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Ausgabe:

1930 Nr. 1

Spalte:

374

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eberhard, Otto

Titel/Untertitel:

Neuzeitlicher Religionsunterricht. 2., erweit. Aufl 1930

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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Seite 1

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373

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 15/16.

374

werten Kenntnis der Vorgänge und der über sie erschienenen
Literatur. Ich darf sagen, daß ich lange nicht
mehr so viel Belehrung über historische Geschehnisse

der „Evangelischen Freiheit" und aus der „Christlichen
Welt" über die laufenden Begebenheiten, die ausgewählten
Zeitungsartikel aus seiner Feder, die Auszüge

und soviel Verständnis für politische Vorgänge der aus gedruckten Predigten sowie die Inhaltsangaben sei
jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart aus einem ner oft genannten Schriften rücken durch die Einord

Buch erhalten habe wie aus diesem Heft

Die Denkwürdigkeiten F.'s werden zum unentbehrlichen
Bestandteil jeder Bibliothek gehören müssen.
Kiel-Voorde. Kurt Dietrich Schmidt.

von Seid, Albert Frhr.: Sechzig Jahre. Ein Leben dienender
Liebe an Bauern- und Fürstenhöfen, unter Säufern, Kindern und
Verbrechern. Neu hrsg. v. Dr. W. Vogt. Mit Bildnis. 4. Aufl.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1929. (286 S.) 8°.

geb. RM 3.75.

Dieses Lebensbild eines seltenen, liebenswerten
Menschen, vor 65 Jahren von ihm selbst kurz vor
seinem Tode geschrieben, ist der Neuherausgabe wert.

Ein gewandter Erzähler schildert in schlichter, aber j Widerspruches gegen die von der Kirchenbehorde gegen

nung in die Lebensgeschichte ihres Verfassers in eine
neue Beleuchtung, wie andrerseits der Werdegang desselben
durch diese literarischen Unterlagen seinen lebendigen
Hintergrund erhält. Es ist ein Stück Zeitgeschichte
, das der Leser miterlebt, und zwar an den
Kämpfen und Spannungen einer in den vorderen Reihen
des kirchlichen Lebens stehenden Persönlichkeit. Einer
der Führer des theologischen Liberalismus, der unentwegt
für die Gleichberechtigung der von ihm vertretenen
Richtung eintrat, der Verteidiger von Jatho und
Traub vor dem Berliner Spruchkollegium, v. Harnacks
Nachfolger in der Leitung des evangelisch-sozialen Kongresses
, der von der Kieler Universität zum Zeichen des

wohlgeformter Sprache sein nicht alltägliches Leben, j ihn geforderten Maßregelung gewählte Rektor, der
das ihn, den Sproß eines verarmten Geschlechtes, durch i uberzeugte Monarchist, der nachher eine Führerstellung
eine infolge der napoleonischen Wirren an Ereignissen | unter den republikanischen Demokraten eingenommen,
reiche Jugend über eine kurze Beamtentätigkeit seinem 1 der einstige Vorkämpfer des Evangelischen Bundes, der
eigentlichen „Beruf" als „Menschenfreund" und Führer j spater den Wahlaufruf des Zentrumskandidaten auf den
im Kampf gegen soziale Notstände, vor allem in der Enthaltsamkeitsbewegung
, zuleitet. Das Besondere des
Buches liegt weniger in der Schilderung von allerlei
kulturhistorisch gewiß wertvollen Einzelheiten, als vielmehr
in der feinen und unmittelbaren Art, wie hier eine
Persönlichkeit sich selbst ohne jede Spur von Selbst-
bespiegelung ein Denkmal gesetzt hat. Dabei geht es
dem Verfasser, wie er im Vorwort bemerkt, nicht darum,
sein Leben, sondern das Leben zu schildern. So
bleibt manche Frage nach dem inneren Werdegang dieses
Mannes offen, z. B. die, wie das Vorwort des Herausgebers
zeigt, schon von anderen Seiten aufgeworfene
nach der religiösen Entwicklung von Seldt's, oder nach
dem Erwachen seines sozialen Verantwortungsgefühles.
Diese Fragen drängen sich dem Leser um so mehr auf,
als das Bild der Jugendzeit einen leidenschaftlichen,
von persönlichem Geltungsbedürfnis durchaus nicht
freien Knaben zeigt, an dem auch die Konfirmation spurlos
vorübergegangen ist. Aber der Leser begnügt sich
gern, da gerade so die Persönlichkeit des Mannes in
ihrer Geschlossenheit hervortritt: klarblickend, zähe, hur
das Rechte wollend, bedürfnislos, wehrlos gegen jedes
persönliche Übervorteiltwerden, ehrlich auch gegen sich
selbst, opferbereit, getrieben von einem starken persönlichen
'Christenglauben, nichts anderes wollend: als notleidenden
Menschen die Hilfe zu bringen, die allein
Hilfe ist. Hieraus erklärt sich die starke Wirkung, die
von dieser Persönlichkeit auf andere Menschen ausging.
Er gehört mit zu den Bahnbrechern der aus evangelischem
Glauben entspringenden Liebestätigkeit des
19. Jahrhunderts.
Bremen. Bodo Heyne.

