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Ausgabe:

1930 Nr. 1

Spalte:

350

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fiebig, Paul

Titel/Untertitel:

Rabbinische Gleichnisse 1930

Rezensent:

Rengstorf, Karl Heinrich

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Seite 1

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349

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 15/16.

350

Lage von Zelzach fehlt. 1. Sam. 15, 5 wird
von dem Hiphil eines sonst unbekannten Stammes
in der Bedeutung „Halt machen lassen'' abgeleitet,
Ps. 20,6 Hjnj von einem Stamme 1*01 =arab.
zagala „laut rufen". Ps. 80, 16 wird "22 mit den
alten jüdischen Auslegern als „Setzling" erklärt.
DP22"IT Ps. 90,5 heißt nach dem Arabischen zarama
„du hältst sie an", und n2TP ist hier nicht Schlaf,
sondern dem parallelen hasir entsprechend eine Pflanzenart
, etwa „Moos", was freilich da am wenigsten
passen will, wo rasche Vergänglichkeit geschildert
wird, und wobei an die Seltenheit des Mooses in
Palästina nicht gedacht ist.
Greifswald. _G. Dal man.

Hebrew Union College Annual. Board of Editors David Philip-
son, Jacob Z. Lauterbach und Julian Morgenstern. Volume
V. Cincinnati: Hebrew Union College 1928. (III, 620 S.)

gr. 8°.

In dem stets beachtenswerten Jahrbuch des College
der Vereinigung amerikanischer jüdischer Gemeinden
bildet diesmal einen wichtigen Teil J. Morgensterns
Abhandlung über das „Bundesbuch" (S. 1—151), zu
dem er Ex. 24, 3—8 rechnet. Er unterscheidet in der
Geschichte der Bundeslade drei Perioden, in der ersten
sei sie ein nationaler Fetisch gewesen, ähnlich dem
abu zhür al-markab der Ruwala-Beduinen und habe
wohl einen Stein enthalten, der als der Sitz Jahwes, des
Gottes des Stammes Ephraim, galt, in der zweiten,
welche mit der Abfassung des Bundesbuches begann,
war sie der Behälter der beiden Gesetzestafeln, in der
dritten, die mit der deuteronomischen Reformation ihren
Anfang nahm, trat sie zurück hinter dem dauernden
Wohnen Gottes im Allerheiligsten des Tempels. Während
die Geschichte des israelitischen Gottesdienstes hier
im Vordergrunde der Betrachtung steht, soll eine zweite
Arbeit dem Inhalt des Bundesbuchs gelten. Paul F.
Bloom hardt behandelt S. 153—195 die von ihm
auch in der poetischen Form festgestellten „Gedichte"
Haggai's (1, 2—13; 2, 21 b—23; 2, 3—9; 2, 12—19).
Für palästinische Topographie ist wichtig S. K1 e i n's
Besprechung des tannaitischen Grenzverzeichnisses Palästinas
in Siphre, Tosephta und den pal. Targumen,
welches in herodianischer Zeit unter dem Gesichtspunkt
der am F3oden haftenden Pflichten und der priesterlichen
Reinheitsgesetze entstanden sei (S. 197—259). V. Ap-
towitzer beendet (S. 261—297) seine Erörterung
der Spuren des Matriarchats im jüdischen Recht in
Bd. IV mit Exkursen über die Stellung des Kindes von
Mischehen, eine talmudische Nachricht über Agrippa,
Kaufehe im alten Israel (mit Anwendung dieses nicht
ganz berechtigten Ausdrucks, welcher die Zahlung für
eine Gattin von der Bezahlung einer Sklavin nicht
scheidet), Erbrecht und Endogamie. Die Geschichte der
jüdischen Katakomben in Rom seit ihrer Entdeckung
1602 behandelt H. J. Leon (S. 299-314). R. J. H.
Gott heil veröffentlicht aus einer Handschrift italienisch
und hebräisch eine Anzahl Sprüche, die nach
Aesop benannt sind, aus dem 16. Jahrh. (S. 315—352),
C. Roth die italienischen Memoiren eines Juden von
Sienna aus dem 17. Jahrhundert (S. 353—402), J. M.To-
1 e d a n o hebr. Handschriftenfragmente aus Marokko
(S. 403—413). Der Teleologie bei Maimonides gelten
die dogmatischen Untersuchungen von L. Die sendruck
(S. 414—534). Krochmals Verhältnis zu Hegel
behandelt S. Rawidowicz (S. 535—580), findet
aber, daß er eigentlich ein Kantianer war. A. Cron-
bach will zeigen, daß göttliche Hilfe ein soziales Phänomen
ist, und damit darauf hinweisen, daß alles soziale
Wirken höchste Werte erstreben muß, um das zu leisten,
was das Judentum meint, wenn es Gott und Wohltätigkeit
mit einander verknüpft (S. 583—620).
^JjrjuTswaioL_ O- Dalman.

Fiebig, Paul: Rabbinische Gleichnisse. Vokalis. hebr. u. aram.
Texte dargeboten f. d. Studium d. Gleichnisse Jesu m. Verzeichn.
d. nichtbibl. Wörter. Leipzig: J. C. Hinrichs 1929. (IV, 51 S.)
gr. 8°. RM 4-.

