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Ausgabe:

1929

Spalte:

104-105

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Torm, Frederik

Titel/Untertitel:

Nytestamentlig Hermeneutik 1929

Rezensent:

Eidem, Erling

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Leiter und Organisator des ganzen Unternehmens, wollte
skh der Hymnen und metrischen Stücke annehmen, für
den Rest der griechischen Dokumente versprach Preisen-
danz aufzukommen und das Koptische sollte Q. Möller
besorgen. Es war beabsichtigt, den fremdsprachigen
Texten eine deutsche Obersetzung und einen ebensolchen
kurzen Apparat beizufügen. Was für die Bibl. Teubn.
bestimmt und daher lateinisch gehalten war, mußte zu
diesem Zweck ins Deutsche umgegossen werden. Als
der Krieg ausbrach, war der Text der vier oben genannten
Pap. (Paris., Mimaut, die beiden Berliner) fast
vollständig in Fahnen gesetzt — fast wäre niemals etwas
davon ans Licht getreten. Wünsch fiel, Abt und
Möller starben, aber die überlebenden Mitarbeiter und
der Verlag verzagten nicht. Neue Kräfte wurden gewonnen
in dem Theologen und Ägyptologen A. Jacoby-
Luxemburg und in S. Eitrem-Oslo. Auch das Programm
erfuhr keine Schmälerung. Alle bekannten Zaubertexte
— es sind 52 nichtchristliche und 12 christliche
— sollen erscheinen; dazu Übersetzung und Apparat
samt Einführung und Bibliographie mit Angabe der gebrauchten
Abkürzungen. Über letzteres beides kann man
sich in der Zwischenzeit unterrichten aus dem Aufsatz
von K. Preisendanz in dem Archiv für Papyrusforschung
VIII 1926, 105—167: Bibliographie der Zauberpapyri.

Der vorliegende erste Teil enthält sechs Nummern,
zunächst die erwähnten vier Pap.: I. Berl. 5025, II.Berl.
5026, III. Paris, Louvre 2391 (Mimaut), IV. Großer Pariser
Zauberpap. (Bibl. Nat. Suppl. grec S 574). Ferner
V. Lond. Pap. 46 des Brit. Mus. (ihm sind als Va drei
in Stockholm aufbewahrte Zeilen eines Offenbarungs-
zaubers beigefügt). VI. Lond. Pap. 47 des Brit. Mus.
Drei Tafeln geben zu II. III. und V. wichtige Zeichnungen
wieder. Die Fortschritte der Papyrusforschung
haben eine völlige Umarbeitung des Satzes, wie er 1914
gestanden hatte, nötig gemacht. Die Stücke I—III sind
erneut an den Originalen durchgeprüft worden. Auch
für IV konnten spätere Lesungen verwertet werden.
V und VI hat Preisendanz neu kollationiert und auf
Grund der bisher ihnen gewidmeten Literatur bearbeitet.

So besitzen wir jetzt einen Teil der griechischen
Zauberpapyri, und zwar den allerwichtigsten, in einer
Gestalt, die uns erlaubt, das sprach- und religionsgeschichtlich
wie volkskundlich wertvolle Gut, das dieses
Schrifttum birgt, vertrauensvoll zu verwerten. Die Bearbeiter
hätten uns das erleichtern können, wenn sie ihrem
ausgezeichneten Text einen kurzen sachlichen Kommentar
beigefügt hätten, etwa im Stil der Hollschen Epipha-
niusausgabe. Die Zaubertexte enthalten doch außerordentlich
Vieles, was selbst ein leidlicher Kenner nicht
ohne weiteres versteht und nur mit erheblichem Zeitaufwand
sich deutlich machen kann. Gewiß ist vieles überhaupt
noch nicht spruchreif. Aber Pr. und seine Mitarbeiter
hätten aus der Fülle der Einsicht und Anschauung
, die eine jahrzehntelange Beschäftigung mit ihrem
Gegenstand ihnen gewährt, uns gewiß nicht weniges
mit zwei bis drei Worten ins rechte Licht rücken können.
Doch wollen wir nicht unbescheiden sein. Was wir erhalten
haben, ist wirklich etwas, für das wir nur Dank
schuldig sind, ein Dank, dem auch die paar Bemerkungen
, die ich mir anzufügen gestatte, nichts abziehen
möchte.

I 56 das d(S(xa vtftf{köv ist kein hochgelegenes „Gemach", sondern
nach dein späteren Sprachgebranch ein ebensolches „Dach". 75 fordert
die Sachlage ja auch die Möglichkeit ungehemmten Verkehrs mit dem
Himmel. S. ebenso IV 2469. 2712. 1 63 ist 0-vfiiMt'&ioi' wohl
kein (irdener) Raucher a 11 a r , sondern ein Räuchergefäß, eine Räucherpfanne
, eine Räucherschale (so IV 2712), ein Rauchfaß. S. ebenso
IV 1908. V 227. 1 121 Muttpigeif bei Fluß und Meer nicht
„darauf" laufen, sondern hindurch laufen, wie die Israeliten durchs
Rote Meer. 1 125 i.vy>>og nicht „Licht", sondern „Lampe", die nach
II 145 f. Docht und Öl hat. Wenn II 171L übersetzt wird: die Zauberfigur
wird auf einen Fetzen gemalt und „in ein reines Licht gesteckt",
so kann das zu Mißverständnissen und abwegigen Deutungen führen,
die bei „Lampe" ausgeschlossen sind. S. ebenso V 2. 440. 453.
II 25 aamko; vom Opferhahn nicht „ungcfleckt", sondern „unbefleckt",
„makellos". - III 119 t/Jpr;»»; gmvq schwerlich der „hebräische Spruch",

