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Ausgabe:

1930 Nr. 14

Spalte:

327-328

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Streeter, Burnett Hillman

Titel/Untertitel:

The primitive Church 1930

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 14.

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darum handelt, in solchen Verhältnissen jenes Ver- : dige Klarheit auszeichnen und er jeder Vorlesung eine

hältnis mit seinem absoluten Anspruch zu bewähren. sehr ausführliche Inhaltsangabe vorangestellt hat.

Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb, nämlich Eigentümliche bezw. wieder aufgefrischte litera-

wegen der völligen Ferne, in der das N. T. zunächst zur ! turgeschichthche Aufstellungen finden sich schon in

„sozialen Frage" steht, da es sich auf einer höheren j d€." Vorlesungen selbst (z. B. der 2. Clemensbrief

Ebene bewegt, hat es für sie die größte Bedeutung. ! Wlrd nach Alexandrien versetzt; Eigentümliches über

Aber nicht eine direkte, sodaß aus ihm sozialpolitische | Anstion), in den Anhangen" werden mehrere ge-

Programmsätze zu entnehmen wären, wie etwa un- | bo£n> .im ,e,rste" (der ,ta PolycarPi autore Pionio

längst in einem dicken Buche über das Gleichnis von
den Arbeitern im Weinberge Jesus nachgerühmt wurde,
er habe das Prinzip der Arbeitslosenunterstützung aufge

soll ein altes Dokument zu Grunde liegen; die
Vita ist wahrscheinlich dem Pionius Martyr unter
Decius zuzuweisen), im zweiten (der Polykarpbrief

stellt. Sondern eine indirekte. Die soziale Bedeutung ?°n au,s zwfl Briefen bestehen c. 1—12; 13 u. 14

der christlichen Botschaft drückt sich aus im Liebes
gebot und bewährt sich darin, daß sie einen Sinn erzeugt
, der sich mit verantwortlich weiß für das
Schicksal derer, die äußerlich und zu oft eben darum

[Hypothese Harrisons]; der letztere berücksichtige
Marcion); im dritten (das Matthäusevang. und die Di-
dache stammen aus Syrien [Antiochien] zwischen den
JJ. 90 u. 110), im vierten (Irenäus' Katalog der römi-

auch innerlich ein Opfer der sozialen Verhältnisse zu s,hen .Blscho-e [= dem des Epiphanius] ist der Katalog

werden drohen. Dieser Sinn kann, wo die Gesellschafts- | Hegesipps; Irenaus hat auch sonst aus Hegesipp ge-

ordnung zum Problem wird, nicht untätig bleiben, son- j schöpft, hat dagegen den I. Clemensbnef nicht selbst
dem wird aus dem Liebesgebot Recht, Pflicht und
Norm wie des persönlichen Verhaltens so auch der
sozialpolitischen Betätigung, herleiten.

Dieser Sachverhalt kommt in der vorliegenden

gekannt).

Berlin. A. von Harnack.

Grivec, Prof. Dr. Franz: Die heiligen Slavenapostel Cyrillus
und Methodius. Mainz: (Matthias-Orünewald-Verl. in Komm.)
Schrift trotz einzelner Bemerkungen, welche in" diese i 1928. (173 s. m. 40 Abb. gr. 8°. = Operum Academiae Veiehra-
Richtung weisen, leider nicht zu seinem Recht. Das ist j densis, T. XII. RM 5—; geb. 6.50.
im Wesentlichen die Folge davon, daß der Verf. auf | Als der Leitgedanke der Slavenapostel, die cyrillo-
eine Klärung des Begriffs der „sozialen Frage" ver- | methodianische Idee, wird hier der apostolische Eifer
ziehtet hat, ! für die universelle kirchliche Einheit und für die Ver-
Erlangen. H. Strathmann. i söhnung des christlichen Ostens mit dem katholischen
_ | Westen aufgefaßt. Die beiden Slavenapostel waren offene
Anhänger der universellen kirchlichen Einheit mit
dem Zentrum in Rom. Von solchen Gedanken aus ist
es verständlich, daß auf den Nachweis der Rechtgläubigkeit
der Beiden der Ton gelegt wird und daß sich die
Tendenz der Schrift berührt mit dem Rundschreiben
Leos XIII. Grande munus vom 30. Sept. 1880. Danach
wird auch die Literatur, die in Auswahl S. 167 abgedruckt
wird, beurteilt, obgleich daraus mehr zu lernen
gewesen wäre, ganz abgesehen davon, daß hier der
wichtige Artikel von Gerhard Laehr, die Briefe und
Prologe des Bibliothekars Anastasius, im Neuen Archiv
der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 47,
1928, S. 416ff. nicht genannt wird. Die Quellen zur
Geschichte der Heiligen sind S. 164—166 aufgezählt,
und obgleich als die zuverlässigsten die Papstbriefe bezeichnet
werden, wird doch in der Darstellung das Legendarische
stärker hervorgehoben, als es richtig ist.
Sehr interessant sind die beigegebenen Abbildungen
neuerer Kunstwerke und die Angaben über die Lage
der in der Geschichte der Apostel wichtigen alten Ortschaften
Velehrad, Dovina und Neutra und über die
Bruderschaft Apostolat des hl. Cyrillus und Methodius.
Kiel. G. F ick er.

