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Ausgabe:

1930

Spalte:

265-266

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hutten, Kurt

Titel/Untertitel:

Die Bhakti-Religion in Indien und der christliche Glaube im Neuen Testament 1930

Rezensent:

Haas, Hans

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titlus, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, unter Mithilfe von Prof. Lic. K. D. Schmidt, Kiel,
bearb. v. Lic. H. Kittel, Altona, u. Lic. Dr. Reich, Göttingen.
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

er l.l,« v_ t Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D.Hirsch In Qöttlngen, n un lQTfl

55. Jahrg. INr. II. Hainholzweg 62, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. «■ Juul

Spalte

Hutten: Die Bhakti-Religion in Indien und
der christliche Glaube im Neuen Testament
(Haas)................265

Alt: Der Gort der Väter (Hempel).....266

Spalte

B ü c h 1 e r: Studies in Sin and Atonement
(Jeremias)..................274

Peschek: Geheime Offenbarung u. Tempeldienst
(Lohmeyer)..............275

J a c q u i n : Histoire de l'Eglise (Koch). . . 277

Spalte

Acta conciliorum oecumenicorum (Koch) . .1
Schwartz: Der Prozeß des Eutychesl278

(Dens.)....................J

Becker: Bronnen tot de kennis van het leven

en de werken van D. V. Coornhert (Schrenk) 282

Hutten, Kurt: Die Bhakti-Religion in Indien und der christliche
Glaube im Neuen Testament. Stuttgart: W. Kohlhammer 1930.
(XVI, 141 S.) gr. 8°. = Veröffentlichgn. d. Oriental. Seminars d.
Univ. Tübingen. 1. H. RM 7-50-

Heft 1 einer neuen Reihe, Abhandlungen zur orientalischen
Philologie und zur Allgemeinen Religionsgeschichte
, als deren Herausgeber die dermaligen Direktoren
des Orientalischen Seminars der Universität
Tübingen, E. Littmann und J. W. Hauer, zeichnen. Angeregt
ist die von K. Hutten vorgelegte Arbeit, die den
Inhalt des Hefts ausmacht, wohl von dem Zweitgenannten
, der als R. Garbes Nachfolger dessen Traditionen
geflissentlich pietätvoll fortsetzt. Schon das Literaturverzeichnis
auf der letzten Seite (141) läßt erkennen
, daß von dem Verfasser das Buch von R. Otto:
„Die Gnadenlehre Indiens und das Christentum", das
auf seinem Titelblatt ebenfalls 1930 als Jahr des Erscheinens
angibt, noch nicht gekannt war. Was von

Apologetik. Sie hat das Christentum gegen die andern
Hauptreligionen zu stellen und den Nachweis seiner
Überlegenheit über diese zu erbringen. Vorliegende
Dissertation hat mit diesen Zielsetzungen nichts zu tun.
Sie hat überhaupt kein praktisches oder theologisches
Ziel. Sie will sich bloß darauf beschränken, möglichst
ohne alle Voreingenommenheit zu vergleichen. Es handelt
sich um zwei Hochreligionen, die schon ganz äußerlich
betrachtet eine weitgehende Verwandtschaft miteinander
besitzen. Es ist darum von besonderem Reiz, sie
gegen einander zu halten und den Einzelheiten ihrer
Strukturen vergleichend nachzugehen. Daß sich dabei
überraschende Analogien neben eigenartigen Kontrasten
ergeben und damit beide Religionen durch einander ganz
neuartige Beleuchtungen erfahren, das ist der Hauptwert
einer solchen Arbeit."

Ich darf nicht daran denken, im einzelnen auf die
reichgegliederte Abhandlung hier einzugehen. Die vorOtto
mit Indiens Gnadenreligion gemeint ist, eben das | angestellte Inhaltsübersicht des 141 Seiten zählenden

bildet den Gegenstand der hier anzuzeigenden Unter- ! Textes füllt ganze sechs Seiten. Angeführt seien we-

suchung: die Bhakti, d. i. die liebende und vertrauende , nigstens aber die Titel der Hauptabschnitte: 1. Der

Hingabe des Frommen an den sich ihm als Erbarmer j Erlösungshintergrund. 2. Die Gottesanschauung. 3. Die

offenbarenden Erlösergott. Was beide Bücher über die ; Begründung und Entfaltung der positiven Frömmigkeit.

