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Ausgabe:

1930

Spalte:

529

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ufer, Heinrich

Titel/Untertitel:

Religion und religiöse Sitte bei den Samojeden 1930

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF V ON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. In Verbindung mit Prof. D. K. D. SCHMIDT, KIEL, bearbeitet von
Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen. — Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind a u ■ ■ c h 1 i e 11 i ch an Professor D. BAUER in Gottingen, Düstere Eichenweg 46, su senden

Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

55. JAHRGANG, Nr. 23 8. NOVEMBER 1930

Spalte

Bergfeld: Giordano Bruno (Dreß) .... 542
Hebrew Union College Annual (Dalman) . 529
The Jewish Quarterly Review (Jeremias) . . 544
Joel: Wandlungen der Weltanschauung

Spalte

K ii n k e 1, Fritz, u. Ruth K ü nkel: Die Grundbegriffe
der ludividualpsychologie und ihre
Anwendung in der Erziehung (Kesseler) . 550
Mc Fadyen: Old Testament Scenes and
Characters (Rudolph)............531

(Niebergall).................545 Sachwörterbuch der Deutschkunde (Beyer) . 544

J o r d e n : Das cluniazensische Totengedächt-
niswesen (Lempp).............541

Schlier: Religionsgeschichtliche Unter
suchungen zu den Ignatiusbriefen (Koch) 539

Spalte

Schrift, Die (Wendel) ............ 531

Stange: Die Verklärung Jesu am Kreuz

(Macholz).................. 546

Ufer: Religion und religiöse Sitte bei den

Samojeden (Merkel)............ 529

Wach: Das Verstehen (Heckel)...... 548

Wacker na gel: Vorlesungen über Syntax

(Bauer)................... 539

Ufer, Heinrich: Religion und religiöse Sitte bei den Santo- 56 ff. sind Spuren jüdischen Einflusses in der alten
jeden. Erlangen: Palm & Enke 1930. (VII, 41 S.) gr. 8°. = Ver- i römischen Kirchenordnung erkennbar bei Taufe und
öffentlichungen d. Indogermanischen Seminars d. Univ. Erlangen, Agape, womit die Riten der Proselytentaufe Und der
Bd. V. RM 2.40. , Sabbatsweihe verglichen werden. J. Z. Lauterbach
Die vorliegende Arbeit, die als Inaugural-Disser- , wirft S. 69 ff. ebenso den Verfassern der Evangelien
tation der philos. Fakultät der Universität Erlangen wie den späteren Rabbinen eine ungeschichtliche Dareingereicht
worden war, läßt es an gutem Willen sicher- Stellung des Wesens der Pharisäer vor. Diese waren
lieh nicht fehlen, leidet aber doch an einer gewissen jn Wirklichkeit Vertreter des religiösen Fortschritts
Unvollständigkeit. So ist bedauerlicherweise die unge- gegenüber den konservativen Sadduzäern in ähnlicher
mein sorgfältige Untersuchung des dänischen Forschers i Weise wie früher die Propheten gegenüber den Prie-
W. Thalbitzer über „Die kultischen Gottheiten der Es- stern. Die seit Esras Zeit veränderten Verhältnisse
kimos" (in AR. XXVI (1928), S. 364 ff.) unberuck- forderten eine Anpassung des Gesetzes an die neue
sichtigt geblieben, obwohl gerade daraus für den reli- Zeit und eine vernunftgemäße Auslegung desselben mit
gionsgeschichtlichen Vergleich wertvolles Material zu gleicher Autorität wie der Gesetzesbuchstabe, wie sie
entnehmen gewesen wäre. Sodann wurde die Dar- der Glaube an die Allgenugsamkeit des Gesetzes Vorstellung
durch die derzeitige Unzulänglichkeit der on- aussetzen mußte. Eine hochstehende Vorstellung von
ginalrussischen Literatur wesentlich eingeengt, sodaß sie Gott führte die Pharisäer zu der Wertung eines geisti-
nur sporadisch Verwendung finden konnte. Immerhin gen Gottesdienstes und zu der Überzeugung, daß alle
ist dieser vorläufige monographische Versuch über die Menschen zum Gottesgehorsam berufen sind. Daß das
samojedische Götterlehre (1. Num (Himmel, Himmels- Judentum eine geistliche Religion ohne Opfer und
gort); 2. Nga (das Tremendum des Todes); 3. Ahnen- ' Priestertum entwickelte und die Ideen von Einem Gott
Verehrung), über den Tadibe (Schamanen), über die und Einer Menschheit in der Welt verbreitete, sei das
Riten (a. Geburt, b. Hochzeit, c. Tod) als Vorarbeit Werk des Pharisäismus gewesen, dem Jesus nahestand,
einer religionswissenschaftlich umfassenderen Unter- Man vermißt öfters den zwingenden Beweis; aber es ist
suchung über diese noch wenig erforschten nordasiati- gewiß, daß die weitverbreitete Vorstellung von den
sehen Volksstämme höchst dankenswert. Die Quellen- Pharisäern als bloßen Traditionalisten auf die schöpfe-
angabe bemüht sich um möglichste Vollständigkeit. rische Periode ihrer Vorgeschichte nicht paßt. A. Mar-
München. R.F.Merkel. morstein betrachtet S. 141 ff. Marcion als einen

