Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 25

Spalte:

581-583

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Eduard

Titel/Untertitel:

Das Buch Hiob eingeleitet, übers. u. erkl 1930

Rezensent:

Volz, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

581

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 25.

582

den Aufbau eines Zahlensystems verwendet wird (S.
125. 181).

Aber alle diese Einwände ändern nichts an der
Tatsache, daß B. in diesem Buch grundsätzlich den
richtigen Weg gezeigt und so die so schwierigen chronologischen
Forschungen über die Königszeit auf eine
neue tragfähige Basis gestellt hat. Alle Weiterarbeit
)vird von seinem Werk ausgehen müssen, und wer sich
in chronologischen Fragen Rat holen will, muß zu seinem
Buch greifen. Um so bedauerlicher ist das Fehlen
eines Stellenregisters; bei der Art der Darstellung des
Buches kann man jetzt lange suchen, bis man die Beurteilung
einer bestimmten Traditionszahl findet. Auch
hätte es der Leser als angenehm empfunden, wenn die
Zeittafel, die das Ergebnis des ganzen Buches darstellt,
zur rascheren Orientierung an leicht zu erreichender
Stelle, ganz am Anfang oder ganz hinten wiederholt
worden wäre. — Einzelne Versehen: S. 106 ZI. 13 v. u.
muß es heißen: „der 1. Synchronismus"; S. 125 ZI. 20
ist Jotam mit Ussia verwechselt; auf der Tabelle II e ist
am Anfang der IV. judäischen Spalte Alias für Jotam
zu lesen; der Verfasser des im Vorwort genannten Aufsatzes
heißt Hänsler, nicht Häusler.
Gießen. W. Rudolph.

König, Prof. Dr. Eduard: Das Buch Hiob eingeleitet, übers, u.
erkl. Gütersloh: C. Bertelsmann 1929. (VIII, 510 S.) gr. 8°.

geb. RM 22—.

Der neue Kommentar zeigt die Vorzüge, die wir an
den Kommentaren Königs gewohnt sind: solideste grammatikalisch
-philologische Textbehandlung und ausführliche
Darlegung, unbestechliche Überprüfung der Ansichten
der Mitforscher im Großen und im Einzelnen.
Kommentare, die die letztere Aufgabe nicht erfüllen, bezeichnet
K. als dilettantenhaft. So dankbar man K. in
allen seinen Werken für die Katalogisierung des Ansichtenmaterials
ist, so hat sie doch auch ihre starken
Kehrseiten. Über all den Meinungen der Ausleger tritt
nicht selten der Text selbst zurück und es werden bisweilen
auch ganz vergängliche Einfälle gebucht, bei
denen der Wissenschaft mit der Verschweigung ein
größerer Dienst geleistet wäre. Es wird also am besten
sein, wenn verschiedene Arten von Kommentaren nebeneinander
bestehen.

Königs Kommentar hat folgende Anlage: Die Einleitung
behandelt Textfragen, die textkritischen Mittel,
Aufbau des Hiobbuches, außerisraelitische Parallelen,
Geschichtlichkeit, lokalnationale Szenerie und kulturgeschichtlichen
Hintergrund. Bezüglich des Metrums und
des Rhythmus betont K. mit Recht die Freiheit der hebräischen
Dichtung; er hält z. B. gewiß richtig die
Tristicha für möglich trotz des Gesetzes vom parallelis-
mus membrorum. Die literarische Gattung des Buches
Hiob wird von K. als „episch-didaktisch" bezeichnet.
Eine Abhängigkeit von babylonischen Parallelen wird
abgelehnt. &Doch stammt der Stoff von außen
her. ,,An eine vom Ausland her erklingende Sage
vom tragischen Unglück eines frommen Mannes hat ein
hebräischer Schriftsteller seine dichterische Erörterung
des Leidensproblems angeknüpft, um dadurch die allgemeinmenschliche
Tragweite dieses Problems anzudeuten
".

Der Hauptteil gibt die fortlaufende Übersetzung.
Darunter stehen die Anmerkungen, in denen ohne Trennung
das Grammatikalische, Philologische und das eigentlich
Stoffliche gemischt ist und das letztere etwas
zu kurz kommt. Im Grammatikalischen werden wir
viele Bemerkungen des Meisters mit Dank begrüßen.
Besonders will er gegen die Vernachlässigung der Tem-
pusformen in der modernen Hiobauslegung protestieren.
In der Textkritik sind die Versionen ausführlich benützt;
aber es geht bei einem so großen wissenschaftlichen
Kommentarwerk heutzutage doch nicht mehr an, bloß
mit den Versionen im allgemeinen zu arbeiten, ohne auf
das Kleinzeug, auf die einzelnen Handschriften der

I

| Septuaginta, auch auf die Handschriften im Hebräischen
| u. dgl. einzugehen; es müssen für die Textkritik die
i sämtlichen verfügbaren Zeugen zugezogen werden.
Den Abschnitten der Übersetzung und Auslegung folgen
zusammenfassende Erklärungen. Die Kapitelfolge des
' jetzigen Hiobbuches wird überall beibehalten; nach
: Königs Meinung ist in Kp. 3—31 im großen Ganzen
mit wenigen Ausnahmen alles echt (auch Kp. 28) und
: in richtiger Ordnung.

