Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 20

Spalte:

465

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eck, Johannes

Titel/Untertitel:

Explanatio psalmi vigesimi (1538). Hrsg. v. Bernhard Walde 1930

Rezensent:

Wolf, Ernst

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

465

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 20.

466

Psalmen vermißt. Sollte dem ersten, geschichtlichen
ein zweiter, „übergeschichtlicher" Teil folgen? Sollte
eine Art „kulturgeschichtliche Sammlung" als Anhang
gegeben werden? Dann wäre sie zu einseitig und viel
zu beschränkt. Zitieren kann man nach der vorliegenden
Ausgabe nicht; auch am Schlüsse werden Verszahlen
nicht angegeben, wie dies etwa Buber in seiner Bibel
tut. Allzuleicht wird über das Quellenproblem hinweggeglitten
und dem Leser eine zu große Sicherheit anerzogen
. „Die ersten 16 Bücher . . . bilden eine schön
zusammenhängende geschichtliche Urkunde in vernünftiger
chronologischer Ordnung." (!) Jm Deutschen liegt
ein genau entsprechendes Werk nicht vor; es könnte
einen „Kautzsch" doch nicht ersetzen! Lorenz Dürr hat
ein atliches Lektionar für Kirchenzwecke geschaffen,
aber es enthält nur Parallelen zu den Sonntagsevangelien
. Die Göttinger „Schriften des A.T. in Auswahl"
von Gunkel u. a. sind ein Werk von unvergleichlich
anderem Ausmaß und Wert. Ein Stellenregister am
Ende des Bandes wäre wünschenwert gewesen, jedenfalls
wertvoller als ein angehängtes Stück Septuaginta-
griechisch und Vulgatalateinisch. Wiederum hätten diese
durch ein Stück hebräischen Urtextes ergänzt werden
müssen. Am stärksten bemängeln muß ich das allzusehr
zurücktretende religiöse Verständnis des A. T„ damit zusammenhängend
den Mangel an Anleitung zu solchem.
Es handelt sich ja wohl, wenn man der Bibel in der
Gegenwart zur Verbreitung helfen will, um mehr als
um ein Literaturwerk, das „größten Einfluß auf die moderne
Zivilisation gehabt hat"!

Ober-Breidenbach i. Hessen. Adolf Wendel.

Eck, Johannes: Explanatio psalmi vigesimi (1538). Hrsg. v.
Bernhard Walde. Münster i. W.: Aschendorff 1928 (LXV, 101 S.
m. 4 Abb.) gr. 8°. = Corpus Catholicorum, H. 13. RM 5.75.

Der Professor für AT. an der Philosophisch-theologischen
Hochschule in Dillingen nennt als Hauptgrund
für die Neuausgabe des einen der beiden gedruckten
alrtestamentlichen Kommentare Ecks (zu Haggai und
zu Ps. 20) „die in die Erklärung eingestreuten hebräisch
-aramäischen Bemerkungen Ecks". Und darauf lenkt
sich wirklich vornehmlich das Augenmerk, daß diese
von Eck in üblicher Breite (1—78) und mit der üblichen
Versicherung, sich der Kürze zu befleißen, gehaltene
(1534) und zum Druck überarbeitete Vorlesung über
Ps. 21 (20 vulg.) mit ihrer herkömmliche Wege gehenden
Auslegung auf Christus und christologische Fragen
einschließlich einer Vers 8 angehängten Appendix De
merito Christi ein Musterbeispiel schwergerüsteler kom-
pilatorischer Arbeit einer immerhin überdurchschnittlichen
Gelehrsamkeit der Zeit darstellt, zugleich der
Eck eigenen Grobheit selbständigen Denkens. Die sorgfältigen
und reichen Anmerkungen des Herausgebers,
die bibliographischen Zusammenstellungen der verschiedensprachigen
Textausgaben des Psalms, der Vorgänger
und Hilfsmittel seiner exegetischen Bearbeitung, zugleich
eine weitgehende, durch Abbildung von drei
Exlibris Ecks bereicherte Rekonstruktion seiner theologischen
Bibliothek aus den Beständen der UB. München
ermöglichen dank des auf sie verwendeten mühsamen
Fleißes einen genaueren Einblick in Ecks Arbeiten. Vier
Register vervollständigen die unter technischem Gesichtspunkt
musterhafte Ausgabe. Ein Vergleich der
Auslegung selbst mit denjenigen Luthers (WA III
131—134, V 583—598, XXXlfl 349—352) und ein
Vergleich des Vorgehens auf beiden Seiten würde über
die Frage nach dem Umfang der hebräischen Kenntnisse
Ecks noch ein Stück hinausführen.
Rostock. Ernst Wolf.

