Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 20

Spalte:

477-478

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Elern, Detlev von

Titel/Untertitel:

Aus dem Tagebuch eines Kaplans. Die Geschichte eines Gewissens 1930

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

477

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 20.

478

vom Anklang und vom Widerspruch, den das Buch von Valli, II
linguaggio segreto di Dante e dei ,Fedeli d'amore' (1928) in Italien
gefunden hat, mit eigenen Beiträgen zum Verständnis der genannten
Geheimbruderschaft. — S. 84 ff. u. weiter S. 161 ff. wieder Berichte
über Tagungen der bereits erwähnten Assoziatione. — Unter dem Titel
.Mito e Religione" legt R. Otto S. 141 — 160 u. S. 189—197
die Anschauung Wundts vom animistischen Ursprung der Religion dar
und unterzieht sie einer scharfsinnigen Prüfung. — Heft 6 habe ich
entweder nicht erhalten oder verloren. Die vielen kürzeren Bemerkungen
und Beobachtungen, die die Hefte enthalten, können hier nicht einzeln
aufgeführt werden.

München. __Hugo Koch.

Internationale kirchliche Zeitschrift. Neue Folge. 19. Jahrg.,

1929, 4 Hefte. Bern: Stämpfli & Cie. (256 S.)
Eiern, Pfr., Detlev von: Aus dem Tagebuch eines Kaplans.

Die Geschichte eines Gewissens. Mit e. Vorw. v. O. Baumgarten.

Köln: C. Roemke & Cie. 1930. (99 S.) 8°. RM 1.50.

Über die genannte Zeitschrift habe ich hier im
vorigen Jahre (1929), Nr. 15/16, Sp. 372-75 so eingehend
gehandelt, insonderheit hinsichtlich ihres allgemeinen
Charakters, ihrer „Tendenz" (altkathohsch-
oekumenisch), dazu des wesentlichen Mitarbeiterkreis
e s (auch evangelischen Theologen begegnet man:
so F. Heiler, über dessen Ideen, Ziele, Hoffnungen
ich speziell nach seinen Aufsätzen hier berichte, auch
kritisch mich ausspreche), daß ich keinen Anlaß habe,
schon jetzt wieder in eine Auseinandersetzung (die
freund schaft lieh-zurückhaltend sein würde) einzutreten
. Der Inhalt ist nicht gerade mannigfaltig. Im
Vordergrunde steht die „Wiedervereinigungsfrage" mit
den „Weltkonferenzen", die ihr direkt oder indirekt galten
(Lausanne, Prag, Jerusalem, Williamstown, Maloja).
Von evangelischen Theologen begegnet dabei Julius
Richter mit einem recht lesenswertem Aufsatz über
die beiden „Missions"konferenzen und Ad. Deißmann
mit feiner Ansprache (in Prag), daneben besonders A.
Kelle r und H. Sasse. Vielen wird neu sein, was der
Aufsatz von K. Neuhaus (Basel) „Die kirchlichen
Missionsbestrebungen in Südindien" bietet (S. 157
bis 173). Von E. O au g 1 er und A. Deißmann findet
man Nachrufe auf Bischof Charles Brent (amerikanischer
Anglikaner), der ja der eigentliche Wecker der
Wiedervereinigungsbestrebungen gewesen. Im übrigen
werden geboten Briefe von Döllinger, Reinkens,
Weber und v. Schulte an den russischen General
Kirejew, die speziell für die Geschichte (Grundlagen)
des Altkatholizismus Dokumente heißen dürfen. In der

Bibliographie", die jedes Heft in ziemlich reichem Umfang
enthält, liest man ruhige, zuweilen lehrreiche Anzeigen
neuester Erscheinungen.

Ich habe oben noch ein Büchlein notiert, das überaus
interessant ist als eine Reihe (62 Einzelstücke)
chronologisch ausgewählter, deutlich äußerst gewissenhafter
Bekenntnisse (immer neuer Selbstanalysen) eines
Kaplans, der aus evangelischem Hause stammend
(der Vater, religiös gleichgültig, war höherer preußischer
Offizier; die Mutter konvertierte, war dann offenbar
fanatische Katholikin und brachte wenigstens ihren
jüngsten Sohn dazu, auch katholisch, ja Priester zu
werden), nach schwersten Kämpfen beim Altkatholizismus
(in Köln) endet. O. Baumgarten hat
die Vorrede geschrieben. Es war der Modernisteneid,
der v. Eiern dahin brachte, sich klar zu werden, wer er
„sei" und wohin er „gehöre". Nicht als ob er je Neigung
zeigte, zum Protestantismus zurückzukehren (er
liebte seine Mutter zu innig, um ihr das anzutun), aber
er sieht, daß er (ohne seine Kirche zu verlassen) in's
Privatleben (die „Freiheit" des Denkens) sich retten
müsse. Sein Bischof (der von Fulda?) ist sehr einsichtig
und nachsichtig, schont seiner, so weit er kann,
gewährt ihm eine Art Pension als „Krankem". Es wird
ihm doch (im Gewissen) deutlich, daß er völlig seiner
Wege gehen und einen kleinen Erwerb suchen müsse:
er wird Silberputzer im Bahnhofsrestaurant in Köln,
durch einen Zufall kommt er mit dem altkatholischen
1 fairer dort in Berührung und wird dann bei ihm

„Hilfspfarrer". In dem ganzen Büchlein finde ich nur
eine Jahreszahl: 1922, als Jahr des 25jährigen Priester-
Jubiläums"; soviel ich sehe, ist v. Eiern in Köln nur
ganz kurze Jahre gewesen und im laufenden Jahr (1930)
plötzlich sanft von Gott abberufen.
Halle a. S._F. Katten busch.

