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Ausgabe:

1930 Nr. 8

Spalte:

185-188

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brunner, Emil

Titel/Untertitel:

Die Mystik und das Wort. 2., stark veränd. Aufl 1930

Rezensent:

Wobbermin, Georg

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Theologische Literaturzeitung 1930 Nr. 8.

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zum Äußersten Schonung zu gewähren. — Auch damit kann (und) will
Gott in unendlicher Liebe sich einlassen — aber dann will er, dal da
Ehrlichkeit, Wahrheit sei, daß man es eingestehen solle. Man soll in
Demut gerade heraus bekennen, daß der Fehler an mir liegt, daß ich
bange davor bin Geist in strengem Sinne zu sein und mich deshalb ein

torischen Glaubensstandpunkt zur Geltung zu bringen,
seien von vornherein zur Wirkungslosigkeit verurteilt;
sie seien demgemäß überhaupt nicht wirklich ernst zu
nehmen.

Da ich selbst im ersten Jahrzehnt meines Schleier-

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venig entziehe. Der Fehler beim Predgtvwta« tat <«es ; macher-Studiums sehr stark unter dem Eindruck der

- ÄfSl ÄÄt !SÄ . Un- | Benderschen Auffassung gestanden, sie dann aber als

endliche Liebe, die er ist — selbst auf die Bedingung hin will er doch
mit einem Menschen zu tun haben. — Mein Gott, mein Gott — ich
nife nicht so: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen;
nein, das war nur der Höchste, der Einzige, dein Geliebter, der dir
am nächsten stand, und nach ihm die besondere Auserwählten —, nein,
ich rufe: Mein Gott, mein Gott, ach daß du so an mir festhältst, an
mir festhalten willst, mit mir zu tun haben willst, obwohl ich so schwach
bin und mich nicht weit hinauswagen kann. —--Aber der Predigtvortrag
ist verkehrt, ist (ganz) eigentlich verkehrt so wie er jetzt
ist. Alle wahre Predigt ist (ganz) eigentlich Selbstanklage. Zu sagen:
ich möchte so gerne, das heißt Gott erzürnen. Entweder, ich soll ganz
heraus, — oder ich soll gestehen, daß ich bin wie ein armes Kind, so
schwach.

Von dieser Stelle verweisen die Herausgeber (Stichwort
Gnade) rückwärts zu X 4 A 439 usw.; vorwärts
zu X 4 A 456. 491. 500 usw. Alle diese Stücke fehlen
teils ganz, sind teils nur in Bruchstücken aufgenommen.
Erst wenn man den Verweisungen vor- und rückwärts
weiter folgt, stößt man wieder auf aufgenommene

Stücke. Es folgt daraus, daß sich die dringend nötige "«VhM iTY«1" uern iNacnweis bestehen, daß tat
Studie über den Gedanken der Gnade beim späten *aL" n a,1 e ß a n ze R e 1 igi on s 1 e h re S c h 1 e i

bi e„r shdurc? jenen mystischen Begriff
und die dazugehörige identitäts-

Pa Üi1 °, ? ° P.h„' ici!€ ,h e h re be.s t i m m t!l (S 25,

einseitige Konstruktion erkannt habe, so hatte ich annehmen
zu dürfen gemeint, daß auch Brunner sich davon
überzeugen lassen würde, wie wenig seine in der
Hauptsache einlinige und geradlinige Beurteilung der
Kompliziertheit des tatsächlichen Sachverhaltes gerecht
wird und wie wenig sie gerade die tiefsten Intentionen
schon der Reden, vollends der Glaubenslehre zu würdigen
imstande ist. Einstweilen ist das jedenfalls nicht
der Fall. Brunner meint vielmehr, meine Einwendungen
mit leichter Handbewegung abtun zu können.

Das völlige Versagen und Mißlingen dieser Versuche
soll wenigstens an den Hauptpunkten kurz aufgezeigt
werden.

Meine (des Unterzeichneten) ganze Schleiermacher-
Interpretation, sagt Brunner, leide an meiner Unfähigkeit
, den mystischen Religionsbegriff Schleiermacher's
zu erkennen. Deshalb könne seine Auseinandersetzung
mit mir nur in dem Nachweis bestehen, daß tat-

Kierkegaard vorläufig noch nicht schreiben läßt. Denn
gerade in der in der neuen Ausgabe noch ausstehenden
Zeit wird ja die entscheidende Verknotung akut: die
Gnade — und der Angriff auf die Christenheit.

