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Ausgabe:

1930 Nr. 18

Spalte:

425

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Feckes, Carl

Titel/Untertitel:

Gabrielis Biel quaestiones de justificatione 1930

Rezensent:

Bring, Ragnar

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425

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 18.

426

dem Standpunkt des Verfassers aus unverstanden blei- | nicht, sondern nur andre, und für die Vorlesung von
ben. Daher machen auch die mannigfach in dem Buch i 1831 haben wir überhaupt keine Nachschrift. Lasson

verstreuten, an sich interessanten und beachtlichen religionsgeschichtlichen
Auseinandersetzungen öfter den
Eindruck der Konstruktion und des Gequälten. Mir
scheint der Grundfehler der ganzen Betrachtung zu
sein, daß sie zu sehr konstruiert und deduziert und die
Selbstaussage der lebendigen Religion zu wenig beachtet
.

Düsseldorf. Kurt Kessel er.

F eck es, Dozent Dr. D. Carl: Gabrielis Biel quaestlones ;de
justificatione. Münster i. W.: Aschendorff 1929. (63 S.) gr. 8°.
= Opuscula et textus historiam ecclesiae . . . illustrantia. Series
scholastica . . . Fase. IV.

Aus den Collect. Gabriel Biels hat Feckes die
Stellen, die die Rechtfertigungslehre behandeln, auswählen
und sie in einer leicht zugänglichen Auflage herausgeben
wollen.

Das Buch enthält aus den Collect. Dist 17 (Hb. 1),
qu. 1. (utrum praeter Spiritum sanetum necesse sit
ponere caritatem absolutam creatam animam formaliter
informantem ad hoc quod sit cara Deo et aeeepta),
qu. 2 (utrum aliquis actus voluntatis possit esse men-
torius sine caritate formaliter informante); Dist. 14
(lib. 4), qu. 1 (utrum sine penitentia possit delen pecca-
tum post baptisma commissum); Dist 27 (lib 2), qu. 1
(utrum anima per actum elicitum a voluntate et gratia,
qua informatur, premium eternum de condigno merea-
tur); Dist. 28 (lib. 2), qu. 1 (utrum hominis liberum
arbitrium possit sine gratia actum bonum moraliter
eligere, peccata mortalia cavere et divina preeepta adini-
plere) und zuletzt Dist. 27 (lib. 3), qu. 1 (utrum Caritas
sit habitus inclinans voluntatem hominis ad obser-
vationem perfectam preeepti caritatis). — Feckes hat
sein Heft mit Anmerkungen versehen, die genau angeben
, wo man die Citate von Biel finden kann.

Es ist wertvoll, einen leicht zugänglichen Auszug
aus den für das Verständnis der Theologie Luthers
wichtigen Schriften Biels bekommen zu haben. Es wäre
nur zu wünschen, daß dieser noch größer wäre, so daß
z. B. die den Glauben betreffenden Aussagen mehr vollständig
hätten mitgenommen werden können.

Abo (Lund). R. Bring.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Die Religionen der geistigen
Individualität. Nach den vorhandenen Manuskripten vollständig
neu hrsg. von Georg Lasson. Leipzig: F. Meiner 1927. (IV, 256 S.)
8°. = Philosophische Bibliothek, Bd. 61. RM 9 - ; geb. 11-.

D e r s.: Vorlesungen über die Philosophie der Religion. Dritter
Teil": Die absolute Religion. Mit e. Anhang: Die Beweise vom Dasein
Gottes Nach den vorhandenen Manuskr. vollst, neu hrsg. von
Georg Lasson. Ebd. 1929. (XII, 244 S.) 8°. = Hegel: Sämtliche
Werke. Bd. 14 Hälfte 1. = Philosoph. Bibliothek, Bd. 63.

RM 9—; geb. 11 — .

Ders.: Vorlesungen über die Beweise vom Dasein Gottes.

Neu hrsg. von Georg Lasson. Ebd. 1930. (XI, 189 S.) 8°. =
Hegel: Sämtliche Werke. Bd. 14, Hälfte 2. = Philosoph. Bibliothek,
Bd. 64. RM 9— ; geb. 11—.

Lasson, Georg: Einführung in Hegels Religionsphilosophie.
Ebd. 1930. (VIII, 150 S.) 8°. = Hegel: Sämtliche Werke. Bd. 12.
[Einf.] = Philosoph. Bibliothek, Bd. 65. RM 8 — ; geb. 10—.
Lasson's Ausgabe von Hegel's Religionsphilosophie
ist von mir in ihren ersten beiden Bänden besprochen
ThLZ. 50 (1925) 421—423 und ThLZ. 53
(1928), 376—379. Ich erinnere an den Tatbestand.
Die alten Herausgeber haben unter Zugrundelegung
der Vorlesung von 1831 ein Buch aus einem
Gusse herzustellen gesucht; der eigenhändige Entwurf
Hegels von 1821 ist dabei untergegangen, er ist eben-
sp nie die Vorlesungen von 1821, 1824 und 1827 als
Bereicherung des Materials verwandt. Sie hatten den
Vorzug, von Hegel selbst autorisierte und mit Bemerkungen
versehene Nachschriften zu benutzen. Ihre
Unterlagen sind für uns nur zum kleinsten Teile verfügbar
: gerade jene Nachschriften besitzen wir meist