Streeter, Burnett Hillman: The primitive Church. Studied
with special reference to the origins of the Christian Ministry. The
Hev/ett Lectures, 1928. London: Macmillan 8c Co. 1929. (XII,
312 S. m. 1 eingedr. Kte.) 8°. geb. 8 sh. 6 d.

In sieben Vorlesungen und fünf „Anhängen" bietet
der hervorragende Oxforder Kirchenhistoriker eine Entwicklungsgeschichte
des ältesten Christentums, jedoch
wesentlich beschränkt auf die Geschichte der Organisation
und des Amts. Resultat und Zweck ist der
Nachweis, daß die provinzialen Verschiedenheiten größer
waren, als man bisher erkannt hat. Für England und
Amerika wird das auf der Folie der geschichtlichen Anschauungen
von Lightfoot, Westcott usw. wichtig
sein und die Nachweise des Verfassers mögen dort für
die Parteien der Episkopalisten, Presbyterianer und Kon-
gregationalisten neu sein und wichtig werden — jede
von ihnen findet in der Zeit bis um d. J. 100 ein Vorbild
, auf das sie sich zu berufen vermag —, aber der
deutschen Forschung sind diese Darlegungen nur zum
kleinsten Teile neu, und wo sie es auch ihr sind, sind sie
nicht durchweg gesichert. Auch läßt der Verfasser die
Beobachtung bei Seite, daß in der ältesten Zeit neben
der Differenzierung auf dem Gebiete der Organisation
ein Prozeß der Integrierung geht, der sich im 3. Jahrhundert
wesentlich durchsetzt. Ursprünglich war es
meine Absicht, mich Vorlesung für Vorlesung (I. Geschichte
und Legende, II. Die Apostel und die Kirchen,

III. Die Evolution der kirchlichen Verfassung im N.T.,

IV. —VII. Asien, Syrien, Rom, Alexandrien) mit dem Verfasser
auseinanderzusetzen und ich habe zu diesem
Zweck die drei ersten Vorlesungen schriftlich bearbeitet;
aber ich mußte einsehen, daß die Anzeige viel zu um

Thomas, Pfr. Lic. Wilhelm: Der Sonntag im frühen Mittelalter
. Mit Berücksichtige, d. Entstehungsgesch. d. christl. Dekalogs
dargest. Göttingen: Vandenhoeck 8: Ruprecht 1929. (IV, 122 S.)
gr. 8°. = Das Heilige und d. Form, 6. RM 6—.

Der Verfasser hat eine Selbstanzeige /geschrieben
in der Monatschrift für Gottesdienst und kirchliche
Kunst, 34. Jahrgang, 1929, Heft 6 und dadurch werden
seine Ausführungen deutlicher und lebendiger. Denn
an manchen Stellen sind sie nicht ohne weiteres durch-
fangreich und der Ertrag zu mager werden würde, da j sichtig und leicht verständlich.

es sich, wie bemerkt, um viele Kontroversen handelt,
die m. E. nicht noch einmal bei uns geführt zu werden
brauchen, und da Fragestellungen, die bei uns im Vordergrund
stehen, wie die Sohm'sche, nicht berührt
sind. Da es hier aber keinen Mittelweg gibt, so muß
ich mich darauf beschränken, die Lektüre des Buches
den Fachgenossen in Deutschland lebhaft zu empfehlen.
Es wird ihnen eine Auffrischung des gesamten Materials
, zugleich aber auch manches Originelle bieten.
Man liest das Buch gern und leicht, da sich Methode

Die Geschichte des Sonntags ist bisher in der historischen
Literatur etwas zu kurz gekommen; mit Ausnahme
des urchristlichen Herrentages, des Sonntags
Konstantins des Großen, der Gedanken Luthers über
den Sonntag ist wenig behandelt worden, namentlich
wenig über die Zeit, in der sich wichtige Wandlungen
vollzogen haben; in der er seine ursprüngliche Bedeutung
als Fest der Auferstehung Christi eingebüßt
hat, wie es gegen Ende des Mittelalters deutlich zutage
tritt. Dies ist geschehen in der 2. Hälfte des ersten

und Stil des Verfassers durch eine bewunderungswür- ! Jahrtausends, in deT sich die Christianisierung des