Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 23

Spalte:

542-543

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bergfeld, Max

Titel/Untertitel:

Giordano Bruno 1930

Rezensent:

Dress, Walter

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

541

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 23.

542

tauchen am Rande auf. Von neutestamentlichen Schrif- j stellt werden könne, wozu übrigens sehr häufig der Ge-
ten kommt der Vorstellungswelt des Ignatius am näch- danke an die lebenslängliche Versorgung und Versichesten
der Epheserbrief und das Johannesevangelium. [ rung in dieser Welt hinzutrat („das Kloster wurde Spar-
Doch nimmt Schi, keinerlei Abhängigkeit von ihnen an, i kasse, Versicherungs- und Schutzanstalt" S. 57). Das
vielmehr erklärt er die Verwandtschaft aus derselben j Kloster machte ja dabei ein gutes Geschäft, indem es

für Gebete Grundstücke eintauschte, aber freilich wurde
der dadurch angehäufte Reichtum dann eine Ursache
des Niedergangs. Daß aber mit diesem egoistischen
Motiv, da der Schenker nur den eigenen Lohn und
Nutzen in Zeit und Ewigkeit im Auge hat, der eigentliche
religiöse Wert der Gabe illusorisch gemacht wird,
das kommt dem katholischen Verfasser nicht zum Bewußtsein
, und daß durch die Ausbreitung des Totenge-
dächtniswesens unendlich viel zur Ausbildung eines religiösen
Gemütslebens im Volk beigetragen wurde, dafür
bringt er keinen Schatten eines Beweises. Wie diese
endlosen Liturgien in Cluny wirkten, das lese man in
Hilpischs Geschichte des Benediktinischen Mönchtums
S. 203 ff.

Stuttgart. Ed. Lempp.

geistigen Umwelt. Die paulinischen Briefe kennt und
benutzt Ignatius allerdings, weicht aber anderseits wieder
beträchtlich vom paulinischen Denken ab. Starke
Berührungen mit Ignatius zeigen die Didache, die Epi-
stola apostolorum, die ps.-klementinische Grundschrift,
die ascensio Jesaiae, Gebete und Mystagogie des Testa-
mentum Domini, ferner Didascalia, Aphraates, Ephräm
— „alles Zeugnisse, die in Syrien und z. T. nicht allzuweit
von den erwähnten jüdisch-christlichen Taufsekten
entstanden sind". (Dabei ist C. Schmidts Aufstellung
über den Ursprungsort der Grundschrift des Ps.-Kle-
mentinen noch nicht berücksichtigt). Der Inhalt der Gemeindeüberlieferung
ist insofern verändert, als der Ton
auf die udg^ Christi als oöqS, gelegt ist, die bezeichnenderweise
auch der Auferstandene trägt. „Die aägS, Christi
als naturhaftes Sein rückt dem Menschen im Sakrament
und im mystagogischen Evangelium auf den Leib" (S.
180). Jedenfalls enthalten Schliers Untersuchungen eine
Fülle von Beobachtungen, die zur Nachprüfung und
weiterer Forschung anregen. Seminarleiter werden sie
sich nicht entgehen lassen.

Zu den Tgi'a puoTrjeia xpauyric dnva ev il<n>xi<? ®eoii
Ktpdxön von Eph. c. IQ (S. 25ff.) wäre vielleicht auch an die gnostische
u. neuplatonische Anschauung zu erinnern, daß in den obersten Bezirken
um Gott Schweigen herrscht, im Gebiete des Stofflichen aber Unruhe
u. Lärm, siehe mein Buch über Ps.-Dionysius 1Q00, S. 128ff. Zürn
Dreitakt „Hervorgehen — Bleiben — Zurückkehren" ad Magn. 7,2
(S. 34 ff., 39 ff., 76, 99) siehe ebenda S. 82. Zu S. 28 A. 2: der
ßaoi/.rü; TÖv aitovorv auch I. Tim. 1,17, siehe ferner im Wörterbuch
W. Bauers Sp. 214.

München. Hugo Koch.

J orden, Dr. theol. P. Willibald: Das cluniazensische Toten-
gedächtniswesen vornehmlich unter d. 3 ersten Äbten Berno, Odo
u. Aymard (910—954). Zugl. ein Beitr. zu d. cluniazensischen Traditionsurkunden
. Münster i. W.: Aschendorff 1930. (VIII, 116 S.)
gr. 8°. = Münsterische Beitr. z. Theol., hrsg. v. F. Diekamp u. R.
Stapper, H. 15. RM 5.40.