Recherches de Science Religieuse. Tom. XIX, 1—6. Paris VIP
[Rue Monsieur 15]: Bureau de la Revue 1929. (576 S.) gr. 8°.
In seiner noch im Jahrgang 1928, H. 6, S. 553—593 begonnenen
und hier in H. 1, S. 5-42 abgeschlossenen Abhandlung über „Science
politique et doctrine chrertienne" erörtert de Broglie das
Wesen der Wissenschaft von der Politik, ihren Unterschied von der

christlichen Lehre hinsichtlich der Abzweckung und der Mittel zum
Zweck, ihre mittelbare Abhängigkeit von der christlichen Lehre, ihre
teilweise unmittelbare Einheit, und ihre unmittelbare Abhängigkeit von
der christlichen Lehre. Daraus werden dann die Folgerungen für die
Stellung der Theologen zu dieser Wissenschaft gezogen. — S. 43—48
übersetzt Condami n S. J. Verse aus einem babylonischen Hymnus auf
Istar aus dem 19. Jahrhundert v. Chr. und aus einem andern, einem
Zwiegespräch zwischen Assurbanipal und dem Gotte Nabou aus dem
7. Jahrh. v. Chr. — S. 49—55 Übersetzung und Erklärung der
„Stufenpsalmen" 133 u. 134 (bezw. 122 u. 133) von Cales.

In H. 2, S. 97—121 teilt Dudon den Inhalt und Gedankengang
eines „Memoire inödit de Fenerfon sur 1' 6tut passif", das
der Erzbischof von Cambrai in seinem Streite mit Bossuet ausAnlaß derCon-
ferenzen von Issy 1694 verfaßt hat, nach einer Handschrift des Archives
von St. Sulpice unter zahlreichen wörtlichen Anführungen mit, und er
übt dann Kritik an diesem Versuche Fenelons, seine Auffassung vom
„passiven Zustand" oder der „Indifferenz" der Seele beim Gebete als allgemeine
Lehre der Hl. Schrift und der kirchlichen Überlieferung zu
erweisen. — S. 122 — 141 schildert Bardy unter zahlreichen Bücklingen
vor dem römischen Stuhle den nicht ungefährdeten Lebensgang und die
überaus fruchtbare Lebensarbeit des als Ehrenkanonikus von Notre Dame
verstorbenen bekannten französischen Theologen Pierre Batiffol,
S. 127 f. die Geschichte des zweiten Bandes seiner „Etudes d'histoire et
de theologie positive" über die Eucharistie.

In H. 3/4 handelt Froidevaux S. 193—247 über „Das
Symbolum des hl. Gregor des Wundertäters", das Gregor von
Nyssa in seiner Lobrede auf den gefeierten Bischof von Neocäsarea mitteilt
und das durch seinen ganzen Bau auffällt; er will aber nicht diesem
Symbol seinen Platz in der Geschichte der Symbole anweisen, sondern
nur den Text auseinandersetzen und aus nahestehenden andern Urkunden
beleuchten. — S. 248—265 schildert Cerfaux „ Le bapteme des
Essöniens", d.h. die bei den Essenern üblichen Waschungen u. Bäder
in ihrer religiösen Bedeutung nach dem Berichte des Josephus und
andern Anhaltspunkten: sie vermitteln nicht bloß äußere, rituelle Reinheit
, sondern verbürgen auch innere Reinheit und Nachlaß der täglichen
Sünden; ihre iranisch-babylonische Herkunft ist aber nicht begründet.
— In den „Notes et Melanges" handelt Smothers S. J. über den
Hymnus <J><~>c, Uaoöv (S. 266—283), Bousirven über „Un nouvel
expose" du Juda'isme Tanna'ite" (S. 283—294), nämlich das Buch von G. F.
Moore 1927, Joüon über das Werk Graf Baudissins, Kyrios als
Gottesname im Judentum u. seine Stelle in der Religionsgeschichte
1926/28 (S. 294—298), Huby über den Zweck des Wunders
nach zwei Stellen bei Thomas von Aquin (S. 298—305).

