftliche Gegner des
Kaisers unter den Kardinälen den zögernden oder nach Frieden strebenden
Papst mit sich zum Kampf gegen den Staufer fortzureißen gesucht.
Dieses Spiel der Kräfte hat vor Jahren (1901) Ferd. Fehling für die
Jahre 1227-1239 darzustellen unternommen. Sütterlins Arbeit, die mit

sich beim Vergleich mit unbefangeneren Berichten ergibt. Die Fortsetzung i der Exkommunikation Friedrichs Palmsonntag 1239 einsetzt, schließt

für die Jahre 1190-97 erweist sich durch sachliche und stilistische
Unterschiede als ein Anhang, den ein Mönch des österreichischen Klosters
Heiligenkreuz zugefügt hat, indem er gleichzeitig die erste Redaktion
erweiterte und etwas umgestaltete. Auf seine Arbeit geht die eine der
beiden uns erhaltenen mittelalterlichen Handschriften, die im Kloster
Strahov verwahrte, zurück. Die zweite Quellenschrift, die Historia peregrinorum
, stammt zwar von keinem Augenzeugen, doch von einem
sehr gut unterrichteten und zuverlässigen Zeitgenossen, vielleicht einem
Mönch in Salem, der außer der ersten Gesamtredaktion der Historia de
expeditione (sogen. Ansbert) auch mündliche oder schriftliche Berichte
von Kreuzzugsteilnehmern benützte, und für die Vorgeschichte des Kreuzzugs
, wofür 'Ansbert' nur wenige Worte bot, nach Chrousts Ansicht
eine Geschichte des Hauses von Montferrat (Verfasser Sicard von Cremona?)
heranzog. Kürzeren Umfangs sind die beiden letzten Berichte. Für
die Epistola de morte Friderici konnte Chr. eine zweite, in der älteren
Ausgabe der Mon. Germ, noch nicht benutzte Handschrift heranziehen,
die eine bessere Lesart bietet. Der Briefschreiber ist ein geistlicher
Fürst, der am Kreuzzug teilnahm, wohl sicher Bischof Gottfried von
Würzburg. Die Narratio itineris navalis, die den Band abschließt, ist
die Erzählung eines Ungenannten von den Schicksalen niederdeutscher
und flandrischer Kreuzfahrer, die 1189 von der Wesermündung aus den
Seeweg nach dem hl. Land einschlugen ; sie beruht offensichtlich auf
tagebucharügen Aufzeichnungen, bricht aber schon mit der Ankunft in
Marseille ab. Der vortrefflichen Ausgabe sind umfangreiche Namenregister
und Wort- und Sachregister beigegeben.

Tübingen. H. Dannenbauer.

Sententiae Florianenses. Nunc primum ed. prolegomenis, apparatu
critico, notis instruxit Henricus Ost lender. Bonn: P. Hanstein
1929. (VIII, 48 S.) gr. 8°. — Florilegium Patristicum, Fase. 19.

RM 2.50.

H. Ostländer, der in seiner Breslauer kath.-theol. Dissertation über
Peter Abaelards Theologia und die Sentenzenbücher seiner Schule (1926)
gehandelt hat, gibt hier die aus dieser Schule stammenden Sententiae
Florianenses, nach einer Handschrift der Stiftsbibliothek von St. Florian
in Oberösterreich aus dem 12. Jahrhundert, zum erstenmal heraus. Benutzt
ist in diesen Sententiae nicht bloß die Theologia Abaelards — die
übrigens nach Ostländers Nachweisen nur in den uns erhaltenen, von
Abaelard mehrfach herausgegebenen drei Büchern bestand —•, sondern
auch ein anderes verlorengegangenes Sentenzenbuch, das dem hl. Bernhard
bei seiner Bekämpfung der Lehre Abaelards vorlag. Sie scheinen
die gedrängte Nachschrift einer Vorlesung zu sein, die aber nach Meinung
des Herausgebers wohl nicht Abaelard selber gehalten hat, da die Eingangs
angekündigte Reihenfolge nicht eingehalten ist, was man dem berühmten
Theologen nicht zuschieben dürfe. Jedenfalls kommt aber die
Lehre Abaelards uberall in diesen Sentenzen zum Ausdruck und so
dienen sie zur Bestätigung dessen, was uns von anderwärts hierüber bekannt
ist. In den Anmerkungen hat denn auch der Herausgeber sorgfältig
Belegstellen aus Abaelards Werken, aus den Schriften des hl. Bertiard
und des Wilhelm von St. Theodorich gegen Abaelard, sowie aus den
Sentenzen der Magister Hermann und Roland beigefügt. Ebenso sind
die Anführungen aus Väterschriften nachgewiesen oder richtig gestellt.
Auch der Index ist sehr sorgfältig ausgearbeitet. So wird die Ausgabe
wohl allen billigen Anforderungen gerecht. Freilich sind bloße Erinnerungen

