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Ausgabe:

1930 Nr. 21

Spalte:

486-487

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gebhardt, Peter von (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Quellen und Forschungen zur Geschichte Berlins. Bd. 3 1930

Rezensent:

Peper, H.

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 21.

4SI}

als es vor der Erschließung der altorientalischen Kulturen
der Fall war. In der Reihenfolge der alttestament-
lichen Bücher und ihrer Kapitel wird das nunmehr
schon seit Jahrzehnten vom Verfasser gesammelte Material
wiedergegeben, immer noch besonders ergänzt
durch sehr gute Abbildungen. Jeder, der das hier behandelte
Material überschaut, wird die große Arbeit zu
schätzen wissen, die in dem Werke steckt, und es geht
nun nicht an, gerade bei einem Werke dieser Art kleinlich
im Einzelnen Kritik zu üben.

Allein auf zwei allgemeine Beobachtungen muß
doch hingewiesen werden, da sie symptomatisch für die
ganze vorliegende Arbeit sind. Einmal kann man sich
nicht des Eindruckes erwehren, daß hinsichtlich der
historischen und archäologischen Seite dieses Buch in
wertem Maße auf dem Stande früherer Auflagen stehen
geblieben ist. So sind z. B. S. 256 f. die von Sellin
zu Ta'anak gefundenen und schon öfters übersetzten j
Keilschrifturkunden zwar auch hier nochmals im Wortlaute
wiedergegeben, die diese Urkunden aber bearbei-
tende wichtige Arbeit von Gustavs in der ZDPV., Bd.
50 und 51 wird aber mit keiner Silbe erwähnt. Ebenso
verweist der Verfasser bei dem Artikel Habiri (Hebräer
) auf S. 224 Anm. 4 auf die noch nicht erschienene
2. Auflage von Böhl „Kana'anäer und Hebräer" (einem j
Hinweis auf dieses Buch verdankt wohl auch der frag-
meuterische Satz: „und Hebräer in der Vorbereitung i
befindlichen 2. Auflage" seinen Ursprung); daß aber !
Langdon, Landsberger, Lewy, Opitz u. a. in den letzten
Jahren gerade über dieses Thema wichtige Artikel pu- '
bliziert haben, scheint dem Verfasser ebenfalls entgangen
zu sein. Ebenso vermißt man S. 461 f. bei den
Ausführungen über die Eroberung Jerichos einen Hinweis
auf den wichtigen Artikel von Watzinger in der
ZDMG. N. F. 5, 131 ff. (diese Beispiele ließen sich vermehren
).

Ein weiterer Punkt, in dem viele zweifellos in einen
starken Gegensatz zum Verfasser treten werden, ist seine
„mythologische Methode" (vgl. das Vorwort) mit der
er hauptsächlich das Alte Testament zu verstehen sucht.
Daß auch das Alte Testament eine große Anzahl Er- |
Zählungen mit mythologischen Motiven sein eigen nennt, {
ist eine längst bekannte Tatsache. W i e aber der Ver-
fasser diese alte Erkenntnis dauernd übertreibt, sei nur
an einem Beispiele gezeigt. Ri. 12, 1 ff. hören wir im j
Rahmen der Erzählung von Jephta von einem Kampfe
zwischen Gile'ad und Ephraim, der für Ephraim unglücklich
endigt. Als die Ephraimiten über den Jordan
Flüchten wollen, werden sie von den Gileaditen ange- j
halten; und wer das Wort sibbolet wie sibbolet spricht, j
wird als Glied des Stammes Ephraim erkannt und ge-
tätet Es ist klar, daß hierin nichts anderes zu suchen ist
als eine Anekdote über die abweichende Aussprache der
Ephraimiten. Der Verfasser (S. 478) sieht aber darin
mehr. Das Wort sibbolet, zu deutsch „Ähre" (aber auch
Strom!) ist das Zeichen der Istan-virgo, und schon ist
die Opferung von Jephtas Tochter zu einem mytholo-
gischen Stücke geworden. Diese, durch das ganze Werk
sich hindurchziehende Einstellung des Verfassers fordert
wohl noch mehr zur Kritik heraus als die oben erwähnte
Vernachlässigung der neueren Literatur.

Breslau. Anton J i r k u.

Jeremias, Prof. D. Dr. Joachim: Jesus als Weltvollender.

