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Ausgabe:

1929

Spalte:

141-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schian, Martin (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Handbuch für das kirchliche Amt. 8. - 11. (Schluß-)Lfg 1929

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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142

Möglichkeiten ethisch-religiöser Bekehrung das T o d e s- j
gesetz in sich trägt, daß der „Kapitalismus", wie immer
seine Träger o-esonnen sind, notwendig „Mammonismus '
wird. Praktisch sehe auch ich keine anderen Wege
als Br. und kann darum insonderheit zu den Vorschlägen
seines letzten Kapitels nur ein ruckhaltloses
Ja sagen Aber in dem Gesamtklange des Buches
scheint mir ein dunkler Ton zu fehlen, der für die
Stellungnahme der lutherischen Ethik zu diesen Dingen,
neben und in aller Freudigkeit des Schöpfungsglaubens,
bezeichnend bleiben muß.

Wenn die Dialektik des Kapitalismus scharfer zum j
Ausdruck kommt, dann hat das natürlich auch für das
Urteil über den marxistischen Sozialismus als Weltanschauung
der Arbeiterschaft noch seine Konsequenzen.
Dann wird man fragen, ob eine Überwindung des
Sozialismus durch den Idealismus wirklich möglich ist.
ob man mit Br. die Arbeiterbewegung von dem Marxis-
ums gedanklich und sachlich scheiden kann; ob nicht
der Marxismus, so lange unsere CiGlisatdon mit ihren
unumgänglichen Wirtschaftsgesetzen währt, als der
schwere ^Schatten des Kapitalismus, als der Protest
wider das Todesgesetz der dämonisierten Wirtschaft —
ein Protest, der tri seiner Erscheinung selber ein Zeugnis
und Ausdruck des Todesgesetzes ist — unser Schicksal
bleiben wird und muß. Daß sich mit diesen Fragen '
auch Verschiebungen gegenüber Brunstads Philosophie I
der Kulturgeschichte, vor allem den Begriffen der Aufklärung
und des Idealismus und ihrem Verhältnis, ergeben
,"sei eben nur angedeutet. Auch in solchen Fragen !
und Einwänden tritt aber die Bedeutung und Kraft des j
Brunstäd'schen Buches noch einmal heraus. Wer wollte
in unserer Übergangszeit zu einem Gegenstande wie dem
Thema dieses Werkes das letzte, auf lange hinaus lö- I
sende Wort sagen? Wenn einer so konkret-sachkundig
und so grundsätzlich-geschlossen von dem Gegenstande
redet, daß er zur Besinnung auf das tiefste theologische
Thema unserer Zeit, das Verhältnis von Schöpfungswelt
und Sündenwelt, zwingt, dann hat er seine Aufgabe
erfüllt,

triaiigen. 1'. A Ith aus.

Handbuch für das kirchliche Amt. In Verbindg. in. zahlr. Mitarb
, u. m. Unterstützung v. Walther Buntzel hrsg. v. Martin
Schian. 8.—11. (Schluß-)Lfg. Leipzig: J. C. Hinrichs 1928.
(S. 449—700.) gr. S< je RM 3.60.

