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Ausgabe:

1930 Nr. 17

Spalte:

398-400

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eberhard, Otto

Titel/Untertitel:

Die Pädagogik der Gegenwart und der Religionsunterricht 1930

Rezensent:

Heckel, Theodor

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 17.

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Grund da, auch wenn er nicht wirksam geworden ist. i consensus und der Bemühungen John Duries, die ein-

An dieser Stelle erhebt sich nun allerdings eine ! gehenden Charakteristiken der Lausanner Professoren

weitere methodische Frage. Die Bemühungen Köhlers ■ Bonaventura Bertram, Aemilius Portus, Wilhelm Bu-

fehen darum — das ist schon aus seinen zusammen- canus, Jakob Amport, Marc de Saussure, Johann Schö-
assenden Darstellungen über Luther und Zwingli zu i nauer, Pierre Davel, Georges Polier, Elias Merlat, Geerkennen
— die Frage zu beantworten; die er selbst ' org Müller, Jeremias Currit, Jakob Girard de Bergeries,
zum Titel eines Vortrages gemacht hat: Warum sind Johann Heinrich Orth, David Constant. Die ganze Dar-
Luther und Zwingli 1529 in Marburg nicht einig ge- | Stellung ist gestaltet von der Weisheit eines im Dienste
worden? (Anm. 8). Diese Frage beherrscht in starkem i der Theologie und der Kirche ergrauten ehrwürdigen
Maße z. B. auch das Büchlein Köhlers: „Die Geistes- ! Patriarchen,
weit Ulrich Zwingiis" (Gotha 1920). Dieses beginnt:
„Ihr habt einen anderen Geist als wir". In der Einführung
S. 2 wirft aber nun Köhler selbst die andere
Frage auf, ob nicht „das Wollen hüben und drüben
unter ein gemeinsames Ziel gebracht werden kann und

Basel. Emst Staehelin.

Klugkist Hesse, Hermann: Adolf Clarenbach. Ein Beitr.
zur Geschichte d. Evangeliums im Westen Deutschlands. Neuwied a. Rh.:
J. Meincke 1929. (XII, 378 S.) 8°. RM 5—.

sdüe* GegrasätTlichQt ^ci^wi^vm^edenbikTb- j . Hesse will ein Bild des rheinischen Reformators

blaßt". Es liegen also zwei Gesichtspunkte vor und es oder vielmehr Evangelisten Adolf Clarenbach zeichnen,

ist von entscheidender Bedeutung für die Beurtei- ! ^es1MIan"es- den eigentlich erst die Forschungen eines

lung des Abendmahlstreites welchen wir wählen. Der Karl Kra;fi: vor 30 Jahren wieder ans_ Tageslicht^ ge-

erstere sucht auszugehen vom Marburger Tage selbst, er
nimmt den Tatbestand, seine Ursachen und seine unmittelbaren
Wirkungen auf. Von da aus gesehen ist das
Marburger Gespräch eine contentio de fide. Die Verschiedenheit
der Ansicht über die Bedeutung des Glaubens
in Bezug auf das Abendmahl war, weil es eine
Glaubensfrage war, so stark, daß sich die Reformatoren
nicht einigen konnten. Der zweite Gesichtspunkt
geht von unserer heutigen Stellung aus und sucht Marburg
im Zusammenhang der Geschichte des Christentums
überhaupt zu sehen. Von da aus ist das Gespräch
keine contentio de fide, denn von da sind nicht nur die
ganz allgemeinen Fragen nach Christentum oder NichtChristentum
, nach Glaube oder Nicht-Glaube, sondern
auch die spezielleren Fragen nach Rechtfertigung aus
Glauben oder aus Werken, nach der Kirche als der
Gemeinschaft aller Gläubigen usw. so viel wichtiger
als die Abendmahlsfrage, daß die Einheit der Reformatoren
größer erscheinen muß als ihre Verschiedenheit.
Und nun die letzte Frage: Welcher Gesichtspunkt ist
der wichtigere? Für den Historiker als Diener an der
Erforschung der geschichtlichen Wahrheit der erstere,
für den Historiker als Menschen seiner Zeit und Gegenwart
der letztere; denn nur diejenige Geschichte ist lebendig
, die unserer Gegenwart etwas zu sagen hat.
Zürich. Leo von Muralt.

