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1930 Nr. 14

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317

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Der Orient. Die religiösen und profanen Lebensmächte des Ostens 1930

Rezensent:

Haas, Hans

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317

Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 14.

318

Beruf, Glied zu sein in diesem Kosmos und alles willkommen
zu heißen, was die Physis ihm an Aufgaben
wie an Glücksgütern reifen läßt. Unser Verf. aber beurteilt
die von ihm geschilderten Ethiker im wesentlichen
nach ihrer Stellung zu der (für sie so gar nicht existierenden
) Frage „Theismus oder Pantheismus". So bekommt
Epiktet sein Lob, weil „in seinem Gottesbegriff
so viel theistische Vorstellungen enthalten sind", von
Marc Aurel aber heißt es, daß er dem reinen Theismus
ferner stehe als Seneca und Epiktet. Die religiöse
Stellung Epiktet und Marc Aurels dürfte damit nicht
richtig gekennzeichnet sein. Philo wird hervorgehoben,
weil bei ihm die Moral viel intimer mit der Religion
verknüpft sei als bei irgendeinem griechischen Philosophen
. Das ist bei seiner biblischen Tradition selbstverständlich
; das Problem Philo liegt auf einem anderen
Gebiet. Diese Beispiel ließen sich noch vermehren;
aber das Ziel meiner Kritik ist erreicht, wenn einigermaßen
deutlich geworden ist, daß die eingangs geschilderten
Probleme noch der Lösung harren.

Heidelberg. Martin Di bei ins.

Der Orient. Die religiösen und profanen Lebensmächte des Ostens.
(1928: 2, 6; 1929: 3). Potsdam: Tempel Verlag, gr. 8°.
Aus den drei der Th. Lz. zur Besprechung zugegangenen Einzelheften
kann hier nur zur Kenntnis genommen werden, dal! mit Nummer
5 des Jahrg. 1928 die Leitung der 1918 von Johannes Lepsius t
begründeten Zweimonatsschrift in andere Hände übergegangen ist. Redigiert
wird sie jetzt für die Dr. Lepsius Deutsche Orientmission von
Superintendent Fleischmann in Wusterhausen, dem als Nachfolger von
Dr. B. Lepsius auch die Leitung der Missionsgesellschaft zugefallen ist.
Was die bisherigen Schriftleiter Lic. Dr. Paul Schütz und Privatdozent
Lic. Fritz Lieb veranlaßt hat, die Redaktion niederzulegen, war eine
zwischen ihnen und dem Kuratorium entstandene Meinungsverschiedenheit
über Charakter und Aufgabe der Zeitschrift. Meinten jene zusehen
zu sollen, daß sie mehr und mehr zu einem wissenschaftlichen Organ
zur Erörterung der geistigen Vorgänge im Orient und ihrer Beziehungen
zum Okzident werde, so will das Kuratorium die Zeitschrift als ein
Organ der Missionsgesellschaft geführt wissen, das vor allem deren
Interessen zu dienen habe.

Leipzig. H. H a a s.

Reallexikon der Assyriologie. Unter Mitwirkg. zahlreicher Fachgelehrter
hrsg. von E. Ebeling u. Br.Meissner. 1. Bd. 1.—3.
Lfg. Berlin: W. de Oruyter & Co. 1929. (XI, 240 S. u. 38 Taf.)
4°.

Infolge der immer mehr zunehmenden Ausgrabungen
in Babylonien und Assyrien hat sich ein solcher
Strom von Keilschrifttafeln in die Museen und Sammlungen
ergossen, daß schon kein Gelehrter mehr im
Stande ist, alle diese Urkunden eingehend zu studieren
und auszuschöpfen. Es stellt sich daher in der Assyriologie
, wie auch in anderen Wissenschaften, das Bedürfnis
nach einem Sammelwerk ein, in dem von einem
Stabe von Mitarbeitern und Spezialforschern die Einzelheiten
zusammengetragen werden. So ist es ein glücklicher
Gedanke von Ebeling und Meissner, für die
Assyriologie ein Reallexikon zu schaffen. Das Unternehmen
ist bei diesen beiden Gelehrten in den besten
Händen, und es ist ihnen gelungen, für die verschiedenen
Teilgebiete der Keilschriftforschung die augenblicklich
besten Sachkenner heranzuziehen. Die vorliegenden
ersten drei Lieferungen des ersten Bandes geben
einen guten Eindruck von der Anlage und der Bedeutung
des Werkes. Wenn auch noch manche Stichworte
fehlen — absolute Vollständigkeit ist sicherlich
bei einem ersten Versuche nicht zu erreichen —, so vermißt
man doch nichts Wichtiges. Vor allem sind eine
ganze Anzahl längerer Artikel vorhanden, die außerordentlich
eingehend orientieren und zum Teil neue Lösungen
der Probleme bieten. Daß auch Alttestamentier
und Religionsgeschichtler das Buch mit Gewinn benutzen
werden, mag eine Aufzählung der größeren, hier
in Betracht kommenden Artikel zeigen: Abdi-Asirta;
Abdi-Hiba; Abgaben; Abimilki; abübu; Achiqar; Ackerbau
; Adad; Adapa; Adoption; Aedicula; Agäis und
Vorderasien; Ägypten und Mesopotamien, ihre Beziehungen
zu einander; Ägyptische Beamte in Syrien und
Palästina zur El-Amarna-Zeit; Ah'ab; Ahlame; Alasija;
Altar, Altkleinasiatische Völker; Amanos; Amurru; An-
drogyn; Anthropomorphismus; Anu; Apotropaeen; Ap-
sü; Araber; Aramäer in assyr. Darstellung, Aramu;
Archiv; Arier in Syrien und Mesopotamien; Arpad;
Arwad; Arzawa; Asratu; Assur; Assyrien; außerdem die
sämtlichen mit A beginnenden Könige von Assyrien.