An wichtigeren Ereignissen aus Kierkegaards äußerlich
wie innerlich still gewordenem Leben fällt in den
Band X 4: die Herausgabe der kleinen Schrift „Über
meine Wirksamkeit als Schriftsteller" und der „Zwei

--------.--. yw. - —,

Anm. 1). Nun hatte ich meinerseits geurteilt und dieses
Urteil mit Gründen belegt, jener beabsichtigte Nachweis
sei von Brunner nicht wirklich erbracht worden. Die
von Brunner jetzt als „Auseinandersetzung" mit mir bezeichnete
Argumentation bedeutet also eine reine petitio
, prineipii. Dieser Sachverhalt tritt noch deutlicher, weil
Reden beim Altargang am Freitag" (beide 7 Vlll. j konkreter in die Erscheinung, wenn Brunner behauptet,
1^551) und^enes Gespräch mit Mynster am 2. V.J851 j jn der Glauhensiehrr- Sehlem,

X VavJ:^^^lvÄis beider Männer } » der G»aubenslehre Schleiennacher's scheine der „Ob

V . " *•'"/> ™ „ „ . . , , ■__j„..j.l;„u 1 1Cltl>ehalt des frommen Cipfllhls nur cnlnnnr«» «Mi

für Kierkegaards Bewußtsein eingetretne Krise deutlich
zum Ausdruck bringt (vgl. über es Geismar, S. K.,
deutsche Ausgabe S. 451—53). Das autobiographisch

wichtigste Stück des Bandes ist A 299—303: „Wie es
zuging mit der Herausgabe des letzten Pseudonyms
Anticlimacus Die Krankheit zum Tode".

Göttingen. E. Hirsch.

Brunner, Prof. D. Emil: Die Mystik und das Wort " Der

Gegensatz zwischen mod. Religionsauffassg. u. Christ!. Glauben dargestellt
an d. Theologie Schleiermachere. 2., stark veränd Aufl
Tübingen: J. C. B. Mohr 1928. (VIII, 399 S.) gr. S0O '■ , ' j

i j » • j , » r, 3M "-20; seh- ]3-20.
, In der Anzeige der 1. Auflage dieses Buches habe
ich mein Urteil dahin zusammengefaßt, das in ihm vorgetragene
Verständnis der Theologie Schleiermachers I legung deF Glaubenslehre"nh;'

mh+nn^n ,,„h I ut^J^^^Su^P^l^S das schlechthinnige Ab-

jektgehalt" des frommen Gefühls nur solange ein
christlich-theologischer zu sein, als man nicht eingesehen
habe, wie das christliche Dogma nur die Hülle
der einen identitätsphilosophisch-mystischen Grundidee
ist (S. 30, Anm. 1). Und das Gleiche ist nochmals für
folgende Argumentation Brunner's zu sagen: Er bestreite
nicht, daß Schleiermacher „Gott" als Korrelat
des schlechthinnigen Abhängigkeitsgefühls (bzw. Abhängigkeitsbewußtseins
!) setze. Aber, daß bei Schleiermacher
Gott nur (sie!) als Korrelat des Gefühls (sie!)
erscheint, beweise eben, daß er unter Gott etwas ganz
Anderes verstehe, als der Christ, nämlich den immanenten
Ichgrund; die „Beziehung" sei also die der
mystisch-spekulativen Identität (S. 70, Anm. 4). Zur
Beurteilung vergegenwärtige man sich, daß sich die Dar-

O---C---- ------

f^msmpen2Ti)doch ein totalef Mißverständnis <Th-Lz- »Ä Ä£tts&.^ ffiÄ

zweife™ ka«n * gegenüber der vorliegenden JnTffl^est Äd |" ÄtRÄ;

7s stark wiederholen. Sie bezeichnet sich nis zu de mselben W und «nser Verhält-

SlLhÜ^ verandert- Indes diese Veränderungen sind nuri„J ' , au s druck e n d".

ÄäS^O*1^8^ Nat"r «"d betreffen die dpr ff"'-,-nt+halten bereits die vorangehenden Sätze

entscheidende Hauptsache nicht. Nach wie vor vertritt Anmerkung BmnS*m& B?

Brunner die schon von Wilh. Bender vorgetragene und
bis ins Einzelste durchgeführte Auffassung, die theologische
Arbeit Schleiermacher's, gerade auch diejenige
der Glaubenslehre, sei ausschließlich von seiner in seinem
philosophischen Nachlaß, zumal in der Dialektik

griffe und Urteile, die dann zu Gunsten seiner Position
ausgenutzt werden. Schleiermacher bezeichnet Gott nicht
als „das Woher des schlechthinnigen Abhängigkeitsgefühls
' . Diese allerdings weithin üblich gewordene
Formulierung ist nicht nur ungenau, sondern für die
Sache irreführend. Und wenn Brunner den von mir

miu weil" uiuiinci ucn vcni nur

nedergelegten philosophischen Spekulation aus zu verl I gebrauchten B^riff ÄÄ^^
nieaergeiegren i i i . Wesentlichen j dem anderen „Korrelat" vertauscht, so wird aucn damit

SfiS*-* Euu^nnMschef posZn der dann notwendig eine Verschiebung im Sinne einer pet.t.o pr.ncipi. vor-
«dentitatsphilosophiscte Frömmigkeit ent- 1 genommen. Für die Glaubenslehre handelt es sich ihrer

eine in ihrer GnFndh^ chSTchen Glau- I Lenen methodischen Intention nach durchaus um die

spreche, die zu GeleS Herausstellung der Objektbeziehung und demgemäß des

^^^^^^^^^<^^ dieseS Objektgehaltes des s hlechthinnigen Abhangigkertsge-
Sstemansatzef zu entgehen, und den christlich-reforma- | fühls im streng objektiven Sinne des V