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Ausgabe:

1930 Nr. 10

Spalte:

224-225

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marschall, Gerhard

Titel/Untertitel:

Die „Gottlosen“ des ersten Psalmenbuches 1930

Rezensent:

Staerk, Willy

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 10.

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ist und das den Gegensatz von Gott und Welt als den j
Gegensatz von Ewig und Zeitlich, Idee und Erscheinung, !
Geist (im antiken und Baurschen Sinne) und Natur j
interpretiert. Alles Geschichtliche ist als solches „unge- j
recht", sündig, eben weil es nicht ewig ist, und es kann
Giltigkeit nur gewinnen, wenn es „eschatologisch" verstanden
wird, als in Gott „gesetzt" und „aufgehoben"
zugleich. Denn Gott muß verstanden werden als das
Jenseits alles Geschichtlichen, das aber gerade um „jenseits
" zu sein auch des Diesseits der Geschichte bedarf. ■
„Gott ist Inbegriff und Wirklichkeit aller Wirklich- ,
keifen, der keines Wirkens oder Seins je bedarf, und
Welt und Menschen sind eben darin sein unveräußerlicher
Ort, weil jene Wirklichkeit gläubig gesetzt ist ...
Gott ist in sich selbst genügsame Wirklichkeit, weil der i
Glaube der einzige Ort seiner Wirklichkeit ist" (163).
Wie einst F. C. Baur den rtreüita-Begriff unkritisch im J
Sinne des Hegeischen Geistbegriffs interpretierte, so
interpretiert der Verf. die paulinischen Begriffe oöq!; j
und atüua unkritisch im Sinne seines Verständnisses von I
Geschichte als der Sphäre des Endlichen, Naturhaften '
und als solches Sündigen. Für Paulus ist aber der Weg j
der Gesetzeswerke nicht deshalb falsch, weil alles Werk !
dem Bereich der Geschichte verhaftet ist, sondern weil
oder sofern der Jude durch das Werk ein xavxw* vor
Gott erringen will; für ihn ist Sünde nicht Endlichkeit,
sondern Ungehorsam. Will der Verf. mit Recht zum
Ausdruck bringen, daß der Gläubige im Glauben sein
menschliches Sein transzendiert, indem der Glaube, als
ein Gehandelt-werden durch Gott (yvwod-ryai), an Gottes
Ewigkeit teilnimmt, so ist dabei doch die „Ewigkeit"
nicht im Sinne des Paulus verstanden, wenn die Teil- j
nähme an ihr darauf hinausläuft, daß das gläubige Handeln
in transzendentalen Bedingungen seine Möglichkeit |
hat. Nach Paulus transzendiert der Glaube nicht die
Sphäre des Geschichtlichen, sondern im Glauben als geschichtlicher
Tat des Gehorsams transzendiert das Ich
sich; sich nämlich so, wie es als sündiges aus seiner
Vergangenheit in sein Jetzt kommt. Und diese Möglich- I
keit erwächst aus der göttlichen Vergebung, die dem
Menschen in der ihm begegnenden konkreten Verkündigung
angeboten wird. Die Verkündigung stellt den
Menschen, so wie er ist, in Frage, aber nicht hinsichtlich
seines zeitlich-geschichtlichen Wesens überhaupt, i
sondern hinsichtlich seiner konkreten Sünde, seines
konkreten Ungehorsams. Sie lehrt ihn nicht verstehen
, daß alle Geschichte in Gott gesetzt und aufgehoben
ist, sondern daß Gott eine bestimmte Tat
der Versöhnung gewirkt hat, die für den Menschen
im begegnenden Wort aktuell wird und ihm das Gericht
oder die Möglichkeit einer neuen geschichtlichen Existenz
im Gehorsam eröffnet.
Marburg a. L. R. Bultmann.

Pratt, Prof. James Bisset: The pllgrimage of Buddhism and a

Buddhist pilgrimage. New York: The Macmillian Company 1928.
(XIII, 758 S.) gr. 8°. 15 sh.

Der bekannte amerikanische Philosoph, dem wir
bereits ein großes gehaltvolles Werk „India and its
Faiths" verdanken, versucht in dem vorliegenden,
umfangreichen Bande eine Gesamtdarstellung des Buddhismus
auf Grund der Eindrücke zu geben, die er
durch das Studium der in europäischen Sprachen zugänglichen
Literatur und auf zwei großen Reisen in
Indien und Ostasien gewonnen hat. Die Anordnung des
Stoffes folgt der „Pilgerfahrt" die der Buddhismus von j
seiner indischen Heimat aus durch die Länder des
Ostens angetreten hat und zugleich der Reiseroute des
Verfassers: vom Gangesland aus geht der Weg nach
Ceylon, Birma, Siam, Kamboja und dann nach China,
Korea und Japan. Nicht berücksichtigt worden sind die
Länder, in denen der Buddhismus heute nicht mehr lebendig
ist, wie Turkestan und Indonesien, sowie das ;
Herrschaftsgebiet des Lamaismus. Den Ausschluß von
Tibet, Nepal und der Mongolei begründet Pratt in den .