Wünschen wir dem Werke ein gutes, nicht zu 'langsames
Fortschreiten.
Hiddensee. Arnold Gustavs.

Greßmann, Hugo: Der Messias. Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht 1929. (17* u. 506 S.) gr. 8°. = Forschungen z. Religion
u. Literatur d. A. u. N. T. Neue Folge, 26. H., d. ganzen Reihe
43. H. RM 33— ; geb. 36—.

Das von Hans Schmidt aus dem Nachlaß
Greßmanns herausgegebene Werk ist geschrieben
als zweite Auflage des Buches „Der Ursprung der
israelitisch-jüdischen Eschatologie" (1905), das neben
G u n k e 1 s „Schöpfung und Chaos" den Kampf gegen
Wellhausens psychologische Konstruktion von der
Entstehung der alttestamentlichen Eschatologie aufnahm
und damit unsere Einsicht in den tatsächlichen Werdegang
mächtig förderte. Über das Verhältnis des neuen
Werkes zum früheren spricht sich Gr. selbst so aus (S.
! 16*): „es ist ein völlig neues Buch geworden. Von der
i alten Arbeit sind nur wenige Sätze übernommen. Die
Gesamtposition ist trotzdem im Großen und Ganzen
dieselbe, weil die Art der Betrachtung und Fragestellung
sich nicht geändert hat". Dem neuen Titel entsprechend
ist der Hauptunterschied gegenüber früher
der, daß der ganze 1. Teil „Die Unheilseschatologie"
(S. 8—192 der 1. Aufl.) jetzt fast völlig verschwunden
ist, während der damalige 2. Teil „Die Heilseschato-
logie" nunmehr annähernd den dreifachen Umfang hat.
Wenn wir freilich S. 283 lesen: „wie der Gedanke von
I der Wiederkehr des Paradieses entstanden ist, kann erst
| untersucht werden, wenn zuvor auch die Unheilseschato-
| logie auf ihre ältesten Bestandteile hin analysiert worden
ist", ohne daß dann eine entsprechende Analyse kommt,
: so dürfen wir vielleicht doch fragen, ob nicht von Haus
j aus eine Neubearbeitung auch des ersten Teils der alten
Auflage geplant war.

Damit ist schon berührt, was ich die Tragik dieses
Buches nennen möchte: es ist formal unvollendet und
hat inhaltlich keine abschließende Gestalt gewonnen.

Im Vorwort berichtet der Herausgeber über den Zustand, in dem
er Gr.'s Arbeit vorfand: eine fast vollendete Handschrift, in der aber
i der Stoff in einzelne von einander relativ unabhängige Aufsätze aufgeteilt
war, ohne daß sich deutlich erkennen ließ, in welcher Reihenfolge
die einzelnen Stücke gedacht waren. Auf Grund verschiedener vorhandener
Dispositionen hat H. Schmidt schließlich folgende Anordnung
; getroffen: 1. Buch: der israelitische Hofstil (Anhang: der Hofscil des
Deuterojesaja); 2. Buch : prophetische Gattungen ; 3. Buch : das goldene
Zeitalter; 4. Buch: der politische Messias; 5. Buch: der prophetische
Messias; 6. Buch: der Menschensohn; 7. Buch: die ägyptische Messias- /
j hoffnung; daran als „Nachlese" locker angefügt: I. der unerkannte
| Messias, II. Vergils vierte Ekloge. Das 1. Buch, ebenso verschiedene
i Unterabschnitte des 2. Buchs sind nicht vollendet, einmal (S. 95) bricht
die Darstellung sogar mitten im Satz ab. Mehrfach werden in nach-
j träglichen Randbemerkungen Änderungen des dastehenden Textes erwogen
oder vorgeschlagen; mancher Teilabschnitt fand sich in mehr-
; fachcr Niederschrift vor, so daß dem Herausgeber die Entscheidung
nicht immer leicht war, welche Fassung die letzte und also zu druckende
sei, und er im 6. Buch (vgl. auch 173 3) zwei Fassungen nebeneinander
I zu drucken sich entschloß. Zeigt sich schon hieran, daß die Arbeit des
j Verfassers noch im Fluß war, so kommt hinzu, daß die einzelnen Abschnitte
recht verschiedenen Zeiten entstammen und sich z. Tl. in Einzelheiten
und in ihren Ergebnissen widersprechen. Die Abfassungszeit des
1. Buchs wird von H. Schmidt mit Recht in das Jahr 1924 verlegt,
dagegen stimmt es nicht, wenn er das 5. Buch über den Ebed Jahwe
1921 entstanden denkt, weil die einschlägigen Arbeiten von Mowinekel
(1921) und Sellin (1922) noch nicht verwertet seien; denn Gr. nimmt
auch noch nicht auf Johann Fischer, Js. 40—55 und die Perikopen
vom Gottesknecht (1916) Bezug, obwohl er bei der Exegese der einzelnen
Ebed-Jahwe-Lieder nicht an ihm hätte vorbeigehen können; bei
der ungeheuren Belesenheit Gr.'s und bei seinem Bestreben, stets die
! neueste Literatur für seine Arbeit fruchtbar zu machen, beweist das, daß