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Ausgabe:

1930 Nr. 1

Spalte:

342

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Miller, Edward Frederick

Titel/Untertitel:

The Influence of Gesenius on Hebrew Lexicography 1930

Rezensent:

Köhler, Ludwig

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 15/16.

342

Baehrens, XV, 16 ff. Lommatzsch), auf welche Stelle Lewy besonders die ,
Hand legt. Die Bezugnahme auf Ps. 22, 5 finde sich, wie ja auch L.
(S. 140 A. 4) bemerkt, auch im römischen Kanon : hunc praeclarum calicem.
Zudem hätte, meint Lebreton, Cyprian, der bei seinen Entlehnungen aus
Tertullian die Schriftstellen immer sehr sorgfältig sammle, bei der Benutzung
des Origenes die meisten der von diesem angeführten Schriftstellen
außer acht gelassen. Dabei übersieht aber der Kritiker, daß L.
ja nicht eine unmittelbare Entlehnung aus Origenes annimmt. Mit Recht
aber weist er darauf hin, daß Cyprian schon in c. 3, wo noch kein
origeneischer Einfluß wahrzunehmen ist, den trunkenen Noe als Typ des
Leidens Jesu anführt. Dazu möchte ich noch eine andere Beobachtung
gegen L. geltend machen. Wie in ep. 63, 11, so hebt nämlich Cyprian
auch sonst gerne den Unterschied der Erscheinungen im Reiche des
Glaubens und der Gnade von denen der natürlichen Welt hervor. So
heißt es gleich in der Schrift ad Don. c. 5 (7,6 Härtel): non enim qui
beneficiorum terrestrium mos est, in capessendo de Deo munere mensura ulla
vel modus est. In de dorn. or. 35 (293, 20) wird dargelegt: während
mundi lege Tag und Nacht wechseln, ist den Kindern des Lichtes auch
in der Nacht heller Tag und Gelegenheit zum Gebet. Im Kindertauf-
brief, ep. 64, heißt es in c. 2 (718, 13): quid enim ei deest, qui semel
in utero Dei manibus formatus est? nabis enim atque oculis nostris secundum
ditrum saecularium cursum accipere qui nati sunt ineremcntum videntur, ceterum
quaecumque a Deo flunt, Dei factoris maiestate et opere perfecta sunt, i
Und in c. 3 findet Cyprian dann diese Wahrheit typisch kundgetan in j
der Erzählung von der Auferweckung des toten Knaben der Sunamitin j
durch den Propheten Elisäus (II bezw. IV Reg. 4, 32 ff.), wonach der
Körper des Propheten und seine Glieder mit denen des Knaben übereingestimmt
hätten; hier zeige sich eine aequalitas divina et spintalis
und ein Unterschied bestehe nur secundum sacculum, nicht secundum Deum.
Vgl. noch in ep. 59,'12 (761, 3) den Unterschied der Taufreinigung
von der Abwaschung in lavacro carnati et saceulari. Wir sehen daraus,
daß Cyprian ganz „in seinem Elemente war", wenn er von Ps. 22, 5 ;
ausgehend — und diese Psalmstelle bot ihm wohl die Liturgie — die !
Trunkenheit vom Genüsse des Herrnbechers von der ebrietas vini saecu- j
Iuris unterschied. Diese Unterscheidung führte ihn aber dann vielleicht
von selbst zur näheren Erklärung, daß der Genuß des Herrnkelches ge- |
rade das Gegenteil bewirke: "/ sobrios faciat, wie auch in den angeführten
Stellen die Gnadenerscheinungen dem Weltgeschehen genau entgegengesetzt
, das „Ganz Andere", sind. Ebenso lag es nahe, wieder auf den
trunkenen Noe, den er in c. 3 schon angeführt hatte, anzuspielen. Noe
