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Ausgabe:

1930 Nr. 1

Spalte:

367-368

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wendland, Walter (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte. 24. Jahrg 1930

Rezensent:

Clemen, Otto

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Seite 1

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367

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 15/16.

368

Charakteristik einzelner Dichter von nicht ausgesprochen religiöser j andern Klöstern). Wir erhalten weiter die Fortsetzung der Abhandlung
Richtung anlangt, auf die Kennzeichnung und Bewertung der weltan- j von Th. Wotschke, Der märkische Freundeskreis Brecklings (Brief-
schaulichen Elemente in G. Kellers Dichtung. Auch eindringliche Son- 1 liehe Äußerungen über Gottfried Arnold und Johann Konrad Dippel).
derforschung dürfte an diesem Bilde des Schweizerischen Erzählers nichts i Als neues Zeugnis für die weitreichenden Einflüsse A. H. Franckes veröffentlicht
Karl Weiske unter dem Titel „Pietistische Stimmen aus
der Mark Brandenburg" Auszüge aus Briefen der Handschriftensammlung
der Hauptbibliothek der Franckeschen Stiftungen zu Halle von den Brüdern
Charles und David Ancillon, Häuptern der französischen Kolonie in
Berlin, von Christian Gotthelf Birnbaum, Pastor in Prenzlau und Neu-
Ruppin, von Lampert Gedicke, Feldpropst in Berlin, Caspar Gottschlings,
nachmaligem Rektor der neustädtischen Schule in Brandenburg, u. a.
Joh. Heintze stellt unter dem Titel „Zu Rudolf Kögels 100. Geburtstag
" die Urteile von Gegnern und von Verehrern und Freunden des
Oberhofpredigers zusammen und wägt sie gegeneinander ab. H a n s P e t r i
schildert die aufregenden Erlebnisse Wilhelm Harte's aus Rathenow,
evgl. Pfarrers und preull. Vizekonsuls zu Jassy (Rumänien) 1809—1825'.
Gerhard Abraham druckt ab die Konsistorial-Instruktion, die am
2. April 1746 der Minister Brühl erließ, nachdem er zu der 1740 erkauften
Herrschaft Pforten 1746 von seinem König die Herrschaft Forst
geschenkt erhalten hatte. Unter den Bücherbesprechungen hat sich die
Kritik des Buches von Karl Heinrich Schäfer, Treuenbrietzens 1000 jähr,
deutsch-christliche Kultur durch Burkhard v. Bonin zu einem Aufsatz
: „Der Sklavenaufstand von 983 und die Kirche" ausgewachsen.
Zwickau i. S. O. Clemen.

Wesentliches zu ändern haben,

Hamburg. R. Petsch.

1. Janzer, Dr. Gertrud: Goethe und die Bibel. Leipzig: M.
Heinsius Nachf. Eger & Sievers 1929. (137 S.) 8°. RM 5—.

2. Fliedner, Wilhelm: Goethe und Christentum. Die Religion
u. Ethik Goethes u. d. Hauptvertreter d. Christentums. Gotha: L.
Klotz 1930. (III, 147 S.) 8°. RM4-.

1. Jede christlich orientierte Darstellung von
Goethes Stellung zu Bibel und Christentum birgt die
Gefahr in sich, daß in einer geheimen apologetischen
Absicht die Wirkung biblischen und christlichen Geistes
auf Goethe überschätzt wird. Die auf gründlicher
Quellenkenntnis beruhende Arbeit von Gertrud Janzer
„Goethe und die Bibel" ist dieser Gefahr nicht
entgangen. Sicherlich ist es zu begrüßen, daß hier in
fesselnder Weise die direkten und indirekten Einwirkungen
biblischer Sprache und biblischen Geistes auf
das Schaffen des Dichters zusammenfassend dargestellt
sind, und daß das noch wenig behandelte Verhältnis
Goethes zur Bibelwissenschaft seiner Zeit eingehend
untersucht wird. Jedoch ist es der Verf. nicht gelungen,
bei ihrer zusammenfassenden Würdigung in die Tiefe
zu dringen. Die Tatsache, daß die Bibel für Goethe ein
wesentliches Bildungselement war, darf nicht zu dem
über die wirklichen Probleme hinweggleitenden Urteil
führen, daß wir Goethe deshalb „einen Christen heißen,
weil er in der christlichen Kultur Lebte, ihre Werte anerkannte
und schätzte und aus dem Quell christlichen
Erkennens und Denkens, aus der Bibel, seine sittliche
Bildung schöpfte".

