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Ausgabe:

1929 Nr. 7

Spalte:

165

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heckel, Theodor

Titel/Untertitel:

Zur Methodik des evangelischen Religionsunterrichtes 1929

Rezensent:

Trillhaas, Wolfgang

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I 65

Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 7.

166

Dieses Anliegen als ein theologisches ist der Anlaß ZU j Erfassung von Gottes Willen in der fortschreitenden Hölierentwicklung

' ' '' 1 sozialer Gemeinschaft (Kap. 11 u. 12). Die Kapitel 13_15 zeigen,

wie das Kind die Mitgliedschaft in einer religiösen Gemeinschaft erfährt
, und dadurch, aber auch durch sonstige Lebenserfahrungen
Frömmigkeit entsteht, die in Familie und Kirche gepflegt werden
muß, weil sie allein der gefühlsmäßige Ausdruck des Erfaßtseins von
höchsten Werten und Pflichten und damit von der eigentlichen

H e C k e 1 , Theodor Zur Methodik des evangelischen Religions- und 5). Maßgebend für den Erzichungsprozeß ist der Einfluß der ver-
unterr'ichtes München • Uhr Kaiser 1028. (116 S.) gr. 8°. RM3-. j schiedenen sozialen Gruppen (Familie, Schule, Kirche u. a. Kap. 6),

Weil das 'Evangelium immer einem bestimmten ^ren Erziehungsnr„

wen ua> ndiij,v.iiuin Gewinnung unmittelbarer Erfahrung und geordneter Erkenntnis (Kap 7

Personenkreis vermittelt werden soll, üarum ist aie ineo- , und 8)_ und djc Einordnu„„ rfttUcber Verfehlungen in den Erziehungs
logie nicht nur am Inhalt einer Lehre, sondern auch > pro/c.ß (Kap 10) Die Aufiösung der Vor-Urteile (im wörtlichen

am Zwischenweg selbst, an der Methode interessiert. ; Sinne) führt aus der Tradition zur Freiheit und zu immer klarerer

Dieses Anliegen als ein theologisches ist der Anlaß zu
H s Buch. H.s Front ist eine doppelte. Die eine Abwehr
gilt der bloßen „Methodik des Wissens", welche ihre
Kunst in der Behandlung der Sache erschöpft. Die
andere entscheidendere Abgrenzung erfolgt gegenüber
der rein formalen, psychologischen Methodik. Dies doppelte
Anliegen hat etwas tief berechtigtes: Von der y>ache, Wirklichkeit ist.
vom Evangelium her ist evang. R. U. zu entwickeln, .
doch so daß er an der Wirklichkeit des Menschen nicht i Dem Vf. ist zuzustimmen, wenn er betont, daß
vorübergeht Praktisch heißt das: Der Lehrer hat beim Religion (R) das Entscheidende im Leben ist (S. 64)
zweiten anzusetzen. In einem „somatischen" Teil des und höchste soziale Beziehungen in sich schließt
R U's hat er Sprache Religionswirklichkeit, Erschei- , O Z81); weiter, daß der Wille Gottes keine äußere
nungen und Erschütterungen im Kindesleben flüssig zu ein- für allemal fertige Autorität ist, sondern um seine
machen und bis zur „Frage" zu vertiefen, auf die dann . Erkenntnis und Erfüllung standig im Leben gerungen
der Lehrer nie in Vorbereitung des Evangeliums durch werden muß unter Verzicht auf falsche Lösungen durch
Relio-ion sondern stets im Gegensatz beider, Gott zu be- i Weltflucht und mystische Ekstase. So wird mit Recht
/eueren hat i R- E- lediglich als Zusatz zur allgemeinen Erziehung
"Diese (S 9--4S) sorgfältig unterbauten Grundgedanken abgelehnt (S. XVII), ihre Durchführung nicht auf die
wendet dann H auf praktische Einzelaufgaben (S. 49 Kirche beschränkt, sondern eine Zusammenarbeit aller
bis 116) an welche sämtlich dem Bibclunterricht ent- ! Erziehungsgruppen verlangt (S. 154). Ferner ist zum
nommen sind Wie das Unterrichtsziel nach dem Sko- ; großen Teil dem zuzustimmen, was Vf. über Jugend-
pus der Bibelstelle gebildet sein muß (S. 62), so nor- gemeinde und Konfirmation (S. 263 f.), religiöse
rniert überhaupt der innere Gehalt der Sache selbst den ■ Zweifel (S. 212), Bekehrung (S. 257), Gebet (S. 312).
Unterricht. Darum wird das Skandalon der Bibel nicht zu ' Gottesdienst (S. 302), Bibel (S. 140 ff.) und das sexuelle
beseitigen sein, sondern auch im R. U. zunächst Ärgernis I Problem (S. 241 ff.) sagt.

erregen (S. 51) u. a. — Darüber hinaus wird der an Trotz dieser Zustimmung in vielen Einzelheiten
der Front des R. U.'s stehende Leser bis in zahlreiche einzelne muß Bedenken gegen den Ansatzpunkt der ganzen Unter-
Bemerkungen hinein (so zum Lehrplan S. 54 ff., zur suchung erhoben werden. Vf. weiß, daß R E nur
Frage des „lebendigen" R. U. S. 60ff.) dem erfahrenen jn cjner bestimmten R. möglich ist (S. 166). Dennoch
Verf. herzlich dankbar sein. spricht er, verleitet durch seine Ablehnung apriorischer
Ob freilich die Zwischenrede über die Lage der Psychologie (S. | Theologie zu Gunsten von Soziologie und Psychologie
34f.) zumal bei diesen Begriffsabkürzungen nötig und möglich ist, ; /e, 6) über R. im allgemeinen, wobei dann das spezifisch
sei dahin gestellt. Denn was ist das für ein „Glaube" der über das (;]„istliche erst als ein zweites hinzutritt Da der Vf

