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Ausgabe:

1929 Nr. 5

Spalte:

115-116

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schornbaum, Karl

Titel/Untertitel:

Die Einführung der Reformation in der Stadt Hersbruck 1929

Rezensent:

Clauss, Hermann

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Seite 1

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115

Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 5.

11«

Darin nun, daß Luther den Kirchcngedanken auf die conini. s.
zurückgeführt habe, erkennt K. dessen erste und ursprüngliche »Großtat
" (S. 77), die Vollendung aber seirtCT Abkehr von der katholischen
Kirchenidee in seiner Lehre von den drei Hierarchien (S. 137
Anm. 1). Jene ist der termimis a quo, diese der terminus ad quem der
von K. verfolgten Entwicklung der Gedanken Luthers über die
Kirch«. In der Lehre von den drei Hierarchien aber, stellt K. fest
(ebenda), „wird die Unterscheidung der z.wei Schichten im Kirchenbegriff
voll wirksam. Die Grundschicht bedeutet Gottes Zielgedanken,
wie er schon Verwirklichung in den Herzen hat und doch noch weit
zurück ist in der bloßen Empirie der communio sanetorum. Alles
in der Welt ist bloß Mittel für sie, auch die Kultgemeinde. Neben
dieser sind Haus und Obrigkeit andere Mittel, äußerlichere und
doch auch, recht verstanden, nicht minder von Gott aus liebliche
... Auch an ihnen ahnt Luther, daß Gott auch in der Natur
Liehe ist . . . Wenn der Glaube nur darauf achte, so sehe er. daß
hinter allem Gottes Liebe stehe, in jeder Ordnung des Weltlehens
sich ausdrücke. Darum keine Weltflttclit, sondern Weltgebrauch"!

Ich scheide von dem lehrreichen Buche mit dem
herzlichen Wunsch, daß, wenn es auch wirklich die
letzte größere literarische Gabe seines Verfassers bleiben
sollte, dieser sich nach dem Abschluß seines reichen
wissenschaftlichen Lebenswerks noch lange eines freundlichen
Lebensabends erfreuen möge.

Bonn. O. Ritschi.

Schornbaum, Karl: Die Einführung der Reformation in
der Stadt Hersbruck. München: Chr. Kaiser 1928. (XII, 80 S,
u. 5 Tat.) gr. 8°. = Einzelarbeiten aus d. Kirchengesch. Bayerns.
Bd. 9. RM 3.20.

Die fränkische Landstadt Hersbruck gehörte zu
dem kurz vor der Reformation von der Reichsstadt
Nürnberg neuerworbenen Gebiet und war vorher pfälzisch
-bayrisches Gebiet gewesen. In kirchlicher Beziehung
zählte es zu dem nordfränkischen Bistum Bamberg
. Es wies zu Ausgang des M.-A.s ein reiches kirchliches
Leben auf, das in anziehender Weise geschildert
wird: Pfarr-, Spitalkirche und eine Michaelskapelle,
zwei Tochterkirchen zu Altensittenbach und Hohenstadt
; außer dem Pfarrer eine 1424 gestiftete Prädi-
katur, 7 Bcnefizien, mehrere Almosenstiftungen, ein
Seelhaus und ein Siechenhaus; Ablässe, zahlreiche Jahrtage
, drei Bruderschaften der Bäcker, Schneider und
Schuhmacher. Die Reformation wurde durch den Nürnberger
Rat eingeführt, u. zw. bereits 1525, unmittelbar
nach dein bekannten Rcligionsgespräch, das in Nürnberg
selbst zum Sieg der lutherischen Richtung geführt
hat. Nürnberg sandte den Augustinerprior Rer5 nach
Hersbruck, der die neue Ordnung der kirchlichen Dinge
durchzuführen hatte, und bis zu seinem Tod 1528 dort
blieb. Die Brandenburgisch-Nürnbergische Kirchenvisitation
sicherte den gemachten Anfang, und nachdem die
Personenfrage einige Schwierigkeit gemacht hatte, beginnt
mit M. Otto Körber, bis dahin Prediger an der
Nürnberger Katharinenkirche, 1532 die nicht mehr
unterbrochene Reihe der evangelischen Geistlichen zu
Hersbruck. Wie dies alles in fast ungestörtem Lauf sich
entwickelte, wie dann Hersbruck nach und nach der noch
an der alten Lehre festhaltenden Meßpriester sich in
schonender Weise entledigte, wie man sich mit Ansprüchen
, die von Bamberg aus an die Hersbrucker Pfarrei
gestellt wurden, auseinandersetzte, wie das Vermögen
der zur Einziehung kommenden Pfründen und der vorhandenen
Wohltätigkeitsstiftungen sorgsam verwaltet,
wie das Schulwesen der Stadt neu geordnet wurde, das
alles legt der Verfasser aus gründlichster Kenntnis aller
in Betracht kommenden Quellen, unter denen die Nürnberger
Ratsverlässe eine Hauptrolle spielen, eingehend
dar. Wir gewinnen einen Einblick in die kirchliche
Politik, die der Nürnberger Rat auch in seinem Landgebiet
in jenen Jahren verfolgte, und wie er in ihr mit
der Entschiedenheit und Festigkeit, mit der er zu Luthers
Sache stand, Klugheit und besonnene Mäßigung im
Vorgehen zu verbinden wußte. Die Sympathien der
Hersbrucker Bürgerschaft für das Evangelium offenbarter
; sich nicht in besonders hervortretenden demonstrativen
Handhingen, solche waren auch nicht durch