ist ihm hier ebenso Typus für diese Wahrheit, wie Elisäus in ep. 64, 4
für die andere. L. verweist noch auf den cyprianischen Ausdruck
spintalis sapientia und erklärt ihn als philonisch-origineischen Nachhall.
Aber auch in ep. 64, 4 ist von einer aequalitas divina et spiritalis die
Rede, wie überhaupt spiritalis ein cyprianisehes Lieblingswort ist zur
Bezeichnung der Gnadenvorgänge einerseits und des richtigen Verständnisses
dieser Vorgänge andererseits. Die Zeit von ep. 63 läßt sich nicht
genau bestimmen. Verschiedene Anhaltspunkte, die ich hier nicht darlegen
kann, weisen den Brief allerdings in die nachdecische Zeit und in
die Nähe von ep. 57 und 58. Mit Firmilian von Cäsarea aber hat der
Bischof von Karthago erst im Ketzertaufstreit Fühlung genommen, wie
aus ep. 75, 2 (811, 4 f.) klar hervorgeht, und der von Eusebius hist.
eccl. VII, 3 f. erwähnte Brief des Dionysius war gar nicht an Cyprian
gerichtet, wie L. (S. 139 A. 6) meint, sondern an Papst Stephanus. So
hängt eine Vermittlung origeneischen Gutes durch die genannten Ostbischöfe
ganz in der Luft. Lebreton denkt an den Kampf gegen Marcion
als Quelle jener Schrifterklärung, mit Berufung auf Iren. adv. haer.
IV, 31, 1. Im Übrigen ist er, wie Lewy, der Meinung, daß Cyprian
nur den Tertullian und keinen griechischen Schriftsteller kenne,
und er glaubt auch, daß „les historiens de saint Cyprien" sich darüber
einig seien. Ich erlaube mir, dem zu widersprechen, und glaube
in den Ricerche Religiöse 1929, S. 137—163 und S. 523—537
Beweise für das Gegenteil vorgebracht zu haben. Konnte aber
Cyprian griechisch und kannte er die griechische Literatur, dann ist
auch eine Bekanntschaft mit Philo bei ihm nicht unmöglich. Es
war vorhin schon von der Allegorie der Taube bei Philo und Methodius
die Rede. Philo sagt nämlich von ihr, Quis rer. div haer. c. 25
§ 127 (III, 30, 6 Wendland) : ijuEooc, xai xitraoöc, xal «yeXatoc,
TÜ dvTJpoKXtov darr) rr£Qurco>.oüoa xai öiaixri xfj P*T(, thnqxcüv
douev'ftouoa, und c. 48 § 234 (III, 52, 23): ;iEPiaxee<7. uev 6 t)ue-
tepo; vove, «xEiSq xiüaaöv xai ennapoepov rjjiiv eoti tjcöov, eixä-
sErai. Methodius, Sympos. VII, 8 (78, 20 Bonwetsch): Siö aT| xai
rcEpiorcpav avrrnv [die adp| Jesu, Hohel. 6, 8] Ecpr| xporeixwc, ejieiöT]
xiOaoöv to tö>ov xai wieeo'j<ptov xai öiaixri trj petd ävOpcöruov
douevitov. Cyprian aber schreibt, de uri. 9* (217,17 Härtel):
Idcirco et in columba venit Spiritus sanetus: Simplex animal et laetum est,
non feile amarum . . . hospitia humana dlligere, unius domus consortium
nosse . . . cum commeant volatibus invicem cohaererc, communi conversatione
vitam suam degere. Das simplex stammt aus der Schrift (Mt. 10, 16), das
Fehlen der Galle steht auch bei Tertullian de bapt. 8 (vgl- PUB. Hist.
Nat. XI, 27), die weiteren Lobestitel entsprechen denen bei Philo. Wer
aber dem Bischof von Karthago eine Bekanntschaft mit Philo nicht zutraut
, könnte wenigstens einer Vermittlung durch den verloren gegangenen
Kommentar Hippolyts zum Hohenliede zustimmen. Auf Berührungen
Cyprians mit Gedanken Hippolyts habe ich in den Ric. Rel. 1929, S.
157 ff. aufmerksam gemacht. Bezüglich der sobria ebrietas könnte man

