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Ausgabe:

1929

Spalte:

176-177

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vogel, Claude L.

Titel/Untertitel:

The Capuchins in French Louisiana (1722-1766) 1929

Rezensent:

Lempp, Eduard

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176

zuheben oder zu besprechen, aber einige Beobachtungen
allgemeiner Art seien gestattet.

Wer das Buch durchliest, dem muß vor allem auffallen
, wie geflissentlich und sorgfältig überall die Märtyrer
des Ordens nach Zahl und Namen hervorgehoben
werden. Das wirft auf das M i ss io ns mo ti v im Orden
ein bezeichnendes Licht. Wir wissen ja aus den Legenden
der ersten Franzrskanerbrüder, wie in der Tat
damals weniger die Bekehrung des Heiden für Christus
als die Erreichung der Märtyrerkrone für sich selbst
ein Hauptgrund war, sich zur Mission zu drängen. So
heißt es aber auch hier, daß den Missionaren „der Tod
für den Meister als das erhabenste Ziel aller Wünsche
galt" (S. 1), so übernahm z. B. P. Mergil einen gefährlichen
Missionsauftrag freudig — und bei vielen andern
wird ähnliches berichtet —, „weil er ihm die Möglichkeit
das Reich Christi zu erweitern und vor allem die Aussicht
auf den Martertod bot" (S. 241). So wird in allen
Missionsländern der Ruhm des Ordens in der Zahl
seiner Märtyrer gesucht; „im Jahr 1638 wurde Japan
vollständig isoliert und damit die Frauziskanermission
vorläufig geschlossen, nachdem mehr als 350 Kinder des
h. Franziskus mit der Marterkrone geschmückt worden,
von denen bereits 45 die Ehre der Altäre empfingen"
(S. 172). Überall wird der nach Ansicht des Verfassers
bisher ungebührlich verborgene Ruhm (s. Vorwort) des
eigenen Ordens stark hervorgehoben und mit hohen
Lobeserhebungen nicht gespart (vgl. z. B„ was S. 326
über Bolanos „den Riesen der indischen Provinzen"
und Solanus „die Sonne von Peru" gesagt wird). Soll
das auch in den Ordensschulen als Hauptmissionsmotiv
gelehrt werden ? Auch über die M i s s i o n s m e t h o d e
gibt das Buch wertvolle Aufschlüsse. Daß zu Anfang es
an einer einheitlichen Missionsmethode fehlte (S. 3 ff.),
ist natürlich; aber auch später war man sich offenbar
recht lang nicht klar, welche Methode befolgt werden
sollte. Es ist viel behauptet, wenn der Verfasser (S.
346) sagt, die Missionsmethode des heiligen Ordeus-
stifters sei immer in Geltung geblieben, nämlich Gebet
für die Seelen, heiliges Beispiel und Werke der Liebe.
Gewiß gab es viele Ordensbrüder, die auf diese Weise
das Heidentum überwinden wollten und manchmal auch
überwanden. Erbaulich ist, was z. B. über Franziskus
del Pilar „den Apostel der Chiringuanos" S. 319 f. berichtet
wird, aber andere Methoden wurden und werden
offenbar auch heute noch nicht verschmäht. „Ein
Hauptpunkt der Missionsmethode des Apostels (Johannes
v. Monte Corvino) war der feierliche Gottesdienst
. . . Sobald er das Haus in Kambalek vollendet
hatte, kaufte er 40 Heidenkinder, spendete ihnen die h.
Taufe, nahm sie zu sich und unterrichtete sie im römischen
Ritus" (S. 86). Als die Indianer in Mexiko auf
ein gütliches Anerbieten nicht eingingen, wußte der
spanische Franziskaner keinen andern Rat, als die Berge
mit den Waffen zu erobern, was geschah und dann der
Mission den Weg ebnete (S. 241). Das ist der Weg, der
sehr oft auf den verschiedensten Missionsgebieten beschritten
wurde und ja in Amerika und früher schon in
den Ostseeländern zum Erfolg führte. Und der neue
Bericht der Franziskanermission in Unterägypten vom
Jahr 1926 verzeichnet neben 226 Bekehrungen nicht
katholischer Christen und 196 Taufen Erwachsener 638 (!)
Kinder sarazenischer Eltern, die in Todesgefahr getauft
wurden (S. 21). „Nachdem Corte/. 1523 Befehl erteilt
hatte, daß alle Opfer und jeder Kult der Götzen
aufhören müsse, begannen die Missionare . . . am Neu-
jahrstag 1525 zu Taxcoco die Tempel und Götzenbilder
zu zerstören und setzten dies Werk in Mexiko, Tlaxcala
und Guaxozingo fort. Curvas nennt dies einen der glänzendsten
Züge der Kirchengeschichte" S. 202. Ein anderer
Missionar meldet, daß 500 heidnische Tempel
und mehr als 20 000 Götzenbilder zerstört wurden (S.
205). — Und endlich die M i s s i o n ser f o 1 ge. Da
kann der Verfasser mit erstaunlichen Zahlen aufwarten.
Bruder Petrus berichtet 1529: „Ich habe mit meinen