! irgend welche besondere Umstände veranlaßt. Aber wir
hören auch von keinen Widerständen, die in ihr gegen
die religiöse Neuordnung sich regten. — In den Beilagen
bringt der Verf. außer Korrespondenzen dankenswertes
Material über die Einkünfte der Hersbrucker
Benefizien und die von Sebald Hayden verfaßte latei-

i nische Schulordnung für die Schulen des Nürnberger
Landes. Fünf Bilder zeigen in trefflicher Wiedergabe
die Pfarrkirche und mehrere aus der besten Zeit der
Nürnberger Kunst stammende Altäre.
Günzenhausen. Hennann Clauß.

Adam, Pfr. D. Johann: Evangelische Kirchengeschichte der
| elsässischen Territorien bis zur französischen Revolution.

Straßburg: J. H. Ed. Hdtz 1928. (XIX, 598 S.) gr. 8°.

RM 25 -; Vorzugsausg. 30- -.
Das vorliegende Werk bildet ein Seitenstück zu des
Verfassers 1922 erschienenen Evangelischen Kirchengeschichte
der Stadt Straßburg. Es entspricht aber einem
! viel dringenderen Bedürfnis; ist es doch, wenn
man von kurzen Übersichten absieht, das erste zusammenfassende
Werk über die kirchliche Geschichte
der protestantischen Territorien des Elsaß. Bisher gab
es nur Monographieen über einzelne Gebiete, Städte»
Dörfer und einzelne Kirchenmänner, darunter so tüch-
, tige Arbeiten wie z. B. die von Kiefer über Hanau-
Lichtenberg, von Matthis über Saarwerden, von
Boch über das Steintal, während andere Gebiete wieder
, recht unvollkommen bearbeitet waren. Die Schwierig-
[ keit einer Zusammenfassung liegt darin, daß es sich um
eine bunte Masse verschiedenartiger Gebilde handelt,
etwa 16 größere und kleinere Grafschaften und Herr-
| Schäften, wobei mit Recht auch die an das Elsaß an-
1 grenzenden deutsch-lothringischen evangelischen Gebiete
! mit berücksichtigt sind, dazu 10 freie Städte, endlich
! eine ganze Reihe einzeln zu behandelnder ritterschaft-
| licher Dörfer. — Verf. hat nun zunächst alle vorgefundenen
Einzeldarstellungen verarbeitet, dann aber das
j Vorliegende weitgehend durch eigne Forschung ergänzt,
j Das Thomas-Archiv in Straßburg, die Bezirksarchive
von Straßburg und Colmar, das Nationalarchiv von
1 Paris, einzelne Stadtarchive, eine große Reihe von Pfarr-
| archiven, das Archiv der Brüdergemeine in Herrnhut
, die ungedruckten Briefe des Thesaurus Baumianus
haben ihm reichlich neues Material geliefert. Natürlich
I verteilt sich die eigne Forschung sehr ungleich auf die
einzelnen Gebiete. Fußt /.. B. die Darstellung der
Grafschaft Saarwerden fast ausschließlich auf Matthis,
i die von Hanau-Lichtenberg großenteils auf den Werken
von Kiefer und Klein, so ist dafür die Geschichte der
I württembergischen Grafschaft Horburg-Redchenweier
fast neu aus den Akten erstanden, fast überall aber das
Vorgefundene durch neues Material ergänzt. — Die Darstellung
umfaßt die 2 1 s Jahrhunderte von der Reformation
bis zur französischen Revolution, die mit den
alten Territorien auch deren Kirchentümern ein plötzliches
Ende bereitet hat. Nach einem sehr kurz, m. E.
zu kurz, gehaltenen allgemeinen Teil (S. 1—24), der
die allgemeine kirchliche Entwicklung des protestantischen
Elsaß, insbesondere die gegen den Protestantismus
gerichteten Maßnahmen der französischen Regierung
schildert, stellt Verf. die einzelnen Gebiete nacheinander
dar, innerhalb derselben wieder besondere
; Gruppen, z. T. sogar die einzelnen Dörfer. Neben der
' Einführung der Reformation kommen zur Darstellung
I Gestaltung und Entwicklung des Kirchenwesens, die
kirchlichen und gottesdienstliehen Ordnungen, die Kir-
I chenzucht, das Volksleben, das Sektenwesen; den dun-
kelsten Teil des Gemäldes bilden die überall sich wiederholenden
Gewaltsamkeiten und Schikanen der mit
der französischen Regierung im Bunde stehenden Gegenreformation
. Eine große Zahl von Namen wird dargeboten
, dabei aber, selbst bei so bedeutenden Männern
wie dem Steintäler Oberlin, auf den Versuch einer Charakteristik
verzichtet.