Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1930 Nr. 1

Spalte:

359-361

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Nederlandsch Archief voor Kerkgeschiedenis. N. S. Deel XXI u. XXII 1930

Rezensent:

Köhler, Walther

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

359

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 15/16.

360

Archivalien, wertvolle Beiträge zum Verständnis des
Zeitalters Maximilians II. geliefert. Nun rundet er die
Einzelzüge auf Grund umfassender Quellenstudien nach
allen Seiten hin zu einem gehaltvollen Gesamtlebensbild
seines Helden ab. In den Mittelpunkt seiner Darstellung
rückt er die Stellungnahme des Kaisers zur kirchlichen
Frage, die er aus dessen persönlicher Einstellung sowie
aus der klar umrissenen politischen Lage verständlich
zu machen sucht. Nach den überzeugenden
Ausführungen Bs. wird man den Begriff „Kompromißkatholizismus
" bei Maximilian II. endgültig aufgeben
müssen. Der Kaiser blieb nach Bs. Auffassung bis zu
seinem Lebensende für seine Person den evangelischen
Grundsätzen seiner Jugend treu, auch wenn er sich
äußerlich aus dynastischen Rücksichten später von der
alten Kirche nicht absonderte. B. macht dabei darauf
aufmerksam, daß man die verschleierten Erklärungen
Maximilians über seine Zugehörigkeit zur katholischen
Kirche nicht unbedingt im römischen Sinne aufzufassen
brauche. Auch verdient Beachtung der Hinweis d. Vs.
auf den Zusammenhang zwischen der Absage der protestantischen
Reichsstände an den Kronprinzen im Frühjahr
1560 bezüglich einer tätigen Unterstützung und
seiner „Bekehrung" zur katholischen Kirche. Darunter
sei nicht eine innere Umstellung Maximilians zu verstehen
, sondern lediglich eine Anlehnung an die katholischen
Machtfaktoren zur Verhinderung der politischen
Vereinsamung infolge der Zerfahrenheit im protestantischen
Lager. Wichtig erscheint ferner die Feststellung
Bs., der Kaiser habe sich 1568 zur bedingten Freigabe
des Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich entschlossen
, um von seinem Reich den im Ausland tobenden
Religionskrieg fernzuhalten. Unter diesem Gesichtswinkel
möchte d. V. Maximilians Religionspolitik, die
auf den Ausgleich der kirchlichen Gegensätze gerichtet
war, überhaupt beurteilt wissen. Es würde sich verlohnen
, in diesem Zusammenhang Maximilians Verhältnis
zum Augsburgischen Bekenntnis, das an der Kircheneinheit
unter Gewährung von Religionsfreiheit an die
Evangelischen festhalten möchte, näher ins Auge zu
fassen. Des Kaisers Abwehrstellung gegenüber dem
Geist der Gegenreformation verdeutlicht B. noch besonders
an dessen Gegensatz zu seinen Rivalen Philipp
II. von Spanien, dem er die Hinrichtung seines
Sohnes Don Carlos wegen dessen freiheitlichen Regungen
zumutet. Wir haben nur auf die kirchenhistorische
Seite des Werkes von B. verwiesen. Es enträtselt
in seiner überragenden Beherrschung und Durchdringung
des Stoffes den „rätselhaften Kaiser" auch in anderer
Hinsicht.

Wien. Karl Völker.

Nederlandsch Archief voor Kerkgeschiedenis. N. S. XXI,
XXII. s'Oravenhage: Martin Nijhoff 1928, 29. (322 und 282 S.) gr. 8°.

Der 21. Band dieser Zeitschrift für niederländische
Kirchengeschichte wird eröffnet durch einen größeren
Aufsatz von L. Knappert : Schets van eene Geschiedenes
onzer Handelskerken. Unter „Handelskirchen"
sind die Gemeinden verstanden, die sich „überseeisch"
da bildeten, wo Niederländer kolonisatorisch wirkten.
Aber auch die Konsulatskapellen gehören dazu, und es
kann die Frage entstehen, ob etwa Hugenotten in Paris
an den Gottesdiensten der niederländischen Botschaft
teilnehmen dürfen; die Gesandtschaftskapelle in Kom
stantinopel hatte besondere Bedeutung. Verfasser orientiert
über die Quellen, gibt die einzelnen Gemeinden an
(Moskau, Petersburg, Riga, Danzig u. a.), schildert ihre
Verfassung, nennt die Prediger, berichtet über die Ka-
sualien und die Kirchenzucht (man war sehr intolerant
gegen die Herrnhuter), und stellt an den Schluß die
Missionstätigkeit. — J. Smit: De Kapel van het h.
Kruis te Rijswijk, schildert die Geschichte der 1502/03
gestifteten Kapelle. — A.A. van Schelven: Een
brief van Praedinius, veröffentlicht aus dem Thomasarchiv
in Straßburg einen Brief der Regner Praedinius