In H. 5, S. 385 — 405 will Bardy den „Indiculus de haesi-
bus" des Ps.-H ierony m us der Vergessenheit entreißen, ohne seinen
Wert zu übertreiben: seine Entstehung verlegt er mit Krüger und Morin
in die Zeit zwischen 392 u. 428, da in ihm der Schriftstellerkatalog
des Hieronymus fleißig benutzt ist und er selbst erstmals von Augustin
in De haeresibus bei den Luciferianern als Werk eines ungenannten,
Schriftstellers angeführt wird. Ebenso benutzen ihn Gennadius u. Isidor
von Sevilla, und er selber benutzt Adversus omnes haereses von Ps.-
Tertullian, ferner lustin, Irenaus, Hieronymus u. wohl auch Hilarius
von Poitiers. — S. 406 — 447 kommt eine Abhandlung von Fr. Bruno
de Jesus-Marie: „Le Docteur de los martires", die das 17.
Kapitel eines im Druck befindlichen — wahrscheinlich inzwischen erschienenen
— Buches über den hl. Johannes vom Kreuze bildet: von
der Mystik des islamischen Lehrers AI Gazzäli (1059—1111) ausgehend,
würdigt der Verf. die gegen diese gerichteten Werke „Geistliches Lied"
und „Lebendige Liebesflamme" des Lehrers vom Kloster „Les martires"
und ihren mystischen Gehalt; neuplatonischer Einfluß wird trotz der
Verwandtschaft und Bekanntschaft mit Ps.-Dionysius in Abrede gestellt.
Auch von den Alumbrados ist die Rede, bei denen mehr muselmanischer
Einfluß als ein solcher von Seiten der deutschen Mystiker festgestellt
wird. - S. 448-462 giebt Andre Bremont eine Übersetzung u.
Erklärung der bedeutsamen Ausführungen des Neuplatonikers Proklus
über das Gebet (in Tim. 64 199), deren Einwirkung auf Ps.-Dionysius
ich in meinem Buche über diesen (Mainz 1900, S. 180 ff.) dargetan
habe; merkwürdigerweise schweigt Br. von dieser Einwirkung, obwohl
er bei Erwähnung der Tatsache, daß jene Ausführungen des Proklus
nicht unbeachtet geblieben seien, auch auf mein Buch verweist.

In H. 6 beginnt de Mor 6 - Po n t gi ba u d S. 481—512 eine
philosophisch-dogmatische Abhandlung „Sur l'analogie des noms
divins", im Sinne des hl. Thomas von Aquin. — In dem Aufsatz
„Gallicanisme politique et theologie gallicane" (S. 513—529) zeigt
Dudon, daß die Stellung der Gallikaner zur Lehre von der Gewalt
des Papstes, Fürsten abzusetzen, vor 1682 nicht so einheitlich war, wie
der Straßburger Theologieprofessor Martin in seinen Aufsätzen in der
Revue des sciences religieuses 1926/28 (jetzt zusammengefaßt in dem
Buche „Le Gallicanisme politique et le clerge" de France" 1929) annimmt
, und er stellt die Unterschiede neben dem wirklich Gemeinsamen
deutlich heraus, ebenso den Unterschied ihrer theologischen Auffassung
bezüglich der plenitudo potestatis in geistlichen Dingen von der
Bellarmins (allgemeines Konzil-Papst). — Zu dem „Bulletin de Theologie
historique" (S. 530 ff.) möge mir eine Bemerkung in eigener Sache ge-