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1930 Nr. 3

Spalte:

51-53

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Mechilta (2x) ed.; Sifra ed.; Sifre ed.; Midrasch Chamesch Megilloth ed.; Sche’eltoth des Rab Achai Gaon ed.; Aruch des R. Nathan ben Jechiël ed 1930

Rezensent:

Wosqin-Neharṭavī, Mōšeh

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 3.

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Euphrat andererseits, wobei er auch auf so wichtige
Fragen wie die der veränderten geographischen Situation
etwa auf Grund dessen, daß seit der talmudischen Zeit
die Flüsse z. T. ihren Lauf verändert haben, wieder
unter Verwertung eigener Ortskenntnisse, eingeht. Die
bedeutenderen Orte der Zeit werden gesondert behandelt
und, soweit sie über sie hinaus bestanden, in ihrer
Geschichte auch über die gaonäische Periode (bis etwa
1050) hinaus, ja gelegentlich bis in die Gegenwart
hinein verfolgt, wie es z. B. bei Bagdad der Fall ist.
So ist vielfach mehr geboten, als der Titel verspricht.
Daß der Verf. gelegentlich jüdische Traditionen zu vorurteilsfrei
benutzt (vgl. etwa S. 15 f.), reicht nicht aus,
um das günstige Gesamturteil über sein Werk einzuschränken
. Die Benutzung wird durch ausführliche Register
und zwei Karten erleichtert.

Obermeyers Arbeit, die den wissenschaftlichen Ertrag
der Lebensarbeit eines 84jährigen darstellt, weckt
aufs neue den Wunsch nach einer ebenso sachkundigen
Bearbeitung des nachbiblischen jüdischen Pälastina
noch mit Einschluß der neutestamentlichen Zeit, für die
wohl eine Reihe von Vorarbeiten da ist, die aber als
Ganzes zunächst wohl noch zu erwarten bleibt, obwohl
sie zu den dringendsten Aufgaben auf dem Gebiete der
spätjüdischen Wissenschaft gehört.
Tübingen. Karl Heinrich Rengstorf.

de Groot, Dr. Joh.: De Palestijnsche Achtergrond van den

Pentateuch. Rede, uitgesproken bij de Aanvaarding van het Hoog-
leeraasambt aan de Rijks-Universiteit te Groningen op 22 September
1928. Groningen: J. B. Wolters 1928. (23 S.) gr. 8". 75 c.

Diese kleine Schrift ist die Antrittsvorlesung des Groninger Professors
für hebräische Sprache und Antiquitäten J. de Groot, des Nachfolgers
F. Böhl's (der auf den Lehrstuhl für Assyriologie nach Leiden
berufen wurde). Sie handelt von dem palästinischen Hintergrund des
Pentateuchs, d. h. von allerlei konkreten Zügen in der Erzählung und
Gesetzgebung, die spezifisch palästinische Verhältnisse (Geographie,
Klima, Wirtschaft u. s. w.) voraussetzen. Es sind das alles kleine Dinge,
die aber doch Leben und Bedeutung für uns gewinnen, wenn man sie
von diesem Hintergrunde aus beleuchtet, und den Satz rechtfertigen,
daß die Offenbarung des lebendigen Gottes hauptsächlich eine Offenbarung
in Palästina gewesen ist.

Der Vf. gibt zunächst einige Beispiele aus den Ur- und Erzvätergeschichten
. Hübsch ist die Bemerkung zur Sintflutgeschichte. Die
babylonische Erzählung nennt auch die Schwalbe; sie fehlt im Pentateuch
, weil sie im judäischen Bergland kaum vorkommt. Umgekehrt
kennt man in Babylonien nicht den Ölbaum und das Ölblatt der Genesis
: der malerische Zug fehlt in der babylonischen Tradition.

Von den vier Quellenschriften hat P die wenigsten Beziehungen zum
spezifisch Palästinischen, D und E die meisten und charakteristischsten.

