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Ausgabe:

1930 Nr. 2

Spalte:

37-38

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hentrich, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Gregor von Valencia und der Molinismus 1930

Rezensent:

Koch, Wilhelm

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Seite 1

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37 Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 2. 33

Herbst, Privatdoz. Lic. Dr. Wilhelm: Das Regensburger | für die angehenden Priester des Bistums Limburg do-
Religionsgespräch von 1601. Geschichtlich dargest. u. dogmen- ; ziert, ist nur ein (selbständiger) Ausschnitt aus einem
geschichtlich beleuchtet. Gütersloh: C. Bertelsmann 1928. (Vlll, ' größeren Werk über Valencias Leben und Bedeutung;
297 s. m. Abb.) gr. 8°. . . RM 12-. j es behandelt Valencias philosophisches „System" vom

Dreißig Jahre nach der letzten einseitigen und Zusammenwirken göttlicher Gnade und menschlicher
nicht zuverlässigen Sonderbehandlung des Gegenstandes Freiheit. Bisher galt Valencia als Molinist vor Molina
(Hirschmann in ZkathTh 22, 1898) bietet Verf. (dessen epochemachendes Werk über jenes Zusammeneine
ausführliche Untersuchung des Regensburger Reh- wirken ja erst 1589 heraus kam), als „Prämolinist".
gionsgesprächs von 1601 auf Grund umfassender Ver- Hentrich versucht nun auf Grund der gedruckten Werke
arbeitung der Akten und der Literatur, über die Biblio- ! Valencias und ungedruckten Quellen, die er gefunden,
graphie (Kap. 1) und Quellenkunde (Kap. II) unter- nachzuweisen, daß Valencia kein Prämolinist war, vielrichten
. | mehr bis zum Bekanntwerden von Molinas „Concordia"
Die Vorgeschichte des Gesprächs behandelt sorg- (1590) die Frage nach dem Zusammenwirken von Gort
fältig, vielleicht etwas unnötig breit, das umfangreichste , uncj menschlichem Willen philosophisch anders und
(III.) Kap.: Maximilians von Bayern diplomatische i ganz eigenartig zu lösen gesucht habe; Hentrich nennt
Überlegenheit gegenüber dem Pfalzgrafen Philipp Lud- diesen Lösungsversuch deshalb Valencianismus. Er be-
wig — der S. 39 durchaus in z. T. wörtlicher Ab- stellt darin, daß Valencia ein Moment im jeweilen
hängigkeit von Sperl (Schrr. Ver. Ref. Gesch. 1895) , menschlichen Willensakt, nämlich die eigentliche Selbstgekennzeichnet
wird —,die Verschiebung der Verhand- entscheidung („accomodatio seu applicatio libertatis"),
lungspunkte durch die katholische Partei, das Nach- | nicht als „inotus seu actus intercedens" gelten läßt (songeben
, aber auch das m. E. im Endurteil doch etwas zu dem als „ipsa natura et perfectio liberi arbitrii" betrach-
gering veranschlagte Festhalten der Pfalz-Neuburger. fet) und deshalb eine Mitwirkung Gottes hiezu für nicht
Kap. IV versammelt kurz biographische und bibliogra- 1 notwendig hält, somit die menschliche Freiheit gewahrt
phische Angaben über die einzelnen Kollokutoren nicht I giaubt. Seit 1576 läßt sich dieser „Valencianismus" in
recht einheitlich, Anmerkungen, die als Text gedruckt Valencias Werken nachweisen, und noch im ersten Band
werden. Verlauf und Abbruch des Gesprächs vor den seines Hauptwerks, des Thomaskommentars, der 1590
beiden letzten nach der 14. Sitzung stellen Kap. V und jm Druck begonnen wurde, findet er sich als unterste

VI dar. Dabei wirkt die — übrigens nicht überall durchge
führte — doppelte Angabe der Daten nach (bevorzugter)
„alter" und „neuer" Zählung (S. 49, Anm. 3) zuweilen
etwas störend: z. B. S. 160: „Am 26. Nov./6. Dez.

Schicht; erst unter der Presse hat ihn Valencia, der inzwischen
Molinas Concordia kennen gelernt hatte und
zugleich in der neuen Studienordnung der Jesuiten den
Molinismus vorgeschrieben sah, molinistisch überarbeitet

