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Ausgabe:

1929

Spalte:

99-100

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Merzbach, Arnold

Titel/Untertitel:

Über die sprachliche Wiederholung im Biblisch-Hebräischen 1929

Rezensent:

Baumgartner, Walter

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Seite 1

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99

100

Venus als Morgenstern. |ÖP "Hin == Corvus; M. faßt

*"nn als Singular auf und sieht in dem i ein Chirek
compaginis. JV»3 (statt ps) = Saturn. höt? == Plejas.

->^Q2 — Orion. — Zodiakalzeichen, möglicherweise

Planeten; zur Entlehnung aus dem akkadischen mazzaltu
(manzaztu) „Standort" wäre noch H. Zimmern, Akkadische
Fremdwörter als Beweis für babylonischen Klilttireinfluß
S.62, zu zitieren. nl"lj$ (so gemäß un^oi'Qtn!) bei Theodotion

statt des massoretischen H1"1TD) vielleicht = Bootes; zur

Erklärung verweist M. im Anschluß an Erbt auf mazüru,
das im Akkadischen die Keule (des Walkers und des
Wäschers) bezeichnet; dabei wäre der Name des Oerätes
des Gestirnmannes auf das ganze Gestirn übertragen; zu
erwähnen ist noch, daß mazüru auch als Attribut des
Gottes Sin vorkommt (Br. Meißner, MVAG 1904, 3
S. 53). □V~!T'2 -™ Antares; so vokaüsiert M. das masso-

retische □"HT2, das er mit Duhm auch Jer. 18, 14

(□"HT = D"HT5 "p) findet, und versteht es als

Partizip Hiph il von BD), sodaß es „Regenbringer" bedeutet.
(°dcr richtiger nach dem Syrischen 3*"'! = Hyas. M.

geht am Schluß auch noch auf die zu Unrecht gefundenen
Sternnamen ein und behandelt in einem Exkurs: Wagengestirn
und „Himmelsband". Für die praktische Bedeutung
der Sterne für Zeitrechnung [und Wirtschaft in Palästina
ist jetzt noch zu vergleichen G. Dalman, Arbeit und Sitte
in Palästina 1,1 S. 14 f. u. s.
Hiddensee. Arnold Gustavs.

Merzbach, Dr. Arnold: Ober die sprachliche Wiederholung
im Biblisch-Hebräischen. Ein psychophysiologischer Versuch.
Frankfurt a. M.: J. Kauffmann 1928. (39 S.) 8°. RM 2.50.

Der Verfasser will die Ergebnisse der Hirnphysiologie
auf die hebräische Sprache anwenden, und zwar
außer dem Einfluß der Großhirnrinde, der „Rindenpersönlichkeit
", speziell denjenigen der tieferen Teile
des Gehirns, die „Tiefenperson", feststellen. Eben in
diesem Zusammenhang untersucht er die Erscheinungen
der gleichartigen Wiederholung, die sich als eine Durchbrechung
der gewöhnlichen Regulierung und Abstoppung
der motorischen Leistungen erklären lasse und
auf einen erhöhten Einfluß der tieferen Gehirnteile
zumckzugehen scheine und bei Mensch und Tier nicht
bloß in den Bewegungen, sondern auch in ihrer Sprache
zutage trete (S. 5f.). Er findet drei Gruppen solcher
Iterationen. Die erste als spontane Entladung eines
starken Affekts, namentlich der Klage und Verzweiflung
(S. 12f.). Die zweite als Intensivierung des Sprachinhaltes
, wo zum Affekt die Absicht der Verstärkung
hinzukommt (S. 13 ff.), bei eigenem Erleben und Empfinden
, bei Wunsch und Aufforderung, um die Zuverlässigkeit
einer Absicht oder die Sicherheit einer Zu-
kunftsverkündung auszudrücken. Die dritte als erstarrte
Affekte im Gesetz gewordenen Sprachgut (S. 23ff.):
Wortverdoppelung zur Distribution, Silbenverdoppelung
in Wortbildungen (Pilpelformen u. ä.), Verdoppelung
eines einzigen Konsonanten (Verba mediae geminatac,
bei denen es sich um optisch oder akustisch wahrnehmbare
Dauer- oder Wiederholungsvorgänge oder um
Empfindungsausdrücke und Gefühlsregungen handle).
Die sprachlichen Doppelungen aller Sprachperioden sind
somit Ausdruck und Maß des Erlebnischarakters der
Sprache und ihres Trägers, des Volkes (S. 34 f.).