Gütersloh: C. Bertelsmann 1930. (88 S) 8°. = Beiträge z. Förderg.
Christi. Theol., 33. Bd., 4. Heft. RM 3—. j

Das sauber und pünktlich gearbeitete Bändchen
zeigt reiche, wohl gegründete Gelehrsamkeit. Schade, j
daß es nicht von unten nach oben, sondern von oben
nach unten führt: Weltvollendung ist ihm nicht letztes ;
Ziel, sondern Ausgang der Gedanken Jesu. Bei Abwehr
des Fastens spricht Jesus von Hochzeitsfreude, vom
Brauch beim Kleiderflicken und Weinabfüllen; nach Jer. !
denkt Jesus an die eine Hochzeit des Messias, an den
Mantel der neuen Welt, wenn die alte wie ein Gewand

zerreißt, an den Wein der Heilszeit. Aber die einfachen
Bilder des Alltagslebens sagen nur aus, daß hier ein
frohes neues Leben begründet ist. Der Messias mag
anderswo als Hirt, Bräutigam, König, Hohepriester,
Bauer, Winzer, Fischer, Lehrer, Gottesbote, Hausherr
bezeichnet sein; wenn Jesus sein Tun mit einer dieser
Berufstätigkeiten bezeichnet, erhebt er noch nicht den
Anspruch des Weltvollenders. Königseinzug und Tempelreinigung
sind Messiaskundgebungen; namentlich die
Tempelreinigung wurzelt vielleicht in den Gedanken
etwa des babylonischen Neujahrsfestes. Die Reden vom
Lebenswasser und Lebensbrot bei Johannes knüpfen
wohl an orientalisch-messianische Vorstellungen an.
Jesus selbst steht mit seinem Namen Menschensohn
unter Einfluß der von Iran über Zweistromland, Syrien
und Kleinasien verbreiteten Erlöseranschauung. Aber
den Anteil an der neuen Welt hat Jesus auch Mt. 16, 19
nicht an Gehorsam gegen ein von ihm verordnetes Amt
gebunden; Jesu sittliche Forderung ist Urquell seines
Messiasglaubens, nicht der Messiasglaube Urquell seiner
sittlichen Forderung. Das Abendmahl führt durch den
Gedanken an Jesu Selbsthingabe zur Gemeinschaft mit
dem Erlöser. Ob Jesus ein Symbol der Gottes- und
Messiasgemeinschaft durch Wiederholung dieses Mahls
stiften wollte, ist um des Marcusevangeliums willen
fraglich.

Gießen. Oskar Holtzmann.

Quellen und Forschungen zur Geschichte Berlins. Bd. 3. Die

Bürgerbiicher von Cölln an der Spree 1508- 1611 u. 1689— 1709
u. Die chronikalischen Nachrichten des ältesten Cöllner Bürgerbuches
1542—1610. Hrsg. v. Peter von Gebhardt. Berlin: Gsellius'sche
Bchh. in Komm. 1930. gr. 8°. = Veröffentlichungen d. Hist. Kommission
f. d. Prov. Brandenburg u. d. Reichshauptstadt Berlin. I. 3.

RM 6—.

Während die ältesten Bürgerbücher Berlins fast
lückenlos vorliegen, sind die BürgerbücheT der Nachbarstadt
Cölln nur zum Teil erhalten. Die Eintragungen
beginnen mit dem Jahre 1508 und reichen bis 1611.
Dann fehlt der zweite Band, der 1769 zwar noch vorhanden
war, aber seitdem verschollen ist. Der dritte
Band umfaßt die Jahre 1689 bis Anfang 1709. (Im
Januar 1709 waren die beiden Nachbarstädte zu einem
Gemeinwesen vereinigt worden.) Nachdem mancherlei
Einzelheiten über die Art der Handschriften und die
Schreiber gegeben sind, werden die Grundsätze, die
bei der Herausgabe maßgeblich waren, dargelegt. Dann
folgt eine Wiedergabe der um 1700 gebräuchlichen
Bürgereide, in deutscher und französischer Sprache.
Dann finden wir die Liste der Bürgermeister und Ratsherren
von 1511 bis 1606 und von 1689 bis 1708. Es
schließen sich an die Bürgeraufnahmen von 1508—1611
und 1689—1709. Anfangs sind nur die Namen der
neuen Bürger eingetragen, dazu das gezahlte Geld. Später
werden Beruf und Herkunft hinzugesetzt, und zwar
in immer steigendem Maße, bis das zuletzt die Regel
ist. Das hat seinen Grund darin, daß der Schreiber Georgen
Otto die Namen der seit 1508 aufgenommenen
Bürger aus den Stadtrechnungen nachgetragen hat. Beruf
sangaben und Datierungen werden seit 1532 häufiger,
und seit 1546 treten immer mehr Herkunftsangaben
hinzu. Es ergibt sich auch hier wieder, daß die überlieferte
Anschauung von der Bodenständigkeit der Bevölkerung
in den früheren Jahrhunderten keinesfalls
stimmt. Es ist geradezu erstaunlich, wo die Zugezogenen
überall herstammen. (Ich habe dasselbe auch hier
in Bernburg für diese Zeit feststellen können.) Auch
aus dem Auslande, so aus Siebenbürgen und Amsterdam
stammen einige neue Bürger, und dann aus fast
allen Teilen des deutschen Landes. Die chronikalischen
Nachrichten des ältesten Bürgerbuchs sind gesondert gedruckt
und umfassen die Jahre 1542—1610. Sie betreffen
zum größten Teil die Städte Berlin und Cölln
und die Mark Brandenburg, bringen dann Hofgeschichte,
allerhand Nöte, Morde, Wetter und dergleichen, so daß
sie für die Heimatgeschichte von Wichtigkeit sind, sonst