Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 26

Spalte:

615-616

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hofmann, Georg

Titel/Untertitel:

Orientalia Christiana. Vol. XI, 2 = Num. 41: Patmos und Rom 1930

Rezensent:

Schmidt, Kurt Dietrich

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

615

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 26.

616

lieh. Es ist die am 15. Juni 1530 von Augsburg nach
Nürnberg gesandte, in den Scheurl'sehen Papieren erhaltene
Niederschrift der Fassung, die, mitteninne-
stehend zwischen der ältesten bekannt gewordenen und i
der endgültigen Gestalt des deutschen Bekenntnisses, die |
Grundlage der Bündnisverhandlungen zwischen Sachsen
tittd den anderen evangelischen Ständen geworden ist. 1
Neu ist an ihr z. B. der in der älteren Nürnberger Handschrift
noch nicht vorhandene Art. 20, von Glaube und
Werken. Dagegen fehlen ihr jetzt Einleitung und '
Schluß. Sie sind bei dem Werk, das zum Instrument >
der großen Politik werden sollte, nicht mehr den Theologen
überlassen. Wertvoll aber ist sie auch dadurch, j
daß sie in ihrer nahen Verwandtschaft mit der endgültigen
Redaktion der Augustana beweist, daß weder
die Zusammenschluß-Verhandlungen unter den Evangelischen
noch das Unterhandeln Melanchthons mit den
katholischen Mittelsmännern Einfluß auf die Gestaltung
des Bekenntnisses gehabt hat. — J. Fickers instruktive Einleitung
seiner mustergültigen Ausgabe, die diese Zusam- j
menhänge aufweist, geht auch auf die zu wenig beach- j
teten formalen Interessen Melanchthons ein; der Ver-
gleich der verschiedenen Fassungen zeigt die Sorgfalt,
mit der auch die Einzelheiten des Ausdrucks bedacht
und überprüft worden sind.
Göttingen. Hermann Dörries. I

Orientalia Cliristiana:

XI, 1 Nr. 40: Roz, P. Francisco, S. J.: De erroribus Nestoriano-
rum qui in hac India Orientali versantur. Inedit latin-syriaque de '
la fin de 1586 ou du debut de 1587. Retrouve par le P. Casters. j
Annote par le P. Irtinee Hausherr. (40 S.) gr. 8°. 6 L. i

XI, 2 Nr. 41: tiofraarn, Prof. Georg, S. J.: Patmos und Rom. |
Darstellg. d. Beziehungen zwischen dem griechischen Johanneskloster
O. d. römischen Kirche nach ungedruckten Quellenschriften. (109 S.) 7L. I

XI, 3 Nr. 42: de J e r p Ii a n i o n , G., S. J.: Bulletin d'archeo-
logie chretienne et byzantine. (61 S.) 6 L.

XI, 4 Nr. 43: De Oriente: Documenta et libri. (92 S.) 9 L.

XI, 5 Nr. 44 : Robinson, Gertrude, M. A.: History and Cartu-
lary of the Greek Monastery of St. Elias and St. Anastasius j
of Carbone. I.: History. (82 S. m. 5 Taf. u. e. Kte.) Rom: j
Pont. Institution Orientalium Studiorum 1928. 17 L.

Vol. XI 1 der Or. Christ, bringt eine Schrift des
Missionars Roz S. J. zum Abdruck, der 1624 als Erz-
bischof von Cranganore gestorben ist. Sie beweist, daß
die Thomaschristen bis zum Konzil von Diamper zum
mindesten mit nestorianischen Anschauungen infiziert j
gewesen sind, was noch kürzlich bestritten wurde. Dem
Abdruck des Textes, der reichlich mit Noten versehen j
ist, geht eine historische Einleitung über die Thomaschristen
und den Verfasser der Schrift aus der Feder
von J. Castets S. J. voraus, sowie eine Analyse der i
Schrift von J. Hausherr S. J. Die Einleitung zeigt
zugleich die nicht gerade zarte Art, in der die Union
der Thomaschristen mit Rom zustande gekommen ist.

In Vol. XI 2 behandelt G. Hofmann S. J. das Verhältnis
von Patmos und Rom. Nach kurzer Darstellung
ihrer Beziehungen, werden die Quellen, auf die sich die
Darstellung stützt, veröffentlicht, soweit das nicht schon
anderweitig geschehen. Das Resultat der Untersuchung
ist, daß ähnlich wie die Mönche der Sinai-Klöster auch
die Mönche von Patmos seit dem 15. Jahrh. vielfach
Beziehungen zu Rom angeknüpft haben, meist in der j
Form von Bittgesuchen, und daß sie dabei auch mehrfach
eine Anerkennung des römischen Primats ausgesprochen
haben. Die Frage, wie weit diese letztere als
ehrlich gemeint zu betrachten ist, hat Hofmann selbst
aufgeworfen, ohne aber nach Lage der Dinge eine bestimmte
Antwort darauf geben zu können.