Das vorliegende Heft enthält 34 rabbinische Gleichnisse, von denen
j etwa die Hälfte sicher aus der Zeit der Tannaiten (vor 200 n. Chr.)
i stammt; zwei von ihnen werden in doppelter Rezension geboten und
I sind deshalb auch für die synoptische Frage von Interesse. Nachdem
1 der Vf. sich seit 25 Jahren mehrfach in größeren Arbeiten zur Gleich-
j nisfrage geäußert hat, bietet er naturgemäß nur wenig Neues, sondern
| beschränkt sich darauf, unter Hinzufügung einiger noch nicht mitgeteilter
die wichtigsten und lehrreichsten Stücke aus seinen früheren
j Sammlungen nun im Urtext bequem zugänglich zu macheu. Mit zwei
Ausnahmen sind die Texte hebräisch und können von einem Studenten
mit leidlichen hebräischen Kenntnissen ohne größere Schwierigkeit be-
; wältigt werden, zumal die außerbiblischen Wörter anhangsweise mit-
I geteilt sind. Ich habe das Heft in einer zeitgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft
mit einigen Studenten durchgearbeitet und gute Erfahrungen
damit gemacht.

Bedauerlich ist, daß die Texte autographiert sind, nicht nur weil
dadurch dem Anfänger Schwierigkeiten entstehen, sondern vor allem,
weil bei Typendruck bei gleichem Umfang ein wesentlich größeres
Material hätte geboten werden können; gerade der Umfang des beigebrachten
Materials ist ja aber für die Studien, denen Fiebig mit seiner
Sammlung dienen will, von größter Bedeutung. Vielleicht läßt sich bei
einer hoffentlich bald notwendigen zweiten Auflage von hier aus noch
einiges an dem sonst recht brauchbaren Heft bessern.

Tübingen. Karl Heinrich Rengstorf.

Dalman, D.D.Gustaf: Jesus-Jeschua. Studies in the gospels.
Authorised translation by the Rev. Paul P. Levertoff. London: S.
P. C. K. 1929. (XIV, 256 S.) 8°. geb. 15 sh.

Dalman's Werk, das 1922 erschien, ist in dieser
Zeitschrift (1923, 32 f.) von W. Bauer besprochen worden.
Die englische Übersetzung ist eine im wesentlichen unveränderte
Wiedergabe des deutschen Textes, vermehrt
um einige „aditional notes and a few other improve-
ments" des Autors (S. IX). Sehr verdienstvoll ist die
Zusammenstellung der in „Jesus-Jeschua" enthaltenen
Rückübersetzungen von 84 neutestamentlichen Stellen in
das Aramäische (S. 237—241), vermehrt um 13 weitere
Beispiele aus Dalman's Buch „Orte und Wege Jesu"
(3. Aufl., Gütersloh 1924). Es handelt sich überwiegend
um Worte Jesu, die Dalman in ihrem ursprünglichen
Klang wiederzugeben versucht hat. Da in
diesen Rückübersetzungen die bedeutsamste Leistung des
Buches zu erblicken ist, ist ihre übersichtliche Zusammenstellung
besonders dankbar zu begrüßen. Denn es muß
einmal klar ausgesprochen werden; die Bemühungen um
die Lösung der synoptischen Frage und die Exegese
der Synoptiker — das gilt auch für die erste Hälfte der
j Apostelgeschichte — ruhen auf tönernen Füßen, solange
ihnen der Unterbau der Erforschung des aramäischen
Urklanges fehlt.
Greifswald. Joachim Jeremias.

Greiff, Dr. Anton: Das älteste Pascharituale der Kirche,
Did 1—10, und das Johannesevangelium. Paderborn: F. Schöningh
in Komm. 1929. (205 S.) gr. 8°. = Johanneische Studien, H. 1.

RM 9—.

„Kurz vor Weihnachten 1919 durchzuckte mich
plötzlich der Gedanke, das Johannesevangelium sei
eine Liturgie für ein Tauffest", so sagt der Verf. im
Vorwort. Er meint allen Ernstes, Joh. c. 1—12 sei eine
Taufpredigt, c. 13—14 die Antecommunio, c. 15—17
die Postcommunio, c. 18—20 die Passah-Haggädhä ei«
1 nes Ostermeßkanons. Diesen ganz unglücklichen, ver-
I fehlten Einfall soll die vorliegende Arbeit über die Di-
: dache unterbauen und eine weitere Studie über das Jo-
I hannesevangelium durchführen, vor deren Veröffentlichung
man nur warnen kann, umso mehr als die sofort
zu erwähnenden sem-Studien des Verf.s zeigen, daß
er auf anderem Gebiet etwas zu leisten vermag.

In breiter und mangels durchschlagender neuer Gesichtspunkte er-
' müdender Auseinandersetzung mit den vorhandenen Arbeiten über die
Didache stellt der Vf. Folgendes als seine Ansicht heraus. 1. Die Di-
1 dache ist zwischen 80/100 in Antiochia vielleicht von Ignatius (so!) verfaßt
(S. 9—36). 2. Die eucharistischen Gebete in cp. 9 und 10 lehnen
sich an die jüdische Passah-Liturgie an; sie nehmen Bezug auf eine
vorhergehende Taufhandlung (S. 36—117). 3. Did. 1—10 ist also eine