Der wissenschaftliche Teil der Rede endet mit der richtigen Bemerkung
: wer ein Fremdling in der neueren Palästinawissenschaft ist,
wird beim Studium der Bibel immer durch dasselbe Tor wieder heraustreten
, durch das er hineinkam.

Kiel. H. Windisch.

Mechilta Xnb1 212 ed. prineeps Konstantinopel 5275 (= 1515).
Offset-Neudruck 1925. Berlin: Sefarim-Verlag. (42 Bl.) 4°. geb. RM 25—.

Mechilta ^D^DÖ ed. Venedig 5305 (= 1545). Offset-Neudruck
1925. Ebd. (42 Bl.) 4°. geb. RM 10-.

Sifra rsHDD ed. prineeps Venedig 5305 (= 1545). Offset-Neudruck
1925. Ebd. (59 Bl.) 4°. geb. RM 12—.

Sifre "HDD ed- prineeps Venedig 5306 (= 1545). Offset-Neudruck
1925. Ebd. (63 Bl.) 4°. geb. RM 13—.

Midrasch Chamesch Megilloth flÜJD 51^0(1 EHIS ed. prineeps
Pesarv 5279 (= 1519). Offset-Neudruck 1926. Ebd. (100
Bl.) 4°. geb. RM 25-.

Sche'eltoth mn^N^ des RaD Acnai Gaon ed. prineeps Venedig
5306 (== 1546). Offset-Neudruck 1927. Ebd. (96 Bl.) 4°. geb. RM 15—.

Aruch des R. Nathan ben JechiSl ed. Pesaro 5279 (= 1517).

Offset-Neudruck 1927. Ebd. (17S Bl.) 4°. geb. RM 36—.

Der Sefarim-Verlag in Berlin hat sich die überaus
anerkennenswerte Aufgabe gestellt, Erstausgaben der
klassischen Werke des nachbiblischen hebräischen Schrifttums
in guten Reproduktionen erneut herauszugeben.
Jeder, der auf diesem Gebiete arbeitet, kennt den
empfindlichen Mangel an guten kritischen, allen wissenschaftlichen
Anforderungen genügenden Ausgaben der
: talmudisch-midraschischen Werke. Und solange es keine
; brauchbaren einheitlichen Ausgaben geben wird, wird
der Fachgelehrte es begrüßen, wenn ihm wenigstens
die ersten Drucke preiswert zugänglich gemacht werden.
Denn abgesehen davon, daß die Erstdrucke noch alte
Handschriften verwendet haben, besitzen sie vor den gewöhnlichen
Neudrucken den Vorzug, daß in ihnen die
Zahl der Druckfehler nicht infolge des häufigen Abdruckens
ins Unermeßliche gewachsen ist. Aber auch
; der Bibliophil dürfte sich über die ihm gebotene Mög-
; lichkeit freuen, seinen Bücherbestand durch die gut gelungenen
Reproduktionen der seltenen Werke aus den
berühmten alten Offizinen bereichern zu können.