Worten: „The form of religion which prevails in these
lands is so mixed with non-Buddhist elements that if I
was to give a unified notion of Buddhism, it seemed to
me necessary to confine myself to the Hinayana and
the Mahayana" (S. IX).

Pratt kam es vor allem darauf an, die gemeinsamen
Züge der Buddha-Lehre von den Grenzen Indiens bis
zur Küste des Stillen Ozeans herauszuarbeiten. Das ist
ihm sehr gut gelungen. Denn nachdem er mit großer
Deutlichkeit die so überaus mannigfaltigen Formen behandelt
hat, in denen sich das religiöse Leben der Buddhisten
der einzelnen Völker äußert, kann er in einem
zusammenfassenden Schlußkapitel die gemeinsamen
Wesenszüge aufzeigen, die dem Buddhatum mit all
seinen Schulen und Sekten eigen sind. Der besondere
Wert des Buches liegt vor allem in der Anschaulichkeit
der Darstellung der Erlebnisse des Autors in den verschiedenen
Ländern. Dadurch besitzt Pratts Werk einen
unleugbaren Vorzug gegenüber der unübersehbaren Flut
von Schriften über den Buddhismus, deren Verfasser
ohne Autopsie allein aus Büchern schöpfend von ihrem
Schreibtisch aus zu einer Vorstellung von dem gegenwärtigen
Zustand der Religionen des Ostens zu gelangen
suchen. Ein wesentlicher Vorzug des Werkes ist
es dann vor allem, daß es von einem Philosophen geschrieben
wurde. Die meisten Darstellungen des
Buddhismus, die auf Grund eigener Kenntnis von Land
und Leuten verfaßt worden sind, verdanken wir Missionaren
oder Philologen, denen philosophische Gedankengänge
ferner liegen und die deshalb dem philosophischen
Gehalt dieses von allen abendländischen toto
genere verschiedenen Religionssystems nicht gerecht
werden. Pratt's Bemühen geht darauf aus, nicht nur die
theoretische sondern auch die praktische Weltanschauung
in ihren mannigfachen Ausdrucksformen in den
Kreis seiner Betrachtungen einzubeziehen. Auf Grund
seiner Beobachtungen kommt er vielfach zu Ergebnissen,
welche die landläufigen europäischen Vorstellungen von
dem weltflüchtigen Pessimismus und der wirklichkeitsfremden
Passivität der Buddhisten in entscheidender
Weise korrigieren. Weniger gelungen scheinen mir
manche Erörterungen über Punkte der Dogmatik zu
sein, da sich hier der Umstand, daß der Verfasser nur
mit Übersetzungen oder durch Vermittelung von Dolmetschern
zu arbeiten gezwungen war, fühlbar macht.
Trotz dieses gelegentlich hervortretenden Mangels stehe
ich nicht an, Pratts Werk zu dem Besten zu rechnen,
was in den letzten Jahren über den Buddhismus geschrieben
worden ist. Niemand, dem daran liegt ein
unparteiisches Bild von dem heutigen Zustande der
Religion Gautamas zu gewinnen, sollte verfehlen, sich
mit ihm zu beschäftigen.

Königsberg i. P. H. von Olasenapp.

Fairbrother, F.,M. Sc, Headmaster of the Cedars School, Leighton
Buzzard, and D. Russell Scott, M. A., Th. D., Late Pucey and
Ellerton (Hebrew) Scholar in the University of Oxford, with a fore-
word by John Strong, C. B. E., M. A., Lt. D., Professor of Education
in the University of Leeds: An Introductlon to the literature
of the Old Testament specially designed for the use of schools.
London: James Clarke & Co. Ltd. (192 S.)
Ein Buch, das wissenschaftlich nichts Neues bieten will, aber dennoch
alle Aufmerksamkeit verdient als ein Versuch, die Ergebnisse der
Literarkritik im Unterricht der Elementary Schools heimisch zu machen.
Brauchbare Übersetzungen poetischer und profetischer Texte (Ebed-
Jahve-Lieder) beleben die oft über Inhaltsandeutungen nicht hinausgehenden
Angaben zu den einzelnen Büchern.

Göttingen. Joh. Hempel.

Marschall, Lic. theol. Gerhard: Die „Gottlosen" des ersten

Psalmenbuches. Münster i. W.: Helios-Verlag 1929. (126 S.)

gr. 8°. RM 6—.

Vf. macht den Versuch, durch Iiterarkritische Fundamentierung die
zeitgeschichtlichen Parallelquellen zu den Aussagen des 1. Psalmbuches
über die Gottlosen fruchtbar zu machen. Er setzt das 1. Buch als
Sammlung um die Mitte des 5. Jahrhdts. an. Die einzelnen Gebetslieder
sollen am ehesten aus der Zeit von Maleachi und Tritojesaja