(vollständig RM 35.60; geb. 39.60.)
Nun liegt das Handbuch in einem ansehnlichen
Bande fertig vor. Es ist sehr schnell fertig geworden,
vielleicht zu schnell, wovon noch ein Wort zu sagen sein
wird. Wert und Brauchbarkeit eines solchen Lexikons
stellt sich ja erst in längerem Gebrauch heraus. Eine
vorläufige Durchsicht wird bestätigen müssen, was in
Aussicht gestellt war, daß es den Bedürfnissen des ev.
Pfarramtes dienen und dem Mann in der Praxis Auskunft
und Wegweisung bieten werde. So kann man die
Beiträge in solche einteilen, die mehr Auskunft, und in
andere, die mehr Wegweisung darbieten wollen; man
könnte'kurz sagen, in Ist/ und in Soll/Artikel. So weit
man sieht, sind alle Gebiete berücksichtigt, die den
Pfarrer angehen. Zu der ersten Klasse zählen etwa
folgende Gebiete: Statistisches, Volks- und Kirchenkunde
, Kirchenrecht, Innere und Äußere Mission,
Psychologie, Soziales, Wirtschaft, Naturwissenschaft, Religionsgeschichtliches
, Biographien, Kunst, Kulturelles
aller Art, Schule, kirchliche Verhältnisse in außerdeutschen
Ländern, vor allem natürlich das ganze Gebiet
des kirchlichen Lebens mit Amtshandlungen, Amtsbezeichnungen
usw. Zu der Klasse der normierenden Beiträge
zählen Gebiete wie Apologetik, Unterrichtsmethode
, Christentum und Volkstum, Predigt, Sitte, Sport
usw. Immer findet man eine knappe Auskunft und Wegweisung
, fast stets mit einer bis zu einzelnen Aufsätzen
durchgeführten Literaturangabe. Verweisungen hin und
her sorgen in der üblichen Weise für umfassendere
Orientierung. — Natürlich wird jeder für sein besonderes
Gebiet interessierte Benutzer allerlei vermissen; es
wird nicht immer Unachtsamkeit vorliegen, wenn dies
oder jenes fehlt, weil es sehr schwer sein mag, die
Grenzen zu ziehen und innezuhalten. Aber mancher
Mangel hat doch anscheinend die schnelle Bearbeitung
zum Grunde. Eine merkwürdige Tücke ließ gerade eine
Anzahl der bedeutendsten Namen gegenwärtiger Theologie
übersehen, während so mancher minorum gentium
erscheint. Sind zwei bedeutende Berliner Theologen
noch im Nachtrag untergekommen, so ist es doch mehr
als Marburger Fakultätspatriotismus, wenn mit Bedauern
das Fehlen von W. Herrmann und A. Jülicher festgestellt
werden muß. — Es scheint, daß ein alexandri-
nisch gesinntes Geschlecht mehr nach Sammel- als nach
Einzelwerken greift; so ist zu hoffen, daß ein schneller
Absatz bald zu einer neuen Auflage führt, die solche
Mängel beseitigen und neue Vorzüge anbringen kann.
Marburg. F. Nicbcrgall.

N leb ergall, Prof. D. Friedrich: Kurze homiletische Einführungen
zu den Alten Evangelien der Eisenacher
Perikopenreihen. Frankfurt a. M.: H. L. Brönners Verlag 1928.
(81 S.) 8°. = Homiletische Hilfsbiichlein. Schriftenreihe d. Verlages
d. Stoffsammlg. Christentum u. Leben, Nr. 1. RM 1.50.

Das Heft enthält Meditationen aus dem ersten
Jahrgang der Materialsammlung „Christentum und Leben
", je eine für jeden Sonn- und Festtag des Kirchenjahrs
, auch für besondere Anlässe wie Konfirmation,
Trauung, Taufe, Begräbnis. Manche sind sehr kurz (die
kürzesten 17—18 Zeilen); die längsten haben etwa
30—35 Zeilen. N. gibt Gedanken zu den alten Evangelien
, ohne sie irgend zu einem Thema oder gar einer
„Disposition" zuzuspitzen. Er „transponiert" dabei
(vgl. S. 66) aus dem geschichtlichen Verständnis in das
für die Gemeinde Brauchbare. Natürlich kann er immer
nur die erste Anregung und Anleitung geben und zwar
zu der Auswertung des Textes in einer ganz bestimmten
Richtung, außer der vielleicht auch andere denkbar
wären. Eselsbrücken sind diese kurzen Andeutungen
ganz und gar nicht; manchem werden sie weniger praktische
Leitung geben, als er haben möchte; aber das ist
,a gut.

Breslau. M. Schian.

Die Ehe.

Ihre Physiologie, Psychologie, Hygiene u. Eugenik.
Ein biologisches Ehebuch. Von Dr. M. Marcuse
Groß-Oktav. 1927. Geh. Mk. 18.—, geb. Mk. 20.-.

.Das Buch sei namentlich dem Seelsorger zu eingehendem
Studium empfohlen. In unserer verworrenen und zerrissenen
Zeit treten ihm Fragen des Ehelebens alle Tage entgegen
Ohne Kenntnis der biologischen Grundlagen wird er nicht
imstande sein, seinen Schutzbefohlenen richtig zu raten
und zu helfen. Je mehr Seelsorger und Arzt sich zu
gemeinsamer Arbeit im Dienste am Nächsten zusammenfinden
, um so mehr wird sich die Erkenntnis durchsetzen,
daß die Gebote wahrer Sittlichkeit und die Forderungen
der Gesundheitslehre eigentlich nie und nirgend sich widersprechen
. Der Arzt, der die Gebote sittlich-religiöser Art
verachtet, ist ebenso zur Wirkungslosigkeit verurteilt, wie
der Pfarrer, der weltfremd ohne Kenntnis der natürlichen
Lebens- und Daseinsbedingungen des Menschen seines
Amtes walten will.' Reformierte Kirchenzeitung.

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Anzeige einen ausführlichen Prospekt
kostenlos.

A. Marcus & E. Weber'sjjVerlag
Berlin W. 10, Genthinerstraße 38.