Unter den Reproduktionen des Sefarim-Verlages gebührt der erste
Rang den drei tannäitischen Midraschim: Mechilta — richtiger wohl
Mechilatha („Deutungsnormen") — zu Exodus nach zwei Ausgaben,
nach der ed. prineeps Konstantinopel 1515 und der ed. secunda Venedig
1545, Sifra („das Buch") zu Leviticus Venedig 1545 und Sifre
(„die Bücher") zu Numeri und Deuteronomium. Diese drei Midraschim
gehören bekanntlich ZU den ältesten der Midrasch-Literatur; die in ihnen
angeführten Autoren sind durchweg Tannaiten ; ihre Redaktion erfolgte
: allerdings erst in amoräischer Zeit. Obwohl die drei Midraschim vor-
' nehmlich der Halacha gewidmet sind und jeder von ihnen erst beim
ersten legislativen Abschnitt des von ihm gedeuteten Buches beginnt, so
enthalten sie auch sehr viel Aggada, und es fehlen nicht in ihnen strenge
Erklärungen des Wortsinnes, grammatische und syntaktische Bemerkungen
sowie massoretische Berichtigungen. Die Ansicht der Tradition,
daß Mechilta auf R. Ismael zurückgeht, während Sifra und Sifre der
Schule Akibas entstammen (San. 86 a), wird heute noch kaum von einem
Forscher geteilt. Es ist vielmehr nachgewiesen, daß die Redaktoren
von Mechilta und Sifre Num. in größerem Maße Quellen aus der Schule
Ismaels benützt haben als Sifra und Sifre Deut., im übrigen aber in
den halachischen Midraschim die verschiedensten Überlieferungsquellen
sich vereinigt haben. Eine neue kritische Ausgabe gibt es nur von Sifre
von H. S. Horovitz; bei Sifra und Mechilta ist man noch auf die veralteten
Ausgaben von M. Friedmann und J. H. Weiß angewiesen. —
Von haggadischen Midraschim ist vorläufig nur die Wiedergabe des
Midrasch zu den fünf Rollen (Hoheslied, Ruth, Klagelieder, Kohelet und
Esther) erschienen. Diese gehören nicht wie die halachischen Midraschim
zeitlich zusammen, sondern ihre Entstehungszeit erstreckt sich
auf einen Zeitraum von 4 Jahrhunderten. Der älteste und schönste
unter ihnen ist der aus Palästina stammende Midrasch zu den Klageliedern
, in dem außer Tannaiten auch palästinensische Amoräer zu Worte
kommen. Alt dürfte auch der Midrasch zum Hohenlied sein, das frühzeitig
allegorisch aufgefaßt und deshalb von Akiba für hochheilig erklärt
wurde. Der jüngste unter ihnen ist zweifelsohne der Midrasch zu
Esther, dessen Verfasser die gesamte talmudische Literatur vorlag.

In der Wiedergabe der ed. prineeps der S ch e'el to th des R. Achai
aus Schabcha (ca. 750) erhalten die interessierten Kreise ein sehr angesehenes
Werk aus gaonäischer Epoche. In der Form von Untersuchungen
(Sche'eltoth), die sich der Reihenfolge der Pentateuchabschnitte anschließen
, werden darin die dahingehörigen Gesetzesbestimmungen meist durch
Auszüge aus dem Talmud wiedergegeben. Die Sche'eltoth bilden hiermit
den ersten für den praktischen Gebrauch bestimmten Grundriß der
Halacha; die in den Sche'eltoth erhaltenen Varianten zu Talmudstellen
erhöhen ihren Wert für den Fachgelehrten. An einer neuen guten Ausgabe
der Sche'eltoth mangelt es noch gänzlich, und die alte gute Ausgabe
von Dyhrenfurt 1786 ist selten. Wie Sche'eltoth ist auch der Aruch
des R. Nathan ben Jechiel das älteste Werk seiner Gattung. Es ist das
erste Wörterbuch zum rabbinischen Schrifttum und stammt aus dem
elften Jahrhundert, ist aber auch heute noch ein unentbehrliches Hilfsmittel
. Auch im Aruch weisen die zitierten Stellen aus Talmud und
Midrasch eine große Anzahl von Varianten auf, die für die Textforschung
wichtig sind.

Rühmende Erwähnung verdient die schöne, naturgetreue
Wiedergabe und die würdige Ausstattung der
genannten Erstdrucke. Freilich wäre der Gebrauchswert
der Reproduktionen noch erhöht, wenn an unauffälligen
Stellen durch hebräische Buchstaben die neue Zählung
der Abschnitte, besonders in den Midraschim, berücksichtigt
worden wäre. Ebenso hätte die fehlende
Paginierung in der Mechilta ed. Konst. und im Mid.
zu den fünf Rollen nachgetragen werden können, frei-

I lieh nicht durch abstechende arabische Zahlen, wie es
im Aruch der Fall ist. Immerhin ist der Verlag zu die-

! sem wahrhaft ideellen Unternehmen zu beglückwün-