Gefährten in dieser Provinz Mexiko mehr als 200 000
Menschen getauft; es sind so viele, daß es mir unmöglich
ist, die Zahl zu bestimmen. Wir haben manchmal
an einem Tag 14 000 getauft, andere Male 10 000 oder
8 000" (S. 203). Zur Bestätigung wird (S. 204) ein
Brief des P. Martin vom 12. Juni 1531 angeführt, worin
es heißt: Wir haben ohne Übertreibung bisher mehr
als eine Million Indianer getauft, ein jeder von uns mehr
als 100 000. Petrus von Gent soll mehr als 300 000
Heiden getauft haben (S. 213). „Die Zahlen tun nichts
zur Sache" (!) fügt L. hinzu, „außer Frage ist, daß er
den großen Glaubensboten beigezählt werden darf, daß
er ein Schulbeispiel ist, was vom apostolischen Geist erfüllte
Laienbrüder in den Missionen wirken können".
Was zur Erklärung der großen Zahlen (S. 206 ff. und
233 ff.) gegeben wird, ist zum Teil sehr merkwürdig,
zum Teil sehr einleuchtend. Aber verwunderlich ist
nicht, wenn es z. B. heißt, in Mexiko seien mehr als
100 000 Indianer getauft worden, drei Jahre später habe
man nur noch 60 000 Christen gezählt, da viele in den
letzten Jahren an Blattern gestorben seien und weiter
unten, von den Christen seien 16 000 zu den Aufständischen
übergegangen (S. 236), und aus Japan wird 1587
berichtet, ganze Provinzen, die auf den einfachen Befehl
ihrer Fürsten hin den Glauben angenommen hatten,
haben ihn ohne Schwierigkeit wieder verlassen (S. 171).
Als Grund der geringen Erfolge oder der starken Rückschläge
nach großen Erfolgen bezeichnet der Verfasser
neben den periodischen Verfolgungen der heidnischen,
muhammedanischen, kalvinistischen und revolutionären
Machthaber hauptsächlich das böse Leben der grausamen
und unsittlichen Kolonisten, das Staatskirchentum
in Portugal und Frankreich, das die Mission sich nicht
frei entwickeln ließ, die Rivalität zwischen Portugal und
Spanien und hie und da auch die Rivalität der verschiedenen
Orden unter einander. Aber einen allgemeinen
Verfall oder Niedergang der Missionsarbeit der Franziskaner
bestreitet der Verfasser durchaus. „Wenn wir
die durch die traurige Kirchenpolitik der portugiesischen
Regierung entnervten Ordensprovinzen von Brasilien
und Vorderindien ausnehmen, so dürfen und müssen wir
für unsere Missionen die viel gebrauchte und öfter berechtigte
Unterscheidung von Aufstieg, Blüte und Niedergang
ablehnen" (S. 339).

Interessant ist, daß in dem Buch auf S. 134 sogleich
S. 145 folgt mit der Erklärung: „Die den chinesischen
Ritenstreit behandelnden S. 135—144 wurden mit ihren
Anmerkungen auf ausdrückliche Weisung der Propaganda
entfernt. Das strenge Verbot dieser Kongregation
über die genannte Kontroverse zu handeln, kam erst zu
unserer Kenntnis, als alle Bogen dieses Buches gesetzt
und gebrochen waren". Wir haben ja eine neuere Darstellung
dieses Streites auf jesuitischer Seite von Hu-
onder, der chinesische Ritenstreit 1921, und auf dominikanischer
Seite von Bierman, die Anfänge der neueren
Dominikanermission in China 1927, aber eine Darlegung
von franziskanischer Seite wäre uns doch auch
von Wert gewesen, wenn wir uns auch denken können,
auf welche Seite sich L. gestellt hätte.
Stuttgart. Ed. Lempp.

Vogel, Claude I.., O. M. Cap., Ph. D.: The Capuchins In French
Louisiana (1722—1766). New York: J. F. Wagner 1928. (XXVI,
201 S.) gr. 8". = Franciscan Studies, Nr. 8, Aug. 1928.

In breiter Ausführlichkeit wird die Einführung und
Tätigkeit der Kapuziner in dem damals französischen
Luisiana arn Unterlauf des Missisippi dargelegt. Die
Mönche hatten unter den zusammengewürfelten, religiös
gleichgiltigen, nur auf die materiellen Dinge gerichteten
Einwanderern einen harten Stand, und zu den Indianern
konnten sie nur soweit dringen, als sie durch die Bajonette
der französischen Soldaten geschützt waren. Verhängnisvoll
aber für ihre Wirksamkeit war schließlich
der jahrelange unerquickliche Streit mit den aus poli-