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Ausgabe:

1930 Nr. 14

Spalte:

330

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brandi, Karl

Titel/Untertitel:

Der Augsburger Religionsfriede vom 25. September 1555 1930

Rezensent:

Schmidt, Kurt Dietrich

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329

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 14.

330

Abendlandes vollzog. Man könnte daran denken, daß
dies mit der Germanisierung des Christentums zu- j
sammenhänge, daß die Umwandlung aus einem Evan-
gelium zu einer auferlegten göttlichen Rechtsordnung
zur Regelung der irdischen Pilgerschaft etwas Germanisches
wäre; aber eine rein deutsche Angelegenheit ist
dieser Sonntag des frühen Mittelalters nicht; er entsteht
aus jenem Gemisch antiker, keltischer und germanischer
Kulturelemente, das den gotischen, fränkischen
und angelsächsischen Reichen eigentümlich ist. Deswegen
werden auch mit möglichster Vollständigkeit und
in geschichtlicher Reihenfolge alle Quellen kirchenrecht- j
licher, liturgischer und allgemein literarischer Art aus
der abendländischen Kirche vom 6. bis 10. Jahrhundert
befragt und das hervorgehoben, was schöpferisch und
fördernd ist. Und so erhalten wir ein Bild von der Ent-
wickelung des Sonntags, wie wir es in dieser Reich- j
haltigkeit und Anschaulichkeit bisher noch nicht besaßen
. Man vergleiche die erste Beilage, in der eine
Tabelle der Canones kirchlicher Synoden und der Kapitularien
und Gesetze der germanischen Staaten, welche
die Ruhe und den Kultus des Sonntags betreffen, gegeben
wird. Die weiteren Ausblicke auf die Geschichte
des Sonntags im hohen Mittelalter, auf die Haltung des
Thomas von Aquin, auf die Entstehung der treuga dei,
auf die Reformationszeit, auf Martin Luther, der wie
überall das wahrhaft Evangelische erkannt oder wenigstens
geahnt hat, sind ebenso interessant wie lehrreich,
und lassen erkennen, wie der Verfasser bemüht ist, der
historischen Entwicklung gerecht zu werden; zeigen
aber auch, wie viel in unserer historischen Wissenschaft
noch zu tun ist. Außer der erwähnten 1. Beilage sind
noch folgende Beilagen gegeben. 2. Tabelle über die
Sonntags- und Kommunionsordnungen der Bußbücher.
3. Überlieferungsgeschichte des quanto magis. 4. Nachtrag
einiger Quellenstücke: a) Licinians Brief an Vin-
cenz von Iviza (Himmelsbrief); b) Hrabans Sonntagspredigt
; c) Vier Sonntagsbenediktionenlisten. 5. Übersicht
über die bis jetzt festgestellten Sonntags-Bene-
diktionenlisten in Ergänzung der von H. Dumaine aufgestellten
Liste. 6. Benutztes Schrifttum und angewandte
Abkürzungen. Alles legt Zeugnis ab von der
ausgebreiteten und soliden Kenntnis von Quellen und
Literatur.

Kiel. O. Ficker.

Fr ied 1 ae n d er, Dr. Ina: Die päpstlichen Legaten in Deutschland
und Italien am Ende des XII. Jahrhunderts (1181 —1198).
Berlin: E.Ebering 1928. (167 S.) gr. 8°. = Historische Studien,
H. 177. RM 6.60.

Diese Dissertation gehört zu den zahlreichen
Dissertationen aus der Schule A. Brackmanns, die sich
das päpstliche Legatenwesen zu untersuchen vorgenommen
haben. Sie stellt zuerst das Geschichtliche über |
die päpstlichen Legaten in Deutschland und Italien in j
der Zeit von 1181 — 1198 zusammen, soviel ich sehe,
sorgfältig und ohne Lücken, und erhebt an zweiter Stelle j
systematisch, was sich über das Wesen der Legationen
und über ihre Ziele sagen läßt. Es ist wohl natürlich,
daß dabei das Politische die erste Rolle spielt. Verf.
weist darauf hin, daß in dem von ihr behandelten Zeitraum
das Legatenwesen eine weitere Entwicklung und
Verstärkung erhält, wie das bei der Steigerung der
päpstlichen Macht natürlich erscheint. Mir hätte es
näher gelegen, auf die weitere Politisierung der römischen
Kirche den Hauptnachdruck zu legen und daran
den Anfang des Verfalls der mittelalterlichen Kirche zu
illustrieren. Im ersten Anhang werden die Regesten der
einzelnen Legationen zusammengestellt (137 Nummern);
im zweiten Anhang die Regesten der Legaten-Urkunden
mit den Druckorten (32 Nummern); der dritte Anhang
beschäftigt sich mit der Datierung von Stumpf Nr. 5053.
Das Literaturverzeichnis, S. 161—167, ist sehr nützlich.
Kiel- O. Ficker.

