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Ausgabe:

1929 Nr. 2

Spalte:

47

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rendtorff, Heinrich

Titel/Untertitel:

Gott wartet 1929

Rezensent:

Macholz, Waldemar

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 2.

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es zu sagen; er spricht aus eigenster Erfahrung, von ■ I^^^HflB^ROHHBHI^H

eigenem Standpunkt aus, streng sachlich, ohne die ge-
ringste Rhetorik; ich kann mir denken, daß gerade diese
ungeschminkte Selbsthingabe höchst eindrücklich gewirkt
hat. Die Predigt über „Kirche und Staat" ist Vollständig liegt vor
m. E. allzu knapp; die über das 6. Gebot gibt in ihrer
ganz schlichten Gedankenführung sehr ernsten Antrieb; !

mancher wird freilich nach konkreteren Linien gefragt . . _

haben. Eine Predigt großen Formats ist die Abschieds- tTYSlrlTIQr*htr^ I tP»YTtC*

predigt von Halle über „Amt und Person". Das Ge- 1^1 all CA IC

samtthema des Büchleins „Tod und Leben" schlägt am
stärksten durch in 2 Totensonntagspredigten. Bei B.s
höchst persönlicher Art begegnen natürlich Sätze, die
zum Widerspruch reizen; auch wird mancher meinen,
daß B. gar zu sehr schwarz in schwarz gesehen hat.
Aber Predigten, zu denen jedermann Ja sagt, wirken
nicht. Mir kam beim Lesen dieses Bändchens der Gedanke
, ob nicht wir Prediger im Allg. zu sehr dem I. Das „Denkmal memphitiscber Theologie",
Widerspruch aus dem Wege gehen. Wer diese Pre- der Schabakostein des Britischen Museums,
digten liest, trauert um des Verfassers Tod; er gab als

Prediger sich selbst, sich mit Ecken und Kanten, mit j ||. Der dramatische Ramesseumpapyrus, ein
Fragen und Nöten, mit starkem Nein und stärkerem § , , Thronbesteigung des Königs.

Ja. Auch wer ungezählte Predigtbande durch seine '
Hände gehen ließ, findet hier, was er sonst so noch i

nicht fand. I Von DR. KURT SETHE, Professor a. d. Univ. Berlin

zu altaegyptischen
Mysterienspielen

Breslau. M. S c h i a n.

VII, 208 Seiten m. 22 Taf. 4°.

Rendtorff, Prof. D. Heinrich: Gott wartet. 10 Reden. Berlin: Preis brosch. RM 75-, gebunden RM 80-.

Furche-Verlag 1928. (77 S.) 8°. = Stimmen aus d. deutschen

christl. Studentenbewegung, H. 55. RM 2—. Untersuchungen zur Geschichte und Altertums-
Es ist viel Gutes von den zehn „Reden" Heinrich Rendtorffs j Jjunde Aegyptens Band X.
zu sagen, die er Kieler Akademikern und Gemeindegliedern in ihrer ■
Heiligen Geist-Kirche hielt, durch den Nordmarksender weithin verbreitete
und jetzt unter dem Buchtitel „Gott wartet" zusammenfaßte. Der 1901 von B rea s t e d der Forschung erschlossene.
Man kann sich vorstellen, wie dankbar man der festen, männlichen j danach 1909 U von Erman untersuchte Text die
Führung dieses deutlichen Zielen zustrebenden klar gliedernden Pre- ; aufschlußreichste Quelle für den inneren Gehalt
db'crs folgte. Eine gehobene Volkstümlichkeit kennzeichnet sie. Sie • , D ,. . ,. cenau
sind nicht problematisch, obwohl gelegentlich auch Problemen nach- I ägyptischer Religion, die wir aus ältester Zeit begegangen
wird. Sie sind durchaus nicht rhetorisch etwa im Sinne sitzen, wird hier aufs neue eingehend untersucht und
Kögelscher Beredsamkeit, obwohl der „Redner" weiß, was rednerisch : b;s :ns ejnzc]ne erklärt. Die große Bedeutung die
wirkt. Ihre Eigenart ist auch nicht im besonderen eine tiefbohrei.de theologisch-philosophischen Spekulationen des
Textinterpretation, die sich in der letzten Erfassung und Ausschopfung J r, . ' . . . F " auonen ae8
des Textes nicht genug tun kann, obgleich Texteuslegung dem Textes für d.e Geistesgeschiehte der Menschheit zu

