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Ausgabe:

1930 Nr. 2

Spalte:

27-29

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nelson, Harold H.

Titel/Untertitel:

Medinet Habu 1924 - 28 1930

Rezensent:

Gustavs, Arnold

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 2.

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Vollkommenen Ahnen, opferte der höchsten Himmelsgottheit
, opferte reinen Herzens den sechs Höheren
Mächten des Himmels und der Erde, opferte ordnungsgemäß
[den Gottheiten] der Berge und Flüsse und
ganz allgemein den Geisterscharen". Daß der in Frage
stehende Passus identisch mit einem Satze in dem chinesischen
Shuking (II, Buch 1, Kap. II, 6) ist, haben nach
Anm. 119, S. 85 auch die beiden japanischen Über- i
setzer nicht übersehen. Wie aber können dann, um nur j
dies eine hier hervorzuheben, in ihrer Übersetzung die J
„Sechs Verehrenswerten" (liu-tsung) so ganz unter den
Tisch fallen, denen der deutsche Übersetzer doch sogar ;
eine erklärende Fußnote (222) zu widmen für nötig
erachtet, die freilich, indem sie einzig auf Mayers, Chinese
Reader's Manual Nr. 216 (lies dafür PL II, Nr.
216) rekurriert, m. E. unzulänglich ist? Ich verweise ;
dazu auf meinen Anmerkungskommentar zu der betreffenden
Shuking-Stelle in Lehmann-Haas, Textb. z. |
Religionsgesch.2 S. 7; dazu noch auf Hastings' Enc. of
Rel. and Eth. III, 729 b unten. In anderen rällen
findet die Diskrepanz der beiden uns nun vorliegenden j
Übersetzungen, der deutschen und der englischen, na- ;
türlich ihre Erklärung in der Dunkelheit des sehr ver- j
schiedene Deutungen zulassenden Grundtexts. So z. B. '
bei der Wiedergabe eines in diesem mit chinesischen j
Zeichen phonetisch geschriebenen Liedes (bei Florenz
S. 438 f., bei Katö-Hoshino S. 73 ff., Anm. 74 zu p. 37).

Die Florenzsche Kogoshui-Version ist in der dem
englischen Werk beigegebenen, sonst nur chinesische I
oder japanische Titel enthaltenden Bibliographie (S.
97—103) als deren letzte Nummer (53) genannt. In j
den hinter die Übersetzung gestellten 154 Critical Notes |
(S. 55—93) ist aber, soviel ich sah, nur zweimal auf
sie Bezug genommen: in Anm. 14, S. 61, hier mit fal- |
schein Seitenverweis (statt S. 448 ist zu lesen S. 418), j
und in Anm. 119, S. 85, wo eine Interpretierung des
deutschen Japanologen, m. E. zu unrecht, abgelehnt
wird.

Ganz neu bearbeitet ist in der neuesten Auflage der
sehr dienliche Index (S. 107—120), dessen Herstellung
Dr. Kin-ichirö Itö auf sich genommen hat. Zu erwähnen
bleibt endlich noch, daß der Textübersetzung (S. 15—54)
als Part I vorangestellt sind Introductory Remarks by
the Translators (S. 1—12). Was sie bieten, mögen die
Kapitelüberschriften andeuten: I. The aim and object
of the book Kogoshui. II. The historical value of the j
book criticised. III. The date of the book examined. IV.
The text and its commentaries. V. The book written in a
conservative spirit against the then overwhelming influ- j
ence of Chinese culture.

Leipzig. H. Haas.

Nelson, Harold H., u. Uvo Hoelscher: Medinet Habu
1924—28. Chicago: The University of Chicago Press (1Q2Q). (XV, j
50 S. m. Abb.) gr. 8°. = Oriental Institute Communications, Nr. 5. l

RM 4.50.

Die Regierung Ramses' HI,, des Sohnes des Usur- j
pators Setnacht, bedeutet ein letztes Aufflackern des |
kriegerischen Heldengeistes, der das Neue Reich zu ei- ■
ner Großmacht emporsteigen ließ. Freilich war es nicht
mehr Expansionskraft, was Ramses III. in den Kampf I
trieb, sondern die bittere Notwendigkeit der Defension.
Von Norden kommend, sowohl zur See als auch über 1
die Landbrücke Syriens und Palästinas, pochten die wart- j
dernden Scharen der Seevölker, Einlaß heischend, an die :
Tore Ägyptens. Und zwar waren das nicht mehr nur
einzelne Piratenhaufen, die auf Plünderung auszogen; !
es war eine Völkerwanderung, die neue Wohnsitze
suchte. Dazu fielen von Westen her die stets nach dem
Fruchtlande des Delta lüsternen Libyer in Ägypten ein. j
Ramses III. ist es noch einmal in schweren, aber sieg- |
reichen Kämpfen gelungen, beide Gefahren abzuwenden
.