Reichspräsidentenstuhl mitunterzeichnet hat, Mitglied
der deutschen Friedensdelegation . . . aus diesen von
uns ohne Erschöpfung des Gegenstandes herausgegriffenen
Lebensumständen Bs., die in der Öffentlichkeit viel
erörtert wurden, erhellt zur Genüge, daß dem vorliegenden
Buch eine über ein Einzelschicksal hinausreichende
allgemeine Bedeutung zukommt, zumal d. V. selbst
seine Umwelt stets stark hervortreten läßt. Dabei
kommt es ihm nicht darauf an, sich seinen Gegnern
gegenüber zu rechtfertigen, wohl aber legt er Wert
darauf, seine Lebensrichtung aus den Voraussetzungen
seinei Lebensgestaltung, der bleibenden Doppelseitigkeit
seines Wesens, der absolut-religiösen und historischpolitischen
, verständlich zu machen. Dem Kirchenhistoriker
, besonders dem künftigen, liefert B. durch die
Schilderungen seiner Studienzeit in Straßburg, Göttingen
, Zürich und Halle, der kirchlichen Praxis im badischen
Kirchendienst, der Berliner Privatdozentur, des
Jenenser Extraordinariates und des durch 32 Jahre bekleideten
Kieler Ordinariates nicht zu unterschätzende
Bausteine für eine Geschichte der jüngsten kirchlichtheologischen
Vergangenheit.
Wien. Karl Völker.

Eberhard, Ob. - Stud. - Dir. Schulrat D. Otto: Neuzeitlicher
Religionsunterricht. Haudreiclig. evang. Jugenderziehg. 2., erweit
. Aufl. Berlin: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1928.
(162 S.) gr. 8°. Hlwd. RM 5.85.

Es ist gut, daß die Theorie des Religionsunterrichtes gegenwärtig
den Anforderungen der neuesten Entwicklung auf theologischem und
kirchlichem Gebiet Rechnung zu tragen sucht. E. stellt die neue Auflage
gerade in diese Lage hinein, die theologisch durch die Betonung
des „Wortes Gottes", kirchlich durch die Losung „die Gemeinde als
Kirche" bezeichnet ist; dazu tritt noch die Phänomenologie von der
Philosophie her, die die Wesensschau der Religion möglich macht, durch
die fruchtbaren Ansätze zu einem Unterricht jenseits aller Konfessionalität
gegeben werden. — Bis auf die an die Gegenwart herangeführten
Literaturnachweise ist sonst das Buch dasselbe geblieben.
Marburg a. L. Friedrich Niebergall.

Missionskunst. Christliche einheimische Kunst in nichtchristlichen
Ländern. Von J. B. Aufhauser. - Ludwig Chang und die christliche
Kunst in Korea von P. Andreas Eckardt O. S. B. in Tokwon
(Korea). Mit 50 Abb. u. e. Kunstdrucktaf. München: Gesellschaft
für christl. Kunst 1929. (S. 161 — 192.) 4°.= Die christliche Kunst,
25. Jg., H. 6. RM 1.75.

Der Einbruch des Christentums in die alten Kulturen des nahen
und fernen Ostens zeigt seine Wirkung auch auf die Kunst. Aufhauser
hat vor allem die Architektur der Kirchen und kirchlichen Gebäude, die
Plastik — Madonnenfiguren und dergl. — und die Malerei beobachtet
und eine recht instruktive Sammlung von Abbildungen beigebracht, über

die uri0A~"*7""-------ü TT"" i"rT"","v-"c" rtuuiucn.. nuci deren Beurteilung man bisweilen verschiedener Meinung sein wird, wie

uic wieder henwgeholten kritischen Chroniken Bs. aus ! denn Aufhauser selbst von gelegentlichen Fehlgriffen redet. Sein Auf-

Baumgarten, Otto: Meine Lebensgeschichte. Tübingen:
J. C. B. Mohr 1929. (VIII, 515 S.) gr. 8°. RM 18-; geb. 21—.
Selbstbiographien führender Theologen haben für
den Kirchenhistoriker den Wert von Quellenschriften
besonderer Prägung. Es fällt dabei nicht in die Wagschale
, ob man mit den Ansichten des Verfassers in
allem übereinstimmt. Für die Beurteilung ist der Umstand
entscheidend, daß die betreffenden Aufzeichnungen
einen deutlichen Eindruck der Zeitlage, selbstverständlich
in der persönlichen Einstellung des Schreibers, vermitteln
. Dies gilt von dem vorliegenden Buch ganz besonders
. Hier gelangen nicht nachgelassene Bekenntnisse
eines verstorbenen Schriftstellers zur Veröffentlichung
, sondern zum großen Teil bereits von anderswoher
bekannte Berichte und Äußerungen einer noch
ebenden, am Gang der Ereignisse unmittelbar beteiligten
Persönlichkeit zum neuerlichen Abdruck. Aber