„Redner" gewiß ein wichtiges Anliegen ist. Die Volkstümlichkeit,
die R. anstrebt, ist freilich nicht ganz die, von der Hilbert neuerdings
nachdrücklich redet. Eine „Belehrung allein durch Schilderung von
Tatsachen", die „an Stelle von Gedankenreihen eine Abfolge von

kommt, tritt jetzt noch weit schärfer hervor als bisher
. Der bewußte Gegensatz, in den sieh diese Theologie
von Memphis, der von Menes gegründeten

Bildern" setzt, ist R.s Absicht nicht. Heims Predigtart ist nicht Hauptstadt des Alten Reiches, zu der älteren helioseine
Weise. Nur selten veranschaulicht er in breiter Bildhaftigkcit ' politanischen Theologie stellt, wird erst jetzt deutlich
oder in dramatischer Darstellung. Und auch im Einzelausdruck ist |in(j dam;t w;r(j j;e geraje ;„ letzter Zeit von ver-
er nicht immer von populärer Sinnenfälligkeit obwohl er vulgare 8chiedenen Seiten vertretene Meinung von dem relativ
Ausdrucksweise gelegentlich nicht verschmäht. „Nicht detimcren, . * .
immer beschreiben", diese Predigtregel geht R. zu weit. Dennoch | jugendlichen Alter dieser hehopol.tan.schen Theo-
ist R. volkstümlich. Denn er ist einfach und deutlich. Er wirkt logie widerlegt.

nicht durch überraschende „geistreiche" Erhellungen oder durch j •

kunstvoll geschliffene Sentenzen, sondern durch schlichte praktische : "er 2- Teil des Buches behandelt einen im Besitz

Eindringlichkeit, durch den Ernst aktiven Botschafterwillens, der von A. H. Gardiner befindliehen noch unveröffent-

sich in treffenden individualisierenden Anreden, die oft Schlag auf lichten Text allereigcnster Art. ein Festspiel zur Feier

Schlag erfolgen ausspricht durch geschickte Griffe »Ajrta^ und , der Thronbesteigung Sesostris L, das, aus uralten

Aufbauen, durch erleuchtende, aus feiner konkreter Beobachtung und es ...

echter Erfahrung stammende Vergegenwärtigung, die in knappem Bestandteilen zusammengesetzt, die eigentümliche

Hinweis, in kurzem Appell, aber auch in weiter ausholender Ent- ■ Durchsetzung der religiösen Zeremonien mit den

faltung Klarheiten schafft und oft garnicht alltägliche Wege führt. Elementen der Osirismysterien in überraschender

Ausdehnung zeigt.

Nur selten bin ich auf eine Ausführung gestoßen, die mir Konstruiertes
zu enthalten schien. Den Texten entsprechend (Heb. 1,1—2,
Luthers „Gelobet seist du, Jesus Christ", 2. Kor. 5,20, Eph. 5, 18,
Eph. 1,9 und 18, Luk. 14,16—24, Matth. 21,28—32, l.Kor. 13, 12,
Apgesch. 2,42, Joh. 14,19) ist die Mannigfaltigkeit der Predigtgedanken
nicht gering. Aber die Einheitlichkeit der Gesamthaltung;
ist zugleich wesentlicher Eindruck. Welche Kraft zur Rettung die
neutcstamentliche Verkündigung von der reinen göttlichen Setzung des VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN

Reiches der Gnade bedeutet, wie mächtig das echt und ohne Zutat „ - .... „ .

Reformatorische zu wirken vermag, dafür sind einige Predigten ein ÖIJLnriMIV.ULUIVVJ IIM LEIPZIG C 1

erquickendes Zeugnis. In anderen ist mir des evangelistischen Brückenschlages
zum (gemäßigten) Pietismus zu viel. Doch in diese systematische
Debatte einzutreten ist hier nicht der Ort. j ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Jena. Waldemar Machol/. i E^TELTOynX^

Titel, Inhaltsübersicht, Register usw. für den VII. Jahrgang des Bibliographischen Beiblattes
können erst Nr. 4 der ThLZ beigegeben werden,
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 2. Februar 1929.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Hainholzweg 62.
Verlag der J. C. H i n rich s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scheristraße (frühere Blumengasse) 2. — Druckerei Bauer in Marburg