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Ausgabe:

1930 Nr. 10

Spalte:

236-237

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Anselmi, S.

Titel/Untertitel:

Cantuariensis Archiepiscopi Liber Cur Deus Homo 1930

Rezensent:

Ficker, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 10.

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neten Stellen auch darüber hinaus gegriffen und die
hierher gehörigen Bemerkungen sind durchweg lehrreich
, so S. 46 Anm. 38. In dem ersten Teile behandelt
der Verf. das Beurkundungsgeschäft; 1. Kap.: die Urkundenarten
, Urkundensprache, Datierung und Itinerar;
2. Kap.: die Stufen der Beurkundung; 3. Kap.: die Registerführung
und das Archivweseu; der 2. Teil behandelt
die Kanzlei und handelt im 4. Kapitel von Stand,
Bildungsgang und wirtschaftlicher Lage der Kanzleibeamten
, im 5. Kapitel von Rangstufen und Arbeitsteilung
unter den Beamten. Eine große Fülle von Einzelheiten
wird mitgeteilt, namentlich Personalien, die nicht
übersehen werden dürfen; man erhält ein deutliches Bild
von dem Geschäftsgang und den dabei tätigen Personen.
Der Mainzer Kurstaat bietet aber bereits im fünfzehnten
Jahrhundert die Anzeichen des kommenden Niedergangs,
so glanzvoll auch scheinbar im Reiche die Stellung
seiner Herrscher war. Die Zeit des Mittelalters und
des geistlichen Territoriums war eben vorbei.
Kiel.__ G. Ficker.

Kehr, Paul: Papsturkunden in Spanien. Vorarbeiten zur His-
pania Pontificia. II: Navarra u. Aragon. 1. Archivberichte; 2. Urkunden
u. Regesten. Berlin: Weidmann 1928. (III, 600 S.) 4°. =
Abhandlungen d. Gesellsch. d. Wissensch, zu Göttingen, Philolog.-
histor. Klasse, N. F. Bd. 22, 1. II. 1: RM22-; II. 2: RM 16—.

Der zweite Teil der Vorarbeiten zur Hispania pontificia
, der Navarra und Aragon behandelt, ist wieder sehr
reich. Es ist in der Tat erstaunlich, wie viel unbekannte
Papsturkunden aus der Zeit bis Innocenz III. in den spanischen
Archiven und Sammelstellen zutage gekommen
sind. Im Ganzen sind es 234 Nummern. An der Sammlung
sind neben Kehr selbst, der die Hauptarbeit geliefert
hat (Beschreibung der Archive, historische Einleitungen
, diplomatische Würdigung) beteiligt Dr. Peter i
Rassow, der die Madrider Fonds und Sammlungen bearbeitet
, Herr Jose Rius y Serra, der die Archive in Aragon
, Barbastro, Roda, Alquezar, Casbas, Sijena, Huesca
und Jaca, Herr Professor Pascual Galindo y Romeo, der
mit Kehr zusammen die Archive in Aragon und Navarra
, Zaragoza, Huesca, San Millan de la Cogolla und
Pamplona, dann allein Calahorra, Tudefa, Tarazona
Logrono, Fitero, Agreda bearbeitet hat. In den Archivberichten
wird besonderer Wert auf die Vollständigkeit
der Angaben der älteren Literatur gelegt, weil diese
in Deutschland meist selten ist und weil uns nur die
Vollständigkeit die Bestände an Urkunden des 11. und
12. Jahrhunderts vermitteln kann. So wird hier für den
Aufbau der heimischen Geschichtswissenschaft etwas
Außerordentliches geleistet, und man kann es verstehen,
wenn die deutschen Gelehrten überall von den Spaniern
sehr freundlich aufgenommen worden sind. Weiter
möchte noch darauf aufmerksam gemacht werden, daß
Kehr überall darauf hinweist, wo noch lohnend und
nutzbringend gearbeitet werden kann und damit dafür
sorgt, daß die Arbeit an dem spanischen Mittelalter
nicht wieder einschläft, wie er ja selbst ein wichtiges
Thema aus der spanischen Kirchengeschichte des Mittelalters
vorbildlich bearbeitet hat in seiner Abhandlung:
Das Papsttum und die Königreiche Navarra und Aragon
bis zur Mitte des XII. Jahrhunderts, in den Abhandlungen
der preußischen Akademie der Wissenschaften,
Jahrgang 1928, Phil.-hist. Klasse, No. 4. Das ist aber
nur ein Vorgang neben andern, wenn auch der wichtigste
und allen andern übergeordnete, den uns die neuen Urkunden
sehen lassen: die Wiederaufrichtung der spanischen
Reiche und der christlichen Kirche im XL und XII.
Jahrhundert durch das Papsttum. Anderes, was uns
neu gezeigt wird, hängt eng damit zusammen, so die
Aufrichtung des Kluniacenserordens, die Zurückdrängung
des mozarabischen Ritus, die Aufrichtung der
Zisterzienser, die Tätigkeit der päpstlichen Legaten usw.
Es ist besonders dankenswert, daß Kehr uns nicht nur
neue Urkunden mitteilt, sondern sie auch sogleich historisch
einordnet.
Kiel. _ G. Ficker.

