Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 26

Spalte:

604-605

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oesterley, W. O. E.

Titel/Untertitel:

Hebrew Religion. Its Origin and Development 1930

Rezensent:

Löhr, Max

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

603

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 26.

604

tes, die Weisheit und die Macht, die Wirkung des
Wortes — der Theologe denkt sofort an die k^ovaia
Jesu Matth. 7, 28 f. — schöpferische Kraft, Lebensenergie
; Kr. erinnert selbst an Joh. 1,4. Auch Mithra
ist „der Starke und beredte", tanu mathro, d. h. „das
Wort, das in dieser Welt erschienen ist". Ein anderer
göttlicher Bote heißt Astvat-ereto, d. i. „die verkörperte
(oder Fleisch gewordene) göttliche Ordnung": durch
den Boten wird das göttliche Leben, aus der anderen
Welt, der unsichtbaren Welt von Mazda, in unsere
Welt gebracht, um hier verwirklicht zu werden.

In Ägypten ist der Bringer dieses Lebens der
Apis stier. Denn auch er ist „Herold", zugleich das
„lebendige Bild von Osiris", d. i. die lebende Inkarnation
des unsichtbaren Gottes des Totenreichs. Sein
Beiname ist whm n Ptah, d. h. (nach Erman) der
Herold von Ptah; also ist Apis die Inkarnation des
Wortes Gottes. Kr. veranschaulicht das näher aus dem

sog. Sabaka-text (Sethe dramatische Texte I 1928). Apis
ist darnach der Bringer der Lebensmittel, und damit
der Bringer der Kraft des göttlichen Wortes, des Wortes
von Ptah.

Nach diesen Analogien ist nun auch Hermes zu
verstehen. Auch er ist Botschafter zwischen zwei Welten
und als h'iyiog verfügt er über die zwingende, überzeugende
Kraft des Wortes (vgl. Strabo 2. 104), bringt
er das göttliche Leben zu den Menschen. Sein Symbol
ist der Heroldstab, der ein Zauberstab ist (vgl. den Stab
der Kirke) und die magische Kraft des erstehenden
Lebens der Erde besitzt. So ist er, wie Mithra, wie
Apis, wie der König Mittler zwischen der göttlichen
und der menschlichen Welt durch das göttliche Wort.

Ich kann die Tragkraft der verschiedenen Kombinationen
und Identifikationen nicht beurteilen. Die
Hauptlinie scheint mir klar und sicher gezeichnet. Verschiedene
antike Religionen kennen von alters her einen
Gott, der als Träger des schöpferischen Wortes Mittler
zwischen den zwei Welten, Bringer von Leben und Licht
unter den Menschen ist. Nairyo sanko, Mithra, Hermes,
Apis sind die mythologischen Vorläufer des johanne-
ischen Christus, für den auch „der göttliche Herold"
indertat ein treffender Titel sein würde.

Schon in meinem Kommentar zum zweiten Ko-
rintherbrief (1924) S. 115 habe ich nach einem Vortrag
meines damaligen Leidener Kollegen Vogel auf den
Begriff teja gewiesen als Analogie zu dem neutesta-
mentlichen cVjia. Vogel hat jetzt das ganze, hoch interessante
Material in seinem Akademie Vortrag allgemein
zugänglich gemacht.

Nach dem Gesetzbuch des Manu, so beginnt V.,
besteht der König aus Teilen der Götterfürsten und
übertrifft er alle Geschöpfe durch teja; er besteht aus
dem teja von allen (Göttern); darum ist er nicht bloßer
Mensch, sondern eine große Gottheit in menschlicher
Form. Darnach ist das teja die Substanz der Götter.
Grundbedeutung des Wortes ist „Schärfe" (etymologisch
verwandt mit OTiy/.iu, „stechen" usw.); daraus
entwickelt sich unter der indischen Sonne die Bedeutung
„Glut, Hitze, Feuer" und auch „Glanz". Teja ist die
geheimnisvolle, magische Kraft, die gewissen Klassen
von Wesen und auch bestimmten Gegenständen und
Substanzen von Natur eigen ist, und die sich als Glut
oder Lichtglanz offenbart. Tejasträger sind z. B. die
Asketen — Askese vermehrt die Kraft des teja — die
Könige die Brahmanen, die Ksatriya's (die Kriegerkaste
), natürlich auch die Götter, wenn sie in Menschengestalt
auftreten, teja ist dann magische Energie, Lebenskraft
, offenbart sich als Eifer oder Streitlust. Auch
Buddha hat die Macht und den Glanz des teja. Den
Beweis liefert hier neben der Legende die bildende
Kunst. Auf den Reliefs — V. bringt verschiedene instruktive
Abbildungen — gehen flammende Strahlen
vom Körper des Buddha aus, die die Glut von seiner
Wundermacht versinnbildlichen.