Die späteren Regierungsjahre Ramses' III. waren
ausgefüllt mit der Errichtung von Prunkbauten, auf deren I

Wanden die Siegestaten des Königs in Schrift und Bild
verewigt wurden. Auch hier sehen wir Epigonentum; es
ist der dekadente Ausklang der großen Kunst 'des
Neuen Reiches. Aber der historische Wert der Inschriften
und besonders der Reliefs des großen Amontempels
in Medinet Häbu ist recht erheblich, weil uns die
Schlachtenbilder treffliche Darstellungen von den Angehörigen
der Seevölker, u. a. von den Philistern mit der
für sie charakteristischen Federkrone, bieten, sodaß wir
eine gute Vorstellung von der typischen Erscheinung
dieser andrängenden indogermanischen Horden gewinnen
.

Da sowohl die Inschriften als auch die Reliefs der
Tempelwände von Medinet Häbu nur zum Teil und
auch nicht immer zuverlässig veröffentlicht sind so ist
es mit Freuden zu begrüßen, daß die epigra'phische
Expedition des Oriental Institute der Universität von
Chicago, die ihr Standquartier ganz in der Nähe von
Medinet Häbu hat, sich der Aufgabe gewidmet hat, die
Inschriften und Reliefs des großen Amon-Teinpels
Ramses' III. aufzunehmen. Diese Aufnahme geschieht
so exakt wie möglich. Während man in der Anfangszeit
der ägyptologischen Forschung darauf angewiesen
war, Zeichnungen von den Inschriften und Bildern herstellen
zu lassen, erwartete man nach dem Aufkommen
der Photographie eine Zeit lang alles Heil in Bezug
auf Genauigkeit der Wiedergabe von ihr. Es zeigte
sich aber bald, daß gerade bei alten Monumenten, die
Jahrtausende lang der Einwirkung der Luft und Sonne
ausgesetzt waren, die Photographie eine recht unzuverlässige
Unterlage für genauere Untersuchungen ist. Die
Chicago-Expedition sucht die Vorteile der alten Strichzeichnung
und der Photographie zu vereinigen und fügt
dazu noch die Mitarbeit des Epigraphikers. Zunächst
werden die einzelnen Teile der Inschrift photographiert.
Auf einer starken Vergrößerung dieser Photographien
zieht der Zeichner vor dem Objekt alle Linien mit Tinte
nach, die er als zur ursprünglichen Inschrift gehörend
feststellt. Nachdem nun in einem chemischen Bade die
Photographie selbst ausgebleicht ist, sodaß nur die
Linien des Zeichners übrig bleiben, geht zur letzten
Prüfung der Gelehrte mit diesem Blatte zum Original,
um dort „Korrektur zu lesen" und die Angaben des
Zeichners zu kontrollieren. Man darf annehmen, daß
durch dies Zusammenwirken des Photographen, des
Künstlers und des geschulten Ägyptologen der größtmögliche
Grad der Vollkommenheit in der Wiedergabe
der Inschriften erreicht wird.

Über die bisherigen Ergebnisse der Arbeiten an den
Inschriften gibt der Leiter der Expedition, Harold H.
Nelson, einen vorläufigen Bericht (S. 1—36). Es sind
drei Feldzüge bearbeitet: einer nach Nubien, der erste
Feldzug gegen die Lybier, der Krieg gegen die Seevölker
. Dies Material nimmt 35 Tafeln in Anspruch;
darunter sind zwei farbige. Neben dem Tafelbande soll
ein Textband herauskommen, der Erklärungen zu den
Inschriften und Reliefs enthalten soll. Man darf auf das
Erscheinen dieser beiden Bände gespannt sein. In seinem
vorläufigen Bericht hebt Nelson einige besonders
interessante Einzelheiten heraus. So weist er darauf hin,
daß alle Reliefs ursprünglich farbig bemalt waren. In
Medinet Häbu ist eine beträchtliche Anzahl von Reliefs
noch mit Farbspuren aufgefunden worden. So sind z. B.
die Tätowierungen der Libyer, die Blutlachen zwischen
den Körpern der Erschlagenen, die Einzelheiten vom
Anzug des Monarchen nur in Farben angegeben. Auch
andere Kleinigkeiten der Darstellung sind nicht vom
Steinmetzen ausgeführt, sondern erst vom Maler in die
Reliefs hineingesetzt worden. Das muß man in Erwägung
ziehen, wenn man sich den frischen Eindruck
der Kunstwerke vergegenwärtigen will. In ausgedehntem
Maße ist Putz und Stuck verwendet worden, um unebene
Stellen des Mauerwerkes zu glätten, aber auch um
Verzeichnungen des Steinmetzen zu verbessern. In den
aufgetragenen Stuck sind dann die richtigeren Linien