Brentano, Franz: Vom Dasein Gottes. Aus seinem Nachlasse
hrsg., eingel. u. mit erläuternden Anmerkg. u. Reg. versehen von
A. Kastil. Leipzig: F. Meiner 1929. (LIX, 546 S.) 8°. = Philosoph.
Bibliothek. Bd. 210. RM 24—; geb. 27—.

Von der durch den Verlag F. Meiner für die Philos. Bibliothek geplanten
Gesamtausgabe der Werke Franz Brentanos (t 1917), in deren
Bearbeitung sich die Brentanoschüler Kastil (Innsbruck) u. O. Kraus
(Prag) bisher geteilt haben, u. von der auch in dieser Zeitschrift kritischer
Bericht erstattet wurde (1925, 616; 1926, 112. 450; 1929, 570), ist
wiederum ein noch ungedrucktes Werk erschienen, die Metaphvsikvor-
lesungen „vom Dasein Gottes", die Brentano 1868- 1891 an den Universitäten
Würzburg u. Wien gehalten u. immer wieder überarbeitet hat.
Der vorliegenden Ausgabe liegt der Wortlaut des Kolleghefts v. Jahr
1891 zu Grunde; doch hat der Herausgeber an manchen Stellen Änderungen
vorgenommen, wo ihn nachgelassene Hss. u. Diktate, Briefe u.
Gespräche des Verstorbenen aus der Zeit nach 1891 dazu berechtigten
(vgl. das Vorwort des Herausgebers S. XIV f.). Besonders wertvoll ist
die Beigabe eines erst 2 Jahre vor dem Tod des Verfassers entstandenen
Diktats über den „Gedankengang beim Beweis für das Dasein Gottes"
und eines noch ungedruckten Briefteiles Brentanos an einen Agnostiker
über Sicherheit u. Bedeutung der theistischen Weltanschauung, aus dem
Jahr 1909. Umfang der meist rein sachlich erläuternden, weniger oft
den Standpunkt Brentanos verteidigenden, vielmehr ihn zuweilen auch
berichtigenden Anmerkungen des Herausgebers ist sehr maßvoll. Von
ihm stammt auch das Register u. (vermutlich) das ganz vortreffliche
Inhaltsverzeichnis. Durch das nun gedruckte große Kolleg über das
„Dasein Gottes" schaut man wohl am tiefsten in Brentanos Persönlichkeit
, Eros u. Ethos, hinein, weshalb seine Aufnahme in die „Philosophische
Bibliothek" wohlbegründet ist. Denn Brentano verrät sich auch in
diesem Kolleg als selbständigen, eigenartigen Denker. Seine Ablehnung
Kants u. besonders des Darwinismus kommt wieder scharf, aber nicht
immer überzeugend scharf, zum Ausdruck. Vielleicht zwingen weitere
Veröffentlichungen des, wie der Herausgeber mitteilt, noch in Fülle
vorhandenen ungedruckten Nachlasses an dieser u. jener Stelle des vorliegenden
Werkes zu Änderungen; aber im wesentlichen haben wir jetzt
Brentanos philosophische Theologie als einheitliches eindrucksvolles Geistesgebäude
vor uns. Der Druck ist sehr sorgfältig; nur S. 111, Anmerkung
, fand sich der Name Berkeley nicht ganz richtig; auch begegnet
der Name Haeckels nicht immer in gleicher Schreibweise.

Waiblingen (Württbg.). Wilhelm Koch.

Nieberga 11, Prof. D. Friedrich: Kurze homiletische Einführung
zu der von der Eisenacher, Konferenz festgesetzten
zweiten Reihe der Evangelientexte. Frankfurt a. M.: H. L.
Brönnerl930. (74 S.) 8°. = Homiletische Hilfsbüchlein, Nr. 3. RM 1.50.

Mahling, Prof. D. Friedrich: Kurze homiletische Einführung
zu der von der Eisenacher Konferenz festgesetzten zweiten
Reihe der Episteltexte. Ebd.: 1930. (149 S.) 8°. = Homiletische
Hilfsbüchlein, Nr. 4. pjyj 2.40.

Es ist ein richtiger und wesentlicher Gedanke,
daß bessere Handreichung für die Predigtvorbereitung
als sie ausgeführte Predigtbeispiele oder auch ausführliche
Dispositionen zu geben vermögen, auf dem Wege
der Meditation zu erreichen ist, d. h. einer Einführung
in den Text, die sich darum müht, seine Tiefen und
Untiefen aufzuweisen und so dem Prediger die Arbeit
keineswegs abnimmt, ja oft erheblich erschweren kann.

Auf diesem Wege suchen die homiletischen Einführungen
von Mahling und Niebergall zu gehen. Zuerst
im Rahmen der Stoffsammlung „Christentum und
Leben" erschienen, liegen sie jetzt in Buchform vor.
Jeder der Verfasser hat seine eigene Art. Herrscht bei
Mahling das Bemühen vor, in das Spezielle des einzelnen
Textes einzudringen, so bietet Niebergall mehr
Gedanken über den Text, Randbemerkungen zu ihm.
Charakteristisch ist schon die verschiedene Themenstellung
. Bei Mahling eine oft ziemlich breite „Zusammenfassung
" der beherrschenden Textgedanken, bei
Niebergall meist ein kurzes Schlagwort. Im übrigen
steht auch hinter diesen Einführungen eine ausgeprägte
theologische Haltung. Wer sich in ihr mit den Verfassern
eins weiß, könnte diese Handreichung für seine
Predigtvorbereitung mit wesentlichem Gewinn benutzen.
Bad Saarow (Mark).__Robert Frick.