übrigens auch an die verloren gegangenen 7 Bücher Tertullians De
eestasi denken.

Bemerkt sei noch, daß Cyprians ep. 63 sich nicht mit der Sekte
der Aquarier befaßt (S. 140), sondern katholische Bischöfe im Auge hat,
die derselben Sitte huldigten, und daß conversatio pristina saeeularis in
c. 11 natürlich nicht heißt „der frühere weltliche Aufenthalt" (S. 140 f.
A. 5), sondern der frühere weltliche Wandel. Wie schön wäre es endlich
, wenn die alten und jungen Berliner Gelehrten mit einem schönen
und reinen Deutsch den andern vorangingen !

München. Hugo Koch.

Miller, Edward Frederick, M. A., Ph. D.: The Influence of
Gesenius on Hebrew Lexicography. (Contributions to Oriental
History and Philology No. 11) New York: Columbia University Press
1927. (105 S.)

Sechs Abschnitte: 1. die Lexikographischen Grundsätze von Gesenius,
2. Gesenius als Autor, 3. Dietrich, 4. Mühlau und Volck, 5. Buhl als
Herausgeber, 6. Einige Hebräisch-engliche Wörterbücher, die auf Gesenius
beruhen. Schon die Übersicht zeigt, was das Lesen der Schrift bestätigt,
daß nämlich Verf. sich an die äußern Tatsachen hält, sich aber nicht
auf die Warte einer überlegenen Betrachtung stellt. Auch so ist seine
Studie nützlich. Sie giebt in Kürze und ohne wesentliche Fehlgriffe
einen Überblick über das von Gesenius äußerlich und geistig beherrschte
Jahrhundert hebräischer Lexikographie. Es giebt auf dem Gebiete der
Theologie kein anderes Hilfsmittel, das sich so sieghaft durchgesetzt,
so lange und so segensreich behauptet hätte.

Zürich._ Ludwig Köhler.

Nodel, Dr. Jankiel: Der zusammengesetzte Satz im Neuhebräischen
. (Auf Grund d. Mischna, d. Tosefta u. Midraschim.)
Frankfurt a. M. : J. Kauffmann 1928. (VIII, 63 S.) 8°. RM 2.50.
Die Erläuterung des Titels durch die Klammer ist notwendig, denn
man pflegt jetzt im allgemeinen die talmudiseh-midraschische Epoche
der hebräischen Sprachentwicklung als M i 11 e I hebräisch abzugrenzen
von der neuesten Epoche als dem Neuhebräischen. — Die monographische
Arbeit des Verf. ist um so begrüßenswerter, als bisher die grammatischen
Erscheinungen des von ihm behandelten Literaturgebietes überhaupt
und im besonderen die syntaktischen noch durchaus nicht in
zureichender Weise behandelt sind. Das reiche Material - neben
Talmud und Tosefta sind aus der midraschischen Literatur verwertet:
Mechilta, Midr. Rabbot zu Pent., Midr. Tanchuma, Midr. Tehillim und
Pesiqta Rabb. — wird hier in übersichtlicher Form dargeboten, gut
erläutert und durch steten Vergleich mit dem althebräischen Sprachgebrauch
und mit anderen semitischen Sprachen beleuchtet. Wünschenswert
wäre nunmehr die Ausdehnung der Untersuchung auch auf die späteren
Epochen der hebräischen Sprachgeschichte.

Tübingen. Karl Dreyer.

Yahuda, A. S.: Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen
zum Ägyptischen. Mit e. hieroglyph. Beilage. 1. Buch.
Berlin: W. de Gruyter & Co. 1929. (XXXII, 303 u. 16* S.) 4°.

geb. RM 22—.

Von der Voraussetzung ausgehend (S. XXI. IV),
daß sprachliche Argumente allein imstande sind, die
schwierigen Pentateuch-Fragen, die literarischen wie die
religionshistorischen, zu lösen, beschränkt sich der Verf.
auf die Untersuchung der Sprache des Pentateuch, und
zwar in dem vorliegenden ersten Buch seines groß angelegten
Werkes auf die Untersuchung der Sprache der
Joseph- und der Exodus-Geschichte einerseits (S. 3—95)
und der Ur- und Patriarchen-Geschichte andererseits
(S. 97-285). Dabei legt er aber doch seiner Darstellung
eine bestimmte Beantwortung der mit dem
Pentateuch gegebenen historischen und literarischen
Fragen zugrunde, nämlich die (S. XXII), daß die Angaben
der Bibel über die Wanderungen der Hebräer aus

' Südbabylonien über Aram, Kanaan und Ägypten nach
Kanaan zutreffen und daß die Tradition über die Abfassung
des Pentateuch durch Mose oder doch durch
Zeitgenossen von ihm richtig ist, und stellt die sprachliche
Untersuchung von vornherein darauf ein, ob sich
in der Sprache des bald nach dem Auszug der Hebräer
aus Ägypten verfaßten Pentateuch nicht Spuren des
Akkadischen und Ägyptischen erhalten hätten, die als
Einflüsse aus der Zeit zu erklären seien, da die Hebräer
in Südbabylonien und in Ägypten gesessen haben. Diese
Voraussetzung sieht der Verf., wie er vor ihrem Beginn
feststellt, durch die Untersuchung bestätigt, und so gelangt
er — durch allgemeine Erwägungen über das

i Werden einer Literatursprache (S. XXIV f.) bestärkt —