Der Schlußteil bringt einen Rückblick. Zunächst
wird die Einheitlichkeit des Buches besprochen.
Das „Volksbuch" wird abgelehnt. Der jetzige „Prolog"
ist nicht ursprünglich, sondern die spätere Umgestaltung
einer ursprünglich kürzeren Einleitung. Mit trefflichen
: Gründen belegt K. die Unvereinbarkeit des jetzigen
Prologs mit dem übrigen Buch. Im „Satan" sieht er den
Versuch des Späteren, die Gottheit zu entlasten. Den
j Epilog 42,7—17 hält er für „echt", d.h. dem ur-
| sprünglichen Prolog zugehörig. Die „Elihureden" sind
ein Zusatz; aber sie sind, wie K. mit Recht betont, kein
unbedeutender Bestandteil des gesamten Buchs; K.
meint, der Verf. habe die Absicht gehabt, die Dichtung
inhaltlich zu vervollständigen durch die Auffassung
vom Leiden als des göttlichen Erziehungsmittels
. In der Gottesrede Kp. 38 ff. erblickt K. den
sachgemäßen Abschluß des „echten" Buchs; bei der
Behandlung dieser wichtigen Frage begnügt er sich mit
einer merkwürdigen, sonst bei ihm nicht üblichen Kürze.
Es folgt „die abschließende Eiörterung des Problems
j der Hiobdichtung und seiner Lösung". Hierbei wendet
sich K. vor allem gegen meine Auffassung von 3—31
I als eines Lebensliedes; für K. ist dieser Kern des Buchs
j rein didaktisch und er bleibt durchaus dabei, daß (auch
in 3—31) ein Problem abgehandelt und eine Lösung gegeben
werde. Es ist schade, daß K. sich noch nicht
mit dem feinen Aufsatz von Hackmann in Nieuw Theol.
! Tijdschr. 1930, S. 25 ff. und mit dem Hempels in
j Zeitschr. für System. Theol. 1929, S. 621 ff. ausein-
I andersetzen konnte; er härte dann noch andere bedeut-
I same Gegner vor sich gesehen. Die Lösung findet K.
1 darin, daß das Leiden als „Bewährungsleiden" erkannt
: wird; auch im Prolog handle es sich um „Bewährungsleiden
" (nicht etwa um die Frage, ob es eine uneigen-
j nützige Frömmigkeit gebe, was ich für die richtige
Deutung und für eine viel gewaltigere Frage halte);
vor allem ist das Bewährungsleiden nach Königs Mei-
| nung die Lösung im Hauptstück 3—31. 38 ff., da Hiob
j durch seine Reue 40, 3—5; 42, 6 sich als im Leiden be-
[ währt erweise. Durch die Gottesrede Kp. 38 ff. werde
„das Leiden als ein Moment des von Gott mit Macht,
I Weisheit und Güte gelenkten Verlaufs der Weltbegeben-
; heilen enthüllt, den der Mensch, der vernünftig seines
| Niveaus bewußt bleibt, mit Ehrfurcht und Vertrauen an-
I erkennen wird". „Zu dieser Intelligenz und Güte muß
j man also auch das Vertrauen hegen, daß sie zu einem
i vernünftigen Zwecke auch Übel unter die Momente des
, Weltbestandes und Weltgeschehens gemischt hat und
l mischt". Wenn nur irgendetwas von diesen vernünftigen
Sätzen und Gedanken in den erhabenen Worten von
Kp. 38 ff. stünde! K. sagt selbst: „weil die in Kp. 38ff.
gegebene Enthüllung über das Leiden frommer Men-
| sehen (nämlich diese „Enthüllung" in Königs Sinn)
I schon einstmals manchem als zu wenig deutlich erschien,
kam „Elihu" zu seinem Entschluß des Eintrags und
wurde der Satan in den Prolog eingefügt". Am ausführ-
I lichsten beschäftigt sich K. mit der These, daß Hiob
überhaupt keine Lösung bringe, dabei vor allem mit der
Auffassung von Friedr. Delitzsch, der Hiob das „Hohelied
des Pessimismus" genannt hat. Als Zeit erkennt
K. das Zeitalter Jeremias, als Ort Palästina. Und zum
Schluß wird ein Blick auf die Stellung des Buches Hiob
in der Geistesgeschichte Israels und der übrigen Menschheit
geworfen.

Neben den eingangs genannten Vorzügen stehen
ebenso deutliche Mängel. Hinter all den trefflichen Ein-