Brandl, Karl: Der Augsburger Religionsfriede vom 25. September
1555. Kritische Ausgabe des Textes mit den Entwürfen u.
d. königlichen Deklaration bearb. 2., erweit. u. verbess. Aufl. Göttin
gen: Vandenhoeck & Ruprecht 1927. (54 S.) 8°. RM 3.80.
Diese zweite Auflage der Brandi'schen Ausgabe
des Religionsfriedens enthält 1. den Entwurf des Religionsfriedens
nach den Beratungen des Fürstenrates;
2. die Artikel des Religionsfriedens nach den Beratungen
des Kurfürstenrates; 3. die Artikel des Religionsfriedens
im Abschied des Reichstages von Augsburg
, 25. September 1555; 4. die königliche Deklaration
vom 24. September 1555, alles nach den Originalen
. In den Texten ist jedesmal durch Kursivdruck
kenntlich gemacht, was aus früheren Urkunden oder
Entwürfen übernommen ist. In den Anmerkungen ist
auf weitere, nicht wörtliche Zusammenhänge mit Vorurkunden
hingewiesen, sind Textabweichungen der verschiedenen
Entwürfe verzeichnet, auch der Zusammenhang
mit der Literatur hergestellt.

Br. hat mit dieser Ausgabe nicht nur dem Forscher
eine bequem zugängliche Ausgabe des Friedens
geschenkt, sondern auch für akademische Übungen ein
wirklich glänzendes Hilfsmittel geschaffen. Für sie ist
der Friede um seiner sachlichen Bedeutung wie um der
reichen methodischen Belehrung, die man aus seiner
Entstehungsgeschichte erarbeiten kann, ganz besonders
gut geeignet. Der Preis ermöglicht auch Studenten die
Anschaffung der Ausgabe.

Ein unangenehmer Druckfehler hat sich auf Seite 33, Zeile 10 eingeschlichen
. Es muß heißen „Text von G" statt C.

Kiel-Voorde. Kurt Dietrich Schmidt.

Freiburger Diözesan-Archiv. Zeitschrift d. Kirchengeschichtl. Vereins
f. Geschichte, Christi. Kunst, Altertums- u. Literaturkunde des Erzbistums
Freiburg m. Berücksichtigung d. angrenzenden Bistümer.
N. F., Bd. 28 u. 29. Der ganzen Reihe 55. u. 56. Bd. Freiburg
i. Br.: Herder fk Co. 1927/1928. (XI, 509 u. VII, 638 S.) gr. 8°.

je RM 8—.

Die beiden Jahrgänge müssen zusammen besprochen
werden; sie enthalten Beiträge zur Gründungs-
geschichte des Erzbistums Freiburg. Noch ein dritter
Band steht in Aussicht. Die Redaktion trägt damit bei
zur Feier des 100jährigen Bestehens der oberrheinischen
Kirchenprovinz.

Mit dem Untergang der alten Mainzer Kirchenprovinz beschäftigen
sich vier Aufsätze. L. A. Veit schildert den Zusammenbruch
des Mainzer Eizstuhles infolge der französischen Revolution. Er
geht aus von den Säkularisationen der Reformationszeit, für die er sich
des Namens Glaubensspaltung bedient. Bedeutsam sind zwei alte Protokolle
der Mainzer Synoden von 1548 und 1549 aus Anlaß des Interims.
Diese neuaufgefundenen Stücke erzählen vor allem von dem hessischen
Kirchengut, dessen Säkularisation von dem Vf. als unsittlicher Eingriff
in fremdes Eigentum gebrandmarkt wird (28, 11). Die Statusberichte für
den Papst von 1708 und 1748 geben die Grundlage für die Beschreibung
des Stands der Diözese im 18. Jahrh.: der Erzbischof redet von
seiner Amtsführung, dem Welt- und Regularklerus, den Klöstern, der
Erziehung und Volksfrönunigkeit. In den Ausführungen über den Besitz
der Kirche vor 1801 wird darauf hingewiesen, daß Amortisationsgesetze
gegen zu starke Vermehrung des geistlichen Besitzes schon im
15. Jahrh. begegnen und auch die Erzbischöfe von Mainz ihre Untertanen
schützen mußten gegen den Mißbrauch adliger und geistlicher
Steuerprivilegien. In diesem Staatseudämonismus (28, 46) sieht der
Vf. die Wurzel der Säkularisation, der Theorie vom staatlichen Obereigentum
über das Kirchengut. ' Erfreulich ist die Mitteilung der Briefe
des deutsch empfindenden Weihbischofs Val. Heime aus den J. 1798 f.
Dem Wunsche des Vf. nach einer Geschichte und kulturellen Würdigunng
des katholischen Pfarrhauses als Gegenstück zum evangelischen kann
man nur beipflichten. Im Statusbericht Dalbergs von 1802 tritt das
Verlangen der evang. Fürsten nach Landesbistümern für ihre neugewonnenen
kathol. Untertanen hervor. Eine Zusammenstellung des Mainzer
I Kirchenguts macht den Schluß. E. Fleig behandelt: Fürstbischof K.
I Th. von Dalberg und die Säkularisation des Fürstbistums Konstanz (29,
! 250 ff.). Er betont, daß es Dalberg mehr um Schaffung eines deutschen
Primats als um Erhaltung des weltlichen Besitzes der Kirche zu tun war.
Die Verwirrung jener Tage kennzeichnet die Übersiedlung des Basler
Bischofs nach Freiburg 1798. Damit das durch eine eigene Festschrift
ausgezeichnete Suffraganbistum Rottenburg auch im FDA. vertreten sei,
schildert A. Willburger die Aufhebung der vier württ. Prämon-
stratenserklöster nach Würdigung ihrer kirchlichen und kulturellen Bedeutung
. W. Nicolay teilt aus der Vorgeschichte des Bistums Lim-