zogen haben. Er glaubt aber seine Aufgabe nur dann
lösen zu können, wenn er ihn als Exponenten seiner
ganzen Zeit betrachtet. Damit rührt er an das Problem,
inwiefern ist Clarenbach eine originale Größe. Ist er
den Reformatoren an die Seite zu stellen oder ist er nur
ein allerdings bedeutender Vertreter einer religiösen gewaltigen
Unterströrnung des ausgehenden Mittelalters?
Ob diese Frage gelöst ist? Der Verfasser wird selbst
nicht mit einem entschiedenen „Ja" antworten. Es ist
keine Lösung des Problems, wenn er einmal davon
schreibt, daß es dem einsamen Wanderer eine Freude
sei, plötzlich Genossen zu finden. Ob überhaupt jetzt
schon eine solche möglich ist? Zunächst einmal, ist die
angenommene evangelische Unterströrnung schon eindeutig
zu bestimmen und werten? Was ist als „evangelisch
" zu bezeichnen und was als Auflehnung nur
gegen die herrschende Kirchenlehre also nur „religiös"
zu werten. Dann aber. Liegt nicht in der Art der Darstellung
selbst ein Hindernis? Der Verfasser bevorzugt
einen impressionistischen Stil. Ein Zeichen, daß er
überhaupt die Verhältnisse in einer gewissen Beleuchtung
sieht. Darin liegt ein Gutes, ja ein Berechtigtes.
Aber die Gefahr der Unterschätzung und Überschätzung
liegt nahe. Es gibt keine uninteressierte Geschichtsschreibung
und darf keine geben. Aber Uninteressiert-
heit und Wirklichkeit sind keine Gegensätze. Hesse hat
wohl bei seiner Darstellung an die weitesten Kreise gedacht
und daraus läßt sich so manches erklären. Er
redet von Clarenbach oft nur unter dem Vornamen
„Adolf", Ausdrücke wie Baggerd oder Greven werden
erst nach 50 oder 100 Seiten (119 = 162; 109. 137 =

Vuilleumier, Henri: Histoire de l'Eglise reformee du Pays
de Vaud sous le regime bernois. Tome second: L'orthodoxie
confessionelle. Avec quatre planches et cinq fac-similes hors texte.
Lausanne: Imprimerie la Concorde 1928. (VI, 795 S.) 4°.

.,. m i in. B^-1_w/60J[' 271) erklärt, wenn es die Darstellung zuläßt; die Bilder
Von dem gewaltigen Werke über die Waadt- | s'en manchmal mehr in eine Zeif a(S' °*Q §6 ) •

landische Kirchengeschichte, das der Alttestamentler ; andres blejbt unverständlich (S. 220: einen schnällen

Henri Vuilleumier hinterlassen hat, ist der zweite Band - vor s 211) WQ ist das Ex, lar der ernstlKhen

erschienen. Hatte der erste die Grundlegung der refor- Handlung", das S. 180 erwähnt wird Es soll und muß

mSS," h^Ädf ,KiThL,imnf Z f Wahrer 192S I der F,ei™es Verfassers, seine schöne Darste ungsgTe
mation behandelt (vgl. Theol. Lit.Ztg., Jahrg. 1928, ! gdn tiefes Versenken in den Stoff voll und ganz aner-
Sp. 421 f.), so stellt der vorliegende ihre Geschichte in j ,(annt werden Aber die Bedenken sollten nicht 1^-
der Periode der Orthodoxie, also ^ schwiegen sein. Der Druck ist peinüchgenau Ein

1580 bis 1685, dar. Wieder liegt eine Darstellung vor, ! Druckfehler S 268 Z 14 v o Peinlicn £€ndUl
wie sie anschaulicher und eingehender kaum gedacht
werden kann; die Protokolle der Chorgerichte, Col-
loquien und KlaßVersammlungen und die übrigen handschriftlichen
Bestände sind restlos ausgeschöpft und mit
den andern Quellen zu großen abgerundeten Bildern zuRoth
. garj Schornbaum.

Eberhard, Oberstud.-Dir. D. Otto: Die Pädagogik der Gegenwart
und der Religionsunterricht. Leipzig: Dörffling& Franke
1930. (66 S.) 8°. RM 1.80.

sammengearbeitet: auf dem Hintergrunde erscheinen die Geistesgeschichte und Pädagogik stehen in

Vorgänge in Savoyen und Frankreich, die Gegenrefor- Wechselbeziehung. Der Wandel der Geistesgeschichte

mation, die Kriegs- und Pestzeiten in der Schweiz; im I bestimmt fast durchgängig den Wandel der theoreti-

Vordergrund steht der Vollzug kirchlicher Verkündigung j sehen Pädagogik, während der umgekehrte Fall zu den

und kirchlicher Gemeinschaft in seiner vielseitigen Aus- i Kuriositäten der Geschichte gehört. Der Grund dafür ist

Prägung in Predigt, Katechese, Sakramentsverwaltung, klar. Alle Pädagogik begründet sich in einer voraus-

Theologie, Kirchenzucht usw. An Einzelheiten heben gegebenen Theologie, Ethik, Philosophie. Will sie nicht

hervor die große Kontroverse um eine vom Lau- j in öden Rationalismen der Anweisung vertrocknen, so

sanner Claude Aubery und vom Basler Antoine de Les- muß sie aussagen, was sie von ihrem Grund und Ziel

caille vertretene Osiandrisch gefärbte Theologie, die j hält, wo sie die Vollmacht für das Erziehungswerk

ausfuhrliche Schilderung der Entstehung der Formula ! schöpft. Diese innere Verbundenheit der Pädagogik mit