sondern nach jüdischer Gewohnheit die Bat Kol, die Himmelsstimme,
Frsatz für die Gottheit selbst. III 2. 3 nviyeiv und nrtkif. besser
als „ersticken" wäre „ertränken". IV 368 ist „Gebete" für ivtoXul
gewiß aus „Gebote" verlesen. IV 775 Note 1033 Note ist
Crönert, St. Pal. Pap. 4, 19 aus 4, 101 verlesen. IV 1466 üid'ioS
„ewig", statt „unsichtbar". IV 246S noutp aritQaxtdv nicht „Kohlen
brennen", sondern „ein Kohlenfeuer anmachen '. IV 3060 gehört das
Komma hinter das zweite „der Himmel". V 154 di' Z'Auv nicht
„durchs All", vielmehr „durch und durch", „ganz und gar". V416L
wird ilagis dreimal mil „gnädig", statt „heiter"., „fröhlich" wiedergegeben
, vielleicht unter dem Finfluß des ütsto? 420. Mißverständlich
ist V 184 „das Gebet des Käsebrotes" und schmerzlich III 119 Note
der Origines. S. IX muß es für Papyri No. < .XXXVI CXXXIX
doch wohl lauten: XXXVI XXXIX.

Für die Sprache des N.T.s ergibt sich aus diesen
Pap. neben manchem anderen, daß AG. 1,18 Üuampew,
das man bisher auf ein Kaxita zurückzuführen pflegte, in
Wahrheit zu einem /axaw gehört. Vgl. Pap. IV 3074
atdijQoc Xaxö. ■ Eisen zerbirst- Dazu Corpus Hippiatri-
corum graecorum ed. Oder und Hoppe 1 1924 cap. 130,
121 ift.r/.riavtti öiakcnaZon (als Ind. Praes.) = Blasen
platzen.

Göttingen. V. B a nc r.

Torrn, Frederik: Nytestamentlig Hermeneutik. Köbenhavn
G. E. C. Gads Forlag 1928. (258 S.) 8°. 7 Kr. 50 ö.

In seiner Rektoratsrede vom Jahre 1922 hat Prof.
D. Ernst v. Dobschütz die programmatischen Worte ausgesprochen
: „Die Auslegung des N. T.s hat gerade in

, den letzten Jahrzehnten Erstaunliches geleistet. Um so
auffallender ist es, wie wenig sie Zeit gefunden hat, sich

: auf ihr Wesen, ihre Ziele und Wege zu besinnen . . .
Die sog. Hermeneutik, „einst die am lebhaftesten be-

I triebene Disziplin, dann zwei Generationen hindurch

! sträflich vernachlässigt, muß zu neuem Leben erweckt
werden" (Vom Auslegen des N.T.s, Göttingen 1927.
S. 5).

Dem Kopenhagener Neutestamentler, Prof. D.
Frederik Torrn gebührt das Verdienst, diese protestan-
tischerseits lange versäumte Aufgabe, die leitenden Prin-
j zipien für die Deutung der neutestamentlichen Schriften
■ im Zusammenhange darzustellen, wieder in Angriff ge-
i nommen zu haben. Nur als Versuch, der andere Forscher
zur Mit- und Weiterarbeit auf diesem Gebiete
i veranlassen möchte, will der Verf. sein Buch beurteilt
haben. Der Schwierigkeiten, die mit solchen allgemeinen
, methodologischen Erwägungen unzertrennlich
verbunden sind, ist er selber sich lebhaft bewußt.

Das Buch ist von praktischen Bedürfnissen des
akademischen Unterrichts hervorgerufen. Es entspricht
auch, m. E„ in vorzüglicher Weise diesem seinen
Zwecke, den Studenten als Einführung in die allgemeinen
Fragen, die die Deutung des N. T.s betreffen,
zu dienen. Die Darstellung zeichnet sich durch Klarheit
, sowohl als durch pädagogisches Geschick aus.
Auf die einschlägige wissenschaftliche Literatur wird
reichlich hingewiesen, doch in keiner Weise so, daß der
Leser Gefahr läuft, in Büchertiteln zu ertrinken. Ebenso
scheint mir der Verf. in dem Heranziehen von Beispielen
eine glückliche Mitte inne gehalten zu haben
zwischen einem zu viel und einem zu wenig. Drei
Jndices (griechische Wörter, Sachen, Forscher) erhöhen
die Brauchbarkeit des Werkes als Nachschlagebuch.

In einer einleitenden Abteilung (S. 7—37) hebt
der Verf. mit Recht hervor, daß die Hermeneutik, als
Lehre von der Deutung schriftlicher Erzeugnisse, im
Grunde nur als ein Spezialfall von dem Menschenver-
stehen im allgemeinen betrachtet werden kann. Er
betont, daß es nur praktische Rücksichten sind, die
die Aufstellung einer besonderen biblischen, bezw. neu-
testamentlichen Hermeneutik veranlassen. Energisch
tritt Verf. für die Auffassung ein, daß die Hermeneutik
sich nur mit einem intellektuellen Verstehen befassen
kann. Die Arten des Verstehens, die von der Sympathie
oder der Gleichgestimmtheit oder der eigenen Erfahrung
mitbedingt sind, dürfen für ein vollwertiges theoretisches