zeitlich genau an. Das Kollegium ist gespalten, einer schroff kaiser-
feindlicheu Partei, geführt von Rainer v. Viterbo, steht eine versöhnlich-
gesonnene gegenüber, vertreten besonders von Johann v. Colonna. Um
ihre Unterstützung bemüht sich der Kaiser 1239 — 44 immer wieder, in
der Hoffnung, durch sie beim Papst den Frieden zu erreichen. Mit der
Flucht Innocenz' IV. nach Lyon reißt die Verbindung mit den Kardinälen
ab, fortan handeln allein seine erbitterten Gegner an der Kurie
und sind unablässig bemüht, den Krieg gegen ihn zu schüren: literarisch
mit Flugschriften, im Feld als Legaten, sogar als Verschwörer gegen
das Leben des Kaisers.

Daß der Verf. auf einem so emsig und erfolgreich durchforschten
Gebiet, wie es der Kampf Friedrichs II. mit der Kurie ist, wenig Neues
hat bieten können, ist begreiflich. In der Hauptsache hat er sich darauf
beschränken müssen, aus den bekannten Vorgängen die Rolle der
Kardinäle schärfer hervorzuheben. Er ist dabei manchmal auch unnötig
breit geworden — der wiederholte Abdruck diplomatischer Schriftstücke
Friedrichs in deutscher Übersetzung, womit mehrere Seiten gefüllt sind,
wäre nicht unbedingt nötig gewesen, — manchmal wäre etwas größere
Ausführlichkeit der Sache zustatten gekommen. Verdienstlich ist die
Zusammenstellung des Kardinalskollegiums 1239 (Beilage 1). — Daß die
Tüb. Theol. Qu. Sehr. 1822 „das Organ des Möhlerschen Kreises" gewesen
sei (S. 13 A.), kann man wirklich nicht behaupten. Möhler begann
erst Sommer 1823 seine Tätigkeit als Privatdozent. Es handelt
sich um die älteste Generation der Tübinger Fakultät, deren Ansichten
noch vom 18. Jahrhundert beeinflußt sind. — Das Buch ist reich an
Druckfehlern, das Verzeichnis am Schluß ist bei weitem nicht vollständig
und enthält selbst noch einen (Metzer statt Wetzer 1). Das Literaturverzeichnis
mutet dem Benutzer Büchertitel zu wie Köhler, Meyer, Scholz,
Weber, Zimmermann usw., alles ohne Vornamen; ein gemeinschädlicher
Unfug.

Tübingen. H. Dannenbauer.

Willemsen, Dr. Carl Arnold: Kardinal Napoleon Orsini
(1263—1342). Berlin: E. Ebering 1927. (XXIII, 238 S.) gr.8°. =
Historische Studien, H. 172. RM 10—.

In dem 1902 erschienenen Werk „Aus den Tagen
Bonifaz' VIII." hat H. Finke, hauptsächlich auf
Grund der von ihm erschlossenen aragonesischen
Akten, eine Anzahl namhafter Kardinäle skizziert.
Seitdem sind ihm verschiedene seiner Schüler auf
diesem Gebiet nachgefolgt und haben unsere Kenntnis
der führenden Persönlichkeiten der Kurie um 1300
bedeutend vertieft. Willemsen, ebenfalls ein Schüler
Finkes, hat jetzt dem hervorragendsten Kardinal jener
Zeit, vielleicht des ganzen Mittelalters, eine eingehende
und umfassende Untersuchung gewidmet, die die
wechselvollen Jahre vom Tod Bonifaz' VIII. bis zum
Tod Johanns XXII. um die Person Nap. Orsinis herumgruppiert
. Das bedeutet keine Vergewaltigung des
Stoffes; denn tatsächlich steht dieser Mann jahrzehntelang
im Mittelpunkt der Ereignisse. 1288 als etwa
oder Nachwirkungen aus Vätern" nichV" sTuhitlF^ 25 Jähriger zum Kardinal erhoben gehört er dem hl

2,16 sq. deutlich l. Cor. 10,17 und danebenfc™ ep 63 13 (712 6ff Kollegium 54 Jahre lang unter sieben Päpsten an und
Härtel) nach, und der Gedanke p. 23, 15 sq, daß die Beschneidung'nur ßlbtu *}? ^er anerkannte Führer einer starken Partei wie-
tur Manner galt, die Taufe aber beiden Geschlechtern gilt, hat ebenfalls derholt den Ausschlag bei Wichtigen Entscheidungen,
eine Vorgeschichte bei Justin (Dial. 23,5), Cyprian (Testi'm. 1,8) u. a. : treibt auch jahrelang wie ein Kardinal des Renaissance-
Auch der offenkundige Irrtum p. 30, 1 sqq, daß in der ältesten Kirche Zeitalters auf eigene Faust große Politik. Papstmacher