Selbigkeit ihres Gegenstandes hinaus noch weiter mit- 1 4. Die positive Frömmigkeit in ihren kritischen Stadien

einander gemein haben, ist: daß sie die indische Gnaden- (Sünde und Buße). 5. Die ethischen Anschauungen,

oder Bhakti-Religion nicht bloß auf Grund der Texte 1 6. Das Gemeindeleben. 7. Die Eschatologie.
und der Beobachtung ihres Sichauslebens darstellen, : Wenn der Verfasser ausgesprochenermaßen bewußt

sondern in Vergleich mit dem Christentum, bezw. mit j Verzicht darauf geleistet hat, ein einheitliches, rundes

dem christlichen Glauben im N.T., setzen, in der dabei | Ergebnis seiner Untersuchung zu erstreben, weil nach

befolgten Methodik gleich sorgsam darauf bedacht, der
Gefahr nicht zu unterliegen, der solche Arbeit ausge.
setzt ist. (Vgl. z.B. Otto S. 41 und Hutten S. XIII f.)
Weder der eine noch der andere fällt in den Fehler, die

seiner Meinung solches Schematisieren auf den Tatbestand
vergewaltigend wirken würde, so kann ich mir
doch Leser denken, die es nicht so ganz zufrieden sind,
daß Huttens Buch so „sang- und klanglos" aufhört

als eigentlich charakteristisch anzusehenden einzelnen ohne eine Zusammenfassung oder einen Rückblick, wie
religiösen Ideen in beiden Religionen, so verwandte I er sonst üblich ist. Eben ihnen wird mit dem Rate geZüge
sie auch tragen, als durchaus identisch zu nehmen. ; dient sein, auf die Lektüre von Huttens Abhandlung
Neben dem Aufweis der Gleichartigkeit oder weitgehen- i gleich doch die andere von Ottos Parallelbuch zu setzen,
den Übereinstimmung liegt dem einen wie dem andern | Leipzig. H. Haas.
Autor an, doch auch die Verschiedenheit des da und

Alt, Prof. Albrecht: Der Gott der Väter. Ein Beirr, z. Vorgesch.

d. israelit. Religion. Stuttgart: W. Kohlhammer 1929. (IV, 84 S.)

gr. 8°. = Beiträge z. Wiss. v. A. und N. T., H. 48. RM 3.60.
„Die Entstehung des Volkes Israel beruht historisch
auf dem Zusammenschluß seiner Stämme in der
Verehrung des Gottes Jahve"; von da aus erhebt sich
die Frage, welche Voraussetzungen in den „älteren reli-

dort wehenden „Geistes" deutlich hervortreten zu lassen.
Ist aber Ottos Buch unverkennbar das Opus eines
christlich-theologischen Forschers, so charakterisiert
Hutten sich selbst und seine Abhandlung, indem er S.
XIII schreibt: „Die Religionsvergleichung pflegt zu
zwei Zwecken ausgeübt zu werden. Einmal geschieht
sie von der Missionswissenschaft aus, und sie hat hier

die Aufgabe, Anhaltspunkte und Richtlinien für die giösen Besitzständen der Stämme" „eine Vorbereitung
Predigt der Missionare zu geben, die in dem betr. | auf das Kommende" gebildet haben möchten, durch
Religionsgebiet wirken. Sodann wird sie getrieben von i welche „die Bindung der Stämme an den einen Gott
^7Tr-jfler theologischen Wissenschaft überhaupt. Hier fällt und aneinander" erklärlich würde. Es ist also das Pro-
sie, in den Rahmen der Dogmatik als ein Teil der i blem der „vormosaischen" Religion (besser: der „vor-
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