Joeiso n, Olga: Die Papstwahlen des 13. Jahrhunderts bis

zur Einführung der Conclaveordnung Gregors X. Berlin: E. Ebering
1928. (119 S.) gr. 8°. = Historische Studien, H. 178. RM 4.80.
Die vorliegende Schrift will zeigen, wie die einzelnen Papstwahlen
des 13. Jahrhunderts, von Honorius III. bis Gregor X. Anregung und
Material zu dem Gesetz Gregors X. vom Mai 1274, Ubi periculum
maius, geboten haben, in dem die Conclave-Ordnung festgelegt wurde,
und erzählt, kenntnisreich und gewandt, von den politischen Faktoren,
die bei den Wahlkämpfen eine Rolle gespielt haben. Es tritt deutlich
zutage, welch bedeutenden Anteil die Kardinäle an der damaligen hohen
Politik gehabt haben. Viel Mühe hat sich die Verf. gegeben, die Personalien
der Kardinäle festzustellen. Der Schluß S. 102 ff. beschäftigt
sich mit dem Schicksal der Conclaveordnung. Die Verf. meint auf
Grund einer neueren italienischen Untersuchung, daß die Annahme,
das erste Conclave habe schon 1216 stattgefunden, nicht 1241 (Wenck),
nicht ganz von der Hand zu weisen sei. — Die Arbeit verdankt ihre
Entstehung einer Anregung von Prof. Hampe in Heidelberg. — Sehr
störend ist der unsaubere Druck. Immer wird gedruckt Kardinalkolleg
statt Kardinalskolleg.

Kiel. G. Ficker.

Esch, Dr. Anneliese: Die Ehedispense Johanns XXII. und ihre
Beziehung zur Politik. Berlin: E. Ebering 1929. (71 S.) gr. 8°. =

Historische Studien, H. 183. RM 3.50.

Auf Grund der Registereintragungen und der aragonesischen Berichte
von der Kurie wird hier das Ehedispensverfahren während des
Pontifikats Johanns XII. dargestellt. Noch ungedrucktes Material hat
das Vatikanische Archiv und Herr Prof. Finke beigesteuert. Es werden
zuerst die Dispensationsfähigkeit der Ehehindernisse, dann die Formen
der Ehedispense, im 3. Kapitel die Begründung der Dispense besprochen.
Die Verf. greift mitunter über das Pontifikat Johanns XII. hinaus, vorwärts
und rückwärts. Seltsamerweise wird das Wort Dispens nur zufällig
als Masculinum gebraucht, gewöhnlich als Femininum. Diesbezüglich
S. 11 Anm. 4 und S. 41 ist Zeitungsdeutsch.

Kiel. G. Ficker.

Kraack, Elisabeth: Rom oder Avignon? Die röm. Frage unter
d. Päpsten Clemens V. u. Johann XXII. Marburg: N. G. Elwert 1929.
(XII, 62 S.) gr. 8°. = Marburger Studien z. älteren deutsch. Geschichte
, II. Reihe, 2 Stück. RM 3—.

Diese Abhandlung geht zurück auf eine Anregung
des verstorbenen Professors K. Wenck, dessen Arbeiten
und Gedanken überall treulich benutzt worden sind.
Ja es werden auch noch ungedruckte Arbeiten von ihm
benutzt, S. 36, und man kann es bedauern, daß sie nicht
gedruckt werden konnten. Dies verbürgt die Sorgsamkeit
der Forschung und die Umsicht in der Verwendung
von Quellen und Literatur. Die Verf. will die Gründe
aufweisen für die Übersiedlung des Papsttums nach
Frankreich und entwirft darum zunächst ein lebendiges
Bild von der wenig beneidenswerten Lage des Papsttums
in Italien nach dem Fall der Staufer. Sie hat
weiter die Aufgabe zu zeigen, warum das Papsttum in
Avignon blieb, trotzdem es ihm mitunter geraten erscheinen
konnte, nach Rom zurückzukehren. Aber es
konnte sich von der Beschützerrolle Frankreichs nicht
loslösen und der Versuch, mit Hilfe Deutschlands und
des Kaisertums die Politik der Kurie auf neue Grundlagen
zu stellen, scheiterte. Das wird alles sehr umsichtig und
mit reicher Kenntnis der Tatsachen erzählt. Meiner
Meinung nach hätte etwas schärfer hervorgehoben werden
können, daß der Untergang des deutschen Kaisertums
für das Papsttum naturgemäß als Folge hatte den
Verlust seiner Weltherrschaft.

Formell hätte ich mancherlei auszusetzen. Die Bildung
des Wortes Senatur scheint mir unmöglich zu
sein. Frankreich ist nicht Femininum S. 13, 60: Frankreich
Beschützerin, Vorkämpferin S. 29, Anm. 35: diesbezüglich
!

Kiel. G. Ficker.

Anselm!. S.: Cantuarlensis Archiepiscopi Liber Cur Dens
Homo. Ree. Franciscus Salesius Sch m itt. Bonn: P. Hanstein 1929.
(X, 65 S.) gr. 8°. = Florilegium Patristicum, fasc. XVIII.

kart. RM 2.80.

Seit der 3. Auflage von O. Fr. Fritzsches Ausgabe 1893 ist, soviel
ich weiß, keine neue Ausgabe von Anselms Cur deus homo erschienen.
Das ist sehr sonderbar. Denn Fritzsches Ausgabe, so fördernd sie war,
ließ doch die systematische Durcharbeitung der Grundlagen für den