Die Arbeit ist nicht ohne Interesse und die Sammlung
des hebräischen Sprachmaterials unter diesem Gesichtspunkt
jedenfalls dankenswert. Über ihre him-
physiologische Seite erlaube ich mir kein Urteil; Fachleute
bezeichnen sie mir als im wesentlichen zutreffend.
Als psychologische Erscheinung ist die Wiederholung
jedenfalls nicht bloß von jüdischen Kommentationen
gelegentlich erkannt, sondern auch von modernen
Gelehrten behandelt, z. B. mit reicher Materialsammlung
aus den verschiedensten Sprachen von O. Behaghd
„Zur Technik der mittelhochdeutschen Dichtung" jn
Sievers' Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache
und Literatur 30 (1905) S. 431—503. Aber gerade
wenn die Untersuchung über die rein psychologische
Betrachtung hinauskommen will, sollte sie nicht bloß
mit Physiologie, sondern auch mit moderner Sprachwissenschaft
vertraut sein; wie will sie sonst z. B. entscheiden
, wie weit Pilpelbildungen als echte Wort-
neubildungen in Betracht kommen (S. 10)? Und daran
fehlt es gänzlich. Der Verf. gesteht selber, nicht Linguist
zu sein (S. 8) und hat von den anderen semitischen
Sprachen offenbar keine Ahnung. Und die fehlende Vertrautheit
mit der sprachwissenschaftlichen Literatur —
nur Gesenius' „Lehrgebäude" wird zweimal zitiert —
wird auch durch die Kenntnis der jüdischen Kommentare
und der Kabbala (s. S. 37') nicht ausgeglichen.

So kann der Arbeit trotz gewisser Verdienste der
Vorwurf des Dilettantismus nicht erspart bleiben. Sachlich
unberechtigt ist die Ausscheidung solcher Wiederholungen
, die außerhalb der Menschensphäre liegen,
wie des zweimaligen Engelrufes oder des Trishagion
der Serafen usw. (S. 9). Auch die Ausscheidung der
rein intellektuellen Doppelungen (S. 11) ist zu ausschließlich
von der jüdischen Tradition bestimmt; das doppelte
„Amen" Mc. 5,22, das zweimalige „Unrein" der Aussätzigen
Lev 13,45, das dreimalige „Tempel Jahwes"
Jer. 7, 4 sind natürlich ebenfalls affektbedingt. Mag
auch die psychologische Betrachtung manche Streichung
solcher Wiederholungen überflüssig machen, so bleibt
doch eine Rubrik irrtümlicher Wiederholungen — die
für M. allerdings nicht zju bestehen scheint — und ihr
gehören Fälle wie der von Ez. 16,6, Dan. 5,25 u. a.
an (gegen S. 19f.). Und das „zerrissen, zerrissen ist
Joseph" von Gen. 37,33, das auf S. 13 unter den
Affektiterationen figuriert, enthält im Original doch eine
Verstärkung durch den absoluten Infinitiv, die nach
S. 9 gar nicht behandelt werden soll. Das schließtdche
Ergebnis aber, daß das Hebräische der Bibel nicht bloß
Buchsprache, sondern auch lebendige Sprache war
(S. 38), wird außer dem Verf. schwerlich jemanden
überraschen.

Giefien. VC. Ii a u in ga r t ner.

Goettsberger, Prof. Dr. Johann: Einleitung in das Alte
Testament. Mit 12 Bildern u. 4 Taf. Freiburg i. Br.: Herder &
Co. 1928. (XVIII, 522 S.) gr. 8°. = Herders Theologische Grundrisse
. RM 16 — ; geb. 18-.

Das Buch ist nach dem Vorwort „aus dem Unterricht
hervorgewachsen" und „vorwiegend nach den Erfordernissen
des Unterrichts angelegt". Es soll die erste
Orientierung auf dem Gebiete der alttestamentlichen
Einleitung bieten und für weitere Vertiefung durch ungewöhnlich
reichliche Literaturangaben die Wege weisen;
dagegen will es keine neuen Anschauungen darlegen.
Es ist ausgezeichnet durch vornehme Sachlichkeit gegenüber
fremden Ansichten, Übersichtlichkeit, Knappheit
und Klarheit des Ausdruckes, sowie durch große Reichhaltigkeit
.

Der erste Teil (S. 11—350), die spezielle Einleitung,
behandelt alle kanonischen Bücher der Vulgata; über die
Apokryphen ( Pseudepigraphen) gibt ein Anhang zur
Kanongeschichte ganz kurz Auskunft. Da der Verfasser
Katholik ist, ist seine Stellungnahme zu den Problemen
durch die Entscheidungen der päpstlichen Bibelkommission
der Jahre 1906 ff. begrenzt. Demgemäß refo-