wichtigen Hintergrund der Haggada, an den zu denken

Hebrew Union College Annual. Board of Editors David P h i l i p s o n, sei, wenn von ihr eine niedrige Vorstellung von Gott
Jacob Z. Lauterbach and Julian Morgenstern. Vol. VI. j abgewiesen wird. Als Stilform habe die Diatribe in der
Cincinnati: Hebrew Union College 1929. (Iii, 356 S.) gr. 8°. Form des Dialogs, der Personifikation, der Wider-
Das stets Wertvolles enthaltende Jahrbuch des i legung eines angenommeneu Gegners in die Haggada
College der Vereinigung Amerikanischer Jüdischer Ge- Eingang gefunden. Arabisch-jüdische Schöpfungstheo-
meinden hat an der Spitze einen Aufsatz von J. Mor- I rien behandelt V. Aptowitzer S. 205 ff. mit der
gen stern über die Geschichte des goldenen Tores des ! Tendenz, den jüdischen, nicht stoischen Ursprung der
heutigen Tempelplatzes und des Osttores des alten arabischen Vorstellungen zu beweisen. Den arabischen
Tempels ohne Erörterung der Frage, ob beide wirklich und jüdischen Ausdrücken für Multiplikation und der
an demselben Platz liegen. Die „Tore der Gerechtig- um i50 verfaßten hebräischen Geometrie der Misch-
keit" von Ps. 118, 19 und die „Urzeittore" von Ps. nat ha-Middot gelten S. 247 ff. die Mitteilungen von
24, 7 werden darauf bezogen und alte Riten, die der ; S. Gandz. Auf ein nur handschriftlich erhaltenes Veraufgehenden
Sonne galten, damit verknüpft. B. Bam- ! zeichnis von Stellen aus Talmud und Midrasch zu Bibel-
berger sucht S. 39ff. zu zeigen, daß Furcht Gottes | versen macht M. Gaster S. 277ff. aufmerksam. Der
im Alten Testament nur in einigen Fällen und in alter Verfasser, Eliezer Crescas lebte um 1300 in Avignon.
Zeit Schrecken und Angst bedeutet. Anerkennung ist ge- Die Eigenheit Juda Moscato's als jüdischer Prediger im
meint, wenn sie von den Heiden ausgesagt wird, Ver- | 16. Jahrh. wird S. 297 ff. von J. Bett an beschrieben,
ehrung, wenn sie von Israel gilt. Nach F. Gavin, S. | Mendelssohn als Übersetzer und Erklärer des Penta-

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