Wesen der Psychologie entscheiden soll? Und sind durch eine r, „if.-.pU cf,T7t mit snzinlem Healicmnc /e 7nv ' '
..Psvchologie auf reformatorischer Grundlage" (S. 48) nicht beide j^^LJSEL^!* .Ioz,a,em .."^/^ <S- 70 > s >
Komponenten in ihrer Reinheit bedroht? Liefert doch H.s Arbeit den *"« Ut vei seheilS bei ihm an die Stelle eines spezifisch

Erweis, daß eine Methodik des evang. R.U.'s gerade keiner solchen evangelischen Erziehungszieles (Gliedschaft in der GeStützen
bedarf. meinde Jesu Christi) ein sozialbestimmtes (Gliedschaft
Erlangen. W. Trillhaas. in einer immer mehr sich vollendenden sozialen Gemeinschaft
S. XVII), das erst durch die Gleichsetzunr

.._ 1*. r~L.. _ ve ii___ /r- ff f • ..... —. .. r»

Soares, Theodore Gerald: Religious Education. Chicago: Uni- j mit Gottes Willen (S. 236) seine religiöse Bestimmtheit

versity of Chicago Press 1928. (XX, 336 S.) 8". 2 $ 50 c. j empfängt. Dabei verkennt der Vf., daß Soziologie und

Angesichts des neuerwachten Interesses an der I Psychologie über Wesen und Ziel der R. E. nichts

Frage nach dem Sinn und der Möglichkeit evangelischer aussagen können. Wenn der Vf. doch zu Aussagen

Pädaeo<rik mag diese Schrift eines Amerikaners An- i kommt, so deshalb, weil er in seine Untersuchungen

repumr ZU weiterer Aussprache geben. Sie will die ! s«»en Glauben an die ständige Vorwärtsentwicklung

Theorie der religiösen Erziehung (R. E.) für den Theo- ; der Menschheit zu immer vollkommener sozialer Ge-

1 oeriestudierenden aber auch für sonstige Leser dar- meinschaft (S. 239) hineinträgt. Dieser beherrscht seine

teilen und verbindet mit grundlegenden soziologischen ganzen Ausführungen, Gott ist in aller sozialer Entwick-

und nsveholomschen Erörterungen wertvolle, praktische i bmg (S. 222). Dadurch bringt aber der Vf. die zuvor

Hinweise für& das Studium der R. E. und für eine | abgelehnte „apriorische Theologie", freilich mit anderen

relicriöe,. Aiitobiooranhie (s. die angehängten Bemer- ' Vorzeichen, wieder in die Untersuchung hinein und

^^J^SS^^ K^T ! ?B 2 bei Aussprache über Wesen und

Vf bestimmt als Wesen der R. E. „die Entwicklung i Ziel der R. E. ohne Theologie (allerdings nicht eine

von Persönlichkeiten die der höchsten sozialen Wohl- i apriorische, sondern eine Theologie des Glaubens) doch

fahrt verpflichtet diese als Gottes Willen erkennen" — I nicht geht. Der Ausgangspunkt der Untersuchung hätte

ferner als Methode der R. E. „die fortschreitende die Offenbarung sein müssen, durch die der Mensch

Richtung der lugend auf die Entwicklung der Fähig- zur Gemeinschaft Jesu Christi berufen wird, und die

keit, ihr Leben mit Rücksicht auf dessen soziale Aus- "lcllt Ende einer Entwicklung, sondern Erfüllung ist.
Wirkungen bewußt zu gestalten" (S. 236). Von seinem Ausgangspunkt kommt dann der Vf.

Vf. geht aus von dem Problem der Erziehbarkeit. Er lehnt j zu einer Reihe von Mißverständnissen. Autorität wird

die theologischen Theorien über die menschliche Natur (sündig-gut) rein äußerlich gefaßt (S. 229) Und Gehorsam als un-

ab, fordert den Ersatz der apriorischen Theologie durch induetive ; reife ethische Haltung oder als unkritische Annahme des

Psychologie und stellt als entscheidend die rkieinflußbarkcit der auferlegten Willens anderer bestimmt. Von Gottesfurcht

menschlichen Natur durch die soziale Gruppe I* (Ibgl), der das ; j t lediglich m Sinne von Angst vor Strafe die Rette

Kmd angehört und m d.e es durch Nachahmung .„„einwachst (Kap. >). wekhe rui.ch dk Ein,kht j„ & p0, * ™ JgJ^

ersetzt werden soll (S. 210). Von Sünde wird nicht,
sondern nur von moralischen Verfehlungen gesprochen^

gion vor sich gehen, also hier in der christlichen, welche heute mehr : die aber an Zahl geringer (!) seien als die Befolgung

durch das soziale Wirken, als durch Tradition bestimmt wird (Kap.4 | der Gebote (S. 188).

Die in der Gruppe geltenden Maßstäbe werden ständig durch neuentstehende
Ideale erhöht in der Richtung auf ein höchstes Ideal hin,
das Gott ist (Kap. 3). Die R. E. kann nur in einer bestimmten Reli