In XI 3 berichtet G. Jerphanion über Forschungen
und Funde zur christlichen und byzantinischen Archäologie
.

XI 4 enthält Buchbesprechungen.

XI 5 enthält die Geschichte des Klosters St. Elias
und Anastasius von Carbone, zeitweilig das bedeutendste i
der griechischen Klöster Unteritaliens, von seiner Grün- |

dung im frühen Mittelalter an bis zu seinem Untergang
im 19. Jahrhundert. Der Verfall, der schon früh einsetzt
, ist hervorgerufen einmal durch die geistige Isolierung
, die der Bruch zwischen Rom und Byzanz und
der Untergang der byzantinischen Herrschaft in Unteritalien
bedingte, dann durch die Unruhen, in die die
päpstliche Politik durch Herbeirufen der Anjous das
Land stürzte, endlich durch die schrankenlose Aus-
saugungspolitik, die Äbte „in commendam" mit dem
Kloster betrieben. Auch Kardinäle, vor allem des 16.
Jahrh.s, haben sich in dieser Beziehung schwere Schuld
aufgeladen. Die Urkunden, auf die sich die Darstellung
stützt, sollen in einem 2. Heft folgen. Hier sind nur
Regesten veröffentlicht.
Kiel-Voorde. Kurt Dietrich Schmidt.

Archiv für Elsäßische Kirchengeschichte. Im Auftr. d. Gesellsch.
für Elsäßische Kirchengesch. Hrsg. v. Joseph Brauner, Diözesan-
Archivar zu Straßburg. 3., 4. u. 5. Jahrg. Freiburg i. Br.: Herder
& Co. in Komm. 1928/29/30. (VIII, 407, VII, 415" u. XVI, 399 S.)
4°. RM 10-; u. RM 8.50.

Seit Erscheinen dieses kirchengeschichtlichen Archivs
ist wohl der wichtigste Beitrag der im 4. und 5.
Jahrg. von Luzian Pfleger gelieferte über die Entstehung
und die Geschichte der elsässischen Pfarreien.
Nach kurzen Mitteilungen über die Kirchen zur Zeit der
Römerherrschaft wird über die Kirchen der Missionszeit
nach ihren Patrozinien, sowie über die Organisation
der verschiedenen Arten von Pfarreien und über Patro-
nat und Inkorporation, sodann über Pfarrecht und Pfarrzwang
, über Pfarrseelsorge der älteren Orden und der
Stiftskirchen und zuletzt über den K ampf um die
Pfarrechte in den Städten gegen die Mendikantenorden
bis zum tridentinischen Konzil berichtet. Einen ähnlichen
Entwicklungsgang wie im Elsaß werden wohl
unter gleichartigen Verhältnissen die Pfarreien an vielen
anderen Orten genommen haben.

Von allgemeinem Interesse ist die überzeugende
Untersuchung desselben Verfassers über die Echtheit
der durch den Franziskaner Johannes Pauli überlieferten
Predigten Geilers von Kaysersberg; ebenso die von
Joseph Lefftz nach der Originalhandschrift gebotene
erstmalige Veröffentlichung von Thomas Murners „Pur-
gatio vulgaris". Auch die von Florenz Landmann auf
Grund der 17 anonymen Handischriftenbände der Colmarer
Konsistorialbibliothek gegebenen Aufschlüsse
über die spätmittelalterliche Predigt der Franziskaner-
Konventualen sind ein willkommener Beitrag zur genaueren
Kenntnis der Predigtart unmittelbar vor der Reformationszeit
. Nicht weniger Beachtung verdient die
Abhandlung Joseph Herbers über die biblischen Eigennamen
im Althochdeutschen, besonders bei Otfrid von
Weissenburg.

Aus den zahlreichen übrigen Aufsätzen, die sich
speziell mit der elsässischen Kirchengeschichte beschäftigen
, ragt derjenige von Emil Clemens Scherer über
„Frankreich und der elsässische Klerus im 18. Jahrh."
hervor.

Von den mit reichem Bilderschmuck ausgestatteten
kunstgeschichtlichen Beiträgen ist der von Franz Stoehr
im 3. Jahrg. über die Ekklesiagruppe am Straßburger
Münster und ihre Beziehungen zum Engelspfeiler und
zur Dormitio besonders beachtenswert.

Dorlisheim/Elsaß. Joh. Adam.

Itterzon, G. P. van : Franciscus Gomarus. s'Gravenhage: Mar-
tinus Nijhoff 1929. (XII, 467 S.) gr. 8°. fl. 8- u. 10-.

Es ist wohl merkwürdig, daß F. Gomarus dieser
berühmte, einflußreiche Theolog, streitfertiger Vorkämpfer
für die echte reformierte Lehre, Hauptgegner
des Arminius, bisher noch keine eingehendere Behandlung
seines Lebens und seiner Schriften gefunden hatte.
Das Versäumte holt der reformierte Prediger G. P. van
Itterzon, Schüler von F. Pijper und vor allem von
A. Eekhof in Leiden, nach und legt als Frucht jähre-