Den Hauptwert der vorliegenden Arbeit sehe ich in
dem, was in dem Untertitel angedeutet wird, in der Beschreibung
und Untersuchung der cluniacensischen
Schenkungsurkunden. Zwar beschränkt sich der Verfasser
in der Hauptsache auf die Zeit der drei ersten
Äbte aber das vorhandene Material ist ja so reichlich,
daß wir auch so schon durch die ausführliche Darstellung
einen deutlichen Einblick bekommen in die
Eio-enart und den Inhalt dieser Urkunden. Es werden
nach einander die Schenkgeber, die Schenkempfänger,
die Schenkobjekte, die Schenkmotive der Stifter und die
äußere Form der Schenkungsurkunden des berühmten
Klosters vorgeführt und in ihrer Besonderheit beschrieben
. Dem Verfasser ist aber nicht dies die Hauptsache,
sondern ihm ist vor allem drangelegen nachzuweisen,
daß Clunv „zum guten Teil dem Totengedächtnis wesen
seine Hauptblüte verdankte, daß es umgekehrt sich
dieser Entwicklung bewußt blieb und für eine würdige
Totenpflege sorgte in Gebet, Opfer und Begräbnis"
(S. 112) und daß es „gerade durch die Pflege der Liturgie
, insbesondere der Totenliturgie und durch die da- lag" in' der Zeit; . . . Bruno Hat 'wenigstens den Vor

Bergfeld, Dr. Max: Giordano Bruno. Berlin: Deutsche Bibliothek
o. J. [1929]. (215 S. u. 4 Taf.) 8°. = Die Unsterblichen. Die
geistigen Heroen d. Menschheit in ihrem Leben u. Wirken. Bd. 5.

RM 3-; geb. 4—.

In den Lateranverträgen von 1929 hat sich der
italienische Staat bereit erklärt alles zu tun, um Rom
den Charakter der Hauptstadt des Katholizismus zu
wahren. Zu einer Verpflichtung hat sich der Staat
nicht bekannt. Man ist gespannt darauf, wie sich diese
Erklärung auswirken wird. Im Jahre 1889 ist Giordano
Bruno ein Denkmal in Rom gesetzt worden, nicht —
wie das Servede-Denkmal in Genf — von den Nachkommen
des für das Urteil Verantwortlichen, sondern
von ihren Gegnern. Wird dieses Denkmal den Charakter
des katholischen Rom gefährden, oder wird es
geduldet werden, wie die kathol. Kirche klug so vieles
ihrem Lebensstil nicht gerade Entsprechendes zu dulden
weiß?

In dem neuen Buch über Giordano Bruno, das in
der Reihe „Die Unsterblichen" (vor allem durch Bultmanns
„Jesus" bekannt) erschienen ist, kommt leider die
besondere Art Brunos trotz wiederholter Versuche, sie
zu umschreiben, nicht zu eindringlicher und packender
Darstellung.

Besonders der Satz S. 179, daß Einschränkungen
von früher Gesagtem „geradezu das Charakteristische
seiner gesamten Weltanschauung" seien, scheint mir
recht unglücklich. Die Kritik, die der Verf. seinem Helden
, besonders seinen literarischen Werken, bei aller
Bewunderung reichlich zu Teil werden läßt (vgl. S. 34,
94, 105 f., 107, 111, 124 ff., 161, 179) mißt nicht immer
mit einem scharfen, nicht immer mit einem berechtigten
Maßstab und läßt daher, zusammengehalten mit den
positiven Aussagen, kein durchaus deutliches Bild entstehen
. Giordano Bruno muß sich eine von oben herab
kommende, aufklärerisch-moralistische, besser wissende
und doch dabei väterlich verzeihende Beurteilung gefallen
lassen, wie sie in ähnlicher Weise, jedoch in etwas
geistreicherer Form, Kierkegaard von Christoph
Schrempf über sich ergehen lassen mußte (vgl. z. B.
S. 161 „Indessen muß man es ihm schon nicht nachtragen
, daß er auf diese Weise Philosophie macht. Es

durch bedingte Ausbreitung des christlichen Totenge- , zug . . ."). Es ist im Grunde keine Kritik Brunos,

dächtnisgedankens auch nach außen hin unendlich viel
beigetragen habe zur Ausbildung eines religiösen Gemütslebens
im Volke" (S. 113). Nun ist ja freilich bekannt
und wird hier durch reichliche Belege dargetan
, daß die vielen und reichen Schenkungen, die aus
allen Bevölkerungsklassen den Klöstern zuflössen,
hauptsächlich in dem von der Kirche nachdrücklich gepflegten
Glauben ihren Grund hatten, daß durch solche

die wir hier finden, es sind Vorwürfe, die in dieser
Form einem Mann von solcher Genialität gegenüber
nicht angebracht sind.

Wenn der Verf. S. 161 sagt: „Erkenntnis und
Irrtum, Wahres und Falsches sind so geschickt und geschmeidig
miteinander verquickt .. ." so ist
zum mindesten der Anschein nicht vermieden worden,
als ob Bruno absichtlich eine solche Verquickung herbeiverdienstliche
Gaben Rettung von den Sündenstrafen . geführt hätte. Erst der von der „Phantasie" Brunos
und das Heil der eigenen Seele und das der Seelen sprechende Nachsatz gibt die nicht jeden Anstoß aus
von lebenden und verstorbenen Angehörigen sicher ge- I dem Weg räumende Aufklärung. Der Satz S. 127