hat das gleiche Ziel wie die alten Herausgeber, eine
aus allem zusammen fließende Gesamtdarstellung zu
geben. Seine Methode aber weicht von der der alten
Herausgeber in einem Zwiefachen ab: 1. Er nimmt das
Originalmanuskript in diese Gesamtdarstellung durch
besondern Druck hervorgehoben wörtlich auf; 2. Er
legt eine von ihm im Anschluß an die mittleren Vorlesungen
frei gebildete Disposition zugrunde. Abge-
sehn von dem Originalmanuskript und der Vorlesung
von 1824 muß er mit nicht so verläßlichem und mit
ärmerem Material arbeiten.

Ich habe in meinen früheren Besprechungen bedauert
, daß Lasson aus der Situation nicht die Folge
gezogen hat, die alte Bearbeitung der Religionsphilosophie
von 1831 als ein in seiner Art klassisches Buch
stehn zu lassen und einfach das Originalmanuskript
von 1821 im Zusammenhang, mit Erläuterungen unter
dem Strich aus den Vorlesungen, mitzuteilen, sodann
aber uns in einem andern Teile ein genaues Bild von
Aufbau und Abwandlung der Ideen Hegels in den Vorlesungen
von 1824 und 1827 mit Abdruck der entscheidenden
Partien zu geben. Ich kann dies Bedauern
nur wiederholen. Gewiß ist Lasson vorsichtiger geworden
als in den ersten Bänden. Gleichwohl widerlegt
sein Verfahren sich selbst. Ich gebe Beispiele.

Das erste betrifft einfach die Textgestaltung.
Lasson wie die alte Ausgabe haben beide einen Abschnitt
über die Positivität der christlichen Religion, in
welchem Äußerungen aus der Vorlesung von 1827 (nur
diese und, nach dem Zeugnis der alten Ausgabe, die
von 1831 haben den Abschnitt so) zugrunde liegen.
Ich gebe ein paar Sätze zum Vergleich:

Werke XII* 200
Da hat die Beglaubigung ein-

Lasson, Absolute Religion
S. 21

... Da hat die Beglaubigung einmal
die Gestalt eines Positiven als
solchen: da sind Wunder, und
diese sollen die Beglaubigung sein
dafür, dal! dieses Individuum diese
Lehren gegeben hat. Wunder sind
Veränderungen im Sinnlichen, die
wahrgenommen werden, und diese
Wahrnehmung selbst ist sinnlich,
weil es eine sinnliche Veränderung
ist...

mal die Gestalt eines Positiven als
solchen: da sind Wunder und
Zeugnisse, die die Göttlichkeit
des offenbarenden Individuums beweisen
sollen, und dal! das Individuum
diese und jene Lehren gegeben.

Wunder sind sinnliche Veränderungen
, Veränderungen im Sinnlichen
, die wahrgenommen werden
, und dies Wahrnehmen selbst
ist sinnlich, weil es sinnliche Veränderungen
betrifft...

Es ist klar, daß in Lasson's Text ein doppelter
Unsinn steht. 1. Die zugrunde liegende Nachschrift hat
von den beiden äußeren positiven Beglaubigungen allein
die erste (das Wunder) erhalten, von den beiden zu
beglaubigenden Momenten selbst aber gerade das
zweite, das nicht vom Wunder, sondern vom Zeugnis
beglaubigt wird. So müßte Hegel nach Lasson's Text
gemeint haben, daß z. B. die Tatsache des Wunders
der Hochzeit von Kana als Beweis gedacht sei für die
historische Authentie der johanneischen Christusreden.
Der alte Text macht alles klar: die Wunder z. B. des
Johannesevangeliums beweisen die Göttlichkeit Jesu,
und das äußere Zeugnis z. B. Joh. 21, 24 die
historische Authentie der johanneischen Reden. 2. Der
Satz über das Wahrnehmen ist im alten Text gut und
klar, in Lasson's Text ein nur halb verständliches Gefasel
. — Zugleich belegt das Beispiel auch, wie glänzend
die Absatzeinteilung in der alten Ausgabe, wie unbehilflich
die (von Lasson wohl aus seiner Vorlage
übernommene) Lassons ist. Wollte man alle diese Vorzüge
des alten Textes auf Eingriffe Bruno Bauer's zurückführen
, so hätte dieser im Beispiel den Rang eines
genialen Interpreten, der aus nachgeschriebnem Unsinn
gesprochnen Sinn erkannte. Die weitaus wahrscheinlichere
Vermutung aber ist, daß die alte Ausgabe bessere
Unterlagen besessen hat.

Das zweite Beispiel kann ich gleich daran anschließen
. Im Nachwort des Bandes über die absolute