2. Tiefer begründet sind die Ergebnisse, zu denen
Wilhelm Fliedner in seiner Studie „Goethe und
Christentum" gelangt. Wenn im Titel der bestimmte
„hier allzu bestimmte" Artikel weggelassen ist, so geschieht
es deshalb, weil der Verfasser nur Goethes Beziehungen
zu einzelnen besonders charakteristischen
Erscheinungen und Gestalten des Christentums behandelt
. Goethes Welt- und Lebensansicht wird beleuchtet
, indem sie Pietismus und Rationalismus,
Paulus und Augustin, Luther und Schleiermacher
gegenübergestellt wird. In dem die Ergebnisse zusammenfassenden
Kapitel „Wertung und Verwertung
" wird eine vermittelnde Haltung eingenommen:
die diametralen Unterschiede zwischen Goethe und den
gezeichneten Erscheinungen christlichen Denkens werden
klar herausgearbeitet; trotzdem aber glaubt der Verfasser
— mit scharfer Wendung gegen die heutige
„Verfemung des Idealismus" — zu dem Urteil berechtigt
zu sein, daß das „was bei Goethe vielleicht gegen die
biblische Begrifswelt fremdartig anmutet", schließlich
sich doch als „eine bereichernde Ergänzung" erweist.
Der Hauptwert der anziehend geschriebenen Arbeit liegt
in der Anführung der zahlreichen Goethezitate. Doch
hätte der Verf. — nach Julius Petersens kritischer
Untersuchung — die Eckermannzitate nicht in kritikloser
Weise übernehmen und wesentlichen Folgerungen
zugrunde legen dürfen.

Göttingen. Lic. Reich.

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte. Herausgeg.
im Auftr. d. Vereins f. Brandenb. Kirchengesch. v. Lic. Walter Wendland
, Pfarrer in Berlin. 24. Jahrg. Berlin: M. Warneck in Komm.
1929. (290 S., 8 Abb. a. Taf. u. 1 Kte.) gr. 8°. RM 3—.

Dieser Jahrgang enthält zunächst beträchtliche Teile zweier Klostergeschichten
: Joh. Simon hat auf Grund des gesamten vorhandenen
Urkunden- und Aktenmaterials die Geschichte des Zisterzienserinnenklosters
Zum Heiligen Grabe in der Prignitz von der Gründung (l287)
bis zur Einführung der Reformation (1549) gegeben, und Kurt Klinkoff
hat seine Geschichte des Karthäuserklosters „Barmherzigkeit Gottes"
bei Frankfurt a. d. Oder fortgesetzt (Inneres und geistliches Leben:
Lage, Aussehen und Einrichtung des Klosters, Bekannte Insassen, Lebensweise
der Mönche, Verhältnis des Klosters zum Orden, Beziehungen zu

Hennig, Karl: Die sächsische Erweckungsbewegung im Anfang
des 19. Jahrhunderts. Leipzig: Th. Weicher 1929. (210 S.) 8°.

RM 6.50.

Auf Anregung H. Boehmers bestand eine Art Arbeitsgemeinschaft
zwischen dem Kirchengeschichtlichen
Seminar und dem Seminar für Sächsische Geschichte an
der Leipziger Universität. Junge Theologen arbeiteten
über Themen der Kirchengeschichte Sachsens und insbesondere
der Stadt Leipzig und fanden dabei verständnisvolle
Förderung durch R. Kötzschke. Die meisten Arbeiten
wurden als Dissertationen in der Philosophischen
Fakultät angenommen. Die vorliegende Untersuchung
gehört in den Kreis solcher Arbeiten hinein.

Der Verfasser gibt auf Grund reicher archivalischen
Studien ein alle Einzelheiten erfassendes Bild von der
sächsischen Erweckung. Ihre Führer und Vereinigungen,
ihre religiösen Ideen und praktisch-kirchliche Arbeit finden
umfassende Darstellung. Dabei hat er die verschiedenen
religiösen Kräfte, die in derselben Bewegung
wirkten, klar erkannt und herausgearbeitet. Ein bisher
wenig bekanntes Gebiet der sächsischen Kirchengeschichte
ist durch diese Arbeit erschlossen worden.
Doch kann sie auch allgemeines Interesse beanspruchen?
Die deutsche Kirchengeschichte bedarf noch gründlicher
Untersuchungen zur Entstehung der Erweckung und zu
ihrem Übergang in den Konfessionalismus. Zum ersten
Problem gibt H. einen bemerkenswerten Beitrag, indem
er vor allem die Bedeutung der deutschen Christentumsgesellschaft
heraushebt. Auf die andere Frage geht H.
in den wenigen Seiten der Schlußparagraphen ganz kurz
ein, ohne die allgemein kirchengeschichtliche Forschung
dadurch zu fördern. Der Verfasser hat gerade hier, wie
er selbst sagt, im Druck gekürzt. Sicher zu Unrecht,
auch wenn der Umfang weit über das gewöhnliche
Maß einer Dissertation hinausgeht.

Leipzig. Hans Leubt.

Lösch, Priv.-Doz. Dr. theol. et. phil. Stephan: Johann Adam
Möhler. Bd. 1 : Gesammelte Aktenstücke u. Briefe. Mit 1 Bildn.
Möhlers. Hrsg. u. eingel. München: J. Kösel 8e F. Pustet 1928.
(XXIV, 552 S.) gr. 8°. RM 17—; geb. 19.50.

Dieser Band I, dem Band II als eine Möhlerbiographie
folgen soll, enthält die Möhlers Person betreffenden
kirchlichen und staatlichen Akten und seine
Briefe, soweit sie noch auffindbar waren. Einen Teil
hat der Herausgeber neu gefunden, ein größerer Teil
war bereits, aber in mancherlei Arbeiten verstreut, gedruckt
und ist hier nur zusammengetragen. Endlich sind
Erinnerungen an Möhler von Schülern und Freunden
mitgeteilt.

Die Edition entspricht allen nur zu stellenden Anforderungen
. Daß der Fundort sorgsam verzeichnet ist,
ist selbstverständlich. Auch die bisherigen Drucke sind