! an Franz Dryander 1545 April 30. — A. Eekhof:
Jacobus Aoontius, erweitert eine Anzeige von Köhlers
Ausgabe der Stratagemata zu einem Überblick über den
Stand der Forschung und die Literatur, und bringt wertvolle
Nachrichten über die Wirkungen des Aoontius in

j den Niederlanden. — Derselbe veröffentlicht die in
der Peterskirche zu Leiden anläßlich der Enthüllung
einer Gedenktafel für John Robinson, den Pfarrer der
Pilgerväter, gehaltene Ansprache, ein kurzes Lebensbild
von Robinson, zu dem E. F. Ro m i g als Sprecher der
Amerikaner die Ergänzung gibt. — B. Becker : Neder-
landsche Vertalingen van Seb. Franck's geschritten, beschreibt
die holländischen Übersetzungen der Schriften
von Franck, insgesamt in den Jahren 1558—1621 siebzehn
, eine größere Zahl, als Luthers oder Calvins
Schriften aufweisen können. — Derselbe: De Theo-
logia Deutsch" in de Nederlanden der 16e eeu'w, beschreibt
die drei niederländischen und zwei niederdeutschen
Drucke der „Theologia deutsch" und gibt wertvolle
Nachweise über die Wirkung derselben in Holland.

— C. G. N. de Vooys: Een onbekende verzameling
refereinen uit de eerste helft van de zestiende eeuw, teilt
aus einer Brüsseler Handschrift eine Anzahl religiöser
Gedichte aus dem 16. Jahrh. mit, teils gegen Bilderverehrung
und Fasten gerichtet, teils satirisch gehalten,
teils mystisch. Ein Lied schildert speziell die Wirksamkeit
Luthers und der Lutheraner. — Derselbe: De
Dordtse Bündel met „christelijke enschriftuerlijike Re-
fereynen" druckt als Ergänzung weitere derartige Lieder
aus einem äußerst seltenen, nur in einem Exemplar erhaltenen
Dordrechter Drucke von 1592 ab. Von den unbekannten
Autoren kann als Akrostichon einer, Henric
Riisberch, festgestellt werden. — J. S. van Veen:
Blaadjes uit de kerkelijke Geschiedenis van het Kwar-
tier van Nymegen bezuiden de Waal, gibt bis etwa 1610
die Pfarreigeschichte der südlichen Hälfte der Klasse
Nymwegen bezw. der Klassen, da 1603 eine Dreizahl
für das Quartier Nymwegen beschlossen wurde. —

Der 22. Band wird eröffnet mit dem Aufsatz von
J. L oosj es: Weghwijser tot de classicale Resolutien
des eerw. Classis van Buuren, d. h. die Mitteilung und
sehr eingehende Kommentierung des Sachregisters zu den
Beschlüssen der Klasse Buuren, um so wertvoller, als
die Akten selbst fehlen. Verfasser ist Gerbrand Schutter,
die Zeit betrifft Anfang und Mitte des 17. Jahrhunderts.

— W. Köhler : Warum sind Luther und Zwingli 1529
in Marburg nicht einig geworden?, veröffentlicht einen
vor der Studentenschaft der Universität Leiden gehaltenen
Vortrag. — F. W. Grosheide : De Bijbeltext in
Bibliotheca reformatoria Neerlandica Dl I, untersucht
die in jener Sammlung enthaltenen Flugschriften auf die
bei ihren Bibelzitaten benutzten Ausgaben der Bibel hin;
es kommen Ausdrücke aus den ältesten Bibelübersetzungen
vor, einige Zitate erinnern an die Ausgaben von
Liesveldt, Vorsterman, Peetersen, aber wörtliche Herübernahmen
finden sich nicht. Sichere Feststellungen

1 lassen sich kaum machen. — M. J. A. de Vrijer:
Henricus Regius' „Responsio", bietet einen Beitrag zur
Geschichte des Cartesianismus an der Universität Utrecht
. An der Hand eines wieder aufgefundenen Exemplars
der Schrift des Professors Regius, „Responsio"
1642 gegen Voetius wird gezeigt, daß Regius, der in
jener Schrift sich wörtlich an Cartesius anschließt, damals
noch nicht wie später mit dem großen Philosophen
veruneint war. — W. von Hooff-Gual-
therie van Weezel : Zijn de speien van Coornhert
ooit opgevoerd?, zeigt, daß 1584 in Deventer in der
j Schule Coornherts „Comedie van de blinde voor Je-
I richo" aufgeführt wurde und wegen der Angriffe auf
j die iustitia imputativa Anstoß erregte. Da die Verfasserin
allerlei Biographica zu Coornheert beifügt, sei darauf
hingewiesen, weil es m. W. in Deutschland unbeachtet
blieb, daß der ehemaliger Petrograder, jetzt in Amster-
[ dam lebende Professor Bruno Becker in den vom hollän-
I dischen Unterrichtsministerium herausgegebenen „Rijks