setzte man die Sitzungen wegen des Niklastages aus." , d. h. die concordia zwischen Gott und menschlichem
Der Beginn des Gesprächs ist (S. 106) dagegen nur mit ■ Willen mittels der scientia media zu lösen gesucht.
18. Nov. (alt) angegeben (vgl. auch S. 123. 124. 166). 1 Diese Ideeuentwicklung bei Valencia hat Hentrich zwei-
Das Schlußkap. versucht die dogmengeschichtliche j fdlos festgestellt und durch einen seit Erscheinen des
Einordnung des Gesprächs in die theologischen Be- j vorliegenden Buches gelungenen neuen archivalischen
mühungen um begriffliche Klärung und Abgrenzung der I Fund (worüber er in der Zeitschrift Scholastik, 1929,
Lehrauktorität; es will die Entwicklung und Verteidi- , s. 91/108, berichtet) noch mehr gesichert. Nur um
gung der katholischen und der lutherischen Lehre von I diese Feststellung und um die Klärung der Frage nach
Schrift und Tradition in ihrer gegenseitigen Gestaltungs- ; der Einreihung Valencias in die Geschichte der Theolo-
bedingtheit an ihren Hauptvertretern (Cochlaus, Tnd. j gjc handelt es sich für Hentrich, nicht um die Wertung
Sess. IV. Perez von Avala, Coster, Bellarmin — Jac. | des „Valencianismus", der, nur nebenbei gesa<tt schwer-
Heerbrand. M. Chemnitz), die weitgehende Anlehnung l lieh einen Fortschritt bedeutet. Im Grunde genommen
der katholischen Kollokutoren an Bellarmin, eine ge- ] jst dieser Lösungsversuch Valencias doch eine Vorstufe
wisse Festigung und sehr bescheidene Fortbildung der l des Molinismus, und wenn man das Wort Prämolinis-
lutherischen Anschauung aus bei Heerbrand aufgezeig- ' mus als „Vorstufe des Molinismus" versteht (was ohne-
ten Ansätzen durch das Gesprach verdeutlichen. Die hin naheliegt), dann ist Valencia dennoch ein Prämoliacht
Beilagen bringen teils wortgetreu, teils im Auszug „ist gewesen, und könnte Hentrichs Bemühen nicht
bemerkenswerte Akienstucke der Mühe wert erscheinen. Es liegt mir indes ganz fern,

Der fast fehlerfreie (185, 14 u. 20 Cochlus statt : dies zu behaupten; im Gegenteil sei dankbar anerkannt
Cochläus; 186, 10 v. u. spitntu statt spintu. 68, 18 lt. daß Hentrich die Biographie und Bibliographie und die
76, 4 steht die ungewohnte Form: Vincentius von Ly- idcengeschichtliche Stellung Valencias wesentlich ver-
nnum) Druck ist mit Bildnissen der wichtigeren Per- j bessert, ergänzt und geklärt hat. Das Buch ist mit Klar-
sonhehkeiten und der Wiedergabe von Aktenstücken im heit (einzige Ausnahme macht die Beschreibuno- der
„Gleichdruck" sowie einer bildl. Darstellung des Ge- 1 scientia media S. 19 f.) und in gutem sehr verständ-
sprachs sehr beachtlich ausgestattet. Hchem Deutsch geschrieben. Es ist mit größtem Fleiß

Trotz zuweilen störender Breite und gelegentlicher und umfassender Gründlichkeit o-earbeitett ein wert-
Ungleichmaßigkeit wird man die eingehende Unter- ; volles Quellen- und Literaturverzeichnis ein oanz beson-
suenung- vor allem wegen der sorgsamen Ausbreitung j ders praktischer „Personen- und Sachweiser" (wie der
des Materials als förderlichen Beitrag zur Lehrgeschichte Verf. glücklich statt „Register" sagt) sind beigefügt

des Protestantismus dankend zu buchen haben
Rostock._ e. Wolf.

Auch über den Druck hat Hentrich pünktlich gewacht;
nur S. 60 Z. 3 u. 10 v. o., S. 76 Z. 3 v. u., S. 108 Z. 9
v. o. sind ihm unwesentliche Fehler entgangen. Das
Werk ist eine schöne Gabe zum 60. Geburtstag des
kathcl. Philosophen J. Geyser-München und eine tüchtige
Leistung in der „Schriftenreihe, herausgegeben vom

Hentrich, Prof. Wilhelm, S. J.: Gregor von Valencia und der

Molinismus. Ein Beitrat: z. Gesch. des Prämolinismus mit Benütze,
ungedr. Quellen. Innsbruck: F. Rauch 1928. (XI, 170 S.) gr. 8°. =
Philosophie und Grenzwissenschaften, Bd. 2, H. 4 und 5.

nw Hon in <a«L: ican u „uRM.J- ! I^isbmckeMnstitut für scholastische Philosophie"

Uber den in opamen 1549 geborenen, aber den : Waiblingen Württ. Wilhelm Koch.

größten Teil seines Gelehrtenlebens in Deutschland, an ——7-TT.-:-i-77 ... Z-T

den Universitäten Dillingen und Ingolstadt, wirkenden DieQ^terlb«n2jschen Kirchenvis.tat.ons-Absch.ede und

l5L■ Y*}™0! rg Js bis jetzt noch keine Monographie. Berlin: Qsellius'scBe Behl,, in Komm. 1929. (S. 237-448 u.

jetzt ist der Antang üazu gemacht, denn das vorliegende ! 449-541). gr. 8°. = Veröffentlichungen d. Histor. Kommission f. d.

trstlingswerk des deutschen Jesuiten Hentrich, der seit | Prov. Brandenburg u. d. Reichshauptstadt Berlin, 4. RM8—,u. RM4-.

kurzem an der neuen, von Jesuiten geleiteten, philos. | Die Hefte dieser dankenswerten und so überaus

theologischen Lehranstalt in Frankfurt a. M.-St. Georgen : wertvollen Veröffentlichungen erscheinen in schneller