Teja steckt auch in den magischen Mitteln, Zauber
und Heilmitteln, im Feuer und im Wasser, in den
Götterbildern, sofern sie wirksam sind, in der mythischen
Nahrung des Kindes, nämlich Gold, Honig und
geschmolzene Butter. Letztere Substanz insbesondere,
ghl genannt, gilt, weil sie teja-haltig ist, als die Macht,
die alles Böse vertilge, als die Speise der Götter — sie
enthält die göttlichen Vitamine, würden wir sagen —
| und wird auch bei der Königsweihe verwendet.

Begriff und Bedeutung von teja ist damit von
, Vogel zu schönster Deutlichkeit gebracht. V. erinnert
i am Schluß an einige außerindischen Analogien, das
avestische /"varanah, an mana und orenda. Bibelforscher
! werden, wie oben schon angedeutet, das biblische oo|a
heranziehen, nicht um nun etwa das do|a des N.T. aus
dem indischen teja abzuleiten, öY£« hängt genetisch zu-
i nächst mit dem "ins des A.T. zusammen, sondern um
' den Sinn von dofa näher zu deuten. In der Tat deckt
> sich öo^u weithin mit teja. Auch döiu ist Glanz, Glut,
die Substanz der göttlichen Wesen. Die Verklärung des
Christus auf dem Berg findet in Vogel's Material über
teja mannigfache wertvolle Illustrationen. Dasselbe gilt
i von dem vaxeqttbvrai rfjc dö^rjg rov Ütov Rom. 3,23, in-
i sofern da ein jüdisches Mythologem hinter dem Aus-
! druck steht (vgl. Lietzmann z. St.): sie haben, wie schon
Adam das göttliche teja verloren, könnte man umschreiben
; von Paulus ist die Vorstellung natürlich vergeistigt.
Ursprünglicher leuchtet die teja-Vorstellung heraus,
wenn Paulus lehrt (Rom 6,4): Christus sei von den
Toten auferweckt durch die doi'n-teja des Vaters! Vgl.
dazu den Mythus von dem Wundertäter Vicvämitra, der
den König Tricanku lebendig zum Himmel auffahren
läßt durch die Kraft seines teja (p. 14 f.). Wenn die
Taufe als Sakrament gilt, ist das Wasser teja-haltig gedacht
, vgl. etwa 1. Cor. 15,29. Teja endlich sind die
Gloriolen, Lichtringe und Strahlenkränze der Engel, der
Heiligen, des Christus in der christlichen Malerei.

So zeigen die beiden Studien, wie die religionsgeschichtliche
Arbeit immer wieder für das N.T. fruchtbar
gemacht werden kann. Wahrscheinlich werden die Thesen
von Kristensen noch weiter diskutiert werden
müssen und zum teja der Inder wird wohl auch noch
| nach weiterem Vergleichsmaterial gesucht werden müs-
: sen. Wir sind beiden Forschern dankbar für das Gebotene
.

Kiel. H. Windisch.

Oesterley, Prof. M. A., D. D., W. O. E., u. Theodore H. Robinson
, M. A., D. D.: Hebrew Religion. Its Origin and Development
. London: S. P. C. K. (1930). (XXIV, 400 S.) S°. 10 sh. 6 d.
Das Thema ist in 3 Teilen behandelt, deren erster,
aus der Feder Oesterleys stammend und the Background
betitelt S. 1—130, die Spuren von Animismus, Totemis-
mus, Polydämonismus, Ahnenkult und Tabu im AT. erörtert
und sich dann zur Nomadenreligion wendet. Deren
Festzeiten, wie Neumond, Sabbat, Pascha, Schafschur
i und die Jahweverehrung werden dargestellt. Teil 2, von
! Robinson verfaßt, hat Israelite Religion zum Inhalt
S. 131—226. Nach Behandlung der üblichen Gesichts-
| punkte: Moses, Baalismus, Prophetismus schließt er
I mit den Propheten des 7. Jahrh.s: Zephanja, Jeremias
' und Habakuk. Der 3. Teil, Judaism S. 227—367, we-
j sentlich die Arbeit Oesterleys mit einigen Beiträgen
Robinsons, reicht vom Exil bis zur maJckabäischen
I Zeit mit einem kurzen Ausblick auf das NT. und die
| Mischna. Viel Mühe hat den Verf. die Anordnung des
j Stoffes gemacht. Sie teilen nicht nur nach Perioden,
i sondern auch nach Persönlichkeiten, S. XX, auf die Ge-
j fahr hin, dadurch inkonsequent und unlogisch zu wer-
| den, wenn sie z. B. Ezechiel und dem 2. Jesaias in der
Darstellung des 3. Teils besondere Kapitel widmen.
| Selbstverständlich ist ihnen bewußt, daß in zahlreichen
j Fällen eine völlig abweichende Stellungnahme zu den
! Problemen erfolgen kann und erfolgt ist. Sie geben,